Fein gezeichnete Motorräder, stimmungsvolle Strecken und eine realistisch agierende KI - wie schön könnte die Motorsportwelt auf der PS4 sein. Ist sie aber nicht, denn auch MotoGP 14 bleibt dem Ruf der Serie treu und setzt weiter auf die gewohnt biedere Simulation ohne große Macken, aber eben auch ohne Highlights.
Spielerisch gibt's nichts Neues
Quelle: Milestone
MotoGP 14 (7)
Zumindest eine gute Nachricht gibt es: Spielerisch braucht man sich als Kenner des Vorgängers weder umstellen, noch anpassen, geschweige denn einarbeiten. Warum? Weil es wirklich keine und zwar keine einzige Neuerung im Bereich Gameplay gibt. Wie gehabt, haben sich die Entwickler von Milestone somit mal wieder auf die Fahnen geschrieben, sowohl ein zugängliches, als auch ein forderndes Spielgefühl zu vermitteln. Und wie gehabt, gelingt ihnen das auch im aktuellsten Ableger der MotoGP-Serie einigermaßen gut. Ohne Fahrhilfen bekommt ihr so eine sehr anspruchsvolle Simulation geboten, die von euch viel Feingefühl im Umgang mit Gas und Bremse verlangt. Wie in der Realität muss man sich mit den Strecken und vor allem deren Bedingungen intensiv auseinandersetzen, um überhaupt eine Chance zu haben, anfangs ohne Sturz und später mit Bestzeit durchzukommen. Schade nur, dass hier zu wenig Dynamik vorhanden ist, sich die Strecken über die Zeit immer gleich anfühlen und man somit nach den ersten Einarbeitungen kaum mehr Überraschungen erlebt. Hier hätten wir uns einfach mehr Einfluss von etwa vorhanden Reifenabrieb oder Nässe gewünscht. Dafür hat zumindest der Abbau der eigenen Pneus, je länger eine Rennsession dauert, Auswirkungen auf das Handling der Maschine. Aber das ist Standard, würden wir mal sagen.
Doch nicht jeder Spieler und an MotoGP Interessierte kann auch mit den entsprechenden spielerischen Fähigkeiten dienen und wird freudig zur Kenntnis nehmen, dass es wieder ein sehr umfangreiches Hilfesystem gibt. Stichwort Zugänglichkeit. Ob nun besagte Reifenabnutzung, Traktionskontrolle, gekoppelte Bremsen, Gewichtsverlagerung des Fahrers durch die CPU, Automatikgetriebe oder die auf den Asphalt gezeichnete Ideallinie, praktisch jeder Spielertyp wird hier die für ihn wichtige spielerische Erleichterung finden. Schön, dass dieser "personalisierte Schwierigkeitsgrad", wenn man das so nennen will, wieder den Weg in das aktuelle MotoGP gefunden hat, leider aber eben auch in unveränderter und absolut identischer Form zum Vorgänger.
Quelle: Milestone
MotoGP 14 (10)
Unverändert und identisch sind sowieso zwei Schlagwörter, die im aktuellen Titel von Milestone ständig präsent sind. Bezüglich der Steuerung mag man das ja noch verschmerzen können, bezüglich der zuschaltbaren Hilfen auch, aber beim Gameplay-Rest fällt uns das dann doch schon deutlich schwerer. Die Künstliche Intelligenz der CPU-gesteuerten Gegner beispielsweise, enttäuscht auch in MotoGP14 wieder auf ganzer Linie und zwar wegen genau den gleichen Schwachpunkten wie vor einem Jahr. Nach wie vor werden etwa die Rundenzeiten simpel berechnet und nicht realistisch simuliert. Und nach wie vor kleben die Fahrer auf der Ideallinie und Verlassen selbige selbst dann nur sehr selten, wenn sich darauf ein Hindernis, etwa unsere Wenigkeit, befindet. Auffahrunfälle mit unvermeidlich folgenden Abflug in die Botanik sind also auch im aktuellen Ableger der Rennspielserie an der Tagesordnung und haben mittlerweile die obere Grenze des Nervfaktors erreicht, wenn nicht sogar schon überschritten. Es bleibt ein Rätsel, weshalb dieses Problem von den Entwicklern nicht endlich behoben wird. Ebenso wenig können wir begreifen, weshalb der Windschatten immer noch kaum eine Rolle spielt und die Wetterbedingungen nicht solche Auswirkungen auf das Handling der Motorräder hat, wie es die Realität einfach vorgibt. Schon sonderbar, wenn man bei Regen ohne große Anpassungen genauso über den Kurs brettern kann, wie beim schönsten Sonnenschein mit entsprechend trockener Fahrbahn. Und Milestone, warum wurde das Flaggen- und Strafsystem nicht endlich überarbeitet? Schon letztes Jahr wurde dies bemängeln, geändert hat sich aber nichts.
