AC Unity: E3-Vorschau - Pariser Mörderbande

Special Peter Bathge
In Unity könnt ihr die aufmüpfige Bevölkerung der Stadt zur Revolte anstacheln, um Gegner bequem aus dem Weg zu räumen.
Quelle: Ubisoft

Spektakuläre Grafik, keine Ladezeiten, verbessertes Kletter- und Schleichsystem, Koop-Modus: Ubisoft krempelt die Assassin's Creed-Serie mit Unity kräftig um. Wir haben uns auf der E3 2014 genauer im virtuellen Paris umgesehen und nehmen die Neuerungen eine nach der anderen auseinander. Wird Unity das bis dato beste Assassin's Creed - auch ohne Seeschlachten?

"Stealth war schon immer einer der Grundpfeiler der Assassin's Creed-Serie".

Das sagen nicht wir (Für wie verrückt haltet ihr uns eigentlich?), sondern einer der Entwickler von Assassin's Creed: Unity. Wir sagen: Das ist totaler Quatsch. Denn den aufgezwungenen, hakeligen und oftmals im Neuladen eines alten Spielstands resultierenden Schleicheinlagen der Reihe fehlte es stets an einem: einer Möglichkeit, den Spielcharakter aktiv in de Schleichmodus zu versetzen. "Duck dich gefälligst!", forderten wir Altair, Ezio, Connor und Edward in den vergangenen Serienteilen immer wieder auf. Gebracht hat es nichts.

Jetzt endlich dürfen wir unseren Avatar in die Knie zwingen: mit der Duckentaste. Diese vermeintlich simple Änderung könnte eines der wichtigsten neuen Features von Unity darstellen - wenn da nicht so viele andere frische Finessen wären, mit denen Ubisoft seine Meuchelmörder-Serie überarbeitet. Wir haben uns auf der E3 2014 in Los Angeles die wichtigsten Besonderheiten von den Entwicklern erklären lassen - selbst das Gamepad in die Hand nehmen durften wir dabei leider noch nicht.

Meucheln in der Stadt der Liebe

Abzuwarten bleibt, wie das Missionsdesign ausfällt. Mangelnde Abwechslung und frustige Stellen waren stets die Achillesferse der Serie. Quelle: Ubisoft Abzuwarten bleibt, wie das Missionsdesign ausfällt. Mangelnde Abwechslung und frustige Stellen waren stets die Achillesferse der Serie. Neben der Online-Hoffnung The Division und dem heiß ersehnten Open-World-Shooter Far Cry 4 musste Assassin's Creed: Unity schon im E3-Lineup des eigenen Publisher mit schwerster Konkurrenz rechnen. Doch das Gezeigte aus dem kommenden Teil der Meuchelmörder-Saga machte Lust auf mehr und gehört eindeutig zu den Messe-Highlights des Jahres. Speziell grafisch klotzt der französische Publisher statt zu kleckern, die gezeigte PC-Version konnte sich mit der Qualität des zuvor veröffentlichten Ankündigungsvideos messen. Texturen waren gestochen scharf, Pflastersteine schimmerten prächtig in der Sonne und die als offene Spielwelt herhaltende Stadt - Paris zur Zeit der Französischen Revolution - platzte förmlich vor liebevollen Details und schönen, authentischen Szenen. Dass die Animationen gewohnt großartig sind, brauchen wir bei einem Assassin's Creed-Spiel ja wohl nicht extra zu erwähnen, oder?

Eben jene Animationen werden beim Klettern besonders effektiv zur Schau gestellt. Mit Unity ist es erstmals in Assassin's Creed möglich, von hohen Gebäuden herabzuklettern - bisher blieb einem nur der Sprung in den nächsten Heuhaufen. Das überarbeitete System erlaubt es euch, deutlich präziser die gewünschte Kletterichtung vorzugeben statt sich einfach nur fallen zu lassen. Das Ergebnis ist ein viel natürlicheres, dynamischeres und flüssigeres Bewegungsmodell; ein deutlicher Gewinn für die Serie. Wir sind schon sehr gespannt, wie sich das Ganze im Detail steuert. Der erste Eindruck ist jedenfalls top!

Grafisch hat uns die neue Version der Anvil-Engine vom Hocker gerissen. Quelle: Ubisoft Grafisch hat uns die neue Version der Anvil-Engine vom Hocker gerissen. Wenn ihr nicht gerade den Verrenkungen des Protagonisten zuseht, stehen die Chancen gut, dass ihr die tolle Pariser Kulisse bewundert oder den Blick auf einen der Stadtbewohner richtet. Bis zu 5.000 (!) NPCs kann die Engine von Assassin's Creed: Unity gleichzeitig darstellen, wobei die Entwickler aber mit vielen identischen Klonen und sich ähnelnden Bewegungsabläufe tricksen. In der Menge fällt das jedoch kaum auf. Einzelne Figuren sollen sich zudem realistischer als je zuvor verhalten und durch auffällige Gesten und Dialogfetzen den Spieler in Sekundenbruchteilen auf interessante Entwicklungen aufmerksam machen. So schreit eine Dame, die von einem Dieb ausgeraubt wurde, etwa lautstark um Hilfe, während die Passanten in der Nähe aufgeregt in die Richtung zeigen, in die der Schurke abgehauen ist.

