NHL 15: NHL 15 im Test: Die Enttäuschung auf Kufen

Test Thomas Pfnür
NHL 15 im Test
Quelle: EA Sports

Vor einem Jahr machte sich große Verwunderung in der Spielergemeinde breit. EA verkündete stolz, man wolle keinen Schnellschuss auf den neuen Konsolen und lasse daher den Entwicklern lieber noch zwölf Monate Zeit, ein wirklich gutes NHL für Xbox One & Co. auf die Beine zu stellen. Das Jahr ist nun vorbei und doch will keine Begeisterung aufkommen. Warum nur?

Von neuer Physik-Engine und bekanntem Spielgefühl

Wir wären schon wirklich überrascht gewesen, wenn die Entwickler für eine NHL-Umsetzung auf Xbox 360 noch groß Arbeit ins Gameplay gesteckt hätten. Richtiggehend verwundert hätte uns das. Doch auf EA ist einfach Verlass und so sucht man Änderungen im Last-Gen-Ableger vergebens. Was letztes Jahr gut war, was letztes Jahr schlecht war, ist es auch, und zwar komplett identisch, 12 Monate später noch. Ob die kanadischen Entwickler seit damals überhaupt einen Blick in die Sourcen der Eishockeyumsetzung geworfen haben, wissen wir natürlich nicht. Wir wissen aber, dass ihr spielerische Weiterentwicklung auf der "alten" Plattform nicht finden werdet. Trotzdem bekommt ihr mit der NHL-Umsetzung auf Xbox 360 auch im Jahr 2014 wieder den gewohnten Tiefgang, die gewünschte Forderung und den, für viele wichtigen, leichten Zugang, etwa durch eine vereinfachte Steuerungsvariante, geboten. Schlecht ist das Alles sicher nicht, es fehlt einzig an den Neuerungen. Und so bleibt auch das Gameplay-Fazit, wie schon bei den Vorgängern: Wirklich begeistert ist man nur, wenn man Neueinsteiger ist oder schon lange keine Eishockeyspiel auf Xbox 360 mehr sein Eigen nennen durfte.

NHL 15 im Test Quelle: EA Sports NHL 15 im Test Keine Überraschung und keine Enttäuschung, eher ein neutrales Hinnehmen des Last-Gen-Gameplays – aber mal ehrlich, viel interessanter ist sowieso, wie sich das neue NHL, also die Umsetzung für die neue Konsolengeneration, spielt. Kommt hier das Besondere? Das Gameplay der nächsten Generation? Und haben die Entwickler die selbstgewählte Auszeit auch wirklich zu nutzen gewusst? Um es kurz zu machen: Ja, das Gameplay fühlt sich gut an. Ja, der Titel macht auch auf der Xbox One durchaus Spaß. Und ja, wirkliche Gameplayaussetzer, wie man es schon bei mancher Erstveröffentlichung für eine neue Konsole gesehen hat, gibt es ebenfalls nicht. Dafür fehlt es aber auch an dem neuen Spielgefühl und dem von EA versprochenen Eishockey der nächsten Generation. Stattdessen hat man ein Déjà-vu nach dem anderen. Das Handling der Spieler – ist gut, kennen wir aber schon. Die KI – ist fordernd, kennen wir aber schon. Und der Tiefgang – ist vorhanden, kennen wir aber schon. Wie gesagt, NHL 15 für Xbox One spielt sich gut, daran wollen wir auch nichts aussetzen, aber ein wirkliches Next-Gen-Gefühl, ein anderes Spielgefühl als auf der Vorgängerkonsole, will sich bei uns einfach nicht einstellen.

Übrigens ist es deshalb auch besonders schade, dass uns zusätzlich dann noch der eine oder andere "Fehler aus der Vergangenheit" eben auch im "neuen" NHL wieder über den Weg läuft. Etwa wenn vereinzelte Aktionen nur mit einer gewissen Verzögerung ausgeführt werden, die CPU-gesteuerten Mitspieler hin und wieder absolut doof agieren oder mancher Puck-Verlauf kaum etwas mit realistischem Verhalten zu tun hat.

