Bound by Flame ist eine Mischung aus The Witcher und Dragon Age und schlägt eine perfekte Brücke für RPG-Fans bis der neue Teil Dragon Age: Inquistion rauskommt. Meint man, denn technisch kämpft Bound by Flame mit einigen Problemen. Wir haben die PS4- und Xbox-360-Version getestet.
Ich kann momentan gar nicht oft genug erwähnen, wie heiß ich auf das neue Dragon Age-Abenteuer bin! Und bis ich Anfang Oktober meine eigene Inquisition starte, muss unbedingt noch brauchbares RPG-Material her. Ich glaube fast, dass die Entwickler aus dem Studio Spider mein stummes Verlangen vorausgesehen haben: Man kombiniere The Witcher mit Dragon Age, wertet die Kombination technisch etwas ab und bekommt dann Bound by Flame. Zugegeben, die technische Abwertung habe ich mir nicht gewünscht. Ok, ganz so einfach ist es nicht und ganz so schlecht wie ihr jetzt denkt auch nicht. Ich habe die PS4- und Xbox 360-Version gespielt und verrate euch ob sich ein Blick lohnt oder ihr lieber ein paar alte Titel aus der Versenkung holt.
Ein Krieg ohne Hoffnung
Quelle: Focus Home Interactive
Bound by Flame im Test (2)
In der fiktiven Welt von Vertiel ist es fünf vor zwölf. Soll heißen, Elfen und Menschen kämpfen seit Jahren einen schier aussichtslosen Krieg gegen die sogenannten "Ice Lords" und ihre Armee der Deathwalker. Das Ende des Konflikts steht unmittelbar bevor, denn von Menschen und Elfen ist nur noch ein Bruchteil der Bevölkerung übrig. Die Handlung ist unterteilt in mehrere Akte und ringt mir an bestimmten Punkten Entscheidungen von großer Tragweite ab. Ich schlüpfe in die Rolle eines Söldners, wahlweise männlich oder weiblich. Für den Test habe ich mir eine weibliche Söldnerin gebastelt. In einem spartanischen Editor passe ich meine holde Maid noch etwas an, bevor ich erste Gehversuche starte. Die Möglichkeiten sind allerdings sehr begrenzt. Mehr als ein paar Hauttypen, vorgefertigte Gesichter und Frisuren gibt es nicht. Der Einstieg verläuft eher unspektakulär. Nach dem Intro kämpfe ich mich durch den Prolog, welcher gleichzeitig als Tutorial fungiert. Während ich meine ersten Fallen baue, Gegner plätte und mit dem Captain meiner Söldner-Einheit spreche, überkommt mich ein Gedanke: Fühlt sich so an, als hätte ich so etwas ähnliches schon mal gespielt. Wie hieß er noch, dieser wortkarge "Badass" der mit Schwert und Hexer-Kräften dem Bösen das Fürchten und seiner Begleiterin die Kunst des Beischlafs lehrte? Genau, Geralt! Das Team um Bound by Flame hat zweifelsohne eine große Inspiration aus den Witcher-Spielen gezogen.
Das Kampfsystem fühlt sich von Beginn an sehr vertraut an. Ich musste bereits bei meiner ersten Auseinandersetzung feststellen, dass ich nicht besonders erfolgreich bin wenn ich einfach nur stupide auf die Tasten hämmere. Wenn ich gute Resultate will, dann komme ich um ein bedachtes Vorgehen nicht herum. Auf mich stürmen drei Skelette zu. Das erste tappt in meine zuvor aufgestellte Falle und wird durch eine Explosion ausgebremst. Zeit genug um mich um die verbliebenen Feinde zu kümmern. Mit meinem Schwert wehre ich die erste Attacke ab, bringe meine Kontrahenten mit einem Tritt aus dem Gleichgewicht und hole zum Angriff aus. Von rechts kommt schon mein nächstes Opfer und das durch die Falle ausgebremste Skelett setzt auch zum Angriff an. Ein bedachtes Vorgehen mit Wechsel aus Angriff, Block und Gegenangriff ist unabdingbar. Bei jedem Kampf bin ich in der Unterzahl, ob mit Begleiter oder ohne. Grundsätzlich sind alle Kämpfe machbar, leider scheitert das System zeitweise an ungünstigen Kamerapositionen oder unfairen Platzierungen der Gegner.
