Tour de France 2014 - Der offizielle Radsport Manager im Test: Umfang hui, Technik pfui
Test
Auch wenn der Radsport Manager jetzt Le Tour de France 2014 heißt, in der Simulation versteckt sich viel mehr Inhalt als nur die Rundfahrt durch Frankreich. Und zwar deutlich mehr. Könnte die Technik nur annähernd mit diesem Umfang mithalten, Focus Home Interactive wäre der große Wurf gelungen. Wäre, ist aber nicht.
Tour, Vuelta, Giro…
Le Tour de France 2014 – Der offizielle Radsport Manager für den PC ist ein wahres Umfangsmonster. Mit 75 Teams könnt ihr in 200 Wettbewerben auf insgesamt 550 Etappen um den jeweiligen Sieg fahren. Neben der Tour de France, der Vuelta und der italienischen Rundfahrt stehen euch hierbei auch Klassiker, wie etwa das Eintagesrennen Lüttich-Bastogne-Lüttich, zur Verfügung. Aber nicht nur bei Straßenrennen müsst ihr euer Können beweisen, auch in einem Velodrom auf der Indoor-Bahn könnt ihr in sieben unterschiedlichen Einzelwettbewerben, z. B. Sprint, Keirin oder Ausscheidungsrennen, Bestzeiten aufstellen.
Quelle: Focus Home Interactive
Tour de France - Der Radsport Manager im Test (2)
Als Spielmodi werden euch neben der für eine Managersimulation logischen Karriere noch die obligatorischen Einzelrennen und ein durchaus ansprechender Mehrspielermodus geboten. Letzteres beinhaltet unter anderem die Variante Armada, welche zur Rennstallgestaltung auf das mittlerweile überall gerne eingesetzte Kartensystem aufbaut. Wie bei anderen Sportspielen auch, ist hier das Ziel durch den geschickten Einsatz von Karten unterschiedlichster Art ein möglichst schlagkräftiges Team aufzubauen, um damit dann über kurz oder lang an die Spitze der Online-Rangliste vorzudringen.
Mit dem Feature 3D Rennen habt ihr übrigens bei jeder Spielvariante, bei jedem Wettbewerb und bei jeder Etappe die Möglichkeit selbst aktiv ins Renngeschehen einzugreifen. Über simple Tastaturbefehle könnt ihr hier alle Teammitglieder direkt steuern und selbigen bestimmte Aktionen zuweisen. Ebenso ist es aber auch möglich der ganzen Mannschaft eine Taktik vorzugeben, um so gegebenenfalls auf bestimmte Rennereignisse schnell und klug zu reagieren. Und tatsächlich führt die CPU die eingegebenen Befehle weitestgehend passend aus. Nur sehr selten, leistet sich der Titel hierbei den einen oder anderen Logikfehler, leider dann aber meist mit Rennentscheidender Wirkung. Und das kann und wird euch auf Dauer nerven.
Manage das Team
Quelle: Focus Home Interactive
Tour de France - Der Radsport Manager im Test (3)
Das Hauptaugenmerk von Le Tour de France 2014 - Der offizielle Radsport Manager liegt natürlich auf der Karriere als Teammanager. Ihr erstellt euch also ein neues Team oder greift auf einen der vorhandenen, realen Rennställe zu und begebt euch damit ins harte Geschäft Radrennsport. Und hart, vor allem aber extrem umfangreich wird dieses Geschäft in Le Tour de France 2014 dann auch wirklich simuliert. Genreneulinge werden aufgrund der Möglichkeiten geradezu erschlagen und selbst Kenner finden sich anfangs kaum in den überladenen Menüs zurecht. Zurechtfinden ist hier überhaupt das Stichwort, denn das werdet ihr wohl erst, wenn ihr euch etwas länger mit dem Titel beschäftigt habt. Der Simulation fehlt es leider komplett an der leichten Zugänglichkeit und wer auch nur den Hauch einer Chance haben will, die Komplexität von Le Tour de France 2014 zu begreifen, der wird nicht umherkommen, sich sehr intensiv mit dem Spiel auseinanderzusetzen.
Habt ihr euch dazu entschlossen, wollt also tiefer in die Materie Radrennen einsteigen, dann steht euch tatsächlich ein enormes Arbeitspensum bevor. Ihr müsst euch um die Sponsorensuche genauso kümmern, wie mit neuen Fahrern verhandeln, Trainingspläne ausarbeiten oder einen sinnvollen Rennkalender gestalten. Doch bei Le Tour de France 2014 hören eure Aufgaben mit diesen "normalen" Tätigkeiten noch lange nicht auf, der offizielle Radsport Manager erwartet von euch mehr. So werden Ziele der Geldgeber vorgegeben und müssen auch aufs Genaueste eingehalten werden. Das integrierte Finanzsystem baut auf ein von euch genau kalkuliertes Teambudget auf, das Fehler nicht verzeiht und Ungenauigkeiten schnell mit finanziellem Kollaps des Teams bestraft. Mit den diversen Zulieferern muss vor, während und nach der Saison in Forschungs- und Entwicklungsprogrammen zusammengearbeitet werden – mit dem Ziel, möglichst schnell bessere Komponente einsetzen zu können. Und nicht zuletzt müssen Verletzungen der Fahrer nur durch einen geschickten Wechsel der Renn- und Regenerationsphasen vermieden werden, d. h. ein kluges Abwegen von was, wo und wer ist absolut entscheidend.
