Mario Kart 8 im Test: Super Grafik. Super Gameplay. Supergeil!

Test Alexander Winkel
Mario Kart
Quelle: Nintendo

"Führerschein und Fahrzeugpapiere, bitte!" - "It'se me, Mario!" Mario und seine Kumpels (und Feinde!) steigen wieder auf die Karts und fahren um die Wette. Wir haben den Funracer getestet und sind begeistert von Grafik und Spielmechanik. Ein paar offene Fragen bleiben aber. Allgemeine Fahrzeugkontrolle, bitte fahren Sie rechts ran zum Gamezone-Review!

Ein müder Aufguss mit einer 8 im Namen? Das mag auf dem Papier so aussehen, aber Nintendo liefert zielsicher den nächsten Partykracher ab, welcher in keiner Wii U Sammlung fehlen darf. Nachdem meine Stimme vor lauter grölen, lachen und vor allem fluchen mittlerweile seinen Geist aufgegeben hat, bemühe ich mich nun wenigstens handschriftlich die vergangenen ereignisreichen Tage Revue passieren zu lassen. Selten in den letzten Monaten konnte mich ein Videospiel derart begeistern, dabei aber noch so viel Raum für Verbesserungen offen lassen, wie das kommende Mario Kart 8!

Wenn Schadenfreude und Ärger so geballt im Raum steht, dass gar Freundschaften auseinander brechen, sitzt Klempner Mario wieder am Steuer eines Karts und kämpft sich mehr, oder wohl doch eher weniger legal durch das Pilzkönigreich. Controller lernen auch im neuesten Ableger nicht das Fliegen, denn dazu mangelt es an Momenten des Frustes über die Spielmechanik. Aber eine satte Backpfeife des besten Freundes oder der Freundin sollte man nicht ausschließen! Ja, auch auf der Wii U bleibt der über zwanzig Jahre alte Klassiker seiner bisherigen Linie zum Glück treu. Wer schon in der Vergangenheit seinen Freunden Schildkrötenpanzer um die Ohren gehauen und aufgrund so mancher Bananenschale ein kühles Bad am Straßenrand genommen hat, weiß zu 100%, auf was er sich mit Mario Kart 8 einlässt.

Mechanik und Spielfluss wie aus einem Guss

Mario Kart 8 im Test (3) Quelle: Nintendo Mario Kart 8 im Test (3) Der Argwohn, einen weiteren müden Aufguss aufgetischt zu bekommen, verraucht mit den ersten durchdrehenden Reifen beim Superstart und dem ersten Sieg, den man dank fieser Items einheimst. Man stellt sich selber die Frage, warum man je derartige Gedanken gegen Nintendo gehegt hat. Was hier, zumindest ab der 150ccm Klasse mit absolut unglaublicher Geschwindigkeit und butterweich und flüssig über den Bildschirm flimmert, ist ein von vorne bis hinten spielmechanisch und optisch perfekt abgestimmtes Meisterwerk. Fotorealistische Grafik muss es nicht immer sein, es reicht der grandiose kunterbunte Mix des Mario-Universums gespickt mit unglaublich kreativen Details, die unter Umständen erst nach vielen Runden ins Auge stechen. Bisweilen wird das Wohnzimmer in derart grellen Farben getaucht, wogegen Las Vegas bei Nacht wie das letzte Kuhnest im Nirgendwo gleicht. Trotz derartiger Kontraste wirkt das Bild aber weder überzeichnet noch überzogen – man möchte einfach nur in diesem Farbenmeer baden und sich in den Lichtern suhlen. Dank HD ist Mario Kart 8 aber auch eine knackscharfe Angelegenheit, mit Spielereien wie angehende Scheinwerfer in Tunnels und ähnlichem, schlicht bis zum letzte Pixel eine runde Sache. Das gilt vor allem für die Charakterdarstellung, deren Knollnasen kugelrund sind und allerliebst auf den fahrbaren Untersätzen anzusehen sind.