Die Stadt selbst haben Ubisoft Montreal und seine vielen Partnerstudios aus aller Welt laut eigener Aussage erstmals im Maßstab 1:1 mit durchweg realistischen Größenverhältnissen nachgebaut. Das Ergebnis machte auf der E3 einen fantastischen Eindruck, verzichtet aber anders als die weitläufigen Vorgänger auf eine Simulation des Umlands oder gar einer riesigen Inselwelt wie in Black Flag. Unity beschränkt sich auf das Stadtleben. Auch die Seegefechte aus den beiden Vorgängern fehlen diesmal. Dafür gibt aber wie gewohnt eine Menge anderer Nebenaktivitäten. Um den Startpunkt solcher Aufgaben zu finden, bedarf es nicht mehr des Blicks auf eine (vermutlich aber optional einblendbare) Mini-Map: Stattdessen blendet das Spiel auf Tastendruck Symbole direkt in der Spielgrafik ein, die zu den Aktivitäten führen. Das sieht schick aus, besonders wenn ihr wie in der Ubisoft-Präsentation alle Interface-Elemente abschaltet. So bleibt mehr Raum für die hervorragende Grafik.

Aber auch an der Art, wie euch Missionen dargebracht werden, haben die Macher gearbeitet. Die Situation mit dem Dieb und den schreienden Passanten weiter oben ist nur ein Beispiel, das es so ähnlich auch in den Vorgängern gab. In Unity sollen euch beim Laufen durch die Stadt aber alle möglichen Aufgaben anspringen - und wenn ihr sie ignoriert und einfach weiterlauft, auch wieder verschwinden, ohne euch mit penetranten Missionsziel-Einblendungen zu nerven. Wollt ihr eine nicht zeitkritische Mission später nachholen, könnt ihr sie in euer neues Quest-Logbuch aufnehmen. So lässt sich im Lauf der Kampagne etwa eine Reihe von Morden an der Pariser Bevölkerung aufklären.

Wiener Melange

Die Französische Revolution war ein blutiger Aufstand - ob Assassin's Creed trotz solcher Szenen seine USK-Einstufung ab 16 Jahren behalten darf? Quelle: Ubisoft Die Französische Revolution war ein blutiger Aufstand - ob Assassin's Creed trotz solcher Szenen seine USK-Einstufung ab 16 Jahren behalten darf? Der Charakter, den ihr in Assassin's Creed: Unity durch das von verschiedenen Fraktionen umkämpfte Paris steuert, hört auf Namen Arno Dorian. Der fast 30-jährige Meuchelmörder ist österreichisch-französischer Abstammung und soll – Überraschung! – als junger Mann jemand Wichtiges in seinem Leben verloren haben. Wie bereits sein Assassinen-Kollege Connor aus dem dritten Teil steht der Protagonist entsprechend zwischen zwei Kulturen und ist am Anfang des Spieles ziemlich wahrscheinlich auf einem persönlichen Rachefeldzug à la Ezio aus Assassin's Creed 2 unterwegs. Gespräche mit Arnos Auftraggebern, Verbündeten und Opfern werden dabei wie gewohnt in Zwischensequenzen dargestellt. Neu ist jedoch der fließende Übergang zwischen Spiel und Dialog: Es gibt keine Ladezeiten mehr, der Held wird nicht mehr durch die Landschaft gebeamt, weil er zu Beginn der Zwischensequenz am "falschen" Ort stand, und nach dem Ende des Gesprächs erlangt ihr sofort wieder Kontrolle über euren Charakter. Das verbessert den Spielfluss enorm genauso wie die Abwesenheit jeglicher Ladezeiten beim Erkunden der Stadt. Die neue Engine machts möglich.

Mit Details zur Story hält sich Ubisoft noch zurück. Klar ist aber, dass ihr viele legendäre Ereignisse wie den Sturm auf die Bastille nachspielen und hinter den Kulissen für die Freiheit Frankreichs streiten werdet. Die Zeit des Terrors um 1793 nach der erfolgreichen Absetzung des Königs soll dabei eine besondere Rolle spielen; in dieser Geschichtsperiode wurden viele vermeintliche Verräter der Revolution zum Schafott geführt.

