Hearthstone: Heroes of Warcraft im Test: Blizzard mischt im Tradingcard-Genre mit

Test Sandro Odak
Hearthstone im Test: Blizzard mischt Tradingcard-Games auf - und zwar recht erfolgreich.
Quelle: Blizzard

Blizzard sitzt auf einem ganzen Haufen erfolgreicher Marken und Figuren. Nach langer Wartezeit gibt es nun endlich ein von Grund auf neues Spiel im Universum von Warcraft: Hearthstone ist ein Tradingcard-Game mit Murlocs, Orcs und den Charakteren von Blizzards reichhaltiger Spielwelt. Wir haben es getestet.

Blizzards Marken- und Figurenvielfalt ist riesig. Mit Warcraft 2 und Warcraft 3 bin ich im Strategie-Genre aufgewachsen, später prägte World of Warcraft meine "MMO-Sozialisierung". Ich war schon immer begeistert, wie sehr sich ein roter Faden durch die Spiele Blizzards zieht. Selbst Jahre später erinnere ich mich noch an Nebenfiguren und NPCs in WoW und weiß, dass sie irgendeine mehr oder minder bedeutende Rolle in der Kampagne der Strategiespiele innehatten.

Das Spielbrett ist simpel und einsteigerfreundlich aufgebaut. Quelle: Blizzard Das Spielbrett ist simpel und einsteigerfreundlich aufgebaut. Blizzards neuester Wurf entfernt sich von diesem Grundprinzip glücklicherweise nicht allzu weit. Im Kartenspiel Hearthstone: Heroes of Warcraft sind die Helden meiner Jugend und WoW-Zeit nun auf Sammelkarten gemalt, behalten aber ihre typischen Charakteristika. Die Kult-Spieleschmiede mischt nun das Tradringcard-Genre auf, bisher vor allem von Magic beherrscht. Und es klappt hervorragend. Auf iPad, Mac und PC läuft der Client mittlerweile, auf allen drei Plattformen überraschend gleich gut. Das Spielbrett war von vornherein als Multiplattformer geplant, passt deshalb auf den kleinen und großen Bildschirm. Ob man seine Karten nun per Mausklick verschiebt oder direkt durch ein Fingertatschen? Geschenkt! Der Multiplayer-Modus funktioniert daher auch über die Grenzen der eigenen Plattform hinweg: iPad-Spieler kämpfen gegen PC-User und umgekehrt. Das ist möglich, weil es eben überhaupt keinen Unterschied in Handhabung und Steuerung gibt.

Kluges Ressourcensystem

Damit man nicht von Anfang einer Runde an hammerharte Bosskarten rauspfeffert, sondern sich langsam an ein Spiel wagt, ist eine der schwierigsten Disziplinen von Tradingcard-Games. Oft ist das Spiel am Anfang nur ein Ressourcen-Aufbau, um später die hochwertigen Karten reinzuholen. Um diese langweilige Zeit zu überbrücken, verändert Blizzard das Spieltempo enorm. Jede Karte hat einen Manawert zwischen eins und zehn. In jeder Runde füllt sich das Mana in Form von Kristallen wieder auf, in den ersten zehn Runden kommt außerdem jedes Mal ein neuer Kristall dazu. So startet man also erste Scharmützel mit Level 1 Murlocs, bevor die Ritter Sturmwinds und Riesen Ogrimmars aufs Schlachtfeld treten.

Den Effekt kennt man aus Starcraft: Da kann die Verteidigung noch so gut sein, wenn der Feind in den ersten Minuten des Spiels mit einer Armee von Nichtskönnern ankommt, ist man ihm trotzdem ausgeliefert. Sprich: Wer zu Beginn einen Rush hat und Schaden austeilt, bevor der Gegner seine guten Karten ausspielen kann, hat eine gute Chance zu gewinnen – auch wenn der andere prinzipiell die besseren Karten fürs Endgame im Deck hat.

