Mit Castlevania: Lords of Shadow 2 begibt sich das Fantasy-Abenteuer auf das eher ungewohnte Terrain einer modernen, offenen Spielwelt und lehrt Protagonist Gabriel Belmont das Schleichen. Ob dies gute Voraussetzungen für ein würdiges Ende der Lords of Shadow-Trilogy sind? In unserem Test erhaltet ihr die Antwort auf diese und weitere Fragen.
Castlevania: Lords of Shadow spaltete damals die Gamer-Szene in zwei verschiedene Lager. Während eingefleischte Fans des Vampir-Universums sich darüber beschwerten, dass Lords of Shadow kein richtiges Castlevania mehr sei, konnte der Titel, der auf den ersten Blick wie ein Mix aus God of War und Shadow of the Colossus wirkte, bei der Presse weitestgehend positive Kritiken einfahren. Gründe hierfür waren vor allem das äußerst anspruchsvolle Kampfsystem sowie zahlreiche optionale Herausforderungen und Knobelaufgaben, die den Spieler mit Erfahrungspunkten belohnten, während zu enge und sehr oft schlauchförmige Levels bemängelt wurden. Speziell letzteres nahmen sich die spanischen Entwickler von MercurySteam offenbar zu Herzen und krempelten das Leveldesign in Lords of Shadow 2 in eine scheinbar offene 3D Welt um, was allerdings nicht die einzige Änderung am Spieldesign sein sollte. Doch werfen zunächst einen Blick auf die Story.
Quelle: PC Games
Castlevania: Lodrs of Shadow 2 im Test (2)
Lords of Shadow 2 setzt die Geschichte aus dem Vorgänger, der mit einem Cliffhanger endete, nahtlos fort. Gabriel Belmont, der nach dem finalen Kampf gegen Satan selbst zum Prinzen der Finsternis wurde, sein verzweifeltes Leben als unsterblicher Vampir fristet und sich fortan nur noch Dragon Dracula nennt, wacht nach knapp 1000 Jahren Schlaf in einer modernen Großstadt auf, welche auf dem Boden der ehemaligen Burg Castlevania errichtet wurde. Dort angekommen, trifft er auf seinen alten Wegbegleiter Zobek, der ihn darüber berichtet, dass Satan und die Fürsten der Schatten erneut auf der Erde gestrandet seien. Zobek bittet Gabriel erneut in den Kampf gegen Satan und dessen Gefolgschaft zu ziehen, um die Menschheit vom Übel zu befreien. Als Ausgleich dafür verspricht ihm Zobek den Tod und somit endgültigen Frieden, da dieser noch immer in Besitz des Vampir-Töters ist. Zögerlich willigt der nun in einem eher furchtbaren Zustand befindliche Dracula ein, bemerkt allerdings bald, dass ihm der Trip auch zu einer Vergangenheitsbewältigung führt, bei dem vor allem sein Sohn eine große Rolle spielt, den man bereits im Mittelteil "Mirrors of Fate" (welcher zwischen LoS und LoS2 erschien und gut 25 Jahre nach dem ersten Kampf gegen Satan handelt), beleuchtete.
Zwar wird die Story von Lords of Shadow 2 bis ins jede kleine Detail sehr spannend und nachvollziehbar mittels zahlreicher Cut-Szenen geschildert, doch kommt es immer wieder zu Situationen, in denen es besser wäre, wenn man Vorkenntnisse vor allem aus dem ersten Teil der Serie hat, zwingend notwendig ist dieses allerdings nicht.
Aus Licht und Schatten wird Leere und Chaos
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Castlevania: Lodrs of Shadow 2 im Test (6)
Angestachelt von der endgültigen Erlösung, macht sich Gabriel nun also auf den Weg die Standorte der dunklen Fürsten auszumachen. Am grundlegenden Prinzip, sich in Massenschlachten mit zahlreichen Schergen der Finsternis zu messen, hat sich auf den ersten Blick erst einmal nichts geändert, sieht man mal von der Tatsache ab, dass Gegner nun respawnen, wenn man bereits durchquerte Gebiete noch einmal besucht. Das äußert motivierende Kampfsystem, welches den Spieler nur dann mit Orbs für magische Waffen belohnt, wenn er mehrere Kombos absolviert und dabei nicht vom Feind getroffen wird, wurde auch in Lords of Shadow 2 mit übernommen, die lästigen Quick-Time-Events bei Finishing Moves kann man dagegen optional im Menü ausschalten. Mit der Hauptwaffe, der Schattenpeitsche metzelt man sich nun durch zahlreiche Horden von Gegnern, die allerdings gegen gepanzerte Supersoldaten oder gegen Gegner, die sich besonders schnell bewegen, nahezu wirkungslos ist. Nun gilt es Orbs, die hier als Blutsphären betitelt werden, aufzusaugen um Lebensschwert und Chaoskrallen aktivieren zu können. Was im ersten Teil noch als Licht und Schattenmagie bezeichnet wurde, ist nun Leere und Chaos, beides Kräfte, die man aber nicht nur im Kampf anwenden wird.