NHL 15 im Test Quelle: EA Sports NHL 15 im Test Gerade letzteres hat uns dann doch etwas verwundert. Hatten die Entwickler, zumindest laut Pressemitteilung, nicht besonders intensiv an der Physik-Engine gearbeitet, um ein noch authentischeres Eishockeyerlebnis zu vermitteln? Und sollten diese Arbeiten nicht auch das Verhalten des Pucks beinhalten? Ja, genau. Interaktionen mit der Hartgummischeibe sollten realistischer, Abpraller logischer und Schüsse intensiver sein. Und wenn wir ganz genau hinschauen / hinfühlen, dann spüren wir da auch was. Es gibt tatsächlich Spielsituationen, in denen sich der Puck einen Tick realistischer verhält. Um dies allerdings wirklich zu bemerken, muss man dann aber schon richtiger Kenner des Spiels bzw. des Franchise sein. Wir fragen uns: Sollen das die großen Änderungen sein?

Puck-Physik ist aber nur ein Bereich der neuen Engine. Der andere, durchaus auch wichtige, ist die Spielerkollision. Und tatsächlich, auch hier spürt man einen kleinen Unterschied zwischen Last- und Next-Gen-Version. Am besten umschreibt man diesen Unterschied wohl mit dem Wort "intensiver". Checks sind intensiver, das Gedränge vor dem Tor ist intensiver und das ständige Gerangel um den Puck ist intensiver. Oder besser, es fühlt sich intensiver an. Und zwar genau so viel, dass man nach längerer Spielzeit sogar sagt: Ja, auf Microsofts Neuer wird eine wirklich authentische Eishockey-Atmosphäre vermittelt, welche in Feinheiten sogar besser ist, als das Spielerlebnis auf Xbox 360.

Von enormen Umfang und gekürzten Inhalten
NHL 15 im Test Quelle: EA Sports NHL 15 im Test Es fehlen uns die Worte. Da freut man sich auf eine neue Konsolengeneration, und dementsprechend auch auf Spiele, die die Hardwarepower passend ausnützen, und dann bekommt man NHL 15 für die Xbox One vor die Nase gesetzt. So muss sich der Stürmer fühlen, wenn er im sicheren Glauben mit einem Schlenker den Puck im Netz zu versenken, im letzten Moment durch einen harten Check dann doch nur das kalte Eis küsst. Schmerzen, Frust und vielleicht auch Wut. Naja zumindest wir empfinden ein wenig letzteres. Ernsthafte Frage an die Entwickler: Was, bitte, habt ihr die letzten zwölf Monate oder noch länger gemacht? Karten gespielt? Am Strand gelegen? Anders können wir es uns einfach nicht erklären, wie solch ein gekürztes Werk auf den Markt kommen kann. Wer sich tatsächlich für das Xbox One-NHL entscheidet, kann sich schon mal darauf einstellen, über zehn Spielmodi weniger als etwa beim Pendant auf Xbox 360 geboten zu bekommen. EA will uns Spielern das dann als Eishockey der neuen Generation verkauft. Na, danke.

Aber werden wir wieder sachlich. Das simple Einzelspiel – übrigens On- oder Offline –, das mittlerweile zum Mikrotransaktions-Kosmos verkommene Ultimate Team, die Karriere als Generalmanager oder als Spieler und der Herausforderungsmodus NHL Moments Live bilden die Punkte des aufgrund der Größe sehr übersichtlichen Spielvariantenmenüs. Mehr gibt es nicht. Kein NHL94-Jubiläumsmodus, keine Winter Classics und vor allem keine Saison. Gerade letzteres führt dann auch die beinhalteten Mannschaften aus DEL und anderen europäischen Spitzenligen etwas ad absurdum. Einfach, weil ihr mit diesen Teams nichts anderes als Einzelmatches austragen könnt. Tatsächlich keine Saison mit den deutschen Mannschaften aus der DEL? Wir können es kaum glauben und fühlen uns gerade in die frühen 90ziger zurückversetzt.

Spielmodi in NHL 15 im Vergleuch zum Vorgänger NHL 14 - wo bleibt der Rest, EA? Quelle: i.imgur.com Spielmodi in NHL 15 im Vergleuch zum Vorgänger NHL 14 - wo bleibt der Rest, EA? Aber wir Spieler sind leidensfähig und das weiß auch EA. Der Next-Gen-Karrieremodus etwa ist nun auf die NHL beschränkt. Farmerteams aus der AHL, WHL usw. werden zwar erwähnt, spielbar sind sie aber innerhalb der Karriere nicht mehr. Noch schlimmer wird es, wenn man eine virtuelle Profilaufbahn als Spieler starten will, denn diese Spielvariante wurde nicht nur ebenfalls extrem gekürzt und hat deshalb auch nichts mehr mit dem letztjährigen, grandiosen Modus Lebe das Leben gemein. Nein, durch die nun integrierten, kaum fordernden Abläufe und Inhalte geht dem Be a Pro auf Xbox One bereits nach den ersten Spielminuten so die Luft heraus, dass wohl nur wenige überhaupt eine Saison durchspielen werden, geschweige denn mehrere.

Und ihr habt immer noch nicht genug? Kein Problem. Besonders tapfer müssen nämlich Multiplayerfans unter euch sein. Was EA uns an Mehrspielervarianten, vor allem auch Online, anbieten will bzw. nicht mehr anbietet, ist schlicht eine Frechheit. Kein GM Connected, kein Hockey League und kein Online-Teamspiel mehr, um ein paar der gestrichenen Features zu nennen. Der Online-Modus ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Da fällt es dann fast kaum auf und auch nicht mehr ins Gewicht, dass es auch vom Editor nur noch eine Light-Ausgabe gibt. Wer sein Team selbst gestalten will, schaut genauso in die Röhre, wie der Taktikfuchs, der seine eigenen Spielzüge entwickeln wollte. Nein, was Electronic Arts in ihr als besonders neu angepriesenes NHL 15 für die Xbox One gepackt hat, kann mit den heutigen Standards überhaupt nicht mehr mithalten und hat auch nichts mehr mit dem, was man von der Spielserie bisher so gewohnt war, zu tun.

Zumindest die Xbox-360-Version ist diesbezüglich ein kleiner Lichtpunkt, denn auf der "alten" Plattform bekommt ihr auch im aktuellen Ableger wieder das volle Umfangprogramm geboten. Alle Modi, alle Mannschaften und alle Möglichkeiten, die euch die NHL-Serie bereits im letzten Jahr bot, bietet auch NHL 15 und zwar ohne Abstriche. Einziger, trotzdem nicht gerade unwichtiger Kritikpunkt: Neuerungen gibt es nicht und bis auf die üblichen Roster-Updates sind alle Inhalte absolut identisch zum Vorgänger. Die "Legacy Edition" lässt ganz laut grüßen.

Von neuer Präsentation und technischem Stillstand
NHL 15 im Test Quelle: EA Sports NHL 15 im Test Und wenn wir gerade beim Xbox-360-Ableger von NHL 15 sind, auch in punkto Technik muss sich der Kenner mit wenig Neuem und sehr viel Bekanntem zufrieden geben. Gerade bei der Grafik handelt es sich eigentlich nur um eine dreiste Kopie des Vorgängers, d. h. Optik der Stadien samt Fans, Animation der Spieler und die Präsentation inklusive aller Zwischensequenzen sind absolut identisch und komplett unverändert. Zumindest wurde aber der Kommentar überarbeitet. Analog zur Next-Gen-Version kommt auch auf der Xbox 360 nun das Duo Mike Emrick und Eddie Olczyk zu Wort. Und ebenfalls wie beim großen Bruder, machen die beiden auch hier ihren Job richtig gut. Sämtliche Spielsituationen werden passend analysiert und manche lustige Anekdote bzw. interessante Hintergrundinformation zu einem Team oder Spieler lockern das Geschehen merklich auf. Was hier zum Besten gegeben wird ist wirklich gut anzuhören, auch wenn sich vieles relativ schnell wiederholt.

