Stick it to the Man im Test: Skurrile Adventure-Kost der alten Schule

Test Sandro Odak
Stick it to the Man! im Test (6)
Quelle: Zoink Games

Mit Stick it to the Man liefert Zonk Games einen Mix aus Jump and Run und Adventure ab, der alten Lucas-Arts-Spielen in nichts nachsteht. Wir haben das humorvolle Spiel getestet, das es im Mai 2014 für Playstation-Plus-Mitglieder auf Playstation 4 und PS Vita umsonst gibt!

Ihr kennt das: Gerade hüpft ihr so mir nichts, dir nichts durch die 2D-Welt, wollt nach einem langen Arbeitstag nur noch nach Hause. Und plötzlich – KLONK – fällt ein Behälter vom Himmel. Als Ray, der Protagonist in Stick it to the Man, wieder zu Bewusstsein kommt, denkt er, er würde träumen. Eine lange, lila Glibberhand schaut aus seinem Schädel hervor und er kann plötzlich die Gedanken seiner Mitbürger lesen. Aber warum flippt keiner deswegen aus? Klar – nur er kann die Hand sehen!

Stick it to the Man! im Test (1) Quelle: Zoink Games Stick it to the Man! im Test (1) Er ist aber nicht der einzige, der weiß, dass sie da ist. Ein undurchsichtiger Geheimdienst hat den Behälter verloren, beim Landeanflug an den örtlichen Flughafen. Das Transportflugzeug brach einfach entzwei. Wer hätte denn auch damit rechnen können, dass die Papierkonstruktion bei Regen einfach aufweicht? Papierkonstruktion deshalb, weil irgendein schlauer Kopf versuchen wollte, damit dem Radar zu entgehen. Aber auch, weil alles in Stick if to the Man zweidimensional auf Pappe gemalt ist. Wenn Ray also mal ins Leere springt und im (natürlich tödlichen!) Wasser landet – dann druckt ihn ein Printer einfach an einem vorherigen Checkpoint wieder aus. Vom Style und Art Design beeindruckt das ziemlich, vor allem wegen der Durchgeknalltheit. Klar gab es 2D-Papierwelten schon, egal ob in Paper Mario oder dem kürzlich erschienen PS-Vita-Spiel Tearaway. Aber den Protagonisten einfach wieder auszudrucken und viele der 2D-Rätsel so zu lösen, ist schon auf eine besonders sarkastische Art komisch.

Stick it to the Man! im Test (4) Quelle: Zoink Games Stick it to the Man! im Test (4) Um den Papier-Grundton der Spielwelt zu unterstreichen, sammelt Ray Sticker. Die verdient er entweder durch das Lösen von absurden Quests oder findet Items, die er später zum Lösen benötigt. Dabei machen es die Entwickler nicht all zu kompliziert: Ein Inventar sucht man vergeblich, Mikromanagement gibt es nicht. Hat man den richtigen Sticker gefunden, kombiniert er sich am Zielort durch ein kentextsensititves System von selbst mit der Zielperson. Die Rätsel sind damit zwar sehr viel einfacher zu lösen als vergleichbare Lucas-Arts-Adventures – eins fehlt Stick it to the Man jedoch. Ein Questsystem. Die meisten Aufgaben muss Ray von selbst rausfinden, indem er in den Gedanken seiner Mitmenschen mithört. Die Zielsetzungen sind einfach. "Finde oder bring mir XY." Mehr Infos gibt es aber nicht und um so manch ein Rätsel zu lösen, muss man die halbe Karte auf und ab gehen. Um einen Mann vom Selbstmord abzuhalten, soll man ihm ein strahlendes Gebiss bringen. Das bekommt man aber erst, nachdem man die salzigen Tränen einer Heulsuse einem Koch bringt, mit seiner "Delikatesse" einen Aligator aus den Abwasserkanälen lockt, dessen Gebiss in einen Hund verpflanzt und so weiter und so fort. Die Questkette ist ewig und um den Überblick zu bewahren, muss man manchmal bereit sein, auch mal auf Verrücktes einzugehen.

Von diesem absurden Gameplay lebt Stick it to the Man. Der Humor ist frech aber nicht zu großmäulig. Es sind zumeist Slapstick-Einlagen, aber keine plumpen. Die Macher finden eine perfekte Balance zwischen Witz und Spiel, wie es früher nur Lucas Arts gelang.

Schwammige Steuerung

Stick it to the Man! im Test (6) Quelle: Zoink Games Stick it to the Man! im Test (6) Stick it to the Man enthält, wenn auch der Fokus ganz klar beim Lösen von Adventure-Rätseln liegt, auch ein paar Jump and Run Passagen. Ray springt munter durch die Welt und kann oft nur von Ort zu Ort kommen, wenn er kleine Hindernisparcours überwindet. Richtig fies ist Stick it to the Man aber auch in diesen Passagen nicht, selbst bewegliche Plattformen sind langsam genug für den größten Grobmotoriker. Ein wenig ärgert uns aber die Steuerung. Gerade auf der Wii U reagiert Stick it to the Man sehr gemächlich und fühlt sich dadurch etwas schwammig an. Das Spiel ist zwar durch eine Kletterautomatik nicht allzu anfällig dafür – wenn man am Rand einer Plattform landet, zieht Ray sich von selbst nach oben – ein Ersatz für direkte Steuerung ist es aber nicht. Und auch die Hand, die aus Rays Kopf ragt, ist mehr ein Ärgernis als richtiges Spielelement. Die Steuerung mit dem rechten Joystick ist äußerst behäbig, meist gibt man eh nur eine grobe Richtung damit vor. Den Rest erledigt die Engine kontextsensititv. Das stört, dabei wäre vor allem auf der Wii U mit dem Gamepad eine äußerst präzise Steuerung per Touchscreen möglich gewesen. Stattdessen nutzen die Entwickler die Gyrosensoren der Wii U und lassen Spieler "auf den Fernseher zielen". Buh!

Stick it to the Man! im Test (7) Quelle: Zoink Games Stick it to the Man! im Test (7) Stick it to the Man ist übrigens nur im englischen Originalton verfügbar. Mit dem deutschen Download erhält man lediglich Untertitel. Die englische Synchronisation ist super gelungen. Der Wortwitz ist gut. Dass sich auch beim Übersetzen ins Deutsche jemand Mühe gegeben hat, merkt man dem Titel an.

Stick it to the Man ist als Download-Titel für Playstation 3, PC und Wii U erschienen. Auf der Playstation 4 und PS Vita ist Stick it to the Man im April 2014 im Rahmen von Playstation Plus kostenlos.

Meinung

Wertung zu Stick It To The Man! (PS4)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Stick It To The Man! (WiiU)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
skurrile Geschichtehübsche 2D-Papierwelt mit Old-School-SprungeinlagenQuestsystem, das einen zum Zuhören zwingt
viel zu einfach und zu kurzruht sich manchmal zu sehr auf dem Humor aus und treibt das Spiel nicht voranlahme Game Design Entscheidungenschwammige und indirekte Steuerung
Fazit

Stick it to the Man! ist ein skurriles Adventure, aber leider sehr kurz. Wer auf morbiden Humor steht, wird dennoch glücklich.

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