Die erfolgreichste aller Rollenspielreihen, die "Elder Scrolls", verkaufte vom letzten Serienteil "Skyrim" sage und schreibe 20 Millionen Exemplare. Die Spieler lieben die von der Konkurrenz unerreichte Immersion und die schier unbegrenzten Möglichkeiten, bezüglich was man alles in der Spielwelt anstellen kann. Gleichzeitig genauso beliebt bleiben Onlinerollenspiele wie "World of Warcraft", kurz und knackig benannt mit dem kaum sperrigen Akronym "MMORPG". Hier sind eher die sozialen Features und der Wettbewerb zwischen den Spielern die Verkaufsargumente. Das Spielen einer Rolle, also das Eintauchen in die Geschichten, die die Spielewelt anbietet, hält in MMORPG nur auf. Umso spannender: Trotz der sehr unterschiedlichen Designs dieser beiden Spielegenres kam der Softwarekonzern Zenimax (Mutter des eigentlichen "Elder Scrolls"-Studios, Bethesda) auf die Idee zu einem Online-Ableger ihrer Hausmarke. Und setzt dabei auch noch auf das beinahe anachronistisch anmutende Abo Modell mit monatlichen Gebühren.
Gekauft werden kann ein Spielkonto beim Schlüsselhändler Eures Vertrauens für um die dreißig Euro. Wesentlich mehr, nämlich siebzig Euro, nimmt Zenimax für die »Imperial Edition«. Hier ist man bei der Charakterwahl nicht zwischen den Fraktionen eingeschränkt und bekommt ein kostenloses virtuelles Reittier geschenkt. Ob einem das die Preisdifferenz von vierzig Euro wert sein sollte? Eher nicht. Der richtige Begriff für diese Preisgestaltung ist wohl eher virtuelle Beutelschneiderei.
Im Spiel angekommen stammen die Charaktererstellung und der Einstieg direkt aus den klassischen »Elder Scrolls« Spielen – mit dabei alle bekannten und beliebten Kulturen und Rassen. Und natürlich mit dem für ein »Elder Scrolls« zu Spielbeginn obligatorischen kurzen Gefängnisaufenthalt.
Quelle: PC Games
TESO - The Elder Scrolls Online (19)
Nach dem Spielanfang erwartet uns der ganze gigantische Kontinent »Tamriel« zur Erforschung. Beziehungsweise erst mal nur ein Drittel davon, den in »Elder Scrolls online« streiten sich drei große Fraktionen mit eigenen Questreihen um den verwaisten Kaiserthron. Die Spielegrafik ist hübsch und trifft dabei prima den Stil der Originalserie. Landschaften und Siedlungen wirken organisch und gewachsen, nicht unmotiviert hin geklatscht. Dabei wurde mit einem Baukastensystem gearbeitet, was einem ab einigen Spielestunden doch auffällt. Dann beginnt sich die Architektur der Schlösser, Häuser und Dungeons oft zu wiederholen. An die wunderbaren Landschaftsausarbeitungen eines Skyrims oder Oblivions kommt die Spielkulisse insgesamt nicht ganz heran, aber für das Onlinegame mit der wohl bislang größten Spielfläche überhaupt, ist sie gut und stimmig geworden.
Zenimax verfolgt ein modernes Megaserver-Konzept. Es gibt derzeit überhaupt nur zwei Serverwelten für weltweit alle Spieler. Eine ist zuständig für die USA, eine für Europa. Dummerweise werden beide Servercluster in den USA gehostet, was man hier in Europa an gelegentlichen nervigen Zeitverzögerungen bemerken kann.
Quelle: Zenimax Online
TESO - The Elder Scrolls Online (12)
Durch die kommenden hunderte Stunden Spielgeschehen wird man durch fantastisch ausgearbeitete Quests gezogen. Wunderbar gelungene Sprachausgabe für sämtliche Dialoge und unzählige kleine, aber fein ausgearbeitete Geschichten und Figuren warten auf den Spieler. Die Qualität dieser Inhalte ist großartig und steht in Qualität den klassischen »Elder Scrolls« wenig nach. Ganz die Bandbreite an Unternehmungen gibt es aber nicht, Schleichquests z.B. sind schwer zu finden. Sinnlose Wiederholungen, »grind«, »farming« oder fade »Töte- und Sammelaufgaben«, die klassische MMORPG definieren, werdet ihr hier nicht finden. Belohnungen, in Form von Erfahrungspunkten und Moneten, bekommt man in erster Linie durch das lösen der tollen Aufträge. Eine »Levelthreadmill« gibt es nicht! Halleluja!
Die Quests greifen geschickt ineinander über und ziehen sich über die groß angelegten Hauptgeschichten hinweg. Manche Figuren begleiten einen über etwas längere Zeit, andere durchaus auch skurrile Begegnungen bleiben einmalig. Lasst es uns einfach so formulieren: In »Elder Scrolls online« steckt eine ganze Bibliothek an guten Fantasy-Kurzgeschichten.
