Knapp anderthalb Jahre nach dem umstrittenen Release von Sim City ziehen Maxis und Electronic Arts erneut den Unmut der Spielergemeinschaft auf sich. Schon vor der Veröffentlichung sahen sich Entwickler und Publisher enttäuschten Fans gegenüber, welche Die Sims 4 für einen halbgaren Ableger des Vorgängerspiels halten. Wir haben uns selbst ein Bild gemacht.
Das Spielprinzip der Lebenssimulation Die Sims ist altbekannt und bewährt: der oder die vor dem Monitor erstellt eine oder mehrere virtuelle Spielfiguren, die für sich alleine leider nur halbwegs geordnet durchs Leben gehen und deshalb Hilfe von außerhalb benötigen. Demzufolge muss sich mit der bestmöglichen Abfolge von Toilettengang, Kühlschrankinspektion, Dusche und wieder Toilettengang auseinandergesetzt werden, damit die Sims Hobbies nachgehen, Freunde besuchen, Fähigkeiten ausbauen und bestenfalls noch zur Arbeit gehen können. Denn auch in der Welt der Sims ist Geld nötig, um die wöchentlichen Rechnungen oder die tägliche Mahlzeit bezahlen zu können.
Quelle: PC Games
Im Charakter-Editor ist alles möglich.
Doch zuvor erstellen wir zunächst die besagten Sims, was mit dem neuen Create a Sim-Editor einfacher als noch zuvor vonstattengeht. Statt über Schieberegler oder Vorschaubildchen lassen sich die Charaktere nun wie gewünscht verformen, indem man die entsprechende Körperregion mit der Maus anklickt und verändert. Egal ob es das geliebte Fußball-Idol, die böse Stiefmutter oder – wie der Autor dieser Zeilen - sein persönliches Abbild samt realistischem Waschbrettbauch sein soll: Der Fantasie sind nicht allzu viele Grenzen gesetzt. Einzig bei der Kleiderwahl muss man Vorlieb mit der vorhandenen Auswahl nehmen, eine Einfärbe-Funktion gibt es nicht mehr.
In der Folge geht es darum, ein Grundstück zu beziehen und den Traum vom Eigenheim zur Realität werden zu lassen. Neben bereits zur Verfügung stehenden Gebäuden, die aber unbezahlbar sind, stehen Grünflächen frei, auf denen das Traumhaus gebaut wird. Sims-Spieler können beim Bau wie gewohnt eine Wand nach der anderen hochziehen, tapezieren und mit Türen und Fenstern versehen. Alternativ bietet sich jetzt ferner die Möglichkeit, gleich komplette Zimmer mit vom Spiel vorgeschlagenen Farb- und Einrichtungskombinationen zu erstellen. Besonders praktisch sind jedoch die ziehbaren Wände, weshalb die Vergrößerung eines Raumes nun in sekundenbruchteilen erfolgt. Wie bereits im Vorfeld bekannt, ist die Errichtung eines Pools leider nicht mehr möglich. Auch ist die Stockwerkanzahl nunmehr auf drei begrenzt. Schade!
Konsum, Konsum, Konsum!
Quelle: PC Games
Die Spielwelt von Sims 4 ist unterteilt in zwei Stadtteile (oben links im Bild) und mehrere Wohnviertel. Alle sind getrennt durch Ladezeiten. Buh!
Der Kauf-Modus funktioniert wie gewohnt, gewünschte Einrichtungsgegenstände findet man sehr schnell über verschiedene Filterfunktionen und kann sie vor dem Platzieren noch einmal in verschiedenen, vorgegebenen Farbkombinationen anschauen. Verschiedene Gegenstände wie der (dem Community-Aufschrei zufolge) beliebte Geschirrspüler oder etwa Spielkonsolen sind allerdings nicht mehr gelistet. Letztlich ist die Auswahl dennoch relativ groß und wahrscheinlich nicht geringer als im Hauptspiel des dritten Teils, sodass jeder seiner Traumwohnung zumindest halbwegs nahe kommt.
Ist die Bude fertig, beginnt das wahre Sim-Leben. Wie in den Vorgängern haben die Bewohner verschiedene Hauptbedürfnisse wie Hunger, Schlaf oder das Aufsuchen des stillen Örtchens, denen man partout nachgehen sollte, da diese Bedürfnisse die Stimmung des Sims maßgeblich beeinflussen. Ein dem Einschlafen naher Sim wird kaum noch konzentriert Bücher lesen können und auch das ruhige Zeichnen wunderschöner Bilder wird durch hohen Harndrang erschwert. Zudem gibt es besondere Stimmungen, die spezielle Aktionen hervorrufen, wenn sich der Sim gerade in einer solchen befindet. Konzentrierte Sims können besser lernen, während energiegeladene Sims Vorteile bei sportlichen Aktionen haben. Relativ schnell weiß der Spieler jedoch, durch welche Aktionen er solche Boosts hervorrufen kann, weshalb spätere Aufgaben wie "10 inspirierte Mahlzeiten kochen" mehr Fleißarbeit denn Knobelaufgabe darstellen.
Quelle: Electronic Arts
Egal ob dick oder dünn - jeder Sim hat ein Ziel im Leben. Der Spieler soll es ihm erfüllen.
Zusätzlich zu den Stimmungen haben die Sims (wählbare) Bestreben, zum Beispiel ob sie denn nun Meisterkoch oder Literatur-Bestseller werden wollen. Diese gliedern sich in vier Schritten, für die jeweils bis zu drei verschiedene Aufgaben nötig sind. Dabei werden letztlich Punkte freigeschaltet, mit denen sich Boni kaufen lassen können. Darunter zählen relativ günstige Tränke, mit denen die Sims umgehend in bestimmte Stimmungen versetzt werden können. Praktischer sind jedoch Belohnungen, für die etwas länger gespart werden muss und die beispielsweise Toiletten- oder Kühlschrankgänge, also Harndrang oder Hungergefühl, drastisch reduzieren können. Wodurch natürlich mehr Zeit für andere Aktivitäten frei wird.
Das professionelle Leben der Sims
Quelle: PC Games
Nackt ums Haus joggen? Kein Problem.
Die Bestrebungen sind – neben diversen Bonus-Einrichtungsgegenständen - meist an Berufszweige gekoppelt, was sich beim "Meisterkoch" noch relativ schnell selbst erschließen lässt. Insgesamt gibt es acht verschiedene Karrieren, wovon sich alle im späteren Verlauf noch in zwei unterschiedliche Bereiche aufteilen. Verfolgt ein Sim die Gastronomie-Karriere, muss er sich später für den Beruf des Kochs oder des Mixers entscheiden. Aus einem Technikguru dahingegen wird ein eSportler oder ein Start-Up-Unternehmer. Jede Karriere besteht aus insgesamt zehn Stufen, sodass tunlichst auf eine Beförderung hingearbeitet werden sollte, da besser positionierte Sims selbstredend mehr verdienen. Dazu muss der Sim grundsätzlich gut gelaunt zur Arbeit gehen. Darüber hinaus müssen verschiedene Aufgaben wie das Erlernen bestimmter Fähigkeiten abseits des Jobs erledigt werden. Über einen Button lässt sich die Arbeitsleistung senken oder steigern, auch kann mit den Kollegen geplaudert werden, was das Bedürfnis nach sozialem Miteinander stillt.
Anders als noch in den Vorgängern kann man aber keinen direkten Kontakt zu anderen Sims in der Arbeit aufbauen, um sie etwa nach Feierabend noch einmal zu treffen. Ein Büroflirt ist also nicht möglich. Wichtig für eine erfolgreiche Karriere ist der Erwerb passender Fähigkeiten. Ein Koch der nicht gut kochen kann, wird ebenso wenig erfolgreich sein wie ein übergewichtiger Hochleistungssportler. Je nach Verlangen kann eine der über zwanzig Fähigkeiten mit Hilfe von Büchern, netten Sims oder am besten per learning by doing trainieren. Dabei sind diese nicht allein für die Arbeit wichtig, auch für Aktivitäten außerhalb der Arbeit wie etwa dem Angeln oder der Gartenarbeit sind die Fähigkeiten nützlich, da so weitere und meist bessere Interaktionsmöglichkeiten freigegeben werden.
Quelle: PC Games
Das User Interface ist aufgeräumter, schäumt aber über vor Optionen.