Denn bilden Leere und Chaos auch die Grundlage für das eine oder andere "Rätsel". Während man mit dem Lebensschwert sowohl Gegner als auch spezielle Umgebungen, wie beispielsweise einen Wasserfall, in Eis gefrieren kann und welches bei jedem Treffer verloren gegangenen Energie wieder auffrischt, wirft man mit der Chaosmacht explodieren Bomben um sich. Doch liegt der Focus der beiden magischen Kräfte eindeutig mehr auf die sehr gut abgestimmten Kämpfe, bei denen vor allem Flexibilität belohnt wird. Denn mit jedem niedergestreckten Feind und auch dem Zertrümmern von Umgebungsobjekten, erhält der Spieler Erfahrungspunkte, die er dann gegen neue Moves für seine drei Hauptwaffen eintauschen kann. Hat man eine neue Kombo freigeschaltet und benutzt diese auch des öfteren, erhält man Orbs für das Beherrschungs-Level, welches bei Upgrade einen noch wilder und furchtloser metzeln lässt. Wer sich also stets auf ein und die selbe Angriffskombination versteift, könnte selbst im normalen Schwierigkeitsgrad irgendwann vor ernsthafte Probleme gestellt werden, auch weil dort die erneut sehr packend gestalteten Endboss-Kämpfe eine wahre Kraftprobe darstellen.
Zeitsprünge in einer nicht immer offenen Spielwelt
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Castlevania: Lodrs of Shadow 2 im Test (7)
Aufgrund der Tatsache, dass Gabriel nun an zwei verschiedenen Fronten kämpft, nämlich einmal in der Gegenwart und einmal in der Vergangenheit, bekommt der Spieler folglich nun auch zwei verschiedene Settings geboten, die sich aus der mittlerweile zerstörten Burg Castlevania und einer nicht namentlich erwähnten Großstadt ergeben. Der Wechsel zwischen beiden Ebenen erfolgt dabei entweder automatisch durch den Storyverlauf oder durch ein Wolfssymbol, welches sich an speziellen Punkten der jeweiligen Spielwelt befindet und einen weißen Wolf erscheinen lässt, welcher dann in die andere Zeitepoche führt. Das Ganze erinnert ein wenig an die Zeitportale aus dem zweiten Teil der Prince of Persia Trilogie und wie auch bei Warrior Within entpuppt sich die scheinbar offene Spielwelt, erst als wirklich offen, wenn man alle nötigen Kräfte besitzt um spezielle Bereiche zu erreichen. Dazu gehört neben den beiden magischen Waffen, auch die Fähigkeit sich in Nebel zu verwandeln, um durch Gittertore oder durch Lüftungsschächte zu gelangen. Ansonsten durchquert man die im zweiten Teil nun weitaus größeren und offeneren Levels mittels Sprung- und Kletterpassagen, die Dank funkelnden Fledermäusen und leuchtenden Symbolen auf Knopfdruck, nicht besonders anspruchsvoll ausfallen und eher als ruhiger Ausgleich zwischen den zum Teil brachialen Kämpfen dienen.
Der Spielablauf selbst gestaltet sich allerdings nach wie vor als strikt linear und bereits durchquerte Bereiche bieten bis auf Sammelgegenstände sowie dem Aufleveln von Magie- und Lebensleiste kaum etwas Vorzeigbares um sie noch einmal zu durchforsten. Positiv an dieser Stelle ist hingegen, dass die Macher wieder auf eine frei justierbare Kamera setzten und nicht wie im Vorgänger auf eine fixierte, somit jeder noch so kleine Winkel besser zu erkunden ist. Das Abgrasen der einzelnen Areale sowie das Besuchen eines Shops in dem man auch die eine oder andere Kampf-Challenge nach Freischaltung absolvieren darf, ist auch noch nach dem Abschluss der gut 15stündigen Kampagne möglich. Leider verzichteten die Macher bei LoS2 auf die optionalen Rätselaufgaben und Mini-Games, die man noch im ersten Teil so sehr mochte, eine Partie Vampir-Schach wird man also nicht noch einmal spielen dürfen. Die zu lösenden Aufgaben, die man diesmal zwangsläufig absolvieren muss, wie beispielsweise ein Brückenschalter-Rätsel oder das Zusammensetzen des zerbrochenen Schicksalsspiegels, sind hingegen äußerst primitiv und teilweise auch richtig einfallslos.