Mario Kart 8 bezieht seinen Charme vor allem aus den allerliebsten Zeichnungen, aber auch dem grandiosen Kampf um die besten Plätze auf den insgesamt 32 Pisten. Dass wieder etliche Pisten völlig frech recycelt wurden, dürfte wohl niemanden stören. Die komplett neuen Strecken sind grandios und vor allem dank der Hardwarepower der Wii U atemberaubend wie noch nie! Was hier zum Teil alles auf dem Bildschirm los ist, kann kaum ein Fahrer mehr ins Auge fassen. Der staubige Weg durch den Vulkan wird z.B. zur hitzigen Angelegenheit, wenn nach und nach immer größere Teile der Umgebung in sich zusammenbrechen und nur noch enge Wege einen Durchgang zum Ziel gewähren. Auf einer anderen Piste bringt ein riesiger Bowser das ganze Schloss unter seinen Faustschlägen gewaltig zum Beben, so dass sich der Boden wellt und uns wild durch die Gegend schleudert. Doch auch die Klassiker, die sich einerseits wohlvertraut spielen, andererseits aber mit zahlreichen neuen Ideen und Spielelementen gespickt das moderne Spielgefühl der Mario Kart Reihe offenbaren, fügen sich nahtlos in das nahezu positive Bild ein. Nur zwei bis drei Pisten fallen etwas ab, da hier zu wenig Action und zu wenig Chaos geboten wird.

Feinfühlig abgestimmt bis ins letzte Detail

Mario Kart Quelle: Nintendo Mario Kart 8 im Test (5) Was der Wii-U-Version ebenfalls bleibt, ist der Fahrzeugbaukasten des Vorgängers. Nach und nach werden neue Bikes, Karts, Quads und Dubioseres frei geschaltet. Jedes Teil offenbart bisweilen extrem unterschiedliche und auf den Strecken auch spürbare Fahreigenschaften, die man je nach Piste optimieren sollte. Man darf also wieder nach Herzenslust mit Chassis, Räder und einem Gleitschirm herum tüfteln und den fahrbaren Untersatz pimpen. Und ja, auch in der Wii-U-Version segelt man nach einem beherzten Sprung über Abgründe und an Lavafontänen vorbei und darf sich auch unter Wasser ohne Geschwindigkeitsverlust in die Haare kriegen. Die Welt steht aber wortwörtlich über Kopf, sobald die Räder kippen und das Fahrzeug zu einem F-Zero Raumgleiter mutiert, der durchaus auch Wände erklimmt oder eben Loopings über Kopf angeht. Die völlig neue Dimension liefert, neben äußerst ungewöhnlichen und manchmal auch gewöhnungsbedürftigen Perspektiven, frischen Wind und peppt damit auch manch ältere Piste ordentlich auf. Kennt wer noch die langweiligen Autobahnen z.B. aus Double Dash? Praktische Seitenbegrenzungen mit neuerdings Sprungschanzen, Turbo-Pfeilen und ähnliches laden auch Veteranen zu ausgiebigen Erkundungstouren ein, um erneut das letzte aus den Rundenzeiten zu holen. Oder man versucht sich an gekonnten Stunts bei Sprungschanzen und Hügeln, nutzt den Windschatten oder driftet durch die Kurven. Das neue Feature fügt sich also unglaublich gut in die allgemeine Mario Kart Mechanik ein.

Das Fahrverhalten ist vielfältig und dennoch extrem feinfühlig abgestimmt, was auch auf den beliebten aber chaotischen Kampf gegen die Artgenossen zutrifft. Ein Mario Kart wäre bekanntlich kein Mario Kart, würde man nicht mit allerlei Dingen um sich werfen und damit das erboste Gebrüll seiner Kumpanen ernten. Schadenfreude ist halt doch die schönste, auch wenn sie bekanntlich nicht lange währt. Nach tagelangen Sessions sowohl gegen die CPU, gegen weitere Mitspieler auf dem Sofa oder gar online steht jedoch fest, dass die Feinabstimmung des Zufallsgenerators für die Items um einiges fairer geworden ist. Nur noch selten fühlt man sich völlig hilflos, weil das gesamte Fahrerfeld auf einem herum hackt, oder aussichtslos, da man weit abseits den Anschluss verpasst hat. Darüber hinaus beglückt uns neuer Schabernack, der sich harmonisch in das bisherige Repertoire einfügt. Die Piranhapflaze frisst Münzen und Gegner und gibt es mal keines von beidem, spuckt sie Feuerbälle, die einen Boost bieten. Darüber hinaus kann man einen Boomerang werfen, der natürlich durch seinen Bogen einige Kontrahenten überraschen kann.