...und auch der Umfang kann kaum überraschen
Quelle: Milestone
MotoGP 14 (12)
Unverändert und identisch, wenn MotoGP 14 einen Untertitel hätte, diese zwei Begrifflichkeiten müssten Bestandteil von selbigen sein. Spielerisch, inhaltlich und, wie wir später noch sehen werden, auch technisch, ist schon viel, meist sogar zu viel 1 zu 1 aus dem Vorgänger übernommen worden. Trotzdem kann zumindest der Umfang die eine oder andere Neuerung vermelden. Meist nur Marginalien und meist auch ohne die gewisse Überraschung, aber egal besser als nichts ist es allemal.
Ganze drei neue Spielmodi haben den Weg in die finale Version geschafft: Real Events, Challenge the Champion und Split Battle. Bei Real Events handelt es sich um eine Art Herausforderungsmodus, dessen Hauptbestandteile besonders spannende Rennsituationen der MotoGP Saison 2013 sind. Diese sogenannten Schlüsselszenen aus dem Rennkalender des vergangenen Jahres sollen nun von euch, wie sollte es anders sein, möglichst erfolgreich nachgespielt werden. So könnt ihr etwa versuchen, beim ersten Rennen in Qatar Rossi nach einem total verkorksten Start innerhalb der letzten Runden doch noch unter die ersten Drei ins Ziel zu bringen. Je nach dem wie erfolgreich ihr diese Aufgabe erledigt, werdet ihr dann nach der hinlänglich bekannten Belohnungssystematik mit freischaltbaren Extras und Punkten entsprechend vergütet. Welch Überraschung.
Übrigens, nach dem gleichen Prinzip, allerdings mit etwas geänderten Inhalten, läuft dann auch der ebenfalls neue Modus Challenge the Champion ab. Wieder habt ihr es mit einem Herausforderungsmodus zu tun und wieder basieren die Inhalte auf Schlüsselszenen diverser Rennen. Allerdings werden euch nun reale Ereignissen der letzten Jahrzehnte mit zusätzlich einigen komplett fiktiven Rennsituationen geboten. Als steuerbare Protagonisten kommen Stars aus den vergangenen Rennsportepochen zum Einsatz, so dass ihr hier unter anderem in den Genuss kommt, euch spannende Rennen mit einem Max Biaggi oder einen Freddie Spencer Junior zu liefern.
Quelle: Milestone
MotoGP 14 (14)
Bleibt noch Umfangsneuheit Nummer 3: Der Onlinemodus Split Battle. Wer hinter dem Namen jetzt die ganz große neue Spielvariante erwartet, wird ziemlich schnell enttäuscht abwinken. Split Battle ist eine Art Zeitrennen mit speziellen Regeln, einem besonderen Augenmerk auf den Kampf um die schnellsten Sektionszeiten und wird natürlich mit bzw. gegen andere User durchgeführt. Nichts Besonderes also, oder? Trotzdem werden vor allem Fans der Zeitenjagd mit Split Battle sicher die eine oder andere vergnügliche Stunde verbringen.
Und sonst? Alle Teams, alle Fahrer, alle Maschinen und alle Strecken der aktuellen Saison sind, komplett und originalgetreu ins Spiel integriert worden. Neben der namensgebenden Königsklasse MotoGP werdet ihr auf der BluRay auch noch die Nachwuchsklassen Moto2 und Moto3 finden. Wie gehabt, ist also wieder das volle Lizenzpaket enthalten. Ein großes Lob dafür.
Weniger Lob gibt es allerdings für den Rest. Vor allem auch deshalb, weil wieder Milestones bekanntes Source-Recycling zum Einsatz kam. Schnelle Rennen, eher oberflächliche Meisterschaften in einer der enthaltenen Rennklassen und ein durchaus passabler Mehrspielerbereich – off- und online –, der euch unter anderem die Möglichkeit gibt eine komplette Saison über PSN und gegen bis zu 12 menschliche Gegner auszutragen, bieten durchaus passenden Spielspaß, leider eben aber auch überhaupt nichts Neues.
