The Last of Us Remastered: The Last of Us Remastered im Test: Mein erstes Mal mit Ellie
Test
Gamezone-Autor Sandro Odak spielt zum ersten Mal The Last of Us auf der Playstation 4 und ist verblüfft von der erzählerischen Qualität des Naughty-Dog-Titels. Für ihn ist der Remaster eine perfekte Möglichkeit, um dieses Meisterwerk nachzuholen. Aber wer The Last of Us schon kennt, kann ruhig daran vorbeigehen. Wieso, erklären wir euch im Test.
Viele Gamer sind besorgt. Der Remaster-Wahn geht um. Anstatt die großen Neuerungen für Playstation 4 und Xbox One zu veröffentlichen, bringen viele Publisher erst mal HD-Versionen ihrer alten Schinken. Das Problem: Während zum Beispiel Square-Enix' Kingdom Hearts tatsächlich schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, sind GTA 5 und The Last of Us erst vergangenes Jahr erschienen. Nach nicht nur 12 Monaten gibt es nun neue Versionen davon – für manch einen ist das ein Schlag ins Gesicht. Die Message für viele ist klar: Der Erstkäufer bekam vor 12 Monaten die "Beta-Version", erst jetzt kommt die "Game-of-the-Year-Edition", in der hübschen Grafik, wie es sich die Macher immer gewünscht haben.
Quelle: Sony / Naughty Dog
The Last of Us Remastered im Test (2)
Eigentlich gehöre ich auch zu diesen Kritikern. Ich wünsche mir mehr Neues und weniger Aufgewärmtes. Auf The Last of Us Remastered habe ich mich dennoch gefreut. Denn es ist mein erstes Mal mit Ellie – auch wenn diese sexuelle Anspielung vielleicht nicht ganz passend ist. In der letzten Generation war ich privat ein Xbox-Spieler. Ich konnte den Controller der Playstation 3 nicht leiden, entsprechend selten habe ich exklusive Spiele gespielt. Sie konnten noch so gut sein – für mich war das Spielgefühl immer schrecklich. Wenn ich sie nicht beruflich spielen musste, verzichtete ich meist komplett.
Doch in der "Next-Gen" haben sich die Vorzeichen verändert. Der Playstation 4 Controller ist haptischer, ich mag ihn plötzlich. Es ist also Zeit, all die fantastischen Playstation-Spiele nachzuholen. Dass ausgerechnet The Last of Us, rein mathematisch einer der besten Titel der gesamten PS3-Generation, zuerst rauskommt, freut mich natürlich. Denn schon die erste Mission fesselt total. Sie spielt 20 Jahre vor der apokalyptischen Handlung von The Last of Us. Ich steuere Vater und Tochter durch eine friedliche Welt, die jäh und abrupt unterbrochen wird von einer der herzzerreißendsten Szenen der letzten Jahre. Und wegen der Zombie-Thematik fragt man sich: Würde man sich eigentlich genauso entscheiden? Immerhin geht es in The Last of Us um Leben und Tod.
Der Schmuggler und das Mädchen
Quelle: PC Games
The Last of Us Remastered im Test (6)
Die Welt von Last of Us richtet sich im Jahr 2033 voll und ganz nach den Infizierten. Die Überlebenden wohnen abgeschottet vom Rest in Evakuierungs-Zonen. Wer es nicht dorthin geschafft hat, ist entweder tot, lebt ein ekelerregendes Leben in ständiger Angst oder schlurft als Infizierter durch die Straßen und knabbert an Menschen. Joel und Ellie sind ein ungleiches Paar in dieser unwirtlichen Welt. Er der knallharte Schmuggler, der Waren zwischen den Evakuierungs-Blasen schmuggelt. Sie ein unschuldiges, kleines Ding, das erst nach der Katastrophe zur Welt kam. Sie kennt keine Freiheit, keine Videospiele, keine Urlaubsausflüge. Ihre Welt ist von klein auf hinter "Gittern" gewesen.