Mario Kart 8 im Test (8) Quelle: Nintendo Mario Kart 8 im Test (8) Gespielt wird übrigens mit allen gängigen Eingabemitteln von klassischer Wii-Remote mit oder ohne Nunchuk, dem Classic-Controller wie auch dem Wii-U Gamepad. Mit der Gyrosensor-Technik kann ich mich persönlich bei einem solchen Rennspiel zumindest dann nicht mehr anfreunden, wenn es um Präzision und Zeiten geht, sprich im Timetrial Modus oder spätestens, wenn man in der höchsten Stufe die Cups bestreitet. Viel zu oft lenkt das Kart beim Drift in die falsche Richtung, weil die Remote leicht schräg gehalten wurde. Auch missfällt die Tastenbelegung, die nirgends umkonfiguriert werden kann. Mit derartigen und ähnlichen weiteren Problemen verliert man gerne jegliche Chance auf den Sieg. Verlässt man sich auf die gute alte Technik mit Analogsticks ist Mario Kart 8 aber ein Traum für jeden Rennsport-Freak. Das Wii U Gamepad bietet auf seinem Bildschirm übrigens nicht wirklich viel, bis auf eine Hupe, den Streckenverlauf und die Platzierung der Kontrahenten und der Möglichkeit, das TV-Bild zu duplizieren.

Wer derart Lob erntet, muss auch Kritik verstehen

Mario Kart 8 im Test (9) Quelle: Nintendo Mario Kart 8 im Test (9) TV und zweiter Bildschirm mittels des Wii U Gamepad hätte sich vor allem online aber auch offline mit einem weiteren Freund geradezu angeboten. Warum Nintendo das Bild aber vertikal teilt und denselben Splitscreen auch auf dem Pad serviert, ist wahrlich schleierhaft. Warum nicht jedem sein eigenes Bild? Wäre das so kompliziert gewesen? Warum ich meckere? Ganz einfach: Mario Kart 8 wird aufgrund manch turbulenter Strecke, den Hovercraft-Kopfständen und wilden Sprungeinlagen im Zwei-Spieler-Modus extrem unübersichtlich, da das schmale Bild und die recht nahe Kamera oft die Sicht auf den weiteren Streckenverlauf verwehrt. Bisweilen empfinden Anfänger, welche nicht jede Kurve aus dem FF beherrschen, geradezu Hilflosigkeit. Erst ab drei und natürlich vier Spielern stimmt die Übersicht wieder, auch wenn dann die Details etwas nachlassen und das Spiel nicht mehr ganz so flott abläuft. Letzteres beeinträchtigt den Spaß überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Sobald sich mehr als zwei für die Rennen einfinden, mutiert Mario Kart 8 zum unschlagbaren Partykracher, der dank der superben Spielmechanik seinesgleichen sucht.

Mario Kart 8 im Test (14) Quelle: Nintendo Mario Kart 8 im Test (14) Die zusätzlichen neuen Features wie Mario Kart TV, Zusammenfassungen der Rennen die sogar gespeichert und auf Youtube freigegeben werden können, täuschen auch nicht über so manchen Mangel am Spielumfang hinweg. Keine Frage, wer alles erreichen will, wird Tage und Wochen mit den acht Cups mit je vier Strecken und insgesamt vier Schwierigkeitsgraden (wobei 150ccm wie auch Spiegelkurse wieder herrlich knackig sind) verbringen. Wer Ghost-Daten speichert, eigene oder auch online heruntergeladene, kann ewig an den Bestzeiten feilen. Die Onlineduelle bieten darüber hinaus die Möglichkeit, auch ohne Freunde nahezu unendlich lange seinen Spaß zu haben. Mir persönlich fehlt aber die Möglichkeit eines Sprachchats, denn Mario Kart lebt vor allem auch durch die Atmosphäre im heimischen Wohnzimmer, wenn die vier Kontrahenten sich bekriegen und dabei alles mögliche an den Kopf werfen. Leider verliert sich mein wildes fluchen in den eigenen vier Wänden, während der Gegenspieler vermutlich, aber nicht hörbar, über seinen gelungenen Coup lacht.

Einzige Ausnahme: Die Online-Lobby mit ausschließlich Freunden, es darf kein Fremder mit dabei sein. Aber auch hier bleiben die Duelle kommentarlos und man kann erst nach Abschluss des Rennens darüber diskutieren. Bis dahin werden die hitzigen Wogen des Gefechts aber schon längst vergessen sein. Das was das Wohnzimmersofa so grandios macht, geht also auch hier verloren.