Quelle: Milestone
MotoGP 14 (13)
Gleiches beim natürlich wieder integrierten Karrieremodus. Hauptproblem der simulierten persönlichen Fahrerlaufbahn ist nach wie vor, und das ist nach der Kritik aus dem letzten Jahr schon etwas verwunderlich, der absolut langweilige, über weite Strecken farblose und nie wirklich mitreißende Ablauf. Man erstellt seinen Fahrer nach dem bekannt stupiden Baukastenprinzip, wird danach in stupiden Mailverkehr von einem Manager unter Vertrag genommen und findet sich zum Abschluss der Einstiegssequenz in einem weiterhin fade eingerichteten Büro, um stupide auf die ersten Angebote für Wildcard-Rennen in der unteren Klasse Moto3 zu warten. Erfolge und das Erfüllen bestimmter Aufgaben bringen euch einen besseren Ruf, Upgrades für eure Maschine und im besten Fall gleich ein neues Team, vielleicht sogar eine Rennklasse höher. Nebenbei spielen Sponsoren, Medien und Fans eine nicht unwichtige Rolle und müssen mehr oder weniger intensiv beachtet werden, will man schlussendlich durch Verhandlungsgeschickt und hohe Beliebtheit noch mehr Geld in die Team- bzw. Fahrer-Kasse spülen. Über die einfallslos designten Inhalte des Karrieremodus könnte man ja durchaus noch, mit entsprechend guten Willen, hinwegsehen, wenn das Ganze auf der PS4 wenigstens endlich mitreißend, spannend und intensiv präsentiert würde, wird es aber nicht. Stattdessen erinnern uns die überschaubare Anzahl an Zwischensequenzen und der gesamte optische Aufbau frappierend an die letztjährige PS3-Version. Alles etwas schärfer gezeichnet, alles mit etwas mehr Leben ausgestattet, aber mehr auch schon nicht.
Next-Gen-Grafik mit sehr viel Luft nach oben
Quelle: Milestone
MotoGP 14 (9)
Was sich wohl eine PS4 denkt, wenn sich das erste Mal die BluRay von MotoGP 14 im Laufwerk dreht? Sind meine Grafik-Komponenten so schlecht? Hat meine Hardware einen Defekt? Oder bin ich jetzt doch abwärtskompatibel? Ok, eine PS4 denkt nicht, aber wir tun's. Und was bei dem Benützen der Gehirnwindungen so herauskommt, ist kaum schmeichelhaft für die italienischen Entwickler von Milestone. Beginnen wir mit dem Positiven, oder besser, mit dem wenigen, was man als positiv bezeichnen kann. Das Spiel läuft flüssig, Ruckler oder eine Framerate, die etwa im Split Screen, in die Knie geht, werdet ihr beim Next-Gen MotoGP 14 nicht zu sehen bekommen. Es gibt nun ein Safety-Car, welches nicht nur schnödes Beiwerk ist, sondern bei entsprechenden Situationen auch tatsächlich aktiv und optisch ansprechend ins Geschehen eingreift. Und überhaupt ist insgesamt etwas mehr Betrieb auf bzw. neben der Strecke und vor allem auch in den Boxengassen. Schön auch, dass die Fahreranimationen nach wie vor passend integriert sind und auch am Design der schön gezeichneten Rennmaschinen nichts geändert wurde, es daher auch nichts auszusetzen ist.
Weniger schön, dass sich der optische Rest weiterhin so bieder wie vor einem Jahr gibt, und das trotz besserer Hardware und laut Entwicklern neuer Grafikengine. Details abseits der Ideallinie, schöne Hintergründe, klare Weitsicht und realistische Licht- und Wettereffekte sucht man weiterhin genauso vergebens, wie eine zeitgemäße Präsentation, mitreißende Wiederholungen und kurze Ladezeiten. Trotz neuer Konsolengeneration, optisch ist leider deutlich mehr PS3 als PS4 zu sehen.
Selbiges beim Sound, wo der Current-Gen-Vorgänger ebenfalls an allen Ecken und Enden präsent ist. Positiv hierbei: Wie schon vor einem Jahr dröhnen auch im aktuellen MotoGP 14 die 250, 600 und 800 ccm Motoren wieder absolut satt und realistisch aus den Lautsprechern. Negativ allerdings: Wie vor einem Jahr ist die restliche Akustik leider wieder richtig bieder (Reporter), enorm langweilige (Menümusik) und in bestimmten Fällen einfach immer noch nicht vorhanden (Boxencrew und Manager).
