Fable Legends in der Vorschau: Fable wird zum belanglosen Haudrauf-MOBA

Special Sandro Odak
Fable Legends in der Vorschau: Mit den anderen Teilen der Serie hat dieses MOBA eigentlich nichts mehr zu tun.
Quelle: Microsoft

Fable Legends war als storyreiches MMO angekündigt worden und sollte die Marke vor der Bedeutungslosigkeit bewahren. Wir haben das Action-RPG auf der Gamescom nun anspielen können und sehen eher schwarz: Fable Legends ist ein ziemlich belangloses Online-Spiel.

Lionhead geht in die Vergangenheit, weit in die Vergangenheit. 400 Jahre vor den Handlungen aus den letzten Fable-Spielen ist Fable Legends angesiedelt. Wie der Name schon sagt, befasst er sich mit den Mythen und Legenden der Spielwelt Albion. Das Zeitalter ist noch düster, die Stimmung eher schlecht. Der perfekte Schmelztiegel, um Abenteuer zu erleben.

Doch hier kommt die Einschränkung: Anstatt sich auf die Geschichten zu konzentrieren, geht Lionhead Games einen vollkommen anderen Weg. Die Fable-Macher pressen die Marke zwanghaft in ein MMO-Korsett, das irgendwie nicht so recht passen will. Vier gute Spieler treten in den Matches gegen einen Bösen an – fast so wie Evolve, mit dem Unterschied, dass hinter Evolve nicht die Geschichte einer jahrealten Spielwelt steht, die vor den Trümmern ihrer Existenz weint.

Charakter-Entwicklung? Pustekuchen.
Vier Helden spielen im Koop-Modus miteinander... Quelle: Microsoft Vier Helden spielen im Koop-Modus miteinander... Der Kern von Fable muss dem neumodischen MOBA-Gameplay daher natürlich weichen. Wo früher ein richtiges RPG war, das dem Spieler die Wahl zwischen guten und bösen Taten ließ und so eine gewisse Charakterbildung zuließ, wählt man nun zwischen vorgefertigten Figuren und Meinungen. Ein Producer sagt im Hands-On-Termin "Natürlich gibt es da noch die Wahl zwischen gut und böse und zwischen Hitzkopf und Taktikerin." Aber die Eigenschaften sind nun nicht mehr vereint in einer Person, sondern in Spielfiguren. Die Wahl zwischen gut und böse fällt sogar komplett weg. Böse kann nur der Spieler handeln, der auch den Bösewicht spielt. Alle anderen sind halt zwanghaft Engelchen.

Wie das funktioniert? Lionhead hat einfach das Gameplay in zwei Teile aufgeteilt. Im Helden-MOBA treten vier Spieler zusammen im Multiplayer (oder mit Unterstützung von KI-Soldaten) in einem ziemlich flachen Action-Modus gegen eine Reihe von Feinden an. In der Anspielversion auf der Gamescom teilen sie sich ihre Fähigkeiten Brüderlich auf. Ein Charakter kann zaubern, einer ist für den Nahkampf verantwortlich, einer mit Bogen verteilt Schadenspunkte aus der Ferne und einer heilt seine Kameraden. Die vier Charaktere aus der Demo sollen aber noch nicht alle sein. Fable Legends startet mit 12 Helden und ebenso vielen Quests – also Storylines. Den Rest will Lionhead nachliefern, Kampagnen und Helden per Update rausbringen. Das erinnert fast an einen episodischen Release – mit dem Unterschied, dass das Hauptspiel vermutlich zum Vollpreis erscheint.

... sie treten gegen einen Bösewicht an, der in einem RTS-Modus die Gegner steuert. Quelle: Microsoft ... sie treten gegen einen Bösewicht an, der in einem RTS-Modus die Gegner steuert. Der zweite Teil von Fable Legends ist ein Action-RTS. Die feindlichen Einheiten der vier Helden werden von einem "Mastermind" gesteuert. Auch er kann menschlich oder vom Computer gesteuert sein. Der Bösewicht hat eine handvoll Einheiten zur Verfügung, die ebenso in Klassen eingeteilt sind, wie die Helden. Da gibt es die Nahkämpfer, die Bogenschützen, die Stealth-Einheit, einen brutalen Riesen und ein Artilleriegeschoss. Der Level ist nach Stages sortiert, was der Bösewicht aus der Taktikperspektive von schräb-oben spielt, ist also eine Art Tower Defense vermischt mit Echtzeit-Elementen. Der Bruch im Gamedesign zwischen den zwei Spielmodi ist riesig. Während das Heldenspiel dank Unreal Engine 4 gar nicht mal schlecht aussieht, erinnert die Top-Down-Perspektive des Strategiespiels an ein Tablet-Spiel, das man irgendwie auf ein Gamepad zwängt. "Wir wollen den Bösewicht-Spielmodus für Smartglass auf Tablets bringen", erzählt einer der Lionhead-Leute. Aber die Technik spielt noch nicht mit. Die Latenz zwischen Second Screen und Hauptspiel sei zu hoch, selbst wenn man im selben WLAN ist, sagen die Macher. Die Engine kriegt das noch nicht gebacken. Verrückt, dass Ubisoft das im Multiplayer-Modus von ZombiU problemlos geschafft hat.

Unterhaltsam, aber nicht Fable
Hübsch ist das belangloseste Fable-Spiel aber trotzdem: Hier werkelt die Unreal Engine 4! Quelle: Microsoft Hübsch ist das belangloseste Fable-Spiel aber trotzdem: Hier werkelt die Unreal Engine 4! Ich will nun kein Miesepeter sein: Fable Legends sieht schon noch interessant aus. Die Engine und das Art Design gefallen mir auch beim Anspielen sehr gut. Fable Legends sieht aber vollkommen belanglos aus. Es hechtet Multiplayer-Trends hinterher, wo es sich eigentlich um seine eigene Geschichte kümmern sollte. Für mich ist Fable Legends deshalb ein Schlag in die Kerbe von MOBAs. Offensichtlich will das neue Spiel von Lionhead nichts außer dem Namen mit seinen Vorgängern zu tun haben. Schade, denn wenn jemand eine Verpackung kauft, auf der Steak steht, ist er vermutlich nicht auf der Suche nach einem Kartoffelsalat. Das traurigste an Fable Legends ist aber: Bis auf den Art Style wirkt das komplette Spiel bislang generisch. Als würde es aus einer seelenlosen, finsteren Hölle namens "Zielgruppenanalyse" stammen. Die Macher kopieren sich viel aus anderen populären Genres zusammen, ohne eigene kreative Ansätze einzubringen.

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