Quelle: PC Games
Bound by Flame im Test (5)
Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase komme ich mit dem Kampfsystem zurecht. Lediglich die klobige Steuerung stellt meine Nerven von Zeit zu Zeit auf Probe. Der Aufbau des Systems ist ohnehin nicht allzu kompliziert. Mir werden grundsätzlich drei Angriffsstile geboten: Der Kampf mit einer großen Waffe wie dem Schwert, Axt oder Hammer, mit zwei Dolchen und Feuermagie. Letztere wird im Verlauf des Abenteuers verfügbar und ist Teil der zentralen Handlung. Meine magischen Fähigkeiten müssen schließlich irgendwo herkommen. Um den Krieg zu gewinnen haben die "Red Scribes" ein Ritual in einem alten Tempel durchgeführt, um die Ice Lords ihrer Macht zu berauben und meine Söldnertruppe als Schutzgarde angeheuert. Ganz zufällig geht aber etwas schief und während des Rituals ergreift eine unbekannte Präsenz Besitz von mir. Fortan befinde ich mich im inneren Konflikt mit einem Dämon. Ich muss mich entscheiden: gebe ich mich dem bösen Einfluss hin oder kämpfe ich mit allen Mitteln darum, meine menschliche Seite zu bewahren? Interessant: Beide Wege bieten Vor- und Nachteile. Bei meinem ersten Spieldurchgang habe ich der Versuchung nachgegeben. Ich stehe einfach total auf Magie. Der Preis: Von meiner hübschen Söldnerin ist gegen Ende nicht mehr viel übrig. Ein Teil meines Körpers ist von Flammen umhüllt, mir wachsen Hörner auf dem Kopf, dies führt übrigens dazu, dass meine Heldin keinen Helm mehr als Teil der Rüstung anziehen kann. Dafür habe ich besondere magische Fähigkeiten und kann mit meinen Feuerzaubern wesentlich mehr Schaden anrichten.
Recycling zum Wohle der Ausrüstung
Quelle: PC Games
Bound by Flame im Test (6)
Kenner des Genres wissen, wer erfolgreich sein will muss stets die eigene Ausrüstung aufwerten. Bound by Flame folgt diesem Prinzip und bietet ein Handwerkssystem das mir die Verbesserung meiner Ausrüstung erleichtert. In Vertiel gibt es eine Fülle an Komponenten die ich von besiegten Feinden oder in den Arealen einsammeln kann. In einem simplen "Crafting"-Menü kann ich zum Beispiel Metall oder Leder weiter verarbeiten und kombinieren. Im Zusammenspiel mit verschiedenen Substanzen verstärke ich so den Verteidigungswert meiner Rüstung, kann den physischen Schaden meiner Waffen optimieren oder auch gewisse Resistenzen stärken. Besonders kompliziert ist es nicht, das Spiel zeigt mir stets an welche und wie viele Zutaten ich benötige um eine Verbesserung anzubringen oder einen Trank zu mixen. Bei jedem Level-Up kann ich anstelle von Kampffertigkeiten auch meine Handwerksfähigkeiten hochstufen.
Während meiner Kämpfe gegen die Deathwalker habe ich schnell bemerkt, dass es von großem Vorteil ist auf die Verbesserungen zu vertrauen. Wenn ihr euch so wie ich dem Feuerdämon hingebt ist es fast schon unabdingbar zumindest einen Teil der Rüstung mit einer Resistenz gegen Frost zu verstärken. Mit explosiven Fallen, die ich schon aus wenigen Einzelteilen zusammen bauen kann konnte ich noch jede brenzlige Auseinandersetzung zu meinen Gunsten entscheiden. Ich will gar nicht behaupten, dass dieses Spielelement zu oberflächlich ist, die Balance stimmt und die Zutaten nehmen auch nicht zu viel Gewicht des Inventars weg. Ich habe mich auch oft dabei ertappt dass ich nicht mehr benötigte Waffen und Rüstungen lieber recycelt habe als sie beim Schmied gegen Bares zu verkaufen. Schließlich kann ich mit den daraus gewonnen Materialien meine neue Ausrüstung aufmotzen.
