Blue Estate: Test: Flacher Humor und Sexismus am laufenden Band

Test Michael Sosinka
Blue Estate im Test (5)
Quelle: Focus Home Interactive

Blue Estate ist ein klassischer Rail-Shooter, der auf der PlayStation 4 nur den DualShock 4-Controller und seine Bewegungssteuerung benötigt. Für 20 Euro bekommt man einen blutigen und rasanten Shooter, der auf flachen Humor, dämliche Sprüche, Sexismus und absurde Situationen setzt. In Verbindung mit der ordentlichen Grafik ist Blue Estate für die kleine Actiondosis durchaus geeignet.

Auf Schienen in den Wahnsinn
Blue Estate für die PlayStation 4 ist ein klassischer Rail-Shooter, bei dem man sich hauptsächlich auf das Zielen konzentrieren muss, während man auf vorgegebenen Bahnen durch die Levels geführt wird. Überraschenderweise benötigt man für Blue Estate keine Lightgun, kein PlayStation Move und auch keine Kamera. Die Steuerung wird alleine über die Bewegungssensoren des DualShock 4-Controllers realisiert. Und das funktioniert erstaunlicherweise recht gut. Die letzte Präzision fehlt vielleicht, aber Spaß macht die Ballerei trotzdem. Anfangs wird der DualShock 4 kurz kalibriert und kurze Zeit später geht es los. Das Kalibrieren wäre im Prinzip aber gar nicht nötig, denn auf Knopfdruck kann man den Cursor in der Mitte des Bildes zentrieren. Das muss man eigentlich nach jeder größeren Schießerei machen, da das Steuerkreuz recht schnell verzieht. Ein allzu großes Problem stellt das nicht dar.

Blue Estate im Test (4) Quelle: Focus Home Interactive Blue Estate im Test (4) In Blue Estate übernimmt man die Rollen von Tony Luciano, dem dezent wahnsinnigen Sohn des LA-Gangsterbosses Don Luciano, und Clarence, dem ehemaligen Navy SEAL, der das Chaos von Tony wieder in Ordnung bringen soll. Tony Luciano will übrigens seine vollbusige Freundin retten und ballert sich durch allerlei Gangster. Die Story ist jetzt nicht besonders tiefgründig, aber das ist ja auch ein Rail-Shooter. Als Spieler hat man eine Standardwaffe (Pistole) mit unendlich viel Munition zur Verfügung. Für Pumpguns, Sturmgewehre und Co. benötigt man zusätzliche Munition. Neben der Bewegungssteuerung wird auch das Touchpad ausgiebig genutzt. Um Nahkampfangriffe abzuwehren, Munition einzusammeln oder ein Health-Paket einzusammeln, muss man in bestimmte Richtungen über das Touchpad wischen. Zudem fallen beispielsweise Tonys langen Haare immer wieder ins Bild, die man ebenfalls mit einem Wisch nach hinten werfen muss. Das ist ein ganz witziger Einfall (davon gibt es viele), weil Tony deswegen immer wieder flucht und seine Frisur derart störend in einem Feuergefecht ist.

Das Gameplay gibt keine Rätsel auf. Wichtig ist, dass man im richtigen Moment nachlädt und in Deckung geht. Freundlicherweise zeigt und das Spiel stets an, welcher Gegner als nächstes schießt und damit die größte Bedrohung darstellt. Diese Kollegen sollte man also möglichst als erste um ihr Leben erleichtern. Und so steigt der Multiplikator und das Punktekonto wächst immer weiter an. Headshots bringen natürlich die meisten Punkte und einige Gegner sind sogar gepanzert, weswegen man ohnehin auf den Schädel zielen sollte. Nette Zeitlupeneffekte und Bossgegner sorgen hingegen für Abwechselung. Blue Estate ist kein sehr umfangreiches Spiel. Nach zwei bis drei Stunden ist man durch, doch der Reiz von Lightgun-Shootern liegt eher in den Highscores, weswegen ein entsprechendes Leaderboard vorhanden ist. Alternativ darf man lokal zu zweit losballern. Leicht ist Blue Estate übrigens nicht. Man kann bereits in den ersten Levels sehr schnell scheitern. Checkpoints gibt es nicht. Sobald alle Leben aufgebraucht sind, beginnt die Stage von vorne. Manchmal wird es zudem zu chaotisch und dadurch kommt an einigen Stellen durchaus Frust auf. Aber nach dem einen oder anderen Anlauf klappt es meistens doch noch.

Politisch total inkorrekt
Blue Estate im Test (5) Quelle: Focus Home Interactive Blue Estate im Test (5) Blue Estate basiert auf dem gleichnamigen Comic von Viktor Kalvachev und ist politisch voll inkorrekt. Flache Witze unter der Gürtellinie, derbe Sprüche, absolut sexistisch, total verblödet, überaus dämlich... man könnte ewig so weiter machen. Man muss den bescheuerten Humor von Blue Estate einfach mögen und nicht alle Gags wollen zünden, aber im Großen und Ganzen ist das Teil schon ganz witzig, wenn man nicht gerade auf intellektuelle Unterhaltung und eher subtile Witze steht. Zum Glück nimmt sich Blue Estate zu keinem Zeitpunkt ernst, ähnlich wie ein Duke Nukem. In einem Bossfight tritt man zum Beispiel gegen einen kleinen, bierbäuchigen und BH-tragenden Asiaten an, der wie Kim Jong-Un aussieht, was natürlich reiner Zufall ist. Die ganzen Verweise auf aktuelle Pop-Kultur machen ebenfalls viel Laune.

Blue Estate im Test (6) Quelle: Focus Home Interactive Blue Estate im Test (6) Blue Estate ist völlig absurd und durchgeknallt, während die gute englische Sprachausgabe die Einzeiler der Protagonisten gut rüberbringen kann. Bei der Daueraction, bei der man kaum verschnaufen kann, ist es aber sehr schwer, den deutschen Untertiteln zu folgen. Grafisch ist Blue Estate wahrscheinlich nicht das hübscheste Spiel auf der PS4, aber der Stil, obwohl kein Cel-Shading, passt gut zum Comic und die Entwickler von Hesaw beweisen viel Liebe zum Detail. Die flüssige und fehlerfrei Grafik überzeugt jedenfalls. Da das Spiel recht kurz ist, sind 19,99€ ein stolzer Preis. Blue Estate erscheint in Deutschland ungeschnitten, obwohl die Gewalt recht ausufernd dargestellt wird. Sie ist jedoch auch völlig überzeichnet, wie der Rest des Spiels.

Meinung

Wertung zu Blue Estate (PS4)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Bewegungssteuerung mit dem DualShock 4 erfüllt ihren ZweckHerausfordernde Daueraction ohne Verschnaufpausenabsolut derber und flacher Humorlokaler Koop-ModusHighscore-Jagd via Leaderboardflüssige und angenehm gestaltete Grafik
Umfang überschaubarHumor nicht jedermanns Sacheteils zu chaotisch und damit unfair
Fazit

Flach und sexistisch, aber trotzdem eine Herausforderung: Blue Estate ist ein Rail Shooter mit dem Charisma eines Duke-Nukem-Spiels!

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