Killzone: Shadow Fall Intercept angespielt: Killzone bekommt einen Koop-Modus
Special
Wer bislang einen kooperativen Spielmodus in Killzone: Shadow Falls vermisst hat, bekommt ab heute Nachschlag: In einem Update vom 25. Juni veröffentlichte Guerrilla Games den Koop-DLC "Intercept". Wir haben ihn angespielt und mit den Machern über das Konzept sprechen können.
Killzone: Shadow Fall war einer der beeindruckendsten Launch-Titel zum Start der Playstation 4 im vergangenen November. Grafisch setzte die Kampagne Akzente, der Multiplayer kam eher stockend voran. Nun, etwa mehr als ein halbes Jahr nach dem Start, veröffentlicht Guerrilla Games das zweite Multiplayer Add-On – und diesmal ist es ein großes! Denn in Killzone: Shadow Fall Intercept spielen erstmals vier Spieler kooperativ zusammen. Auf vier Karten muss man hinter feindlichen Linien Missionen lösen und Helghast bekämpfen, mindestens sechs weitere sind schon geplant.
Bis zu vier Spieler schlüpfen in ebenso viele vordefinierte Rollen. Medic, Marksman und Assault sind branchenüblich. Der eine heilt, der andere snipert und der letzte teilt Schaden aus. Der Tactitian jedoch ist neu. Er hat nur minimale Bewaffnung bei sich, kann dafür aber zwei Verteidigungstürme aufbauen. "Der Taktiker macht Intercept zu so etwas wie einem First-Person Tower Defense Spiel", erklärt uns Steven Ter Heide, Game Director bei Guerrilla Games. Insgesamt drei Flaggen muss das Team vor Angreifern verteidigen und zurückerobern, wenn sie mal eingenommen sind. Über weite Strecken fühlt sich der Spielmodus an wie ein umgedrehtes Domination-Spiel. Trotz der kleinen Größe der Karten, geht es sehr taktisch zu. Die drei Flaggenpunkte sind fast durchgehend sichtgeschützt. Einfach von der Mitte aus rumballern bringt einen nicht weiter. Das Team muss seine leicht gesicherte Basis in der Mitte der Karten verlassen, um Gegnersquads anzugreifen. Meist bleibt nur der Sniper zurück, der aus dem Höhenvorteil mehr Gewinn ziehen kann als seine Kollegen.
Taktisch und sehr beweglich
Quelle: Guerrilla Games
Killzone bekommt mit Intercept einen Koop-Modus. (2)
Auf sechs Karten sind die Flaggenpunkte rundherum um die Basis der Spieler aufgebaut. Aus welcher Richtung Feinde kommen, lässt sich nie erahnen. Aus diesen baulichen Gründen ist es erforderlich, sehr flink zu sein und aktiv umher zu laufen. Einfach Abwarten und Tee trinken kann man in Intercept nicht. Auf eine größere Hintergrundgeschichte verzichten die Macher dabei. Sie verwenden zwar zum Teil Handlungsorte aus der Kampagne, aber mehr gibt es nicht. "Wir haben so riesige Gelände für die Kampagne erstellt, die wir nie und nur kurz genutzt haben. Als man etwa mit dem Zug durch die Slums an der Grenze fährt, rasen in einer horrenden Geschwindigkeit ganze Stadtteile an einem vorbei." Das Gebiet war da, also hat Guerrilla das Material hergenommen und recycelt. Klingt vielleicht billig, stellt aber einen Bezug zur Killzone-Reihe her, ohne den DLC großartig zurechtbiegen zu müssen.
Ziel auf den Intercept Karten ist es, mit seinen Kollegen ein festes Punkteziel zu erreichen. Auch hier wieder Ähnlichkeiten zum Domination-Prinzip, nur umgekehrt: Statt Tickets zu verlieren, gewinnt man mit jedem Abschuss und jeder Minute in der man überlebt an Punkten. Nehmen die Helghast jedoch zu viele Flaggen ein, baut man am Punktekonto wieder ab. Und auch jede Wiederbelebung kostet "bare Münze".
AI Commander für den Überblick
Quelle: Guerrilla Games
Killzone bekommt mit Intercept einen Koop-Modus. (5)
Neu in der Serie ist der sogenannte AI Commander. So nennt Guerrilla Games den unsichtbaren Strippenzieher hinter den feindlichen Truppen. Die KI gibt seinen Truppen grobe Ziele vor – etwa "greift alle eine Flagge an", "greift zwei Flaggen Parallel an" oder "isoliert Spieler XY". Je nach Ausgangslage erteilt er einfache Befehle, für die Ausführung versammelt das Spiel mehrere Einheiten zu einem Squad. So entsteht eine richtige Befehlsstruktur, die nach außen hin intelligent aussieht. "Der AI Commander nimmt alle Informationen her, die er kriegen kann. Wenn ein Spieler richtig gut ist und die anderen locker überholt, wird er zum Beispiel befehlen diesen Spieler anzugreifen." Wenn ein Sniper auf dem Dach steht, gut geschützt von Wänden und Sandsäcken, beordert der Kommandant eben Einheiten mit Granaten herbei.