Dracula kopiert die Fledermaus
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Castlevania: Lodrs of Shadow 2 im Test (8)
Um Lords of Shadow 2 mit einem völlig unerwarteten Gameplay-Element zu erweitern, entschlossen sich die Macher in den Fantasy-Prügler die eine oder andere Schleichpassage mit einzubauen. Das so etwas durchaus funktionieren kann, bewies bereits Ubisoft im dritten Teil der Prince of Persia Trilogie. Doch anstatt sich an The Two Thrones zu orientieren, wo man mittels Steath-Kills reihenweise Gegner lautlos dem Boden gleich machte, im Falle von Dracula hätte man ja auch auf Beiß-Attacken setzen können, kopierte man das Spielprinzip der Arkham-Trilogie von Batman. Mittels Schattendolch und Fledermausangriff gilt es scheinbar übermächtige Wächter abzulenken, um sich von hinten mittels Schattenmagie in deren Körper zu schlüpfen um dann verschlossene Tore zu öffnen. Alternativ gibt es aber auch Passagen, in denen man nicht in den Körper von Gegnern, sondern in denen einer Ratte schlüpft. Hier gilt es nun, ganz wie der Fledermausmann Batman, seinen Weg durch Luftschächte zu suchen und gegebenenfalls das eine oder Hindernis zu überspringen oder beispielsweise Stromkästen zu sabotieren. Im Grunde genommen sind beide Vorgehensweisen nicht von Grund auf schlecht, doch gibt es zwei nicht unwesentliche Punkte, die das Ganze überflüssig und teilweise auch richtig nervig erscheinen lassen.
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Castlevania: Lodrs of Shadow 2 im Test (10)
Zum einen versagt genau an diesen Stellen, das ansonsten sehr gut gestaltete Level-Design, welches uns nahezu in engen Räumen einzwängt. Daraus resultiert sich, dass es stets nur eine mögliche Vorgehensweise gibt, was den Stealth-Parts den kompletten Reiz nimmt. Befolgt man nicht strikt den Anweisungen des Drehbuchs, so fangen die Wächter wie blöd um sich zu ballern, oder man stößt auf Punkte, die überhaupt keinen Sinn ergeben, ein Beispiel. Man hockt mit Dracula auf einer leicht erhöhten Position und blickt auf ein Labor in dem man ein Gegengift besorgen muss und welches von außen von einem Wächter bewacht wird. Im regelmäßigen Abstand betritt ein Wissenschaftler die Tür des Labors. Man verwandelt sich nun in eine Ratte, läuft die Erhöhung durch einen Schacht herunter und anstatt gleich mit der Ratte durch die öffnende Tür zu laufen, durch die der Mitarbeiter läuft, stößt man auf eine unsichtbare Grenze und muss erst umständlich sich in Dracula zurückverwandeln und dann in den Körper des Wissenschaftlers schlüpfen. Glücklicherweise tauchen die Sequenzen mit Wächtern und Ratten nur in der Gegenwart auf. In der Vergangenheit trifft man zwar auch auf zwei Schleichpassagen, doch wurden diese weitaus besser umgesetzt. Einen logischen Sinn macht die vorsichtige Herangehensweise allerdings auch in der Vergangenheit nicht, tritt man nur wenige Minuten nach dem Versteckspiel gegen beide Kontrahenten in einem offenen Kampf an.
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Castlevania: Lodrs of Shadow 2 im Test (11)
In Sachen Technik präsentiert sich Lords of Shadow 2 ähnlich stark wie sein Vorgänger. Speziell die Abschnitte in denen man in der Vergangenheit unterwegs ist, den ersten Mal seinen Blick auf die verschneite Burg Castlevania von außen richtet, lassen einen warm ums Herz werden. Tolle Lichteffekte in den Innenräumen der zerstörten Burg und ein gelungenes Art Design lassen einen des öfteren genauer hinschauen. Die Parts in der Gegenwart fallen hingegen optisch ein wenig ab. Sowohl die Straßenzüge als die Innenräume, zum Beispiel im Wissenschaftsviertel schauen stets gleich aus und an mancher Stelle blickt man auf grobe Texturen. Beim Gegner-Design gefallen die monströs gestalteten und zum Teil skurrilen Endbosse, während das einfache Fußvolk nicht ganz so abwechslungsreich und hübsch gestaltet wurde wie im Vorgänger. Positiv sollte man dagegen noch erwähnen, dass egal wie hoch die Anzahl der Gegner auf der Bildfläche ist, gegen Ende des Spieles können dies schon mal gut und gern ein Dutzend sein, die Bildrate konstant flüssig läuft und die sehr saubere Trefferabfrage keinen Anlass zu negativer Kritik bietet. Der Sound fährt, wie schon in Teil eins, mächtige Geschütze auf. Die Musik gefällt durch altertümliche Chorgesänge und sanften Melodien in der Vergangenheit, während man in der Gegenwart den Soundtrack mit dezenten Elektroklängen abstimmte. Für die superbe englische Vertonung von Gabriel Belmont konnte man sich erneut die Dienste von Schauspieler Robert Carlyle sichern, auf eine deutsche Sprachausgabe verzichtete Konami hingegen wieder, was aber nicht wirklich stört.
