Tour de France 2014: Le Tour de France 2014 im Test: Das gelbe Trikot ist weit weg
Test
Schlechtes Image des Radsportes hin oder her, die Cyanide Studios und Focus Home Interactive werden nicht müde, jedes Jahr meist nur mittelmäßige Spielumsetzung zur Tour de France in die Läden zu stellen. 2014 nun erstmals auch für die PS4. Besser wird dadurch aber nur wenig.
Ein Spielprinzip für Fans
Das spielerische Hauptaugenmerk von Le Tour de France 2014 liegt nicht in der Steuerung der Rennräder selbst, das Ganze wird schließlich nur mit simplen, kaum fordernden Tastenbefehlen abgehandelt, viel mehr will der Titel durch diverse taktische Besonderheiten eine gewisse Realitätsnähe vermitteln. Radsport ist heutzutage eben nicht nur stupides In-die-Pedale-treten, sondern immer auch ein Zusammenspiel von Ausdauer, Technik und vor allem Teamarbeit. Und diese Aspekte versuchen die Entwickler in Le Tour de France 2014 abzubilden. Mit teilweise durchaus respektablen Erfolg.
Kein Buttonmashing also, stattdessen erwartet die Radsportumsetzung von euch ein gezieltes, vor allem aber überlegtes Vorgehen. Im Mittelpunkt steht hierbei der Kraft- bzw. Ausdauerbalken. Da jeder Antritt Energiepunkte kostet, welche wiederum besagten Balken leeren, müssen kräfteraubende Aktionen mit Bedacht eingesetzt werden. Und gerade dieser bedachte Einsatz, wird einem anfangs ziemlich schwer fallen. Ergebnis: Man wird häufig Lehrgeld zahlen und, öfters als einem lieb sein kann, schnaufend auf einen der hinteren Plätze ins Ziel rollen. Gerade Genreneulinge können sich also darauf einstellen, dass sie ein paar Rennen brauchen werden, bis sie das System verstanden und sämtliche Gameplaykniffe, wie etwa den geschickten Einsatz der Verpflegung oder die Wahl der richtigen Kettenübersetzung zur richtigen Zeit, verinnerlicht haben.
Quelle: Cyanide Studios
Tour de France 2014 im Test (1)
Doch nicht nur der Einsatz der eigenen Energiereserven ist wichtig, auch die Wahl der Renntaktik kann über Platz 1 oder 100 entscheiden. Und hier kommen dann auch eure Teamkollegen ins Spiel. Oder besser die Anweisungen, die ihr an selbige geben könnt. Soll Nachführarbeit, also zum Einholen von anderen Fahrern, geleistet werden? Oder wollt ihr Unterstützung bei einem Ausreisversuch? Sollen euch die Teammitglieder schützen, um den Vorsprung in der Gesamtwertung zu verteidigen? Oder soll für euren Sprint um den Tagessieg ein entsprechender "Zug" aufgebaut werden? Alles kein Problem, über ein schnell aufrufbares Befehlsrad könnt ihr praktisch alle wichtigen Teamtaktiken sofort anwählen. Und das Beste: Die KI führt die Aktionen grundsätzlich auch weitestgehend sinnvoll und vor allem realistisch aus. Unter anderem auch deshalb, weil bei den Fahrern die Fähigkeiten gut integriert wurden. Sprinter sind dafür ausgelegt hohe Wattzahlen im Zielbereich auf die Kette zu bringen, Steigungen sind für sie eine Qual und nur mit entsprechender Krafteinteilung überhaupt zu meistern. Kletterer sind hingegen gerade in den Bergen zuhause und fühlen sich am wohlsten je steiler die Strecke ist, haben dafür aber Probleme, wenn das Rennen auf den letzten Metern besonders schnell wird. Und dann gibt es natürlich noch die Fahrer, die mehr oder weniger "Allround"-Fähigkeiten besitzen, also irgendwie alles können, aber nichts übermäßig gut und deshalb die sogenannten Arbeiter im Team sind, also für alles eingesetzt werden können.
Quelle: Cyanide Studios
Tour de France 2014 im Test (3)
Übrigens müsst ihr die Etappen nicht komplett abfahren. Je nach Lust und Laune oder auch nach Rennverlauf könnt ihr praktisch an jeden Punkt der Strecke springen, was wiederum eine sogenannte Zeitraffer startet, die euch im Stil eines schneller ablaufenden Livetickers präsentiert wird. Schade nur, dass euch kaum Möglichkeiten an die Hand gegeben werden, um das Verhalten eures Fahrers bzw. eures Teams in diesen automatischen Rennsprüngen zu beeinflussen, stattdessen bestimmt die CPU mehr oder weniger selbst, wie diese Rennminuten simuliert werden. Trotzdem werden besonders die ungeduldigen Spieler dieses Feature begrüßen, können sie so die Etappen doch in wenigen Minuten absolvieren.
Also alles gut? Tatsächlich kann Le Tour de France 2014 ein durchaus ansprechendes Gameplay vermitteln, das vor allem Fans der Sportart eine gewisse Zeit glücklich machen wird. Die werden dann wohl auch darüber hinwegsehen, dass es dem Titel trotzdem auch an spielerischer Abwechslung fehlt. Die einzelnen Rennen sind kaum dynamisch, weshalb sich schnell eine gewisse spielerische Routine, oder sagen wir besser Langeweile einstellt. Schade auch, dass man in vielen Bereichen den nötigen Tiefgang vermisst. Es fehlt an selbsterstellten Fahrer genauso, wie an einer entsprechenden Weiterentwicklung und man ist praktisch immer in der Tour des Jahres 2014 mit den dort aktuellen Fähigkeiten der Fahrer gefangen.
