Sunset Overdrive: Sunset Overdrive in der Vorschau: Bunt und schnell, aber wo bleibt die Langzeitmotivation?
Special
Insomniac entwickelt einen Xbox-exklusiven Funshooter und er ist anders als alles, was das Studio bislang gemacht hat. Wir haben Sunset Overdrive nun erstmals angespielt und bleiben verblüfft zurück: Das ist alles super bunt und total abgefahren - aber Motivation und Spielziel gehen in all dem Klamauk irgendwie unter.
Der Enthüllungstrailer auf der E3 2013 sah enorm aus: Ein Charakter schwingt sich über die Dächer von Häusern, grindet an Stromkabeln entlang und ballert zombiemäßige Gegner über den Haufen. Viele haben sich damals gefragt, ob das nur eine Zwischensequenz ist oder wie sich Sunset Overdrive steuert. Heute weiß ich: Es geht fast wie von selbst. Der Parkour-Stil ist fast ein Selbstläufer. Hindernisse überwindet der Hauptcharakter meist ohne Einflussnahme des Spielers. Er springt einfach über kleinere Huckel hinweg, klettert an Vorsprüngen hoch und richtet sich schon zum grinden an Stangen und Kabeln aus. Will man sich dann rutschend fortbewegen, muss man nur noch eine Taste drücken um loszulegen.
Quelle: Microsoft
Sunset Overdrive in der Vorschau: Dem Shooter fehlt es an Tiefgang und Zusammenhang. (2)
Dann geht alles ganz fix in meiner Demo. An Girlanden und Stromkabeln rutsche und grinde ich in einem Vergnügungspark entlang, ballere Feinde mit den lustigen Wummen um und bekämpfe einen riesigen Boss. Das macht über weite Strecken Laune, es ist eine stupide aber fordernde Ballerei. Fordernd deswegen, weil Gegner ziemlich stark austeilen. Bleibt man auf dem Fleck stehen, hauen sie meine Spielfigur schnell um. Deshalb: Immer in Bewegung bleiben. Bewegung ist nicht nur wichtig, weil sie zum "Flow" von Sunset Overdrive gehört, sondern weil sie Leben rettet.
Stupide ist Sunset Overdrive aber dennoch. Weil ich so viel grinde und rutsche, fühle ich mich wie in einem Rail-Shooter, in dem ich manchmal die Richtung wählen darf, in die es gehen soll. Das ist vermutlich einer der größten Kritikpunkte des Titels: Weil alles von selbst geschieht, fühle ich mich nie so, als hätte ich jetzt einen besonders guten, besonders gewagten Sprung hingelegt. Sunset Overdrive fühlt sich mehr an wie ein Kontrollverlust. Ein Parkour-Spiel, das kein Parkour-Spiel sein will und stattdessen ein Arcade-Shooter.
Und auch ein großes Ziel fehlt in dem Demolevel. Viele Gegner kann man einfach skippen, indem man aus ihrem "Gebiet" verschwindet. So mogeln sich einige durch den gesamten Level. Erst am Schluss habe ich einen richtigen Auftrag. Auf einer Achterbahn soll ich ein paar Deko-Fässer kaputtmachen und die Achterbahnwagen in die Luft sprengen. Gesagt, getan… In unter zwei Minuten.
Quelle: Microsoft
Sunset Overdrive in der Vorschau: Dem Shooter fehlt es an Tiefgang und Zusammenhang. (3)
Grafisch kann Sunset Overdrive wenigstens punkten. Die Spielumgebungen sind sehr kontrastreich und bunt. Der Shooter wirkt fast wie eine völlig übersättigte, perfekte Spielwelt, in der einfach ein Experiment schief lief. Sonderlich ernst nehmen sich die Macher auch nicht: Die Spielfirguren witzeln und machen lustige Kommentare, nehmen gerne auch mal das gesamte Genre auf den Arm. Wenn mein Spielcharakter stirbt, setzt das Spiel ihn in super lustigen Zwischensequenzen wieder zurück ins Level. Die Spawn-Animationen sind schier endlos und immer für einen Lacher gut.
So belanglos die Mission war, so nebensächlich klingt auch die Geschichte von Sunset Overdrive. Im Städtchen Sunset City verwandeln sich nach einem misslungenen Experiment fast alle Bewohner durch einen Energy Drink in mutierte Monster. Für die Langzeitmotivation ist eine anständige Zielsetzung aber enorm wichtig. Denn als kurzweilige Jump and Run Action, die man nur ein paar Minuten dam Tag spielt, taugt ein Vollpreistitel normalerweise nicht. Hier müsste Sunset Overdrive noch nachlegen, sonst läuft der Shooter Gefahr in der Masse von belanglosen Titeln zu versinken. Einen Hinweis, dass Insomniac es trotzdem schafft, gibt der Chaos-Squad-Multiplayer-Modus. Darin treten bis zu acht Spieler gegeneinander in zufallsgenerierten Karten an. Im Multiplayer ist dieses Konzept perfekt aufgehoben – im Singleplayer jedoch verträgt Sunset Overdrive noch Nachbesserungen.