Anders als in Die Sims 3 wird die Spielwelt nicht mehr offen dargestellt. Hauptsächlich ist zwischen zwei kleinen Regionen zu unterscheiden, welche jeweils über einen Park, ein Ladenviertel und vier Wohnviertel verfügen. Will man nun mit einem Sim zur Bibliothek reisen, kann der dies nicht einfach mit dem Auto oder zu Fuß machen, sondern lediglich dorthin "reisen", was mit einem Ladebildschirm verknüpft ist. Dementsprechend muss der Spieler bei jedem Laden eines unterschiedlichen Grundstücks längere Wartezeiten in Kauf nehmen, ehe er wieder die Steuerung übernimmt. Ist der befreundete Sim, den man sucht, plötzlich nicht zuhause, ist der Heimweg gleich doppelt frustrierend – denn hier wird der Ladebildschirm schon wieder fällig. Typische Latsch-Arbeiten und das normale Socializing mit anderen Sims entfällt dann mal schnell. Auch kann man bis zum erneuten Erreichen der eigenen vier Wände nicht auf die anderen Sims im Haushalt zugreifen und muss stattdessen darauf hoffen, dass das Spiel deren Aufgaben in die Hände nimmt, da auch für die nicht gesteuerten Sims die Zeit vergeht.
Ein ganz großer Fehler, wie wir finden. All das führt letztendlich dazu, dass Spieler fast die ganze Zeit ausschließlich auf dem eigenen Grundstück verbringen und man, bei Bedarf, die Freunde zu sich einlädt, anstatt selbst die Umgebung zu erkunden. Kombiniert mit der etwas versimpelten aber netten Grafik scheint dies mit ein Aspekt dafür zu sein, dass die allgemeine Performance von Die Sims 4 um einiges besser ist als noch in Teil 3. Ruckler und Hänger konnten wir während der gesamten Spielzeit nicht ausmachen, lediglich die höchste Stufe der Vorspulfunktion schien hin und wieder verlangsamt. Erfreulich ist zudem das stark verbesserte User Interface, das aufgeräumter und nicht mehr so überladen wirkt wie noch zuvor.
Kleine KI-Schwächen
Quelle: Maxis
So ist Sims 4 außerhalb der eigenen vier Wände: Nebeneinander sitzen und sich anschweigen.
Beibehalten wurden die Wegfindungsprobleme, welche schon immer Teil der Sims-Spiele waren. Zu beobachten sind Probleme, wenn mehrere Charaktere gleichzeitig versuchen auf ein Objekt zuzugreifen. Etwa nach dem Essen, wenn mehrere Sims gleichzeitig auf die Idee kommen, den dreckigen Teller zu spülen. Auch im Single-Haushalt muss man sich manchmal am Kopf kratzen, wenn ein Sim dreißig Ingame-Minuten vor der Toilette steht und nicht so recht mit sich anzufangen weiß. Dagegen gefällt das neue Multitasking, das in den Vorgängern noch rudimentärer ausgefallen war. Dass Sims beim Essen miteinander quatschen können, ist nichts Neues. Jedoch sind sie nun in der Lage, auf dem Klo ihr Buch weiter zu lesen! Hört sich nicht nur spektakulär an, die Sims sparen sich durch diese und ähnliche Aktionen aber gehörig Zeit und wirken außerdem etwas realitätsnaher.
Nichtsdestotrotz vermisst man als Kenner des Vorgängers einiges, was das Spiel noch lebendiger gemacht hat. Ist das Verschwinden verschiedener Einrichtungsgegenstände verschmerzbar, verwundert es schon, dass man keine Alarmanlage kaufen kann. Das ist schlicht darin begründet, dass es keine Einbrecher mehr gibt. Ebenso kann man keine Handwerker und Gärtner mehr rufen, was besonders nervig ist, da Haushaltsgeräte sehr schnell kaputt gehen (das Radio alle paar Tage!) und auch die Pflanzen täglich zeitaufwändige Pflege benötigen. Verschiedene Features, wie etwa das Veranstalten von Partys, sind beschnitten worden, Kleinkinder gibt es gar nicht mehr. Weniger vermisst wird der hauseigene Store, über welchen mit Münzen neue Inhalte freigeschaltet werden konnten. Stattdessen gibt es nun eine Community-Seite, welche es den Spielern erlaubt, eigene Kreationen anzubieten oder die von anderen herunterzuladen. Auch wenn es sich dabei lediglich um Sims, Zimmer und Häuser handelt, lohnt sich vor allem die Begutachtung letzterer.
