Xbox One: Xbox One ohne Kinect: Eine gute Entscheidung

Kolumne Sandro Odak
Xbox One ohne Kinect: War es eine gute Entscheidung?
Quelle: Gamezone

Am Dienstag hat Microsoft angekündigt, dass man die Xbox One in Zukunft auch ohne Kinect kaufen kann. 100€ spart man sich als Hampelmann-Verweigerer. Die richtige Entscheidung, findet Gamezone-Autor Sandro Odak. Aber kommt sie vielleicht schon zu spät?

Seit dem ersten Tag der neuen Konsolengeneration habe ich eine Xbox One. Und mit der Konsole flatterte mir auch zum ersten Mal Kinect ins Haus. Ich wollte nicht mit Vorurteilen an die Kameratechnik rangehen, aber schnell war mir klar: Für mehr als ein paar Sprachkommandos brauche ich sie nicht. Hampelmann-Spiele nutze ich nicht, stattdessen greife ich lieber auf Splitscreen-Games zurück, wenn ich mal mit Freunden zu Hause daddeln möchte. Die Konsequenz: Bei mir war Kinect vom der zweiten Woche an nicht mehr eingestöpselt. Das rote Flackern der Infrarot-Kamera macht mir Angst. Auch wenn Xbox sagt "Nein, wir nehmen nichts auf." Dieses Glimmern lässt mich anderes vermuten. Es sagt: "Ich kann dich sehen." In Zeiten, in denen ein Abhörskandal den nächsten jagt, brauche ich wirklich nicht noch eine Wanze in meiner Wohnung. Ich bin auch nicht größenwahnsinnig genug, um zu denken dass mich jemand abhören will. Die Gefahr, dass Kinect einfach ungewollt ein Foto von mir aufnimmt, etwa wenn ich ein Achievement freischalte, und es automatisch in die Cloud lädt, wo es meine Freunde dann finden, ist nicht einfach erfunden. Es muss ja nicht mal Kinect schuld sein, vielleicht bin ich als Nutzer auch zu doof, den Upload zu erkennen. Verhindern kann ich ihn trotzdem – indem ich das Risiko komplett minimiere.

Dass Microsoft nun also eine Xbox One ohne Kinect anbietet, kommt mir ganz gelegen. Viele Neukäufer freuen sich auch darüber. Einher geht nämlich auch eine Preissenkung um 100€. Damit erreicht Microsoft das Preisniveau seines erbitterten Konkurrenten Sony. Playstation 4 und Xbox One kosten nun gleich viel. Theoretisch taten sie es auch vorher schon fast, denn wer sich die Playstation Eye Kamera nachgekauft hat – und es waren nicht wenige! – der kam auf etwa 460€. Es war das Gefühl, das falsch war. Microsoft zwang einem seine Kinect-Kamera auf, Sony überließ einem die Wahl.

Die Xbox One ohne Kinect ist also eine gute Entscheidung. Sie könnte den zum Teil hinterherhinkenden Absatz der Konsole beschleunigen und für neuen Wind sorgen. Die Playstation 4, das lassen erste Zahlen erahnen, verkauft sich insgesamt sehr viel schneller als der Microsoft-Konkurrent.

Die Frage ist: Kommt die Entscheidung nicht etwas zu spät? Für die Konsole als Plattform natürlich nicht. Der Xbox-Sparte geht es gut. Die Anlaufschwierigkeiten werden sich auf lange Sicht nicht dramatisch auf das Gesamtergebnis auswirken. Mit der Entscheidung schickt man aber auch ein ganz klares Zeichen an Erstkäufer. Die sind jetzt die Doofen. Gerade die Kunden, die Microsoft am allermeisten hofieren sollte, fühlen sich verarscht. Sie haben 100€ mehr bezahlen müssen für eine Zwangs-Hardware, die viele gar nicht wollten und die sie nicht gebrauchen. Wäre es nicht fairer gewesen, von Anfang an Kunden die Wahl zu lassen?

Microsoft feiert die Entscheidung jetzt als Triumph der Gamer. Sie wollten es so, sie bekommen es auch. In Wirklichkeit lässt sich Microsoft von Sony vor sich hertreiben. Solche Kommunikationspannen erlaubt man sich schon seit der Ankündigung der Xbox One. Dabei sind nicht alle froh über die Entscheidung. Erste Entwickler begehren schon dagegen auf. Kinect sei durch den Schritt entwertet worden, verrät uns einer, der lieber anonym bleiben möchte. "Entwicklern fehlt jetzt jeder Ansporn, doch noch kreative Spielideen dafür zu entwickeln." Das Resultat wird sein, dass in Zukunft nur noch primitive Hampeleien und Fitness-Applikationen entstehen.

Early Adopter sind anscheinend immer die Verarschten: Sie bekommen fehlerbehaftete oder unfertige Hardware (Start der Xbox 360), sie zahlen höhere Preise (Start der Wii U), sie müssen Bundles kaufen, die sie gar nicht wollen (Start der Xbox One). Gibt es dafür eine Entschädigung oder zumindest ein Zeichen der Wertschätzung? Nein. Dabei wäre zumindest eine kleine Geste nett gewesen. Oder sogar ein kostenloses Spiel. Vielleicht ein Kinect-Spiel? Damit sie wenigstens wissen, wofür sie die Kamera überhaupt kaufen mussten.

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