Auf Xbox One gibt es aber natürlich nicht nur diesen neuen Kommentar, sondern zusätzlich wurden auch die Präsentation und die Grafik insgesamt einer kompletten Überarbeitung unterzogen. Logisch, die Rechenpower der nächsten Konsolengeneration soll schließlich besser ausgenutzt werden. Soweit die PR aus dem Hause Electronic Arts. Soweit aber sogar auch die Realität, denn in der Tat könnt ihr ein paar der versprochenen Punkte auf dem heimischen Bildschirm bewundern. Etwa das neue NBC Sports Feature, welches euch das Erlebnis Eishockey in bester Fernsehmanier und absolut realistisch präsentiert. Oder das lebendige Publikum, welches nun aus 9000 individuellen Zuschauermodellen besteht und damit eine wirklich tolle, mitreißende Stadionatmosphäre erzeugen kann. Vor allem auch deshalb, weil die Fans wirklich mit den Geschehnissen auf dem Eis mitgehen, auch akustisch. Und zu guter Letzt sind die Zwischensequenzen jetzt etwas umfangreicher und beinhalten neben den normalen Filmchen von der Bank, dem Trainer oder dem Einlauf, nun auch bewegte Bilder vom Reportergespann und Außenaufnahmen der Spielstätten.

NHL 15 im Test Quelle: EA Sports NHL 15 im Test Und trotzdem, irgendwie wirkt alles nicht so richtig Next-Gen. Das Spielerdesign ist zwar detailliert und realistisch, aber auch blass und ohne den gewissen Wow-Effekt. Selbiges bei den Animationen. Die Eishockeyspieler bewegen sich zwar weitestgehend flüssig und eigentlich könnte man auch kaum etwas kritisieren, trotzdem will die absolute Begeisterung aufgrund des Gebotenen nicht wirklich aufkommen. Der Eindruck bleibt, dass der erwartete Optiksprung trotz neuer Hardware mit NHL 15 einfach nicht gelungen ist. Da macht sich schnell Enttäuschung breit, auch weil weiterhin genug technische Macken vorhanden sind, die richtig nerven und wir bei Next-Gen einfach nicht mehr erwartet hätten. Etwa die ständigen Clippingfehler. Oder die sich ineinander verkeilenden Spieler. Oder die sich kaum realistisch verändernde Eisfläche. Und von den weiter zu langen Ladezeiten wollen wir schon fast gar nicht mehr reden. Nein, auch technisch ist NHL 15 leider nicht der Schritt in die neue, in die nächste Generation gelungen.

Meinung

Wertung zu NHL 15 (XBO)

Wertung:

5.9 /10

Wertung zu NHL 15 (X360)

Wertung:

7.5 /10
Pro & Contra
tiefgängiges und forderndes Gameplaydurch vereinfachte Steuerungsvarianten leichter Zugang (Xbox 360)überarbeitet Physik-Engine bringt etwas mehr Realismus (Xbox One)enormer Umfang (Xbox 360)tiefgängige Karriere und fordernder Online-Modus (Xbox 360)enormes Rechtepacket (mit NHL, AHL, DEL usw.)passende Animationen der Eishockeyspielerschöne Präsentation des Spielgeschehensenorm lebendiges und richtig abwechslungsreich designtes PublikumNBC Sports Feature (Xbox One)neues Kommentatoren-Gespann macht einen guten Job
spielerische Neuerung nahezu nicht vorhanden (Xbox 360)…und viel „Altes“ auch im Next-Gen-Gameplay (Xbox One)bezüglich des Inhaltes eine Kopie des Vorjahres (Xbox 360)gekürzter Umfang, mit mehr als 10 Modi weniger als Last-Gen (Xbox One)triste Karriere und ein ganz schwacher Online-Multiplayer (Xbox One)optische Unterschiede zum Vorgänger gibt es nicht (Xbox 360)die Grafik ist noch Welten von Next-Gen entfernt (Xbox One)ständige Clippingfehler und lange Ladezeiten nerven weiterhin
Fazit

NHL 15 ist auf der Last-Gen zwar nur ein Roster-Update, bietet dafür aber gewohnt guten Inhalt. Die Next-Gen-Version aber ist ein gekürztes Machwerk ohne Mehrwert.

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