Child of Light: Child of Light im Test: Ein Spiel wie ein Gedicht

Test Sandro Odak
Wir zeigen euch, wo ihr gerade kostenlose Spiele abstauben könnt.
Quelle: Ubisoft

Was fehlt ist mehr Poesie im Leben als Gamer. Child of Light räumt mit diesem Missstand auf und präsentiert eine Geschichte, komplett vorgelesen in Reimform. Und auch grafisch haben sich die Macher verkünstelt, mit zuckersüßer Wasserfarbenoptik! Wir haben das RPG getestet.

Schon wer Child of Light zum ersten Mal startet, wird in den Bann dieses magischen Spiels gezogen. Ein mystischer, klassizistisch angehauchter Soundtrack spielt da im Hintergrund und wird im Laufe der Geschichte immer besser! Mal drückend, fast schon deprimierend langsam, mal treibend schnell, mit geschlossenen Augen ist Child of Light eine Wucht!

Child of Light im Test (2) Quelle: PC Games Child of Light im Test (2) Dass wir die Musik von Child of Light so früh erwähnen, spricht für sich. Selten ist das der Fall. Die Konvention lehrt: Musik in Spielen ist etwas, dass man im besten Fall gar nicht bemerkt. Wenn man es doch tut, ist es meist aus negativen Gründen. Die Musik passt nicht zum Bild, ist zu schnell, zu schrill oder einfach falsch. Beatrice Martin gebührt deshalb unser großer Respekt: Sie liefert seit langem die erste musikalische Untermalung ab, die für sich allein schon brillant ist. In Verbindung mit dem Spiel weiß man aber gar nicht, was mehr herausragt.

Child of Light bricht mit alten Regeln. Das RPG stammt von Ubisoft Montreal, einem Studio, das für die Far Crys und Assassin's Creeds dieser Welt verantwortlich zeichnet. Das soll nicht abwertend klingen, es sind meist fantastisch gute Spiele. Aber eben konventionell. Gerne auch einfach nur mit einer neuen Zahl am Ende des Titels. Dass gerade aus diesen Gefilden nun ein Titel kommt, der magisch und fremd vorkommt, überrascht. Denn als Genre wählten die Macher das "angestaubte" JRPG, japanisch also. Ganz in der Tradition von Final Fantasy und Grandia bewegen sich die Charaktere dieser kunterbunten Welt über eine seitlich scrollende Oberflächenkarte, Kämpfe finden in separaten Battlescreens statt. Klingt lahm, ist aber genial!

Wenig Gameplay, viel Atmosphäre

Child of Light im Test (1) Quelle: PC Games Child of Light im Test (1) Die Geschichte von Child of Light ist düster und trotzdem kunterbunt erzählt. Protagonistin Aurora wird auf mystische Art in die Zauberwelt Lemuria gezogen, wo eine dunkle Zauberin, Umbra, den Menschen Sonne, Mond und Sterne gestohlen hat. Dem unterdrückten Reich fehlt es an der wichtigsten Lebenskraft: Licht. Die taffe Heldin entschließt sich, Lemuria zu helfen. Sie will das Licht in die Welt tragen und hofft so, mit ihrem eigenen Vater wiedervereint zu werden. Der wartet indessen von Kummer zerfressen in der realen Welt auf ihre Rückkehr. Tragisch und emotional erzählt Child of Light unterbewusst eine märchenhafte Verlust-Geschichte, die einen ab und an wirklich den Tränen nahebringt. So schön Child of Light nämlich erzählt ist, so traurig wird es auch manchmal, immer betrachtet durch die naiven Augen dieses kleinen Kindes, das mit Schwert und Magie gegen die Dunkelheit antritt.