Die Battle-Arenen wurden darüber hinaus auf acht normale Strecken verfrachtet. Keine speziellen Parkhäuser oder ähnliches mehr, in denen man um jeden Ballon kämpft. Alle weiteren Ideen wie die Münzjagd wurden sogar rigoros gestrichen. Dafür darf man Onlineturniere entwerfen und austragen, ggf. auch mit Passcode um unter Freunden zu sein.

Bis auf die zahlreichen Cups, das Zeitfahren und den Onlinerennen bleibt Mario Kart 8 leider nicht viel. Ich wünschte, Nintendo hätte sich bei der Konkurrenz aus dem Hause Sega das eine oder andere abgeschaut und würde zusätzliche Herausforderungen und ähnliches bieten. Darüber hinaus halten sich Statistiken extrem zurück. Es gibt keine Übersicht und nur relativ umständlich kann man bei den letzten Onlinegegnern ausfindig machen, wie oft man gegen denjenigen verloren und gewonnen hat. Außer einem Onlinerang, der bei guten Platzierungen steigt, wird nichts Weiteres geboten. Wie man unweigerlich erkennt, gibt es in diesem ansonsten grandiosen Fun-Rennspiel noch unglaublich viel Potenzial nach oben. Nintendo kann also in einem hoffentlich kommenden Ableger noch so einiges verbessern.

Meinung

Wertung zu Mario Kart 8 (WiiU)

Wertung:

8.9 /10
Pro & Contra
der größte Pluspunkt ist die unbeschreibliche Gaudi, die aufkommt, wenn sich vier Kontrahenten vor dem heimischen TV einfindenkeine fotorealistische, aber eine dennoch grandiose Optik die im Geschwindigkeitsrausch ein Meer aus Farben bietet und bis in den letzten Pixel mit tollen Details begeistertdie Spielmechanik ist grandios abgestimmt; hier stimmt sowohl das Fahrverhalten, die Pisten als auch der Zufallsgenerator für die fiesen Itemsdie zahlreichen Pisten begeistern durch genialer Streckenführung, völlig neue Ideen und überarbeitete Konzepte, die aus den Klassikern trotz herrlichem Nostalgieeffekt ein modernes Fahrgefühl bietender Rennspaß läuft sowohl offline als auch online extrem flüssig ab und bietet spätestens ab der 150ccm Klasse auch einen guten Geschwindigkeitsrauchzahlreiche Fahrzeugkombinationen führen zu extrem unterschiedlichem Fahrverhalten, was durchaus auf der einen oder anderen Strecke berücksichtigt werden mussder Onlinemodus läuft flüssig, sauber und vollkommen Fehlerfrei und begeistert mit knackigen Duellen gegen bis zu 12 menschliche Gegnerwieder allerhand Fahrer dabei vom klassischen Kader bis zu eher unbekannten Helden und Gegnern – sogar der eigene Mii darf sich in die Pistenschlacht begeben
Splitscreen für 2 Spieler ist absolut unglücklich gelöst, dank vertikaler Teilen ist die Sicht extrem eingeschränkt; das hätte mit einer Teilung zwischen TV und Wii U Gamepad perfekt umgesetzt werden könnengrundsätzlich spielt das Wii U Gamepad eher zweite Geige und wurde nur mit belanglosem Inhalt gefülltkeine Möglichkeit die Konfiguration der Controller zu beeinflussen, vor allem die Wii-Remote mit spiegelverkehrter Button-Belegung zum Wii U Gamepad oder Classic Controller verwirrtfehlender Sprachchat online nimmt viel von der üblichen Mario Kart Atmosphäre, die auf das Gelächter und die Flüche der Mitstreiter beruht; in der heutigen Zeit sollte ein Sprachchat mittlerweile Standard seindie Verlegung der Battles auf normale Strecken ist eher suboptimal gelöst, wo sind die tollen Extra-Arenen die schon seit dem SNES bestand hattendarüber hinaus wurden weitere Battlevarianten wie die Münzjagd gar nicht mehr umgesetzt, man hat sich wieder rein auf das Ballonduell konzentriertkeine zusätzlichen Herausforderungen und Spielmodi wie sie die Konkurrenz (Stichwort Sonic) seit geraumer Zeit präsentiertallgemeine Statistiken hätten der Langzeitmotivation gut getan, darauf hat Nintendo verzichtet und bietet nur recht mickrige Zahlen im Onlinemodus an
Fazit

Ein Riesenspaß mit Freunden auf einer Couch. Tolle Grafik, tolle Spielmechanik, ein Muss also für Wii-U-Besitzer!

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