Assassin's Creed Unity ist der erste Teil der Serie, der für bis zu vier Spieler in der Kampagne einen Koop-Modus liefert und nicht nur einen aufgesetzten Multiplayer. Wir haben uns mit einem der Entwickler zusammengesetzt und eine Mission durchgespielt.
Assassin's Creed Unity will alles anders machen. Naja, nicht alles. Eigentlich nur rein bisschen. Die Meuchelmörder-Simulation in Paris zur Zeit der Französischen Revolution ist jetzt ein Koop-Adventure. Mühelos können bis zu vier Assassinen zusammenspielen. Bisher haben sich alle gefragt: Wie funktioniert das, immerhin spielt ja jeder Arno, den Hauptcharakter. Und genau so ist es: Wenn vier Spieler zusammenkommen, gibt es vier Arnos, sie sehen nur unterschiedlich aus. Um das sicherzustellen, hat Ubisoft Arno einen umfassenden Charaktereditor verpasst. Er sieht zwar, um die Zwischensequenzen zu vereinfach, von seinen Gesichtszügen immer gleich aus, kann aber viele Hundert und Tausend Kombinationen aus Arm- und Beinschienen, Hosen, Jacken, Kaputen, Hüten und Hemden tragen. Die wirklich umfassende Kleiderauswahl soll jeden Arno möglichst identifizierbar machen, die vier Spieler sollen nicht gleich aussehen.
Quelle: Ubisoft
Jeder Arno soll anders aussehen: Die neuen Charakter-EInstellungen.
Die Kleidung erfüllt aber nicht nur einen optischen Zweck. Sie hat auch Attributspunkte, die im Vergleich zum Vorgänger viel mehr an Rollenspiele erinnern. Arno hat vier Attribute: töten, verteidigen, schleichen und bewegen. Jedes Kleidungsstück hat Vorteile und Nachteile, einen perfekten Mix gibt es theoretisch nicht. So wirkt sich die Wahl der Kleidung auch auf den Spielstil aus. Wer besonders agil ist, kann schneller und besser das Parkour-System meisten, wer auf Kraft setzt, wird zum Kampfprotz. Das System ist viel ausgewogener als die anderen Assassin's Creed Spiele, in denen ein neues Kleidungs- oder Rüstungsstück meist nur einen Lebensbalken hinzugefügt hat.
Übers Dach und direkt in den Kampf
Quelle: Ubisoft
Das Parkour-System in Assassin's Creed Unity wirkt flüssig und komfortabel.
Das Parkour-System hat uns im Hands-On ziemlich begeistert. Anders als früher muss man nun nicht mehr langsam von Häusern klettern, indem man sich an Giebeln fallen lässt, sondern kann mit Druck auf B (Kreis auf dem PS4-Pad) auch nach unten "parkouren". Dabei lässt sich Arno fallen und rutscht auf dem Hintern eine Stufe hinunter bis zum nächsten Vorsprung – das sieht elegant aus und macht die Bewegung viel flüssiger. Früher war es ja bereits kein Problem gewesen, an Gebäuden hochzuklettern, doch runter ging es oft nur mit Schwierigkeiten. Die Wegfindung verpasste Vorsprünge, interpretierte Ezios Tasteneingaben gerne als Dachsprünge. Und plötzlich landete man zehn Meter weiter unten auf der Straße und war tot. Die neue Steuerung sieht damit nicht nur eleganter aus, sie ist vor allem komfortabler.
Zusammen mit einem Team-Kameraden infiltrieren wir in der Demo bei Nacht eine Lagerhalle neben Notre Dame. Wir erfüllen eine Heist-Mission. Das sind zufällig generierte Missionen, die überall auf der Karte verteilt liegen. Spieler können sie erfüllen, müssen aber nicht. Und jedes Mal sind die Parameter anders. Wer die Notre Dame Raubkunst wiederbesorgen soll, findet nie dieselben Gegner an denselben Orten und auch das Ziel, einen Schatz zu bergen, ist immer unterschiedlich versteckt.
Quelle: Ubisoft
Das Kampfsystem ist altbewährt und minimalistisch: Zwei Tasten müssen genügen.
Doch schon früh entdecken uns die französischen Garde-Soldaten. Sie haben den Krempel im Tumult der Revolution geklaut, Arno soll ihn wiederbeschaffen. Also greifen wir die ersten, versteckt in einem Heuballen, aus dem Hinterhalt an. Doch ein Gardist sieht das, schlägt Alarm und holt eine Truppe seiner Kameraden. Der offene Kampf verrät, dass sich an der Mechanik nichts verändert hat: Auch Unity setzt auf den eher leicht gehaltenen Zwei-Knopf-Kampf. Ein Button lässt Arno parieren, ein anderer lässt ihn angreifen oder mit der Meuchelklinge zustechen. Die Timing-Brillanz eines Batman-Titels erreicht Unity aber vermutlich immer noch nicht.
Grafisch wirkt Unity dafür wirklich hochwertig. Mehr noch als bei Black Flag haben wir das Gefühl, nun wirklich in der Next-Gen angekommen zu sein. Bewegungen sind flüssiger, Kämpfe viel besser animiert. Und endlich sehen auch die Umgebungen topfit aus.
Koop-Gameplay
Quelle: Ubisoft
Die Belohnung teilen sich alle Koop-Spieler, niemand muss um seinen Gewinn fürchten.
Egal wie viele Spieler zusammen spielen, die Engine skaliert das Kampfgeschehen immer auf die aktuelle Spielerzahl hoch. Wenn es zwei Spieler sind, verstecken sich entsprechend mehr Feinde in einer Mission, als bei einem Singleplayer-Match. Zusammenarbeit ist deshalb auch bitter nötig. Wir sprechen uns vor jedem Angriff ab, jeder bekommt feste Gegner zugeteilt. Wir zerstören den Alarm der Wachen und suchen dann in den Klunkerschatz. Keine Panik: Die Belohnung teilen sich die Assassinen brüderlich, keiner muss darum bangen, mit leeren Händen nach Hause zu gehen.
Geschichte und Kampagne ließ uns Ubisloft leider nicht anspielen. Aber Fans der Reihe können sich darauf gefasst machen, dass reale, historische Personen in den Kontext der Assassinen-Templer-Kriege hineingezogen werden. Ein paar Akteure sind bereits in den Trailern zu sehen – und auch die wichtigsten Handlungsorte der Revolution, etwa die Bastille. Klar, dass aus diesem Wust aus historischen Fakten und Fiktion wieder etwas vollkommen abstruses – aber unterhaltsames herauskommt.