Simples Kampfsystem

D Eine Besonderheit von Hearthstone sind die Helden und ihre Spielerklassen. Quelle: Blizzard Eine Besonderheit von Hearthstone sind die Helden und ihre Spielerklassen. as simple Kampfsystem ist vermutlich der Grund, weshalb mich Hearthstone so fesselt: Die Fights sind einfach und schnell. Zwei Werte besitzt eine Karte: Lebenspunkte und Angriffspunkte. Wenn ich einen Feind angreife, ziehe ich ihm die Anzahl Angriffspunkte von den HP ab. Er macht im Gegenzug jedoch auch Schaden. So bleibt das Schlachtfeld aufgeräumt und eine starke Figur kann nicht im Alleingang den Feind ausknocken. Ziel sind aber nicht die Karten, sondern die Spielfigur des Spielers. Hat der Feind keine "Verteidigungskarten" (in Hearthstone heißt die Fähigkeit Spott), kann man direkt das Punktekonto des Kommandanten angreifen. Ist der erste Heldencharakter bei Null angekommen, endet das Spiel.

Die Helden sind natürlich alesamt auch bekannte Gesichter der Warcraft-Serie und unterteilen sich in Charakterklassen. Der Priester etwa hat eine Heilfähigkeit, mit der er seine Wunden gegen Manakristalle heilen kann. Riesigen Schaden repariert das sicher nicht. Dafür aber sorgt die Heldenfähigkeit in knappen Matches für den Unterschied zwischen Leben und Tod. Andere Helden können mir einem eigenen Schwert angreifen und fungieren als eine weitere "Dienerkarte" oder speien Feuerbälle.

Matchmaking im Free2Play-Zeitalter

Im Deckeditor baut man sich seine perfekten Karten zusammen - die besten muss man jedoch kaufen. Quelle: Blizzard Im Deckeditor baut man sich seine perfekten Karten zusammen - die besten muss man jedoch kaufen. Bis hier hin klingt Hearthstone vielleicht interessant – nach einem Millionenseller aber nicht. Der Knackpunkt: Hearthstone kostet erst mal gar nichts. Blizzard veröffentlicht das TCG als Free2Play-Spiel. Das Startereck gibt es gratis, weitere Decks kann man mit Siegen und Quests freischalten – oder sie gleich im Dutzend für echtes Geld kaufen. Im Prinzip eine faire Angelegenheit. Es gibt in den ersten Stunden eigentlich keinen Grund, an der Kartenverteilung zu zweifeln. Doch spätestens wer im kompetitiven "gewerteten" Modus mitspielen will, sieht sich mit einem Standarddeck im Nachteil gegenüber Deckkäufern. Deren Sammlung ist nämlich voll mit seltenen Spezialkarten.

Hier sollte das Matchmaking einschreiten und Spieler nach Deck-Qualität bewerten. Das geschieht aber anscheinend nicht hundertprozentig perfekt. Ob aus Zufall oder mit voller Absicht – im kompetitiven Spielmodus ist man förmlich gezwungen auch Geld für Karten auszugeben. Denn ein Deck mit nur wenigen seltenen und besonders starken Karten hat in dem rein Multiplayer-basierten Spiel keinen Wert.

Fair ist das Kaufsystem trotzdem, das liegt im Naturell des Genres. Spieler können nicht gezielt Karten einkaufen, sondern erwerben Päckchen, in denen ein paar normale und mindestens eine seltene Karte steckt. Wer Glück hat, kann sich ein zumindest anständiges Deck auch mit normaler Ingame-Währung kaufen und hält seine realen Kosten gering. Damit rechnen kann man aber nicht, denn der Zufall entscheidet, was für Karten man bekommt.

Meinung

Wertung zu Hearthstone (PC)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
Helden und Figuren aus Warcraftleicht verständliches Spielbretteinsteigerfreundlich und dennoch taff im Endgameflottes Spieltempo mit Manakristallenfaires Free2Play-Modellläuft auf PC, Mac und iPad ohne Unterschied
Bezahl-Decks sind ungleich stärker als Kostenlos-DecksMatchmaking klappt im kompetitiven Modus nicht immer fehlerfreikeine Verteidigungsfunktion für normale Karten
Fazit

Hearthstone ist ein ansprechendes Tradingcard-Game, das vor allem von der reichhaltigen Fülle der Warcraft-Welt profitiert.

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