Mit "The Amazing Spider-Man" wurde die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft vor zwei Jahren für die Kinoleinwand neu aufgelegt. Mittlerweile gibt es einen zweiten Film mit Andrew Garfield, Emma Stone und Rhys Ifans in den Hauptrollen. Und wie es sich für eine solch prestigeträchtige Lizenz gehört, kommen zum Film-Release auch passende Spiele für die gängigen Konsolen auf den Markt. Wir verraten euch, wie sich das spielbare Pendant zu "The Amazing Spider-Man 2" im Test schlägt.
Eine Geschichte zum Verlieren
Wer die Filmvorlage kennt und auf eine entsprechende Umsetzung hofft, bei dem lässt die erste Enttäuschung nicht lange auf sich warten. Denn: Die Geschichte des Videospiels hat nicht im Geringsten etwas mit der Leinwand-Story gemein. Viel schlimmer, ist eine wirkliche Geschichte erst gar nicht erkennbar. Zwar zieht sich ein roter Faden durch die Kampagne des Titels, jedoch ist dieser derart dünn, dass er beinahe als nicht existent erachtet werden kann. Auf der Suche nach einem Killer, der in New York sein Unwesen treibt, werden wir von einem Szenario ins andere geworfen, laufen wahllos in den Ablauf eingeflochtenen Bösewichten wie King Pin, Green Goblin, Schocker oder Black Cat über den Weg ohne, dass wirklich etwas hängen bleibt. Dass diesem schwachbrüstigen Stückwerk dann auch noch durch vollkommen sinnlose Übergänge und Videosequenzen aneinandergereiht werden, setzt der unterirdischen Arbeit im Hinblick auf Geschichtserzählung die Krone auf.
Gefangen im eigenen Netz
Quelle: Activision
The Amazing Spider-Man 2 im Test (5)
Betrachtet man das Gameplay, kann man Entwickler Beenox zumindest bescheinigen, dass sie das elementarste Spiel-Element wirklich hervorragend umgesetzt haben: Die Schwingmechanik. Über die gesamte Spielzeit werdet ihr euch dabei ertappen, einen großen Umweg zum aktuellen Missionsziel zu nehmen, weil das Schwingen durch die Häuserschluchten der amerikanischen Metropole schlicht ein Heidenspaß ist. Doch auch in Sachen Spielmechanik ist die Tristesse abseits der akrobatischen Flugeinlagen ein steter Begleiter.
Auf den ersten Blick fällt auf, dass "The Amazing Spider-Man 2" das Kampfsystem der Arkham-Reihe aus dem Hause Rocksteady eiskalt kopiert. Der vom schwarzen Ritter perfektionierte Free-Flow-Battle dient auch Spidey als Vorlage. Die Mechanik funktioniert insgesamt gut, ist aber bei weitem nicht so feinfühlig wie die der Fledermaus. Auch im restlichen Gameplay strotzt der Titel nur so vor Einfallslosigkeit. Die Nebenmissionen, in denen ihr Fotos schießen, Zivilisten aus brennenden Häusern retten oder der Polizei unter die Arme greifen müsst, nerven bereits nach kurzer Zeit. Mit den über die Kampagne gesammelten Erfahrungspunkten könnt ihr eure Fertigkeiten aufbessern, was allerdings im Laufe des Spiels maximal von tertiärer Bedeutung ist. Auch ohne den Großteil der Upgrades lässt sich das Spiel problemlos meistern.
Selbiges gilt auch für die in der ganzen Welt verteilten Comics, Soundfiles und Anzüge. Letztere sehen zwar sehr cool aus, haben aber für den Spielablauf trotz bestimmter Spezialeigenschaften keinerlei Mehrwert zu bieten. Womit auch schon der nächste Kritikpunkt angesprochen wäre: Der Schwierigkeitsgrad. Dieser ist zu keinem Zeitpunkt wirklich fordernd, was auch nicht wirklich für die punktuell auftretenden Bossfights spricht. Insgesamt wirken die Nebenaufgaben äußerst aufgesetzt und sind nur dazu da, einem ereignisarmen und monotonen Abenteuer der Spinne unnötig weitere Spielstunden zu spendieren. Trefft ihr im Spielverlauf auf interessante Charaktere habt ihr die Möglichkeit euch mit ihnen zu unterhalten. Dabei liegen auf den Aktionstasten des Controllers drei Gesprächsthemen, die ihr mit eurem Gegenüber diskutieren könnt. Leider ist nach jedem Gespräch weder eine Erkenntnis von Relevanz noch sonstige Veränderung innerhalb der Geschichte zu vernehmen.
Technik auf dem Tiefpunkt
Quelle: Activision
The Amazing Spider-Man 2 im Test (7)
Auf Seiten der Technik erlaubt sich "The Amazing Spider-Man 2" den größten Schnitzer. Grafisch weist der Titel mit teils starken Rucklern und Treppchenbildung an allen Ecken und Enden gerade auf der alten Konsolengeneration erhebliche Schwächen auf. Zudem sind die langen Ladezeiten sowohl auf Xbox 360/Playstation 3 als auch auf Xbox One/Playstation 4 eine Katastrophe. Flüssige Übergänge zwischen Level-Abschnitten scheinen bei Beenox kein Begriff zu sein. Dabei ist die frei begehbare Stadt im Grunde verlassen. Ab und an fahren eine Handvoll Autos durch die Straßen und zwei bis drei Passanten bevölkern den Fußweg - mehr gibt es nicht zu sehen. Auch bei den Charaktermodellen schwingt das Spiel am Film vorbei. Weder die Personen noch Synchronstimmen des Filmcasts sind an Bord und runden die Farce des offiziellen Spiels zum Film zusammen mit der völlig belanglosen Geschichte ab.
Was die Animation der Figuren anbelangt, könnte man gerade bei Spider-Man meinen, er würde in einem Broadway-Musical mitspielen. Die Gestik passt nicht mal im Ansatz zur Konversation und wirkt schlicht und ergreifend lächerlich. Bei der Vertonung des Spiels wurde ebenfalls kein Meisterwerk abgeliefert. Die Sprecher lassen jeden Elan vermissen und sorgen somit für keinerlei Stimmung und Atmosphäre. Zudem werden Sätze teilweise erst nach der dazugehörigen Zwischensequenz vollendet, wenn der ihr schon längst auf einen schwarzen Bildschirm starren dürft. Der absolute Tiefpunkt der Vertonung ist Spidermans loses Mundwerk. Grenzdebile Sprüche, die weder witzig, frech oder in irgendeiner Weise sinnvoll sind, werden euch beinahe im Minutentakt um die Ohren gefeuert - ob ihr wollt oder nicht.
