Die Geschichte von Ubisoft: Vom Schrottkandidaten zum Publisher des Jahres

Special Sandro Odak
Die Geschichte Ubisofts: Vom Übernahmekandidaten zum Publisher des Jahres
Quelle: Gamezone

Ubisoft begann als reiner Publisher und entdeckte erst spät Eigenkreationen für sich. Rayman war der große Held der frühen Tage, bis irgendwann die Lizenzfalle zuschnappte. Mitte der 2000er Jahre war der Publisher kurz davor zum Schrottpublisher zu verkommen. Heute gehört Ubisoft wieder zu den Großen. Wir werfen einen Blick zurück.

1986 öffnet Ubisoft, damals getrennt geschrieben Ubi Soft, seine Pforten in der Bretagne. Fünf Brüder gründen die Firma damals, um Unterhaltungs- und Lernspiele zu veröffentlichen. Die ersten Aufträge kommen von späteren Konkurrenten und Erzrivalen: Ubisoft übernimmt den französischen Vertrieb für Spiele von Electronic Arts, Sierra On-Line und Microprose. Drei Jahre nach der Eröffnung kreieren die Franzosen ihr erstes eigenes Spiel: Zombi. Wem der Name bekannt vorkommt… ZombiU, Ubisofts Launchtitel für die Wii U, ist eine Art Nachfolger.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Es folgen Jahre der Expansion. Ubisoft geht nach Deutschland, Japan, Amerika, England und viele weitere Länder. 1995 findet die Firma auch endlich ihr heutiges Maskottchen: Michel Ancel entwickelt in Montreuil die anthropomorphe Spielfigur Rayman. Der hüpft sich durch ein unterhaltsames Jump and Run mitten in die Herzen der Spieler. 26 Millionen verkaufte Rayman-Exemplare bringen die vielen Dutzend Ableger heute auf die Waage. Bis 2000 wächst der Konzern weiter: China, Australien und den Rest Europas hat Ubisoft mittlerweile eingenommen, wird zur richtigen Konkurrenz für die etablierten Publisher. Auch, weil die Eigenmarken immer größer werden. Ubisoft veröffentlicht immer mehr populäre Entwicklungen, darunter "Die Siedler" und Tom Clancy.

In den 2000ern kommt es aber zum Zerwürfnis. Nachdem Ubisoft seit 1996 börsennotiert ist, können Investoren theoretisch zugreifen wie sie wollen. Der ehemalige Publishung-Partner Electronic Arts kauft 2004 20% aller Ubisoft-Anteile. Der Mitgründer und Geschäftsführer, Yves Guillemot, wittert eine feindliche Übernahme. Umsatz muss her, deshalb veröffentlicht Ubisoft neben einigen erstklassigen Titeln auch immer wieder unfertige Ware und Lizenzspiele. Bis 2007 gibt es zwar immer wieder kleine Ausreißer, doch die allgemeine Qualität sinkt. Die Hausmesse Ubisofts, die sogenannten Ubi Days, verspotten Kollegen damals sogar als sogenannte Übel Days.

Mit Assassin's Creed aus den Ruinen
Mit Assassin's Creed macht Ubisoft die Kehrtbremse Quelle: Ubisoft Mit Assassin's Creed macht Ubisoft die Kehrtbremse 2007 dann der große Umschwung: zwei Jahre nach dem Start der neuen Konsolengeneration veröffentlicht Ubisoft Assassin's Creed. Vier Jahre lang werkelten Jade Raymond und ein Team von über 300 Mitarbeitern an dem Spiel, das den Grundstein für die erfolgreichste Ubisoft-Marke aller Zeiten setzt. Assassin's Creed ist zwar spielmechanisch kein Innovationsmotor, die Welt, Grafik und das Figurenhandling begeistern aber Presse und Spieler gleichermaßen. Heute hat Assassin's Creed mehr als 75 Millionen Exemplare verkauft und führt die Statistik an.

Ein paar Lizenzgurken gibt es zwar immer noch, der neuentdeckte Mut aber fußt auf Spielen für den Coregamer. Es folgen weitere Teile von Far Cry, Might and Magic, Prince of Persia und aus dem Clancy-Universum. Daneben führt Ubisoft einen rentablen Casual-Betrieb: Just Dance, Petz, Imagine und Your Shape erreichen bis heute ebenso hohe, zweistellige Millionenabsatzzahlen wie die Core-Games.

Vorschub für DRM-Maßnahmen
Mit Uplay startet Ubisoft jedoch auch eine der kontroverstesten Anti-Kopierschutz-Maßnahmen seiner Zeit. Weil Fremddienste wie Steam Geld kosten, startet Ubisoft kurzerhand einen eigenen Dienst, der ähnlich arbeitet. Spieler müssen ihre Spiele darin registrieren, der Weiterverkauf ist damit unmöglich. Um permanent die Kontrolle über seine Inhalte zu behalten, zwingt Ubisoft seine Kunden sogar immer online zu sein. Schnell schießen sich Hacker auf den Dienst ein, Ubisoft muss klein beigeben. Mit der Zeit fallen immer mehr Restriktionen weg. Ganz unterkriegen lässt er sich aber nicht.

Die Next-Gen fest in der Hand
Vor wenigen Jahren noch undenkbar, heute gar nicht mehr so überraschend: Ubisoft führt nun die Next-Gen an. Letztes Jahr verpasste Ubisoft im PC Games Userranking nur knapp den ersten Platz als "Bester Publisher des Jahres". Mit Watch Dogs veröffentlichte der französische Publisher einen der am sehnlichsten erwarteten Titel, der die Verkäufe einiger First-Party-Marken in den Schatten stellt. Und Ubisoft ist noch lange nicht am Ende: Assassin's Creed Unity ist bereits angekündigt, das Rennspiel The Crew und das Actionspiel Tom Clancy's: The Division ebenso. Und abseits des Bombasts besinnt sich Ubisoft auch auf alte Werte und Genres zurück. Child of Light, ein RPG im japanischen Stil, ist bereits auf dem Markt und bezaubert durch seine märchenhafte Geschichte und fantastische Musikuntermalung. Und das Adventure Valiant Hearts erinnert zum hundertsten Jubiläum des ersten Weltkriegs an eine der dunkelsten Stunden Europas.

Wie kaum ein anderer Publisher hat Ubisoft es geschafft, Casual- und Coregames unter einem Dach zusammenzubringen.

Jetzt ist eure Meinung gefragt: Welche Ubisoft-Spiele sind euch in Erinnerung geblieben? Welches Spiel mochtet ihr am meisten, welches am wenigsten? Und rechnet ihr noch mit einem echten Nachfolger von Beyond Good & Evil? Sagt uns eure Meinung zu diesem Hintergrundbericht in den Kommentaren!

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk