Tales of Xillia 2: Tales of Xillia 2 im Test: Da bleibt man sprachlosjavascript:loadCOSEStep('media');

Test Philipp Mentel
Tales of Xillia 2 im Test: Namcos jRPG enttäuscht mit plumper Grafik, bietet aber eine tolle Geschichte.
Quelle: Computec Media GmbH

Etwas mehr als ein Jahr ist vergangen, seit Tales of Xillia seinen EU-Release feierte. Mit dem direkten Nachfolger Tales of Xillia 2 setzt man nun wieder einen Fuß in die Welt um Elympios und Rieze Maxia. Bleibt Altgedientes gut? Nicht ganz. Tales of Xillia 2 stellt sich an vielen Stellen selbst ein Bein, das ist ein Ärgernis. Denn vieles macht der exklusive PS3-Titel auch richtig. Was am Ende "unterm Strich" übrig bleibt, klärt unser Test.

Spannungsverhältnisse und düstere Vorzeichen
Ein Jahr ist seit den Ereignissen aus Tales of Xillia vergangen – auch im Spiel. Die früher voneinander getrennten Welten Rieze Maxia und Elympios sind nun verbunden. Die kulturellen Unterschiede der beiden Welten macht sich im bemerkbar. Zwar lebt man in einer gewissen Harmonie, dennoch herrscht bei vielen Skepsis. So sind die Menschen in Elympios fortschrittlicher und moderner, während die Rieze Maxianer sich auf die Geisterkräfte verlassen und mit der Natur leben. Der Knackpunkt sind die heiligen Elementargeister, die von den Elympios als Energiequelle für ihre Technologie genutzt werden, weswegen die Menschen in Rieze Maxia sehr böswillig auf Maschinen (Spyrixe) reagieren.

Die Protagonisten suchen ein mystisches Land Canaan. Quelle: bandai Namco Die Protagonisten suchen ein mystisches Land Canaan. Der Grundstein für die nun folgenden Ereignisse ist gelegt. Ein kleiner Ausriss: die kleine Elle wird von ihren Vater in das geheimnisvolle Land Canaan geschickt, kurz danach sieht sie ihn regungslos auf dem Boden liegen, nachdem er von einer Militärgruppe gejagt und schlussendlich erschossen wird. Anderorts spielt sich das Leben der Brüder Kresnik ab. Ludger, gleichzeitig Hauptprotagonist des Spiels, und sein Bruder Julius leben im fortschrittlichen Städtchen Trigleph in Elympios. Die Aufnahmeprüfung für die Clanspia Company, in der sein Bruder als erfolgreicher Agent tätig ist, steht an. Als die Prüfung jedoch scheitert, ändern sich Ludgers Ziele.

Sollte Tales of Xillia 2 nicht düsterer sein? Ja, das wird es noch. Versprochen! Später geht es im Spielverlauf für Ludger darum, dass Geheimnis seines Bruders aufzudecken und mit Elle das Land Canaan zu finden. Dabei geizt die Story nicht mit sehr guten Twists und Höhepunkten. Die Kernhandlung kann von der Thematik her keinem ein Lächeln entlocken, das schafft das Spiel hingegen auf andere Weise. Damit sind die typischen animierten Unterhaltungen gemeint. Während man also durch die Spielwelt tingelt, gibt es einige Momente, in denen Gespräche innerhalb der Gruppe möglich sind. In diesen erfährt man unter anderem mehr über die Welt und die Charaktere an sich.

Ludger bleibt sprachlos
Ludger bleibt sprachlos: Ein richtiges Dialogsystem gibt es nicht. Quelle: bandai Namco Ludger bleibt sprachlos: Ein richtiges Dialogsystem gibt es nicht. Apropos Charaktere. Neben Ludger haben es gänzlich alle wichtigen Figuren aus dem direkten Vorgänger ins Spiel geschafft. Von Jyde, Alvin, Rowen, bis hin zu Eliza und "Kuschelpuppe" Teepo. Das Wiedersehen mit den Figuren macht unglaublich viel Spaß! Der Spielverlauf wird dadurch nicht nur positiv durch die Persönlichkeiten bereichert, sondern stellt auch für die Kämpfe im Spiel eine wesentliche Rolle dar. Doch dazu später. Bis hierhin klang alles ja noch recht ordentlich, doch gibt es keine Kritikpunkte? Doch, die gibt es und da kann man schon bei Protagonist Ludger anfangen. Der gute Kerl spricht nämlich nicht. Ludger ist im gesamten Spielverlauf kaum dazu bereit, mehr als zwei Worte zu sagen. Außer Murren, Seufzen und hier und da einem Ja, Wow oder Okay gibt es nicht. Das ist ärgerlich, da sich die Entwickler mit dieser Konsequenz eigentlich einen Gewinn für das Entscheidungssystem erhofft hatten.

Im Spielverlauf gibt es immer wieder Momente, in denen man zwei Möglichkeiten hat, sich zu entscheiden. Das passiert immer dann, wenn man als Ludger direkt angesprochen wird. Da man sich als Spieler aber mit Ludger identifizieren soll, darf man also frei entscheiden. Diese Entscheidungen sind aber in sehr vielen Fällen nichts, was den Spielverlauf dramatisch ändert oder großartig beeinflusst. Vielmehr sind es andere Dialoge (oder Monologe – wenn man Ludger abzieht) die dann geführt werden oder es fallen bestimmte Kampfsituationen anders aus. Auch ist es in einigen Fällen möglich mit Antworten die Sympathie seiner Gruppenmitglieder zu steigern. Da fällt es oft leicht Entscheidungen zu treffen: Entweder ich schmeichle oder ich mache das Gegenteil. Bei Entscheidungen, die sich auf die Story auswirken könnten, wird von Tales of Xillia 2 direkt der Riegel vorgeschoben. So ist es am Anfang möglich sich zu entscheiden, ob man in einen Zug will (bzw. man muss es storybedingt) oder nicht. Wählt man nicht, so baut sich die Szene danach so um, dass man doch noch in den Zug steigt. Es ist quasi so, als würde man entweder von links oder recht eine Pylone umfahren und sich am Ende wieder treffen. Groß ausufernde Konsequenzen gibt es nicht.

Bekannte Spielwelt, neue Herausforderungen
Ludger und Elle sind ein ungleiches Paar. Quelle: bandai Namco Ludger und Elle sind ein ungleiches Paar. Im Verlaufe der Story befindet man sich immer wieder in Städten oder Verbindungsstraßen zwischen einzelnen Städten oder Bereichen, in denen sich Monster tummeln. So sind die Städte in Elympios wesentlich moderner gestaltet, als die kulturellen Festungen und Siedlungen in Rieze-Maxia – wobei wirklich jede Welt an und für sich einzigartig ist. Das größte Problem, was man Tales of Xillia 2 in der Hinsicht nachsagen muss, ist, dass sehr viele Gebiete bereits aus dem Vorgänger bekannt sind (z.B. Sharilton, Nia Khera etc.) und gleichzeitig auch keine nennenswerten Änderungen erfahren haben. Auf der einen Seite können sich alteingesessene Spieler sicherlich über eine gute Orientierung nicht beschweren, während auf der anderen Seite das Recycling doch einen ziemlich faden Beigeschmack nach sich zieht.

Zwischen den Städten sind "Straßen" bzw. Wege. Diese sind mit Monstern bestückt, die im ganzen Bereich darauf warten, von uns bekämpft zu werden. Jedes dieser Monster lässt sich auch einfach umgehen, sodass wir theoretisch sogar das Spiel ohne einen Kampf gegen normale Monster beenden könnten. Dass das aber nicht funktioniert, wird uns zu Beginn direkt bewusst. Aufgrund von Behandlungskosten muss Ludger satte 20.000.000 Gald abstottern. Der hohe dafür aufgenommene Kredit muss, zwingend, immer wieder abbezahlt werden. Dabei liegt uns die nette Kreditsachbearbeiterin auf der Tasche und lässt uns erst nach Bezahlen eines bestimmten Gald-Betrages Stück für Stück in die weite Welt hinaus. Um diesen hohen Betrag überhaupt abzustottern, stehen uns in den Städten Aufträge zur Verfügung. Mal müssen wir bestimmte Items auf den Straßen finden, eine festgelegte Anzahl an Monstern bekämpfen oder Items von A nach B bringen. Ab und an kommen auch Aufträge für Elitemonster rein, die nicht nur stärker sondern auch viel Gald bringen.

