Knapp zwölf Jahre nach Erscheinen des von vielen Spielern hochgelobten Final Fantasy X versorgt Square Enix die Fangemeinde mit einem HD-Remake des Klassikers. Neben der direkten Fortsetzung des zehnten Teils, nämlich X-2, enthält es auch noch einigen Zusatzcontent, der hierzulande nie erschien. Ob die HD-Umsetzung gelungen ist, lest ihr in unserem Test.
Hinweis: Die PS-Vita-Version testen wir separat in einem eigenen Review, das zu einem späteren Zeitpunkt erscheint.
Von Tidus Blitzballkarriere über Yunas Girl-Group
Quelle: Square Enix/PC Games
Final Fantasy X/X-2 HD im Test (1)
Tidus, ein junger, gutaussehender Bursche, ist der Starspieler der Zanarkand Abes – einem der erfolgreichsten Blitzball-Teams in ganz Spira. Die Unterwasser-Sportart steht klar im Mittelpunkt seines Lebens (und Final Fantasy X) und er begeistert dadurch sein schmachtendes Publikum. Innerlich begleitet ihn aber ein großer Hass auf seinen verschwundenen Vater Jekkt. Als es dann während eines Blitzballspiels zur großen Katastrophe kommt, stellt sich Tidus Leben fast vollständig auf den Kopf. Die mächtige Kreatur Sin beginnt Zanarkand zu zerstören und es gelingt Tidus mit dem geheimnisvollen Auron einige der Sin-Schuppen zu besiegen. Dennoch verschlingt es die beiden und von hier aus beginnt eine Odysee 1.000 Jahre in der Zukunft des Kontinents Spira.
Zwei Jahre nach der angetretenen Reise um Sin zu besiegen, ist die Stille Zeit in Spira eingekehrt. Hier setzt die Handlung von Final Fantasy X-2 an. Eine friedliche und ruhige Zeit möchte man meinen. Die Menschen der Welt setzen auf Maschinen und versuchen den Gebrauch auch in Spira zu vermehren. Das ehemalige Medium Yuna ist in Begleitung von Rikku und Paine auf der Suche nach einem jungen Mann, der Ähnlichkeiten mit Tidus hat. Das Problem bei Final Fantasy X-2 ist die etwas weniger tiefgründige Handlung. Vor allem die Charaktere fallen in ihrer Tiefgründigkeit im Vergleich zu X etwas zurück.
Sphärobrett oder Levelaufstiege?
Quelle: Square Enix/PC Games
Final Fantasy X/X-2 HD im Test (4)
Vom Gameplay her könnten X und X-2 unterschiedlicher nicht sein. Während Final Fantasy X auf rundenbasierte Kämpfe setzt, ist dieser in X-2 etwas abgeschwächt. Das liegt daran, dass man sich bei der Fortsetzung auf die Rückkehr des ATB-Balken verständigt hat. Während man also in FFX noch im Kampf planen und überlegen konnte, nimmt der ATB-Balken in X-2 diese "Ruhe" aus dem Spiel und setzt den Spieler in den Kämpfen mehr unter Druck. So agieren auch die Gegner nach diesem Prinzip und es kommt zu actionlastigen Kämpfen. Beide Kampfsysteme haben ihre Vor- und Nachteile. Da Final Fantasy X-2 vornehmlich auf das Wechseln von Kleidern (die jedes ihre eigenen Fähigkeiten haben und so zum Kampf beitragen) setzt, kommt das Kampfsystem recht gut zum Tragen und sorgt im späteren Spielverlauf für ähnlich strategisch ausgelegte Kämpfe, wie in X.
Auch vom Levelsystem sind die beiden Spiele unterschiedlich aufgebaut. FF X nutzt das sogenannte Sphärobrett, welches wirklich gigantische Ausmaße hat. Auf diesem geht man Pfade entlang und setzt die Sphäroiden (die Kraft, Magieabwehr etc. verbessern) in den Brettern ein und verbessert so seinen Charakter. Kommt man z.B. auf ein Ability Feld, so braucht man nur ein entsprechendes Sphäroid und kann die Fähigkeit erlernen, die für Kämpfe nützlich sind. In X-2 gibt es hingegen die guten alten Levelaufstiege. Hat man genug Erfahrung durch das Besiegen der Monster erhalten, steigt man ein Level auf und die Grundwerte der Charaktere steigen automatisch an. Das interessante bei X-2 sind eher die Kleider. Nutzt man diese im Kampf, erhält man Fähigkeitspunkte und erlernt nach und nach für jedes Stück seiner Garderobe neue Kampftechniken. Die an X-2 anknüpfende "Last Mission" agiert ebenso mit den verschiedenen Rollen, die man durch andere Kleidung annimmt. Hier ist aber kein rundenbasiertes Kämpfen sondern Echtzeit angesagt, während man sich aus der Vogelperspektive durch die optisch nicht umhauenden Dungeons bis zur Spitze durchschlägt.
