The Evil Within in der Vorschau: Wie ich mich mal fast eingenässt hätte

Special Sandro Odak
Wer sich nicht gruselt, wird sich ekeln: Manche Szene ist fast unerträglich blutig.
Quelle: Bethesda

Auf der Gamescom hat unser Redakteur Sandro in einem kalten, dunklen Raum The Evil Within gespielt. Das Horrorspiel ist brutal, gruselig und unbarmherzig. Warum Fans des Genres es lieben werden, erklärt euch der ängstliche Horror-Beiseite-Schieber in der Vorschau.

Seit ich auf der Gamescom bin, nutze ich diesen Satz oft: Ich bin wirklich kein Freund von X. X ist in diesem Fall Horrorspielen. Ich mag Thriller. Ich komme mit Gore aus, lache manchmal auch darüber. Aber schon seit meiner Kindheit meide ich Horrorfilme und erst recht –spiele. Dead Space war genial, das muss ich zugeben. Ich habe danach aber auch tagelang nicht schlafen können, zum Großteil, weil direkt vor meinem Fenster eine Straßenlaterne flackerte.

Psychohorror und Action vermischen sich zu einem abwechslungsreichen Gameplay. Quelle: Bethesda Psychohorror und Action vermischen sich zu einem abwechslungsreichen Gameplay. Dabei bin ich doch kein Kind mehr. Ich weiß, was Spiel und Realität ist. Aber dieser konstante Psychoterror in Horrorspielen und Filmen, der nagte an mir. Als F.E.A.R. rauskam, habe ich tagelang irgendwelche Bewegungen in meinen Augenwinkeln gesehen. Das hat mich fertig gemacht. Seitdem weiß ich: Horrorspiele sind nichts für mich. Und wenn ich sie doch mal spiele, dann bei Tag und einer Umgebungslautstärke, bei der ich über alles hinweglachen kann, egal wie sehr es mich schockiert. Es ist mein persönlicher Abwehrmechanismus. Das hat gut funktioniert. Bis jetzt. Danke Bethesda.

Messestände sind oft ähnlich aufgebaut. Es ist hell, es ist laut, es sind viele Menschen auf kleinem Raum. Perfekt dachte ich, als ich den Termin für The Evil Within ausgemacht habe. Kann ja nicht viel schief gehen. Doch als ich am Donnerstag den Demo-Raum betrat, wurde mir ganz anders. Bethesda hat keine Mühen gescheut und den Raum nach oben hin mit einer Decke zugemauert. Der Raum war komplett dunkel. Und um mir noch mehr das Gefühl zu geben, dass ich wirklich keine Hilfe von meiner Umgebung erwarten könne, bauten sie neben jeden Monitor eine Trennwand. So sah ich um mich herum nichts, nur das Dunkel und dieses leichte Flimmern des Bildschirms. Verdammt.

Nicht jeder ist einfach sofort tot
Der Protagonist ist schlecht ausgerüstet und schnell tot. Quelle: Bethesda Der Protagonist ist schlecht ausgerüstet und schnell tot. Der Abschnitt, den ich anspielen konnte, ist schon etwas fortgeschritten im Spiel. Detective Sebastian Castellano, der Protagonist von The Evil Within, ist zu diesem Zeitpunkt schon inmitten eines mysteriösen Strudels. Eigentlich sollte er eine Mordserie in einer Irrenanstalt aufklären. Doch dann haut ihn jemand nieder und eine Serie von Albträumen beginnt. Er sieht immer wieder Geistergestalten und zombiehafte Wesen greifen den Detective an.

Im neunten Kapitel hat sich der abgebrühte Cop schon langsam damit abgefunden. Er weiß, dass Waffengewalt ihm nicht immer hilft. Manche Gegner müssen verbrannt werden, manchen muss man den Kopf abhacken oder eintreten. Sonst stehen sie einfach wieder auf. Gruselig. Einer dieser Untoten wartet direkt zu Beginn der Demo. Er ist nicht groß versteckt, sondern kauert über der Leiche eines Menschen und knabbert daran. Sein Schatten huscht übers Mauerwerk, ein kleines Feuer hinter ihm projiziert ihn ganz groß. Ein Schuss in den Kopf, Zack. Tot. Doch dann beginnt The Evil Withins Psychoterror. Als ich an der Leiche vorbei will, steht ein zweiter Gegner hinter dem Türpfosten. Er greift an, ich muss ihn im Nahkampf umnieten – und verbrauche wertvolle Munition, weil ich danebenschieße. Und plötzlich sehe ich hinter mir noch einen Schatten. "Naja, wird schon nichts gewesen sein. Von da kam ich ja", denke ich und will weitergehen, als der Wiederauferstandene mir in den Hals beißt. Drei weitere Schüsse aus der Pistole und ein Streichholz später ist die Gefahr final gebannt – aber ich hab auch keine Munition mehr und Streichhölzer sind eh Mangelware.