Zusammen sind wir stark

Ein Headset ist im Koop-Modus unverzichtbar, um sich mit seinen Partnern abzusprechen. Quelle: Ubisoft Ein Headset ist im Koop-Modus unverzichtbar, um sich mit seinen Partnern abzusprechen. Arno ist nicht ausschließlich allein unterwegs, denn auf Wunsch mutiert Assassin's Creed: Unity zum Koop-Spiel für bis zu vier Teilnehmer. Hierbei gilt jedoch eine Einschränkung: Statt der kompletten Kampagne ist nur etwa ein Drittel im Team spielbar, die sogenannten Bruderschaftsmissionen. Wir hoffen, dass diese Einsätze aber auch für Solo-Spieler ohne menschliche Verstärkung zu schaffen sind - vielleicht ja mit Bot-Unterstützung?

Um an einem Koop-Auftrag teilzunehmen, müsst ihr nicht einmal ins Hauptmenü gehen. Viele Gebäude in Assassin's Creed: Unity sind - ein Novum in der Reihe - begehbar und eines davon ist die Taverne. In den Bars findet ihr nicht nur NPCs, die euch Ausrüstung verkaufen und zu Minispielen einladen, sondern auch Geistabbilder anderer Spieler, die auf eurer Uplay-Freundesliste stehen. Nähert ihr euch einem dieser Avatare, bekommt ihr angezeigt, welche Mission der mit dem Internet verbundene Kumpan gerade in seinem Spiel absolviert. Anschließend könnt ihr mit einem Tastendruck um Zugang zur Partie bitten und findet euch schon wenige Augenblicke später in einem Koop-Match wieder.

So zumindest das Versprechen von Ubisoft, denn wie übergangslos und schnell eine Koop-Partie tatsächlich organisiert werden kann oder ob es eine Möglichkeit gibt, als Solo-Spieler jedwede Koop-Avancen anderer Spieler abzuschmettern, ließ sich auf der E3 nicht überprüfen. Stattdessen bekamen wir in einer separaten Demo ein Koop-Match zu sehen, das bereits im Gange war. Erfahrene Spieler können dabei Neulingen gut unter die Arme greifen, da ihr alle Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenstände, die ihr bereits in der Kampagne erworben habt, auch in den Koop-Missionen verwenden könnt. Darüber hinaus soll es spezielle Skills geben, die nur im Koop-Modus verfügbar sind. Zu sehen war unter anderem ein Charakter, der das Schloss einer zugesperrten Tür öffnete, während seine Kollegen ihm den Rücken frei hielten. Den Mehrspielermodus aus den Vorgängern mit PvP-Option hat Ubisoft bei Unity übrigens gestrichen, er wurde offensichtich von zu wenigen Kunden gespielt.

Auf leisen Sohlen

Ob die Benutzeroberfläche am Ende tatsächlich so reduziert daherkommt wie in den E3-Videos, bleibt abzuwarten. Quelle: Ubisoft Ob die Benutzeroberfläche am Ende tatsächlich so reduziert daherkommt wie in den E3-Videos, bleibt abzuwarten. Egal ob alleine oder zu viert, das überarbeitete Schleichsystem dürfte jedem Fan der Reihe gefallen: Neben einem automatischen Deckungssystem, bei dem sich Arno an hüfthohe Hindernisse schmiegt, gibt es auch endlich eine Taste, um sich jederzeit zu ducken. Eine überfällige Neuerung! Die KI wirkte in unserer Präsentation zwar noch etwas arg gutmütig und ließ sich allzu leicht austricksen, dennoch sind wir guter Dinge, dass der erhöhte Schleichanteil ein Plus an Spannung in den ansonsten bekannten Spielablauf einbringt. Aus einem anderen Ubisoft-Spiel bekannt ist eine weitere Neuerung: Verlieren euch Wachen aus den Augen, wird eure letzte bekannte Position mit einer Silhouette wie in Splinter Cell: Conviction angezeigt. So könnt ihr Gegner leicht umgehen und ihnen in den Rücken fallen, während sie am anderen Ende des Raumes nach euch suchen.

Die Kämpfe sollen derweil einmal mehr etwas abwechslungsreicher ausfallen – wie eben in jedem bisher angekündigten Teil der Serie. Begeistert hat uns ein Spezialangriff, bei dem Arno in vollem Lauf in die Hocke geht, über den Boden schlittert, dabei einen Feind von den Füßen holt und ihm anschließend mit der Armklinge einen Luftröhrenschnitt verpasst. Zudem dürfen Arno und die Koop-Helden neben Degen, Pistole und dem lautlosen Wurfmesser auch schwere Waffen wie Äxte, Hellebarden und Speere verwenden. Das kennt man ja. Dass Ubisoft mal wieder verspricht, die Gefechte anspruchsvoller zu machen, überrascht uns ebenso wenig: Auch das gehört zur Serientradition. Zu dumm, dass dieses Versprechen in der Vergangenheit noch nie eingelöst würde, weshalb wir das Statement mit einer gesunden Portion Skepsis betrachten. Hey, Ubisoft, wie wäre es mal mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden? Das wäre doch mal eine echte Revolution für Assassin's Creed ...

Assassin's Creed: Unity erscheint am 28. Oktober 2014 für PC, Playstation 4 und Xbox One.

Meinung

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