Über die Übersichtskarte rennt, hüpft und schwebt Aurora in Echtzeit, löst Rätsel und sucht Schätze und versteckte Gänge. Feinde sieht man in der zur Seite scrollenden Übersicht nur als einzelnen Gegner – erst wenn man sie berührt, wechselt das Spiel in den Battle-Modus. Wie in den altehrwürdigen jRPGs Final Fantasy offenbart sich erst hier, wie viele Feinde man wirklich bekämpfen muss. Bis zu vier sind es auf ein Mal. Gekämpft wird im Rundenprinzip. Doch es geht nicht immer derselben Reihenfolge nach. Wie in den neueren Final-Fantasy-Spielen blendet sich am unteren Bildrand eine Zeitleiste ein. Auf dieser bewegen sich alle Charaktere zwischen Wartezeit und Vorbereitungszeit. Mit Zaubern kann man Gegner verlangsamen oder sich selbst beschleunigen. Hat man sich für einen Angriff entschieden, dauert die Umsetzung unterschiedlich lange. Ein komplizierter Feuerzauber benötigt mehr Zeit als ein einfacher Schlag. Wenn dann ein Feind zum Gegenschlag ansetzt, kann er Auroras Vorbereitung abbrechen. Dieses taktische Element kommt bei den schwierigeren Gegnern später im Spiel besonders zur Geltung – und macht aus dem auf den ersten Blick sehr einfachen Game ein richtiges RPG-Taktikmonster! Selbst auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad passiert es uns in der Demo, dass wir plötzlich sterben. Die KI kann die Angriffe klug kombinieren!

Child of Light im Test (3) Quelle: PC Games Child of Light im Test (3) Der leuchtende Begleiter Auroras, Igniculus, lässt sich in das Kampfgameplay einbinden. Auf Knopfdruck blendet der kleine Leuchtkäfer Feinde – sie hassen ja das Licht – oder heilt Aurora und ihre Freunde. Damit lässt sich die Zeitleiste im Kampf prima beeinflussen, Child of Light bekommt ein taktisches Element. Igniculus steuert man entweder mit dem rechten Gamestick oder dem Touchpad. Alternativ kann auch ein Freund via zweitem Controller aushelfen. Im Koop genießt man die Geschichte von Child of Light sicher noch besser – der Igniculus-Spieler kommt sich aber auf längere Zeit wie ein dämlicher Aushilfsknappe vor. Denn viel mehr wie heilen und blenden kann der Knirps nicht. Ab und an löst er noch Lichträtsel, etwa wenn man Schatten richtig werfen muss. Spielspaß mit ihm allein kommt aber nicht auf. Im Prinzip ist der Koop-Modus also nicht mehr als ein interaktiver Zuschauermodus. Falls man mit dem Partner auf der Couch sitzt, ja auch mal ganz schön.

Viel mehr Gameplay-Elemente besitzt Child of Light nicht. Ubisoft konzentriert sich auf das Wesentliche und überzeugt mit Inhalten und der Art, wie Geschichte erzählt wird, nicht mit reiner Spielmechanik. Wir Kritiker schreien ja oft nach Innovation – aber manchmal reicht es auch, wenn ein Spiel einfach eine tolle Geschichte erzählt.

Child of Light im Test (7) Quelle: PC Games Child of Light im Test (7) Der Stil: Verzaubernd!

Wenn wir schon mit dem traumhaften Sound Child of Lights beginnen, müssen wir mit der herzigen Grafik des Titels enden. Der eigenwillige Stil, der an Wassermalbilder oder Ölgemälde erinnert, ist zuckersüß. Die Charaktere sind schrullig und dennoch schließt man sie in sein Herz. Offensichtlich ist die Optik des RPGs eine Hommage an die Werke des japanischen Studio Ghibli. Das haben die Macher auch schon mehrmals bestätigt.

Meinung

Wertung zu Child of Light (PC)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Child of Light (X360)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Child of Light (PS3)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Child of Light (PS4)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Child of Light (WiiU)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Child of Light (XBO)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
tolle Atmosphärewunderschön gezeichnete Hintergründefantastischer, kraftvoller Soundtracküberraschend neuartig, trotz des bekannten Settingstoller Erzählstil in Reimentragische, mystische, emotionale Geschichte aus dem Blickwinkel eines naiven, unschuldigen Mädchens„Koop-Modus“ für Couch-Zuschauer
Steuerung von Igniculus nicht optimalKoop-Modus nicht fordernd genugSchwierigkeitsgrad relativ niedrig
Fazit

Dank toller Grafik, einem einmaligen Soundtrack und einer mitreißenden Geschichte eines der tollsten Spiele der Next-Gen. Das primitive Gameplay übersieht man da gerne!

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