Call of Duty: Advanced Warfare in der Vorschau: Titanfall mit dem Loot-System aus Hearthstone?

Special Sandro Odak
Exo-Suits öffnen die Levels nach oben hin.
Quelle: Activision

Wir haben auf der Gamescom den First-Person-Shooter Call of Duty: Advanced Warfare im Multiplayer anspielen können. Die größte Neuerung: Ein Exo-Suite, mit dem man nun ebenso wild durch die Gegen springt, wie im Konkurrenzprodukt Titanfall. Und ein Loot-System, das Mikrotransaktionen Tür und Tor öffnen könnte.

Als Titanfall rauskam, habe ich noch gesagt "Hey, das spielt sich ja wie Call of Duty auf Koks mit Killerrobotern". Nun steht das neue Call of Duty vor der Tür. Auf der Gamescom konnte Gamezone den Multiplayer von Call of Duty: Advanced Warfare anspielen. Und das erste, was ich dachte, als ich im Spiel war: "Wow, haben die vergessen Titanfall aus dem Laufwerk zu nehmen?"

Dank des neuen Exo-Suits ist Advanced Warfare noch wuseliger und hektischer als zuvor. Die schwer gepanzerten Spieler springen, gleiten und schweben durch die Luft. Am imposantesten ist aber sicherlich der Doppelsprung. Er öffnet Advanced Warfare in eine völlig neue Dimension: Nach oben und unten. Endlich durchbricht der Shooter seine oft zweidimensionalen Karten, indem das Gameplay sich stark auf vertikale Elemente konzentriert. Einen Bunker auf einer Karte neben der Golden Gate Bridge kann man etwa auf dem Dach überqueren, durchlaufen oder durch einen etwas tiefer gelegenen Kellergraben erreichen. Das vertikale Gameplay lockert das Spielgeschehen auf und macht es noch actionreicher. Das gab es zwar früher schon auch – aber meist nur an festgeschriebenen Orten. Dann lag ein Snipernest erhöht über der Karte, der Rest blieb auf einer Ebene. In Advanced Warfare ist nun jede Erhebung ein Teil der Map – das gefällt mir.

Neue Spielmodi
Exo-Suits öffnen die Levels nach oben hin. Quelle: Activision Exo-Suits öffnen die Levels nach oben hin. Um diese neue "Vertikalität" zu feiern, kommt Call of Duty: Advanced Warfare mit mehreren neuen Spielmodi daher. Einer ist Uplink. Wer es einfach umschreiben will, könnte von einer Art Football reden. Beide Teams haben jeweils ein Tor auf zwei unterschiedlichen Seiten der Karte. In der Mitte – leider immer am selben Ort – liegt eine Drohne. Sie sieht aus wie ein Ball und muss entweder persönlich durchs Tor getragen werden, was zwei Punkte gibt, oder ins Tor geworfen werden, was dem Team einen Punkt beschert. Wer die Drohne hat, kann seine Waffen und Exo-Fähigkeiten nicht mehr verwenden, also gilt es, sich mit den Kameraden abzusprechen. Am besten wählt der Ballspieler, etwa wie ein Quarterback, spezielle Perks zum Rennen und schnelleren Laden der Exo-Batterie. Der Rest des Teams kümmert sich drum, ihn am Leben zu halten. Oder aber man spielt zusammen und passt sich die Kugel zu – auch das geht.

Für mich als Teamspieler ist das eine der großen Offenbarungen in Advanced Warfare. Aber auch Hardpoint feiert seine Rückkehr, nachdem es in Black Ops 2 eingeführt wurde. Auf der Karte erscheint per Zufallsprinzip eine Basis. Sobald ein Spieler darin steht, bekommt sein Team Punkte. Jede Sekunde ein paar. Der Bereich ist jedoch klein und das Ziel der Gegner ist es, alle Feinde daraus zu vertreiben. Schnell geht es in diesen Gebieten also chaotisch zu. Sobald ein gegnerischer Spieler in die Basis eindringt, ist unentschieden. Der Punktezähler geht erst weiter, wenn ein Team die Vorherrschaft ergreift. Das ist schon weniger teambasiert und erst gar nicht taktisch, stattdessen gibt der Modus dem Deathmatch nur eine alternative Aufgabe.

Loot-System und Pick 13
Solche schweren Geschütze sind durch das Pick 13 System möglich. Quelle: Activision Solche schweren Geschütze sind durch das Pick 13 System möglich. Grundsätzlich überarbeitet ist das Waffensystem von Advanced Warfare. Jeder kann sich seine Klasse zwar individuell zusammenstellen und hat 13 Slots frei, um Primär- und Sekundärwaffen, Granaten, Aufsätze, Perks und Exo-Fähigkeiten einzupacken. Dabei muss man sich nicht an Normen halten. Wer nur ein Messer einpacken möchte und statt anderer Waffen lieber zusätzliche Perks und Fähigkeiten mitnimmt, kann das tun. Das kann vor allem im Uplink-Modus von Vorteil sein. Denn wer die Drohne trägt, darf eh keine weitere Waffe in der Hand halten. Es lohnt sich also, den "Quarterback" durch Perks schnell, unsichtbar und gut für Doublejumps auszustatten.

Das Lootsystem hingegen ist völlig neu und nicht nur positiv von Fans aufgenommen worden. Man schaltet zwar viele der Waffen noch ganz regulär frei, sammelt jedoch auch spezielle Versionen durch Supply Drops. Die "lootet" man sozusagen noch während einer Spielrunde und kann sie am Ende öffnen, wie ein Battlepack in Battlefield 4. In diesen Supply Drops finden sich vorgefertigte Waffen mit Aufsätzen und bestimmten Pros und Kontras. Wer Glück hat, kann so schon ohne Spielerfahrung eine High-End-Waffe "gewinnen". Supply Kisten beinhalten neben speziellen Waffen auch Panzerungen, Sonnenbrillen und ähnliche Gegenstände, mit denen man seine Spielfigur ausrüsten kann. Das mag zwar zugänglicher klingen, öffnet aber auch Mikrotransaktionen Tür und Tor – und die wünscht sich nun wirklich niemand herbei.

Grafisch verbessert: Die Karten wirken nicht mehr ganz so leblos. Quelle: Activision Grafisch verbessert: Die Karten wirken nicht mehr ganz so leblos. Grafisch hat sich Advanced Warfare im Vergleich mit seinem Vorgänger Ghosts auf den ersten Blick verbessert. Doch viel gesehen haben wir noch nicht. Ein technisches Fazit möchten wir deshalb in dieser Vorschau noch nicht ziehen. Nur so viel: Endlich wirken die Karten nicht mehr hundertprozentig unlebendig. Auf Defender, der Karte neben der Golden Gate Bridge, plätschert die Brandung gegen Felsen und einmal überrollt eine riesige Welle Teile des Spielfelds. Das sieht ganz nett aus – aber an die epochalen Zerstörungsorgien von Battlefield 4 und seiner "Levolution" kommt Call of Duty leider nicht ran. Die Frage ist, ob das die Zielgruppe in einem kompetitiven Online-Spiel überhaupt will. Da sind sich auch die Battlefield-Spieler nicht so ganz einig.

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