Inhalte der HD-Remaster und Cross-Save-Funktion
Quelle: Square Enix/PC Games
Final Fantasy X/X-2 HD im Test (5)
Kommen wir zum wichtigen Teil, dem Inhalt der Disc bzw. der HD-Remaster. Spieler, die nur mit der westlichen PAL-Version spielen konnten, werden sich nun über die Auslegung auf die internationale Version freuen. Heißt konkret: mehr Bestia (Monster, die einem im Kampf unterstützen), mehr Abilities und auch härte Bossgegner. Wer also die westliche Version des Spiels bis zum geht nicht mehr gespielt hat, kann sich auf neuen Content freuen. Neben diesen "Kleinigkeiten" hat man noch die etwa fünfzehnminütige Full-Motion-Sequenz Eternal Calm mit draufgepackt, die bisher nur der japanischen Int-Version als Bonus zur Verfügung stand. Eternal Calm erzählt die Geschichte, die X mit X-2 verbindet. Außerdem gibt es noch "Last Mission" als Beilage. Hier bewegt man sich durch 80 Etagen (Dungeons) und versucht bis oben zu einer "Belohnung" zu kommen. Hört sich nicht schlecht an, rollt die Geschichte um Tidus und Co. aber nicht großartig weiter auf.
Mühe hat man sich dann auch noch bei Final Fantasy X gemacht. Der komplette Soundtrack des Spiels wurde extra für die HD-Remaster nochmal neu aufgelegt. Dabei hat man die alten Stücke etwas aufgewertet, aufgehübscht aber im Grunde nicht weit verfälscht. Die poppigen Kampftacks wissen zu gefallen und auch das mir in Erinnerung gebliebene Prelude-Theme ist etwas schöner anzuhören. Über Geschmack kann man sich wahrlich streiten, da man einige Tracks vielleicht im Original besser fand. Doch das wichtigste hat man erhalten: Die Stimmung. Selten ist ein Soundtrack so gut und so dynamisch in einem Spiel und trägt herrlich zur Atmosphäre bei. Erwähnenswert ist noch, dass die HD-Remaster auch auf der PlayStation Vita gespielt werden kann (wer sie Retail kauft, bekommt X-2 als Download-Code). Zudem unterstützt das Spiel die Cross-Save-Funktion. Wer Tidus, Yuna und wie sie nicht alle heißen mit in den Bus nehmen möchte … nur zu!
Grafischer Aufwand und ein paar Kritikpunkte
Quelle: Square Enix
Final Fantasy X/X-2 HD im Test (6)
Grafisch merkt man dem Spiel das neue Gewand an. Das Beste: keine störenden PAL-Balken. Durch die zusätzliche Anpassung von 4:3 auf 16:9 ist das Bild nicht gedrungen (was wir in unserem damaligen Review bemängelt haben), sondern wirkt natürlicher. Zudem hat man den wichtigsten spielbaren Charakteren und NPCs ein neues HD-Gewand spendiert. Detailliertere Texturen und allgemein die durchweg gut aussehenden Charaktere (bis auf Ausnahmen) machen schon etwas her. In FFX-2 merkt man den Unterschied im Vergleich zu FFX auch sehr gut. Mimik und Bewegungen sehen nicht mehr ganz so hölzern und steif aus.
Kritikpunkte gibt es aber auch. Wenn man bei der Story anfängt, so merkt man Final Fantasy X-2 an, dass dort die Luft raus ist. Final Fantasy X hingegen sorgt mit einer wendungsreichen und komplexen Story sowie vergleichsweise tiefgründigen Charakteren für einige tolle Momente. Leider ist Final Fantasy X relativ linear und erlaubt selten andere Pfade abseits des vorgegebenen Weges zu beschreiten. Da ist der direkte Nachfolger anders und gewährt einem diese Freiheiten öfter. Doch dieser Punkt ist etwas zweischneidig: Lass ich mich lieber vom Spiel führen und verliere nicht den roten Faden, der mich intensiv durch die Geschichte des Spiels leitet? Oder habe ich die Freiheiten und muss mit Leerlauf in der Handlung leben? Wie dem auch sei, funktionieren beide Spiele auf ihrer Weise ganz hervorragend.
Technische Schnitzer leistet man sich bei der HD-Remaster nur bei normalen NPCs und unwichtigen Personen. Diese sind zwar "schärfer", detailliert aber beileibe nicht. Grade wenn Zwischensequenzen kommen, in denen Hauptcharaktere mit normalen (unwichtigen) Personen interagieren, fällt der Unterschied schon auf. Stellenweise kann man auch ein paar Clipping-Fehler vernehmen (z.B. Haare, die durch Kleidung gehen), welche aber nicht großartig auffallen oder störend sind. Störend ist aber, dass die Lippensychronität in einigen Situationen nicht gegeben ist und grade die deutschen Untertitel in vielen Fällen nicht mit dem übereinstimmen, was die Figuren auf Englisch so sagen. Gut, hierbei muss man dazusagen, dass man sich bei der Übersetzung nach der japanischen Sprachfassung gerichtet hat. Leider ist die japanische Tonspur nicht mit auf der Disc und grade das wäre für ein HD-Remaster sicherlich ein toller Bonus gewesen.