Dynamische Kämpfe und Anpassungen der Gruppe
Klassisches jRPG: Kämpfe finden im Battlescreen statt. Quelle: Namco Bandai Klassisches jRPG: Kämpfe finden im Battlescreen statt. Also nehmen wir Ludgers Doppelschwerter in die Hand und betreten die Straßen. Die Ladezeiten sind dabei auch auffallend kurz, sodass wir nur wenig vom Ladebildschirm zwischen den einzeln abgetrennten Gebieten sehen. Die Monster werden nicht in Echtzeit, sondern in einem Kampfbildschirm bekämpft. Man läuft also zu dem Monster seiner Wahl und der Kampf beginnt, sobald man nahe genug dran steht. Möglich ist es auch, sich von hinten an Gegner anzuschleichen oder um diese geschickt herumzurennen und von hinten zu berühren. Damit nehmen die Gegner im darauffolgenden Kampf schon mal ein wenig Schaden. Ludger bedient sich seiner Doppelschwerter und im Verlaufe des Spiels dann auch einem großen Hammer und zwei Pistolen. Der Wechsel zwischen diesen Waffen geschieht durch Tastendruck, gerade wie es der Kampf erfordert. Denn die Gegner haben auch immer wieder bestimmte Schwächen, die es auszunutzen gilt, um den Schadensoutput zu erhöhen.

Die Kämpfe gehen recht locker von der Hand und Einsteiger dürften selbst auf Normal bei den normalen Kämpfen keine Probleme bekommen. Durch Fähigkeiten, Fertigkeiten und mehreren Artes, die spezielle Angriffe auslösen, ist das Zusammenstellen der Gruppe und das nutzen dieser Möglichkeiten im Kampf ein einfacher Prozess mit komplexen Möglichkeiten zur Anpassung. Letzteres wird für erfahrene Spieler im höheren Schwierigkeitsgrad auch von großer Bedeutung sein. Etwas später im Spiel bekommt man dann zusätzlich noch die "Chromatus"-Kraft. Dadurch wird Ludger in ein 1vs1 Duell zwischen ihm und den Monstern verwickelt und ist während dieser Zeit stärker und kann nicht verwundet werden. Die Kämpfe werden dadurch nochmal facettenreicher, da sich zu dieser Chromatus-Fähigkeit wieder spezielle Kombos und Artes einstellen lassen. Da die Kämpfe frei nach dem Motto "einfach zu erlernen, schwer zu meistern" funktionieren, muss man sich vor allem gegen Bossgegner Gedanken, um die Gruppe machen. So sind Heiler wie Jyde schon fast essenziel. Zudem lassen sich über das Menü Kampfeinstellungen vornehmen, die es erlauben festzusetzen, wie die Gruppenmitglieder (die sich immer frei austauschen lassen) agieren sollen. Von Artes öfter benutzen, bis zur defensiven Spielweise oder dem automatischen Kampf ist alles möglich. Auch kann man festlegen, ob sich die Gruppe mit den Gegenständen aus dem Inventar heilen soll.