Quelle: Focus Home Interactive
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Apropos Fahrer. Natürlich muss man sein Team ständig beobachten und auf jede Schwäche sofort reagieren, schließlich will man sich durch die drei Renndivisionen bis zur höchsten Serie Cya-World-Tour hocharbeiten. Neue Fahrer müssen verpflichtet, schwächelnde abgegeben und vor allem Talente gesichert werden. Dreh- und Angelpunkt dafür ist der sehr dynamisch integrierte Transfermarkt. Übrigens ein Highlight von Le Tour de France 2014. Wer denkt, es ist ein Leichtes Fahrer hin- und herzuschieben, wird schnell eines Besseren belehrt. Verhandlungsgeschickt und auch das Quäntchen Glück sind die Voraussetzungen – dann klappt es auch mit dem Wunschfahrer.
Hört sich doch alles sehr gut an, oder? Stimmt, leider ändert das aber nichts am Hauptproblem des Karrieremodus, nämlich dem extrem schweren Einstieg. Praktisch mit dem ersten Mausklick, bietet euch der Titel unzählige Möglichkeiten / unzähligen Aufgaben, vergisst dabei aber leider komplett, euch das Ganze auch in einer sinnvollen, stimmigen und logischen Art zu präsentieren. Stattdessen findet ihr euch in einer total verschachtelten Struktur wieder, die einem viel Zeit, aber auf Dauer vor allem viele Nerven kostet. Nicht falsch verstehen, es ist sehr löblich, dass die Entwickler versuchen, praktisch jeden Bereich des Radrennsportes abzudecken, einzig an der passenden Umsetzung hakt es mehr als ein Mal. Man mag es kaum glauben, aber der große Umfang schmälert den Spielspaß – ein normalerweise eher unbekanntes Problem.
Technischer Kettenriss
Eine Managersimulation sollte heutzutage natürlich auch eine gewisse Präsentation bieten. Vorbei die Zeiten, wo es genügt irgendwelche Texte, Listen und Tabellen darzustellen, um praktisch jeden Genre-Fan glücklich zu machen. Heute erwarten wir mehr. Heute erwarten wir eine schöne Optik, untermalt am besten mit vielen Bildern oder Videos und praktisch nach jeder Aktion eine auflockernde Zwischensequenz – natürlich das Ganze auch im eher trockenen Managerteil einer solchen Simulation.
Le Tour de France 2014 – Der offizielle Radsport Manager kann dies leider aber nur sehr bedingt auch wirklich bieten. Gerade die grundsätzliche Menüstruktur, ob das jetzt die normale Modus-Auswahl oder aber der Verwaltungsteil des Teammanagement betrifft, ist extrem langweilig und trist gestaltet. Von mitreißenden Pep keine Spur, alles versprüht den trögen Charme eines auf bunt getrimmten Excel Sheets.
Quelle: Focus Home Interactive
Tour de France - Der Radsport Manager im Test (5)
Bleibt noch die Darstellung der Rennen selbst. Aber auch hier bekleckert sich Focus Home Interactive kaum mit Ruhm. Analog zur PS4-Version gibt es auch auf dem PC nur wenig mehr als matschige Texturen, kaum vorhandene Details abseits des Kopfsteinpflasters bzw. Asphalts, ständiges Objektaufpoppen, einen ständig präsenten Nebel, hässliche "Zuschaueraufsteller"" und eine Rennpräsentation aus der Steinzeit zu sehen. Zumindest sind die Radfahrer einigermaßen passend designt und auch die Animationen werden mit wenigen hölzernen Ausnahmen meist flüssig, vor allem aber realistisch auf den heimischen Monitor gezeichnet. Auch wurde daran gedacht, immer mal wieder Wahrzeichen, wie etwa den Big Ben oder den Eiffelturm, einzubauen, um eine gewisse Realität zu vermitteln. Ob die Strecken selbst jetzt wirklich Originalgetreu auf die DVD gepresst wurden, können wir nicht beurteilen, manche Abschnitte scheinen sich aber irgendwie zu wiederholen, zumindest unserer Meinung nach. Vielleicht liegt dieser Eindruck aber auch nur am grundsätzlich tristen Design.
Interessant, trotz dieser faden Grafik, die meist auch noch ohne große optische Details auskommt, hatten wir auf unserem Vista-Testrechner mit ewig langen Ladezeiten und ziemlich häufigen, daher auch besonders nervigen Abstürzen zu kämpfen. Hier werden die Entwickler wohl nochmal tätig werden und entsprechende Patches bereitstellen müssen.