Am einfachsten könnt ihr Euch das Gameplay von »Elder Scrolls online« wie eine Coop-Version von »Skyrim« vorstellen, ergänzt durch stark beschränkte MMORPG-Features wie »Guild Wars 2«. »Elder Scrolls online« ist ganz klar auf ein intensives Einzelspielererlebnis ausgelegt - gerade auch noch auf kleine Spielergruppen, die zusammen durch die Lande ziehen. Euch erwartet eine Art »Elder Scrolls«-Themenpark, den ihr mit Freunden erforschen könnt.
Hier kommt aber leider zur Zeit noch ein ganz böser Schnitzer von »Elder Scrolls online« zum tragen. Das »Phasing« ist nur auf Einzelspieler optimiert! Selbst wenn man nur zu zweit mit einem guten Freund oder der holden Freundin oder Ehefrau durch die Geschichten spielen möchte, wird man oft unfreiwillig durch das »Phasing« getrennt und kann nicht mehr zusammen weiterkommen. Ein absolutes Unding. Wie so ein Designschnitzer passieren kann, ist uns nicht erklärlich. Hier muss Zenimax schleunigst nachbessern.
Quelle: Zenimax Online
TESO - The Elder Scrolls Online (9)
Serientypisch gebt ihr den strahlenden Helden in glänzender Rüstung, der von heldenhafter Aufgabe zu heldenhafter Aufgabe läuft - allerdings zusammen mit allen anderen Mitspielern auf den gleichen Pfaden. Ihr müsst Euch also damit abfinden, selbst im gefährlichsten Gruselkerker dutzender schwertschwingender Kollegen zu treffen, die die gleichen Laufwege und Auftraggeber abklappern.
Die Spielwelt ist sehr detailverliebt gestaltet, überall atmet das Game den vielschichtigen Sagenschatz der »Elder Scrolls«-Lore. Beinahe jeder NPC hat zumindest ein kurzes Statement aufzusagen, das zur Situation passt. Die Figuren reagieren auf Eure Taten in der Spielwelt. Auch die beliebten Bücher zum Schmökern zwischendurch sind wieder dabei. In »ESO« darf man zwar nicht jeden einzelnen Gegenstand in der Welt manipulieren, für Sammlernaturen wurde die Welt mit durchsuchbaren Säckchen und Kisten und per Minispiel knackbarer Schatztruhen vollgestopft.
Um den Forschergeist zu belohnen findet der Spieler über das ganze Land verteilte Himmelsscherben. Mit dem Sammeln dieser Artefakte kann man seine Charakterfähigkeiten aufwerten und kommt wie zufällig an allen möglichen interessanten Questgebern vorbei, die vielleicht auch etwas abseits der großen Städte warten. Kurz: Die persönliche Weltkarte sieht nach einiger Zeit aus wie vollgepackt mit Aufgaben und interessanten Orten. Langeweile wird nicht auftreten. Hat der Spieler sich durch alle Aufgaben seiner Fraktion gearbeitet, darf er sich als sogenannter Veteran auch den Questreihen der beiden anderen Fraktionen widmen - mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad.
Quelle: Kitten
TESO - The Elder Scrolls Online (3)
Nun zu den MMRPGO-Features, mit denen dieses Coop-Skyrim erweitert wurde. Manche Standardfunktionen, wie ein serverweites Auktionshaus, sucht man vergeblich. Der organisierte Handel kann nur über Gildenläden abgewickelt werden, und da auch Handelsgilden auf maximal 500 Mitglieder beschränkt sind, hat die Globalisierung in Tamriel noch keinen Einzug gehalten.
Für das forcierte Gruppenspiel gibt es die genreüblichen instanzierten Dungeons. Für deren bequemen Besuch gibt es auch eine Gruppensuchfunktion. Im Kerker selbst kann man sich unter geschicktem Einsatz seiner Charaktermöglichkeiten mit Boßgegnern messen und Belohnungen abstauben. Auch die Instanzen sind mit tollen Hintergrundgeschichten und netter Präsentation versehen.
Der zweite klassische MMORPG-Grundpfeiler, den wir in »Elder Scrolls online« finden: Ab Charakterstufe zehn könnt ihr Euch in die Mitte des Kontinents Richtung weißem Turm beamen lassen, und dort Eurer Fraktion bei PVP-Schlachten unter die Arme greifen. Wer vor gefühlten zweihundert Jahren das vielbesungene Realm-vs-Realm-PVP des MMRPGO-Großvaters »Dark Age of Camelot« genossen hat, fühlt sich sofort heimisch. Jede Fraktion versucht ihren Einflussbereich auf der Schlachtkarte zu vergrößern, in dem Burgen und Festungen übernommen und gehalten werden.