Solche schummrigen Gänge laden eigentlich nicht zum Verweilen ein. Quelle: Zenimax Media Solche schummrigen Gänge laden eigentlich nicht zum Verweilen ein. Das Spiel mit den knappen Ressourcen zieht sich durch die gesamte Demo. Sebastians letzter Hoffnungsschimmer ist oft eine Armbrust. Mit ihr verschießt er verschiedene Bolzen, etwa einen Stromschocker oder ähnliches. Doch von jedem der Bolzen kann man höchstens zwei mitnehmen und auch von den Streichhälzern passen nur fünf in Sebastians Tasche. Manchmal lasse ich Munition liegen und weiß trotzdem: In zwei Minuten würde ich sie brauchen! Gemein, Shinji Mikami, ganz gemein!

Viel schlimmer als die untoten Gegner sind aber unsterbliche Lichtgestalten. Immer wieder erscheint aus dem Nichts oder wenn ich gerade jemanden abknalle eine weißliche Geistergestalt mit einer Kapuze überm Kopf. Diesen Gegner kann man nicht besiegen, nicht abschießen. Man muss rennen! Und sich verstecken. Zum Beispiel unterm Bett, in einem Schrank oder hinter einer Tür. So schnell wie der Geist kommt, so schnell verschwindet er auch. Immer wenn die Musik anschwillt, kann man sich gewiss sein, dass er in der Nähe ist – für mich ist das der absolute Horror, denn der Geist zerrt mich einmal sogar aus meinem Versteck heraus und tötet mich fast.

Die Villa des Todes
Das Demolevel ist in einer heruntergekommenen Villa angesiedelt. Gerade als Sebastian zur Türe hereinkommt, sieht er zwei bekannte Gesichter in einem Panzerschrank verschwinden. Die Eingangshalle ist herrschaftlich, die Türen groß, hölzern und schwer. Erinnerungen an Resident Evil werden wach – zurecht, immerhin stammt The Evil Within von ReSi-Schöpfer Shinji Mikami. Der Level ist sowas wie eine Hommage an alte Fans. Türen öffnet Sebastian ganz langsam in einer vorgefertigten Animation. Was dahinter steht, sieht man erst, wenn man halb im Raum steht.

Wer sich nicht gruselt, wird sich ekeln: Manche Szene ist fast unerträglich blutig. Quelle: Bethesda Wer sich nicht gruselt, wird sich ekeln: Manche Szene ist fast unerträglich blutig. Ums Abknallen von Zombies dreht sich The Evil Within übrigens nicht. Eigentlich löst der Detective Rätsel. In der Villa muss er zum Beispiel den Tresor knacken, indem er die Schließvorrichtung überlistet. Passenderweise ragen drei Schläuche aus dem Rahmen, sie verschwinden in den Wänden und der Holzvertäfelung des Eingangsraums. Ein Abenteuer beginnt: Ich muss herausfinden, wo die Rohre hinführen und mir sicher sein, dass die Villa voll ist mit Geschöpfen, die nicht mein Bestes wollen.

Wer sich bis hierhin noch nicht zu Tode erschreckt hat, kann sich beim Lösen des Rätsels wenigstens ein bisschen ekeln. Die drei Schläuche sind verbunden mit Experimentiertischen dreier Labors. In Flashbacks und Audioaufnahmen erfahre ich, dass hier Menschenversuche gemacht wurden. Und ich finde menschliche Köpfe. Abgesäbelt und doch künstlich am Leben gehalten. Ihre Gehirne liegen offen, daneben eine Karte von Gehirnsektoren. Nun muss ich nur noch Kombinieren: In der Audioaufnahme spricht die Stimme von Region K-2. Ich gucke auf der Karte, visiere das Gehirn an und führe eine Nadel ein. Die Augen des armen Typen fangen an zu Beben – und das erste Schloss geht auf. Ekelhaft und ermutigend zugleich!

Meinung

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk