Ubisoft vermischt Rennspiel mit MMO und packt alles in einer riesigen Spielwelt zusammen. Wir haben Hand an den Schalthebel angelegt und The Crew mehrere Stunden lang angespielt. Wie es sich im Vergleich mit der starken Rennspielkonkurrenz 2014 schlägt, verraten wir euch in der Vorschau!
Der Rennspielherbst geht los. Innerhalb weniger Wochen erscheinen ab Anfang Oktober eine ganze Handvoll Racing Games. Renn-MMOs sind darunter, Social-Racer und Rennsimulationen. Forza Horizon 2, Driveclub, Need for Speed: Rivals und Project CARS heißt die Konkurrenz. Es ist ein heißer Kampf um die Treppenplätze – und Ubisoft startet mit The Crew auf einem der hinteren Plätze.
Ein Renn-MMO
Quelle: PC Games
Navi und Ideallinie schweben über der Fahrbahn - damit sie nicht vom Auto verdeckt werden.
The Crew ist sicher nicht der erste Versuch, Rennspiele in ein MMO zu verpacken. In Test Drive Unlimited hat Atari sogar schon gezeigt, wie so ein Online-Rennspiel in der Open World aussehen kann. Dutzende, Hunderte Fahrer fuhren gleichzeitig auf einem Open-World-Server, auf der Suche nach Rennen und Spielerherausforderungen. Ähnlich geht Ubisoft in The Crew vor. Die kompletten Vereinigten Staaten stehen als befahrbare Karte zur Verfügung – nur etwas im Maßstab geschrumpft. Zwischen ein und zwei Stunden braucht man, um von der Ost- zur Westküste zu fahren, noch einmal dieselbe Zeit, um von Norden nach Süden zu kommen. Organisiert in kleinen Gruppen, den Crews, sucht man nach Rennen, die dann instanziert stattfinden. In der offenen Welt kann jeder Fahrer ein Rennen vorschlagen, der Crewmaster nimmt sie an oder lehnt ab.
Aber eigentlich ist die offene Welt nicht mehr als ein Hub. Sie ist lediglich dazu da, um Freunde zu treffen und Rennen zu suchen. Wenigstens muss man für die nicht stundenlang fahren: Man kann sich auf einer Karte jederzeit durchs ganze Land teleportieren lassen. Zwar lockern kleine Miniquests, etwa Geschwindigkeitsrennen, eine Slalomfahrt oder Offroad-Strecken die Open World auf, mehr als in die Werkstatt fahre ich jedoch nicht.
Quelle: PC Games
Solche Mini-Quests lockern das Spielgeschehen auf.
Spannender sind da schon die kreativen Missionsrennen, die in The Crew, wenn man im MMO-Jargon bleiben will, sowas wie Quests sind. Mal sind es stinknormale Rennen auf Zeit, dann Checkpoint-Fahrten und einmal jagt meine Crew einen anderen Wagen durch das verschneite Gehölz der Rocky Mountains! In solchen Momenten kommt es weniger auf Geschwindigkeit und mehr auf Technik an: Wir müssen den feindlichen Wagen rammen und von der Straße drängen. Erst wenn er steht, haben wir gewonnen. Als Belohnung gibt es Autoteile – die liefert das Spiel direkt in die Heimatwerkstatt, damit Spieler nicht mitten auf der Straße stehenbleiben müssen, um den Loot auszuchecken. Ist ein besonders tolles Stück dabei, das den jetzigen Wagen aufwertet, lässt es sich mit einem Knopfdruck einbauen – bequem!
Sogar Spielerklassen hat Ubisoft aus MMORPGs übernommen - zumindest irgendwie. Vor jedem Rennen können Spieler sich entscheiden, mit welchem Wagen sie antreten wollen. Zur Auswahl stehen Kategorien mit Spezialisierung auf Offroad, Beschleunigung, Ausdauer und Grip. Aber so richtig unterschiedlich fühlen sich die Klassen nicht an. Und schon nach wenigen Spielstunden hat eh jeder Spieler von jeder Kategorie ein paar Boliden zur Auswahl. Dann gilt nur noch: Wer in seiner Kategorie am meisten "levelt", also gefundene Autoteile tuned, ist der King!
Die Technik
Quelle: PC Games
Die riesige Map: Zwei Stunden von West nach Ost, zwei von Nord nach Süd. Also vier Quadratstunden Spielspaß?
Doch so eine Open World kostet auch Ressourcen. An ein Forza Horizon 2, Driveclub oder Project CARS kommt The Crew nicht ran. Wenn man einen Rennspielvergleich heranziehen möchte: Es ist nicht so, dass The Crew im Fahrerfeld der starken Konkurrenz zurückfallen würde. The Crew fährt nicht mal in derselben Rennklasse mit!
Die Vereinigten Staaten sind zwar sehr abwechslungsreich, aber nicht sehr detailreich. Neben den Großstädten mit ihren typischen Charakteristika und generischen Kleinstädten gibt es zwar die felsigen Rocky Mountains, verschneite Hochebenen, Wüsten, Wälder und die Strände Floridas. Aber begeistern können die Welten im Vergleich mit den Strecken der Konkurrenz nicht. Nun mag man gerne sagen können, dass es ein Driveclub, mit seinen unsichtbaren Mauern und Grenzzäunen, viel leichter hat. Aber so offen, wie propagiert ist auch The Crew nicht. An den Straßenverlauf muss man sich bestimmt nicht halten, aber falls man es mal doch wagt, "offroad" zu fahren, bestraft einen das Spiel schon fast mit leeren Flächen und langweiligen Gebieten. Wären nicht ein paar Geheimnisse in der offenen Welt verstreut und würde es nicht manche Mission vorschreiben, so könnte The Crew auch eingezäunt laufen – einen Unterschied würde ich nicht bemerken.
Quelle: PC Games
Innenperspektive + lizenzierte Originalwagen = Liebe. Leider fallen sie nicht so hochwertig und detailreich aus.
Und auch das Online-System ist interessant. Um mit seinen Freunden in einer Crew zusammen zu fahren, muss man sich in einem eng abgesteckten Gebiet treffen. Eine Einladung über weite Entfernung schicken ist nicht möglich. Vermutlich um die Serverlast zu schmälern, fahren nicht alle auf einem Server sondern sind verteilt auf mehrere. Ein System, das sich erst mal im laufenden Betrieb bewähren muss!
Gefallen hat uns hingegen die Lizensierungspolitik Ubisofts: In The Crew warten haufenweise Originalfahrzeuge, zum Beispiel von Mercedes, Ferrari, Aston Martin und Co. Und selbst die großen US-Rennzirkel sind befahrbar: Laguna Seca in Kalifornien und Sebring International Raceway in Florida verleihen The Crew leichten "Simulationswind".