Ein kurzer Exkurs zu den Charakterwerten: Obwohl man sich zu Anfang des Spiels für einen von vier klassischen Heldenarchetypen wie Drachenritter, Templer, Nachtklinge oder Zauberer entscheiden muss, ist man in der Entwicklung seiner Figur sehr frei. Dank eine Unzahl von Fertigkeiten, die man sich erarbeiten kann, gepaart mit der Steigerung von Fähigkeiten einfach durch deren Benutzung. Und vor allen Dingen dadurch, dass auch Rüstungen und Waffen mit mächtigen Effekten versehen sein können. Ein flexibleres Charaktersystem findet ihr in keinem anderen Onlinerollenspiel. Auch das Handwerk spielt eine Rolle und kann entsprechend erlernt und ausgebaut werden - allerdings mehr zur persönlichen Verwendung der hergestellten Gegenstände, als zum Verkauf. Vergleiche: fehlende Globalisierung mangels Auktionshaus.
Quelle: Kitten
TESO - The Elder Scrolls Online (2)
Ganz wie in der Singleplayer-Vorlage baut ihr Euch exakt den Helden, den ihr spielen möchtet. Ihr müsst aber bereit sein, durch Strategiewechsel auf Bossgegner einzugehen, die Waffenfähigkeiten zu wechseln, ansonsten seht ihr in den Instanzen und bei Quest-Obermotzen kein Land. Hirnschmalz werden trotz aller Freiheiten benötigt.
Das Fertigkeitssystem, das erst nur sechs- und später zwölf Auswahltasten zulässt, deutet unserer Meinung auf die Mitentwicklung der kommenden Konsolenfassungen für XBOX One und Playstation 4 hin - die Bedienung ist ganz klar auch auf Controller ausgelegt.
Und auf diese Konsolenversion sind wir sehr gespannt. So verlockend die Idee klingt, »Elder Scrolls online« bequem von der Couch aus mit dem Gamepad in der Hand zu erleben, so unbequem dürfte dieses Unterfangen werden, wenn Zenimax nicht auch auf Konsole Addons für die Spieloberfläche zulässt.
Quelle: Zenimax
TESO - The Elder Scrolls Online (8)
Im Auslieferungszustand ist diese nämlich schmerzhaft spartanisch. Keine Minimap, keine Fortschrittsbalken, keine Untertitel. Durch die Installation von Addons (nach diesem Reviewtext bekommt ihr zu diesem Thema noch einige Empfehlungen von uns) kann man sich dafür seine Oberfläche genau so gestalten, wie es die eigenen Bedürfnisse erfordern. Hoffentlich wird es diese Möglichkeiten auch auf Konsole geben, aus Erfahrung mit anderen MMORPG am TV-Bildschirm rechnen wir aber eher nicht damit. Wenn es keine Addons geben sollte: Das würde sehr direkt für die PC- auf gegen die bei der GameZone-Community sicher eigentlich beliebtere Konsolenvariante sprechen.
Ob sich das wieder den Zeitgeist gewählte Abomodell trägt, wird davon abhängen, wie schnell Zenimax neue Inhalte nachliefern kann. Diese bitte aber in der gleichen großartigen Qualität wie in der Startversion des Spiels. Leichte Zweifel bleiben hier, denn der Arbeitsaufwand (alleine die Lokalisierung mit der Sprachausgabe) ist mit Sicherheit nicht zu unterschätzen.
Meinung
Unsere Empfehlungen für Eure persönliche Spieloberfläche:
Erweiterungen für die spartanische GUI findet ihr auf http://www.esoui.com/addons.php zum kostenlosen Download.
- Librarian Book Manager
http://www.esoui.com/downloads/info188-LibrarianBookManager.html
Sammelt im Spiel gefundenen Bücher in einer kleinen Bibliothek, um sie
abends nach getaner Questarbeit gemütlich vor dem Kaminfeuer schmökern zu können.
- Slow Dialogs
http://www.esoui.com/downloads/info66-SlowDialogs.html
Verlangsamt die schriftliche Dialogausgabe und verhindert, dass man die großartigen Questdialoge aus Versehen wegklickt - gut auch für ungeduldige Naturen mit wenig Selbstdisziplin zum Geschichten lauschen.
- Wykkyds Framework
http://www.esoui.com/downloads/info8-WykkydsFramework.html
Das Absolute muss von allen Addons mit einer Unzahl von Funktionen, unter anderem frei konfigurierbare Statusbar, Untertiteln, und Makros.
-ZrMiniMap
http://www.esoui.com/downloads/info60-ZrMiniMap.html
Eine frei konfigurierbare Minimap
-HarvestMap
http://www.esoui.com/downloads/info57-HarvestMapEsoheadMarkers.html
Merkt sich die Spawnpunkte von Rohstoffen und Schatzkisten auf der Karte. Unentbehrlich für Rohstoffsammler und Schatzjäger.