Die Tour und nicht mehr
Quelle: Cyanide Studios
Tour de France 2014 im Test (2)
Auch der Umfang beschränkt sich auf die aktuelle Tour de France. Zumindest aber mit dem Effekt, dass diese wirklich komplett enthalten ist. Alle 22 Teams und mehr als 200 Fahrer mit ihren Original-Drahtesel sind nicht nur real, sie entsprechen auch genau dem, was an dem diesjährigen Rennspektakel teilnimmt. Gesprintet, ausgerissen und die Berge "hochgekraxelt" wir natürlich auf den 21 offiziellen Etappen. England, vor allem aber London, ist also genau so enthalten, wie die raue Küste von Nordfrankreich und die obligatorische Champs-Élysées in Paris. Leider gibt es aber eben keine Strecken außerhalb der Tour und auch keine Mannschaften, die nicht daran teilnehmen. Geschweige denn, dass man sich gar ein Team selbst erstellen könnte. Alles beschränkt sich tatsächlich meist nur auf das reine Radrennen auf der Straße mit den durch die Entwickler vorgegebenen Mitteln – ein Abseits davon gibt es im ganzen Spiel nicht.
Wobei, so ganz stimmt das dann doch nicht, denn im neuen Pro Team Modus wird euch zumindest die Möglichkeit gegeben, mehrere Saisonen zu spielen und auch direkten Einfluss auf die Mannschaftszusammenstellung zu nehmen. Etwa könnt ihr hier Fahrer von anderen Teams verpflichten oder Talente aufnehmen, um damit einen immer schlagkräftigeren Rennstall zu entwickeln. Allerdings beschränken sich diese Managertätigkeiten nur auf ein paar wenige Marginalien, tiefgreifende Aufgaben, wie etwa eine wirkliche Sponsorensuche, das Ausarbeiten von Trainingsplänen oder die Gestaltung des Rennkalenders, braucht ihr nicht zu erwarten. Alles bleibt sehr rudimentär, um nicht zu sagen richtig oberflächlich. Das hat dann natürlich auch Einfluss auf die Langzeitmotivation, die schon nach wenigen Fahrten stark in den Keller geht. Schlicht es fehlt einfach die Abwechslung.
Einigermassen nett präsentiert sich dafür die namensgebende Spielvariante Tour de France, die natürlich als Basis die aktuelle Rundfahrt beinhaltet und euch die Möglichkeit gibt, neben den gelben auch das grüne (Sprint), gepunktete (Berg) oder weiße (bester Nachwuchs) Trikot zu gewinnen. Ein paar vergnügliche Spielstunden kann auch der launige Mehrspielermodus bieten, in welchem ihr zu zweit in der Variante Koop oder Versus um die Etappensieg fahren könnt. Trotzdem kann auch dieser nicht darüber hinwegtäuschen, dass es inhaltlich an den wirklich fordernden Modi fehlt und man somit kaum einen Grund findet, sich intensiver und vor allem länger mit Le Tour de France 2014 zu beschäftigen.
Uralt Technik
Quelle: Cyanide Studios
Tour de France 2014 im Test (4)
Definitiv keinen Grund für überhaupt ein Spiel mit der Radumsetzung werden Technikfetische finden und selbst der neutralste Beobachter wird kaum glauben können, was ihm Focus Home Interactive hier als Next-Gen-Spiel verkaufen will. Selbst auf PS3 wäre die Grafik kaum hinzunehmen, auf PS4 ist sie allerdings eine glatte Frechheit. Matschige Texturen, wohin das Auge blickt, kaum vorhandene Details, ständiges Objektaufpoppen, null Weitsicht, dafür ein ständig präsenter Nebel, die hässlichsten Zuschauer ever, ever, ever, eine Präsentation aus der Steinzeit und weil das Alles noch nicht genügt, gibt es als sogenanntes Sahnehäubchen oben drauf, ewig lange Ladezeiten. Weswegen, werden wohl nur die Entwickler wissen. Oder auch nicht.
Zumindest sind die Radfahrer selbst durchaus ansehnlich designt und auch die Animationen werden mit wenigen hölzernen Ausnahmen meist flüssig, vor allem aber realistisch auf den heimischen Bildschirm gezeichnet. Auch wurde daran gedacht, immer mal wieder Wahrzeichen, wie etwa den Big Ben oder den Eiffelturm, einzubauen, um eine gewisse Realität zu vermitteln. Ob die Strecken selbst jetzt wirklich Originalgetreu auf die BluRay gepresst wurden, können wir nicht beurteilen, manche Abschnitte scheinen sich aber irgendwie zu wiederholen, zumindest unserer Meinung nach. Vielleicht liegt dieser Eindruck aber auch nur am grundsätzlich tristen Design.
Zumindest auf Seiten des Sounds gibt es nur wenig zu bemängeln. Die Hintergrundmusik ist hörenswert, der Team Funk kommt realistisch aus den Lautsprechern und auch die sonstige Geräuschkulisse könnte tatsächlich von einem Radrennen stammen.