Der Begriff AI Commander legt aber irgendwie nahe, dass die KI disziplinierter und klüger vorgeht. Das ist leider nicht der Fall. Die Idee hinter dem Feature mag auf dem Papier nett klingen, auf dem Schlachtfeld merkt man aber kaum etwas davon. Denn auch wenn Feinde in Gruppen ankommen und einem größeren Plan folgen, sobald sie ihn ausgeführt haben, stehen sie antrieblos da. Manche schießen sogar nur in den Himmel oder zu Boden, die Dynamik geht schnell flöten. Und auch die Boss-Wellen schaffen nicht viel Abwechslung. Bis zu drei Charaktere aus der Kampagne treten in Gastspielen auf. Sie sind besonders hart zu knacken, machen aber einen genauso generischen Eindruck wie alle anderen Feinde. Sie tauchen irgendwo auf, stolzieren auf der Karte rum und fallen irgendwann dem Feuer zum Opfer, wenn die Kommandanten-Routine abgelaufen ist.
Coole Extra-Items und ein Bank-System
Quelle: Guerrilla Games
Killzone bekommt mit Intercept einen Koop-Modus. (6)
Eines muss man dem AI Commander aber lassen: Abwechslungsreich sind die Gefechte schon. Keine Runde spielt sich wie die zuvor, was auch an einem Item-System liegt. Mit zunehmender Punkteanzahl streut das Spiel Kondensatoren auf der Map aus. Schafft man es, sie einzusammeln, kann man an einem zentralen Terminal kurzzeitige Hilfe anfordern. So lassen sich Mörserschläge herbeirufen, Medikits oder sogar Jetpacks und Miniguns für alle. Die Jetpacks sorgen dafür, dass man höhere Punkte auf der Karte erreicht. Gerade für den Taktiker ergeben sich dadurch enorme Vorteile.
Gefallen hat uns auch das Bank-System von Killzone: Shadow Fall Intercept. Denn Punkte sammelt man nicht beständig aufs Gruppenkonto, sondern erst auf ein privates. Wer viele Punkte durch Kills und Hilfen ansammelt, bekommt Boni. Um die Punkte auf das Siegkonto zu übertragen, muss man sie in die Punktebank der Basis bringen. Die Entscheidung, wann man das macht, ist risikoreich: Wartet man lieber noch eine Welle Gegner ab und kassiert Boni, oder legt man die Punkte schnell an, um einen Verlust zu verhindern. Wer stirbt, verliert auch seinen Kontostand, die Siegpunkte gehen dann einfach verloren. Das Feature ist ein weiterer wichtiger Aspekt für den Teamplay-Gedanken. Denn nur wenn alle zusammen funktionieren, vor allem der Medic, erreicht man das Ende des Spiels.
Als DLC und Standalone-Spiel
Quelle: Guerrilla Games
Killzone bekommt mit Intercept einen Koop-Modus. (8)
Überraschenderweise erscheint Killzone: Shadow Fall Intercept nicht nur als Download-Addon, sondern im August 2014 auch als Standalone-Spiel. Die Entscheidung kam für die Entwickler ganz natürlich: "Wir wissen, dass viele Killzone nicht mit Koop verbinden und einige ihre Kopie von Killzone: Shadow Fall sogar schon wieder verkauft haben. Wir wollen trotzdem jeden mit diesem Addon erreichen und ihm eine Chance geben, Intercept auszuprobieren." Die Portierung als Standalone-Version dauert jedoch etwas länger, weil das Team erst die unnötigen Elemente aus dem Hauptspiel entfernen muss. "Das dauert alles seine Zeit."
Intercept startet mit vier Karten, sechs weitere sind geplant. Vier davon sind nicht rund um eine Basis aufgebaut, sondern bilden eine Linie. "Spiele wie DotA haben uns in der Hinsicht inspiriert", erzählt Arjan Bak, Lead Designer. Und eben auch Domination-Spielmodi wie der aus Battlefield.
Für Season Pass Inhaber von Killzone: Shadow Fall ist Intercept gratis. Der Download kostet 9,99€. Ein Preis für die Standalone-Version ist bislang nicht bekannt.
Disclaimer: Sony Computer Entertainment hat Gamezone nach Amsterdam eingeladen, um den Spielmodus bei Guerrilla Games vor Ort anzuspielen und mit den Machern zu sprechen.