Die Zwischensequenzen im Anime-Look. Quelle: bandai Namco Die Zwischensequenzen im Anime-Look. Die Rollenspiel Aspekte dürfen natürlich auch nicht fehlen, auch wenn das Spiel einem doch eher beschränkt. Das Alliumkugel-System ist der "Skill-Tree" des Spiels. Hier erlent man über spezielle Extraktoren Fähigkeiten oder Fertigkeiten, die den Charakter mit neuen Artes ausstatten oder Werte verbessern. Extraktoren kann man in der Spielwelt erwerben oder finden. Diese decken meist bestimmte Elemente ab, sodass man seine Charaktere auch spezialisieren kann. Über Kämpfe oder in der Umgebung gibt es Elementerze, von denen man genug sammeln muss, damit eine Fähig- oder Fertigkeit erlernt werden kann. Das System bietet somit nicht ganz so viel Spielraum zum skillen, wie man das vielleicht noch aus dem Vorgänger gewohnt ist. Die vielen Extraktoren bieten aber viele neue Artes an, sodass man hier immerhin nicht davon reden kann, nicht genug zum erlernen zu haben.

Viel Matsch, was ich da sehe
Grafisch hat Tales of Xillia 2 nur wenig Schönes zu bieten. Quelle: bandai Namco Grafisch hat Tales of Xillia 2 nur wenig Schönes zu bieten. Technisch liegt Tales of Xillia 2 weit hinter den Möglichkeiten von diversen Spielen auf der PS3 oder auch Final Fantasy. Die Städte im Spiel sehen zwar alle annehmbar aus, die Höhlenstraßen oder Dungeons fallen dagegen sehr weit ab. Begleitet von matschigen Texturen, holt Xillia 2 nur in Rieze-Maxia durch die gesetzten Gräsern oder derartige Details ein wenig mehr heraus – was aber natürlich nicht reicht, wenn man einen gewissen Anspruch erreichen will. Von den Popups ganz zu schweigen. Hinzu kommt eine Soundkulisse, die nur in wenigen Momenten ganz gut passt. Vor allem dann, wenn man durch eine brache Wüstenlandschaft läuft und im Hintergrund Jazz-Musik läuft, fühlt man sich irgendwie, wie in einem falschen Film.

Dafür stimmen die Soundeffekte dann an anderer Stelle wieder, auch im Kampf wirkte nie etwas unpassend, auch wenn man keine großartige Hintergrundmusik erwarten kann. Eine Japanische Sprachfassung liegt dem Spiel nicht bei, dafür hat man die englischen Synchronsprecher und deutsche Untertitel und Menütexte. Die englischen Synchronsprecher verrichten alle einen sehr guten Job, man kauft den Figuren so auch ihre Rolle im Spiel ab. So ist Elle das stur, naive kleine Mädchen oder Julius eben, der ernst autoritäre Charakter. Die Stimmen passen und wirken nicht so wie der Soundtrack teilweise, deplaziert. Als netter Bonus können auch mehrere Spieler an einer Konsole gleichzeitig spielen und im Kampf aushelfen, auch wenn die KI im Kampf ordentlich agiert.

Meinung

Wertung zu Tales of Xillia 2 (PS3)

Wertung:

7.9 /10
Pro & Contra
tolle Nebencharaktere (Elle, Teepo, Rowen etc.)interessante, düstere Story mit vielen Höhepunkten und WendungenLudger kann bis zu drei Waffen im Kampf nutzenChromatus-FähigkeitDynamische Kämpfe und fordernde BossgegnerSkits (Bildgespräche) sind unterhaltsam und bringen weitere Infos zur Welt und CharakterenViel Sammelbares (Katzen, Items etc.)Schöne, aber recht seltene, AnimesequenzenGute englische Synchronsprecherviele verschiedene Gebieteschnelle Ladezeiten
schwache Grafik (Texturmatsch, selten Details)Ludger spricht nicht (bis auf Wortfetzen)Entscheidungssystem mehr nette Dreingabe als KonsequenzfürchtendLevel Recycling (viele Gebiete aus dem Vorgänger bekannt und gleich aufgebaut)Splitter-Dimensionen mehr Level Recycling als Neuerungen (nur dunkler Teint und „kriseln“)wenig Freiheit beim Alliumkugel-Systemdiverse Pop-Upsteils unspektakulärer und unpassender Soundtrackkeine japanische Sprachfassung
Fazit

Tales of Xillia 2 hat seine Höhepunkte, technische und kleinere spielerische Ungereimtheiten stören aber.

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