Aus unerfindlichen Gründen soll Joel Ellie eines Tages wegbringen. Zu den Fireflies, einer Rebellentruppe, die sich gegen die Diktatur des herrschenden Militärs stellt. Sie wollen, dass das Land wieder demokratische Strukturen bekommt. Denn der Zombieplage fiel auch das politische Leben zum Opfer. The Last of Us zeichnet die Vereinigten Staaten als das Land, in dem das Recht des stärkeren gilt – und am stärksten ist die Armee. Wo anfangs noch Skepsis herrscht, entwickelt sich im Verlauf des Spiels eine unwahrscheinlich tiefe Freundschaft – ja, fast schon eine Vater-Tochter-Beziehung, wo man sich vorher hat keine vorstellen können. Joel kümmert sich um Ellie, Ellie um Joel – es ist stark, dass die Beziehung in beide Richtungen funktioniert und Naughty Dog eben nicht nur ein kleines, schwaches Mädchen hinstellt, das man beschützen und retten muss.
Charakterlich macht nämlich auch Ellie eine Entwicklung durch. Vom kleinen, zierlichen Mädchen entwickelt sie sich im Laufe eines Jahres zu einer taffen Überlebenskünstlerin – die man auch mal selbst steuern kann! Dabei inszeniert Naughty Dog das Spiel ganz virtuos an den Jahreszeiten entlang. Die Geschichte beginnt im hellen, freundlichen Sommer, wird im Herbst tragischer und scheint im Winter schon fast verloren. Der
Das Zusammenspiel von Handlung und Action
Quelle: PC Games
The Last of Us Remastered im Test (7)
Als virtuos lässt sich auch das Zusammenspiel von Erzählung und Actiongameplay beschreiben. Natürlich thront die Zombie-Infektion über allem. Doch so wirklich als Zombie-Spiel kann man The Last of Us nicht bezeichnen. Denn der Titel konzentriert sich dankenswerterweise mehr auf Zwischenmenschliches, als auf das Effekthaschende. In kinoreif inszenierten Zwischensequenzen, die von Schauspielern von Format eingespielt wurden, entfaltet sich also eine Geschichte voller Schicksalsschläge.
Größer und schlimmer als der offensichtliche Feind, die Zombies, ist der versteckte. Lug, Betrug und Intrigen ziehen sich durch Last of Us. Der Verrat durch neugefundene Freunde und Überlebende, die sich als Banditen und Wegelagerer herausstellen, schmerzt richtig. Denn in all dem Bösen, das uns in The Last of Us begleitet, suche ich immer wieder nach Hoffnungsschimmern. Das dramatische Ende ist da nur die Spitze des Eisbergs.
Was ist "Remastered"?
Quelle: PC Games
The Last of Us Remastered im Test (9)
Die Frage ist: Was ist an The Last of Us nun Remastered? Fakt ist: Das Spiel sah schon auf Playstation 3 ziemlich atemberaubend aus. Gut, das Kantenflimmern ist nun nicht mehr ganz so schlimm, wie auf PS3. Und das Bild etwas klarer, der Blick weiter. Doch allzu große Unterschiede gibt es da nicht. Ein bisschen enttäuschend ist vor allem, dass manche Kanten immer in der Bewegung flimmern und tanzen. Zwar ist nicht mehr wirklich jede Objektkante von einem weiß schummrigen Licht umhüllt, doch ganz wird Naughty Dog das Problem nicht los.
Rein rechnerisch aber ist er da: The Last of Us springt von ehemals 30 Frames pro Sekunde bei 720p auf 60 Bilder bei 1080p – also Full HD. Wer drauf steht, kann die Kamera bei 30 Frames festmachen – angeblich soll das einen Kino-Look darstellen. Aber mir gefielen die flüssigeren 60 Frames besser. Die Effekte sind natürlich höher aufgelöst, die Sichtweite besser und Oberflächenstrukturen sehen durch Occlusion Mapping plastischer aus. Aber um ehrlich zu sein werfe ich jetzt schon nur noch mit Begriffen um mich, die mir Naughty Dog bei der Vorschau zugeworfen hat. Mein Eindruck ist: Ja, Last of Us Remastered sieht ein bisschen besser aus, aber bestimmt nicht wie ein gänzlich anderes, neues Spiel. Es ist halt was für all die Konsolenlager-Wechsler. Diejenigen, die wie ich in der letzten Generation Xbox 360 gespielt haben. Aber nochmal kaufen muss es bestimmt keiner.
