Hyrule Warriors im Test: Fernöstliche Schnetzelorgie mit Zelda-Charakteren in den Hauptrollen

Test Alexander Winkel
Hyrule Warriors für Wii U im Test: Links Action-Ausflug erfüllt zwar nicht alle Erwartungen an ein neues Zelda-Spiel, macht aber trotzdem eine Menge Freude!
Quelle: Nintendo

Action-Adventure trifft auf brachiale Massenschlacht. Die Koproduktion zwischen Nintendo und Koei schnappt sich Elemente aus The Legend of Zelda und Dynasty Warriors und zimmert daraus ein Action-Abenteuer für Fans beider Lager. Gewagte, aber durchaus interessante und unterhaltsame Kost für zwischendurch!

Was für ein atemberaubender und epischer Kampf zwischen den Mächten des Bösen und den schillernden Helden des Lichtes. Einmal mehr wird das idyllische Hyrule Schauplatz von wilden Gefechten und üblen Kämpfen zwischen Niedergang und Frieden. Doch anders als es die Nintendo-Liebhaber bisher gewohnt waren, geht es in Hyrule Warriors richtig zur Sache. Wenn Link sein Masterschwert schwingt, haucht die scharfe Klinge nicht selten unzähligen Schergen auf einmal das Leben aus. Es blitzt und donnert, Lichtpfeile erhellen das Schlachtfeld und mächtige Zauber rütteln kräftig an den Grafikmuskeln der Wii U. Einmal eingetaucht, schwebt man im Adrenalinrausch des Krieges mit und kommt nicht selten umhin, das Geschehen zu bestaunen.

Berauscht und mitgezogen vom actionreichen Abenteuer, legen wir aber ebenfalls einen zu hohen Gang ein und müssen etwas bremsen, um alles von Anfang an zu erfassen. Nintendos neuester Geniestreich Hyrule Warriors ist unverkennbar ein weiteres Abenteuer mit dem spitzohrigen Helden Link – ein wohl betont völlig neuer Charakter in einer völlig anderen Epoche als bisher, der sich zunächst auf dem Schlachtfeld als würdiger und gefeierter Held beweisen muss. Grün hinter den Ohren wagt sich der Jüngling vor die Tore der Festung Hyrule, um Prinzessin Zelda zu unterstützen. Er sieht sich nicht nur einer idyllischen Landschaft gegenüber, sondern einem auf und ab wiegenden Meer an Gnomen, garstigen Skeletten und andersartigen Kreaturen, welche blutrünstig ihre Knüppel schwingen. Das üppige Grün der einst herrlichen Landschaft ist dem Scharmützel des Krieges zum Opfer gefallen. Doch eine Atempause gibt es nicht, denn bereits im nächsten Augenblick stürmen die Massen gegen die Mauern der Festung an.

Eine fernöstliche Schnetzelorgie
Hyrule Warriors für Wii U im Test. (2) Quelle: TecmoKoei, Nintendo Hyrule Warriors für Wii U im Test. (2) Spieltechnisch tritt der Titel unverkennbar in die Fußstapfen der brachialen Massenschlacht-Orgien eines Dynasty Warriors und Konsorten. Riesige Truppen marschieren über die Prärie, Kommandanten führen Festungen und Lager und einige dicke Brocken warten letztendlich als Überraschung auf tapfere Krieger. Auf den ersten Blick ein wildes Chaos, welches auf den zweiten aber wohlüberlegten Schachzügen weicht. Im Verlauf der etwa 12-15 Stunden langen Hauptstory ist der strategische Anteil im Gameplay deutlich auszumachen. Mit ein wenig Mut und vor allem guten Argumenten in Form eines scharfen Schwertes, einer Axt oder eines mächtigen Hammers in der Hand, überrennen wir ganze Horden an Feinden und vernichten massig Gegner innerhalb von wenigen Minuten und mit wenigen Tastenhieben. Doch nur das Kleinvieh lässt sich derart überrumpeln und völlig ohne Taktik über den Jordan schicken.

Ein Sieg kann man nur erringen, wer den Feldherrn höchstpersönlich tötet. Burgen, Ruinen und befestigte Lager müssen zunächst geräumt und anschließend der Befehlshaber eliminiert werden. Dadurch werden diese übernommen und von eigenen Soldaten bewacht. Hin und wieder kommt es zu brenzligen Situationen und Brennpunkten auf dem riesigen Schlachtfeld. Hilferufe aus allem Ecken werden laut, sodass man sich gezwungen sieht, die eigentliche Front zu verlassen und den Freunden im Hinterland zu helfen. Feinde schlagen Preschen in die Wehranlagen, nutzen Katapulte oder mächtige Monster, die einem in den Rücken fallen oder finden andere Wege, um das Hauptlager anzugreifen. Letzteres sollte nie fallen, sonst ist die Schlacht vorbei noch bevor das letzte Herz der Energieleiste tatsächlich verbraucht ist. Je nach Situation werden weitere Bedingungen gestellt, deren Nichteinhaltung unweigerlich zur Kapitulation und somit einer Niederlage führt. Gut angelegte Checkpoints verhindern in einem solchen Fall zum Glück viel Frust und Ärger.

Bekannte Gesichter
Hyrule Warriors für Wii U im Test. (3) Quelle: TecmoKoei, Nintendo Hyrule Warriors für Wii U im Test. (3) Zahlreiche bekannte Charaktere aus dem "The Legend of Zelda"-Universum gesellen sich der unermüdlichen Riege an Kämpfern hinzu. Je nach Situation weicht Link seinen Freunden wie Zelda, Shiek, Impa, Lana, Agitha oder Phai und im späteren Verlauf der Geschichte dürfen wir überraschenderweise sogar auf der Seite der dunklen Macht agieren und gegen die eigentlichen Helden kämpfen (und sogar siegen!). Doch nicht nur die zahlreichen Charaktere versprechen viel Abwechslung, auch die Schauplätze haben einiges zu bieten und lassen die Augen der Fans leuchten. Vom Schattenpalast über die Gerudo-Wüste bis hin zur Hyrule Ebene wird man zahlreiche Szenarien durch das eine oder andere Detail wiedererkennen. Technisch ist Hyrule Warriors aber ein zweischneidiges Schwert. Einerseits begeistert die Schlacht mit den hunderten von wuselnden Gegnern auf dem Bildschirm. Wenn Link mal große Kombos hinlegt, brennt auch ein wahres Effektfeuerwerk ab. Betrachtet man aber das Land oder das Inventar, so trüben schwammige Texturen und detailarme Architektur das Spektakel. Die Rechenpower der Wii U wird voll und ganz für die Scharen auf dem Bildschirm aufgebraucht.

Was in den ersten 1-2 Stunden vor allem für Zelda-Fans etwas prüde und abgedroschen wirkt, entfaltet sich mit zunehmender Spieldauer und spielerischen Möglichkeiten. Jede Auseinandersetzung bringt Erfahrung ein und vor allem zahlreiche Waffen und Materialien bleiben nach getaner Arbeit auf dem Sachlachfeld für Sammler zurück. Neben diversen Klingen, Zaubern und anderen typischen Objekten finden sich auch bekannte Elemente der Legend-of-Zelda-Reihe wieder. Felsen zerstört man dann mit Bomen, die stilecht aus einer Kiste geborgen wurden. Wände kann man mit dem Enterhaken erklimmen und Bumerang und Bogen als Fernwaffe einsetzen. Knifflige Aufgaben mithilfe der zusätzlichen Items, wie in den Abenteuern von Link, sollte man aber nicht erwarten. Abenteurer haben dennoch vieles zu entdecken. Überall gibt es versteckte Kisten mit Extras, bestimmte Bereiche sind nur mit besonderen Items erreichbar und natürlich darf die Jagd nach goldenen Skulltulas ebenfalls nicht fehlen.

Hyrule Warriors für Wii U im Test. (7) Quelle: Nintendo Hyrule Warriors für Wii U im Test. (7) Darüber hinaus gestaltet sich der Kampf bei weitem nicht derart öde, wie er sich bisher anhört. Während Gnome und andere Kleintiere nur Kanonenfutter darstellen und den Todeszähler am rechten unteren Bildrand schnell füllen, gilt es auch Vorposten und Festungen einzunehmen. Zunächst muss man diese Orte vom Kleinvieh reinigen, doch dann lässt sich auch der Hauptmann blicken. Meist ein etwas größerer, zäherer Brocken der einfache Hiebe mit Schild blockt und selber ordentlich austeilen kann. Daher müssen wir zunächst anvisieren, um den Feind herum tänzeln oder den Attacken mit einer Rolle ausweichen und die eigene Chance abwarten. Trotz der Dynasty-Warriors-Wurzeln fühlt sich Hyrule Warriors in derartigen Situationen doch wie ein gutes altes The Legend of Zelda an. Die Krönung des Spektakels sind epische Bosskämpfe gegen Monster, bei denen einfache Hiebe nur kaum mehr als einen Mückenstich hinterlassen. Mit dem Enterhaken holen wir daher einen Drachen zunächst vom Himmel oder füttern eine riesige, garstige Echse mit Bomben, um die Biester benommen und somit anfällig für Attacken zu machen. Zelda-Fans sollten in derartigen Situationen ziemlich schnell auf des Rätsels Lösung kommen – erfrischend sind die kleinen Denkaufgaben dennoch.

Seltene RPG-Momente
Hyrule Warriors für Wii U im Test. (8) Quelle: Nintendo Hyrule Warriors für Wii U im Test. (8) Mit zunehmender Spieldauer werden nicht nur die Massen größer, auch die Feinde kräftiger und stärker. Ganz gut, dass die Helden dazu lernen und man auf zahlreiche Möglichkeiten der Charakterentwicklung zurückgreifen kann. Vor allem optisch effektvoll, spielerisch aber ebenso nützlich, ist der Ausbau der Angriffscombos. Dadurch werden verschiedene Hiebe zu mächtigen Schlägen und Zaubern ausgebaut, die je nach Charakter unterschiedliche Elemente auf den Bildschirm zaubern. Das sieht gut aus und macht viel Spaß, spielerisch ist es aber egal, mit wem man in die Schlacht zieht. Auch der weitere Charakterausbau von defensiven Rüstungen bis hin zu weiteren magischen Effekten ist im Grunde für alle Helden gleich. Eine Individualisierung ist bei Hyrule Warriors nicht möglich, sieht man von den Waffen mal ab! Ihr könnt in der Schmiede die Fähigkeiten mehrerer Waffen kombinieren und somit einen deutlich durchschlagskräftigen Argumentationsverstärker basteln, der unter Umständen auch noch zusätzliche Eigenschaften mit sich bringt. Trotz aller Mängel ist der Charakteraufbau motivierend.

Während die Kämpfe den Adrenalinpegel vorantreiben, plätschert die Story ein wenig vor sich hin. Zwischen den Auseinandersetzungen gibt es immerhin einen Erzähler, der Einzelteile vorliest. Die Dialoge im Spiel verlaufen aber typisch für Nintendo mit simplen Ausrufen und vor allem recht altbacken mit viel Text. Es sind Gespräche, die geradezu emotionslos wirken, trotz kläglicher Versuche von erstaunten, erschrockenen oder lieblichen Lauten. Hilferufe und Gratulationen gehen im Eifer des Gefechtes komplett unter, weil man sich doch eher auf einen starken Gegner und seine Angriffstaktik, als auf Textnachrichten konzentriert. Hyrule Warriors lebt nicht von seiner Story, sondern den Kämpfen und der Gier nach neuen Items. Zahlreiche Schätze und Sammlerobjekte sorgen für reichlich Wiederspielwert. Nach dem einmaligen Durchspielen wird zudem ein vierter, wirklich happiger Schwierigkeitsgrad freigeschaltet. Feinde sind mächtiger, dafür finden sich auch durchschlagskräftigere Waffen.

Hyrule Warriors für Wii U im Test. (9) Quelle: Nintendo Hyrule Warriors für Wii U im Test. (9) Darüber hinaus wird es zukünftig Herausforderungen geben (wir haben bis dato eine erste aus dem Internet laden können) und mit dem Abenteuer-Modus haben Nintendo und Koei einen wirklich innovativen Missionsmodus geschaffen. Auf einer schicken Retro-Übersichtskarte der Welt im Stil von The Legend of Zelda (dem ersten Abenteuer von Link auf dem NES) arbeitet man sich von Bildausschnitt zu Bildausschnitt vor. Jeder Bildschirm birgt eine neue Mission, welche Extras, neue Items oder Waffen beherbergen kann. Witzigerweise können unter anderem mit der Kerze wieder Büsche verbrannt werden, um Geheimgänge zu finden und ähnliches. Kurzum gesagt, nach der Hauptstory hat man erst einen sehr geringen Bruchteil aller Missionen gemeistert und Schätze geborgen. Etliche zusätzliche Stunden und Wochen wird es noch dauern, um die letzten Sammelbilder zusammen zu bekommen, den wundervollen Soundtrack zu vervollständigen und jegliches Geheimnis hinter Hyrule Warrior zu lüften.

Der Missionsmodus bietet auch die Interaktion mit weiteren Recken aus aller Welt. Aufgrund mangelnder Mitstreiter konnten wir bis dato die Onlineinteraktion aber nicht testen!

Meinung

Wertung zu Hyrule Warriors (WiiU)

Wertung:

8.6 /10
Pro & Contra
zahlreiche bekannte Helden aus den The Legend of Zelda Spielen sind zum größten Teil auch spielbar, selbst die dunkle Seitedie Atmosphäre kommt durchaus an die Zelda-Titel heran, vor allem da viele bekannte Szenarien wieder zu erkennen sindunglaublich viele zusätzliche Missionen (u.a. der wundervoll in Szene gesetzte Abenteuer-Modus) und Extras, die es zu entdecken gibtdie Zugänglichkeit passt und dennoch ist das Spiel angenehm schwer, so dass man weder unter- noch überfordert istbekannter, herrlich abgemischter Soundtrack mit typischen Melodien und den Titelthema der Zelda-Reiheunterhaltsamem und durchaus langwierige Charakterentwicklung, aber ...
während Szenen mit dem Erzähler atmosphärisch wirken, mangelt es an emotionaler Dichte in den Konversationen dank typischer Nintendo Textgesprächedie Geschichte ist recht einfach gestrickt und ganz sicher nicht die Hauptmotivation, das Ende des Abenteuers zu erleben… der Charakterausbau ist für jeglichen Helden nahezu identisch, einzig allein die Bewaffnung und der Kampfstiel unterscheiden sich rein optischwährend die Massen an Gegnern durchaus opulent ausfallen, wirkt das restliche Levelinventar ziemlich bieder und altbackendas Kampfsystem selber ist nicht sonderlich komplex
Fazit

The Legend of Zelda trifft auf fernöstliche Schnetzelorgien. Klingt absurd, macht aber eine Menge Spaß!

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