Ein Hauch von Dragon Age
Quelle: PC Games
Bound by Flame im Test (9)
Ich habe das Kampfgeschick, ich habe die Ausrüstung, aber kann ich diesen Krieg überhaupt alleine gewinnen? In Bound by Flame bekomme ich tatkräftige Unterstützung von fünf Begleitern. Jeder bietet dabei eigene Vorzüge, wie die junge Magierin Sybil, die eher defensiv einsetzbar ist und mich in den Kämpfen heilt. Der Elf Rhelmar der auf Fernkampf spezialisiert ist oder auch der erfahrene Krieger Randal. Im Vergleich zu Konkurrenzspielen fehlt es den Figuren aber an Tiefe. Am interessantesten sind die Hexe Edwen, die schon bei ihrem ersten Auftritt Erinnerungen an Bioware's Morrigan wach werden lässt und der 6.000 Jahre alte Lich namens Mathras. Schnell stelle ich fest das aber jeder meiner vermeintlichen Freunde eine eigene Agenda verfolgt. Während der Gespräche mit meinen Begleitern lerne ich alle etwas besser kennen. Es fehlt in den Unterhaltungen aber an komplexen Verzweigungen und die Konversationen fühlen sich so eher wie eine abzuarbeitende Liste an. Manchmal aber habe ich zwei oder drei verschiedene Optionen wenn ich eine Antwort geben muss. Und so unscheinbar vielleicht ein paar der Erwiderungen wirken, können sie durchaus eine verheerende Wirkung auf das weitere Verhältnis haben. Schade: In der Inventar-Verwaltung stehen mir die Begleiter gar nicht zur Verfügung. Auch die Möglichkeit sie bei einem Levelaufstieg mit Attributspunkten individuell zu entwickeln fehlt komplett. Sie sind immer mit derselben Ausrüstung unterwegs, allerdings steigt der Schaden den sie austeilen parallel zu meinem eigenen Level an. Ich hätte mir etwas mehr Befehlsgewalt über meine Teammitglieder gewünscht.
Der Grafikchip fängt kein Feuer
Quelle: PC Games
Bound by Flame im Test (7)
Das Technikgerüst des Rollenspiels wird per Sparflamme befeuert. Bound by Flame kratzt nicht mal Ansatzweise an der Power der Playstation 4. Auch Xbox 360 und PS3 werden von den bewegten Bildern kaum in Anspruch genommen. Umso ärgerlicher, dass die Performance immer wieder einknickt. In unregelmäßigen Abständen friert das Bild kurzzeitig ein oder die Bildrate geht in die Knie. Entweder wenn ich mal einen Levelbereich wechsle oder ein paar Gegner zu viel auf dem Bildschirm unterwegs sind. Ich frage mich woran es liegt, schließlich schlummert in den alten und aktuellen Systemen genug Power um Bound by Flame Leben einzuhauchen. Die technisch mittelmäßige Performance und teilweise triste Grafik ist mir ein Dorn im Auge. Denn das Design an sich wirkt weder schnell hingeklatscht noch unmotiviert. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl dass die Entwickler eben versucht haben aus ihrem Budget das Beste herauszuholen. Die verschiedenen Areale sind abwechslungsreich gestaltet. Von den dunklen Höhlen und Ruinen bis hin zur verschneiten Stadt der Elfen oder modrigen Sumpflandschaft im ersten Akt. Die Spielwelt wirkt stimmig. Die Charaktermodelle heben sich qualitativ vom Rest des Titels ab. Vor allem meine Figur wird besonders detailliert dargestellt und wirkt aufgrund dessen manchmal etwas deplatziert.
Quelle: Focus Home Interactive
Bound by Flame im Test (14)
Allerdings leiden alle Figuren und vereinzelt hölzernen Animationen. Trotz der Macken schaffen es die Entwickler Atmosphäre aufzubauen. Ich kann mir sehr gut vorstellen wie viel intensiver sie wäre, wenn das Team um Spider etwas mehr Arbeit in eine bessere Grafik investiert hätte. Die Sprachausgabe ist qualitativ so beständig wie das Wetter im April. Gerade die deutsche Synchronisation gesellt sich auf die stille Treppe der schlechten Lokalisierungen. Falls ihr, so wie ich, des englischen mächtig seid stellt eure Konsole auf Englisch. Zwar fehlt es der englischen Vertonung zu Beginn an Motivation, aber hier pendelt sich die Qualität auf einem guten Niveau ein. Vor allem der Sarkasmus drängt sich mit der Zeit immer mehr in den Vordergrund. Selten habe ich ein Abenteuer bestritten in dem so oft "fuck" gesagt wurde. Den Spannungsbogen konnten die Autoren bis zum Schluss aufrechterhalten, auch wenn an einigen Stellen zu oberflächlich gearbeitet wurde. Wie schon erwähnt sind viele der Charaktere einfach zu langweilig, weil sie nicht sehr intensiv ausgearbeitet wurden. Eine noch bessere Sprachausgabe hätte hier etwas Boden gut machen können. Ärgerlich: Warum muss ich gleich die Systemsprache der Konsole umstellen um das Spiel auf Englisch oder Deutsch zu erleben? Ist es denn wirklich so schwer einen Wechsel im Optionsmenü einzufügen?
