Der Einstieg von FIFA in die neue Konsolengeneration hätte schlechter laufen können. Ansprechende Grafik, passender Sound und forderndes Gameplay konnten schon vor einem Jahr begeistern. Einziger größerer Kritikpunkt damals: Der gekürzte Umfang. Den gibt es in FIFA 15 nun auch nicht mehr - was soll dem großen Fußballerglück dann noch im Weg stehen?
Next-Gen-Torhüter, Total Ball Control und erweiterte Teamtaktik – na und?
Schon der Vorgänger hatte ein ansprechendes Spielgefühl. Realistische Aktionen der Spieler, gepaart mit stimmigen Taktikmöglichkeiten und einer passenden KI zeichneten ein durchaus authentisch wirkendes Fußballspiel auf die heimischen Bildschirme. Das hat sich auch mit FIFA 15 nicht großartige geändert bzw. verbessert. Das Gameplay fordert, bietet aber weiterhin genug Zugang, um auch Neulingen nicht vor Frust den Controller in die Ecke knallen zu lassen. So weit, so gut, so altbekannt. Doch was ist mit den Neuerungen? Electronic Arts hatte dazu doch einiges angekündigt? Erweiterte Teamtaktik, verbesserte KI, neue Ballkontrolle und klügere, oder sagen wir besser realistischer agierende Torhüter sollten doch ein neues, deutlich besseres Spielgefühl vermitteln? Richtig sollten, tun sie aber nur bedingt.
Quelle: Computec Media GmbH
Wohl am meisten fällt auf, dass der letzte Mann nun tatsächlich die Bälle authentischer abfängt, abwehrt und abprallen lässt. Jede Parade hat eine gewisse Eigenständigkeit und die daraus resultierenden Spielsituationen scheinen sich auch zu unterscheiden. Bälle prallen nicht immer gleich ab, nicht jeder Schuss in den Winkel wird nach Schema F herausgefischt und es kommt auch mal zu total verunglückten Paraden. Das bringt natürlich etwas mehr Realismus ins gesamte Spielgeschehen, sieht vor allem aber meist richtig genial aus.
Mehr Realismus war auch das Ziel der "verbesserten" KI. Gegner und Mitspieler sollen laut den Entwicklern nun dynamischer auf den Spielkontext reagieren. Je nach Spielsituation soll die CPU in FIFA 15 selbstständig entscheiden, ob sie den Ball an der Eckfahne halten oder doch lieber den Gegner intensiv pressen will. Theoretisch wäre dies wirklich ein schöner Fortschritt gewesen, praktisch fehlt es aber an der entsprechend wirksamen Implementierung. Kurz: Man merkt dieses neue Verhalten nur sehr selten, meist sogar überhaupt nicht. Grundsätzlich hat man sowieso den Eindruck, dass die KI über weite Strecken das Vorgehen aus dem Vorgänger kopiert, Unterschiede also eher mit der Lupe zu suchen sind. Leider bedeutet dies dann auch, dass manch Aussetzer der künstlichen Intelligenz unverändert auch im aktuellen FIFA wieder zu finden ist.
Kaum mehr fallen die erweiterten Teamtaktiken auf. Neben der bereits bekannten Vergabe von Spielerrollen und Gesamtstrategie, könnt ihr in FIFA 15 auch jedem Spieler ganz spezielle Instruktionen zuweisen. Unterschieden nach Offensiv- bzw. Defensivaktionen könnt ihr euren Feldspielern etwa Laufwege oder genaue Spielpositionen vorgeben. Taktisch wird euch damit auch etwas mehr Tiefe suggeriert, da die Auswirkungen auf dem Feld aber im Endeffekt dann doch eher marginal sind, verpufft auch diese Neuerung mehr als PR, denn als Weiterentwicklung.
Quelle: Computec Media GmbH
Etwas deutlicher merkt man da schon die etwas angepasste Ballkontrolle. Je stärker euer Spieler ist, umso enger führt er den Ball. Je schwächer der gesteuerte Protagonist, desto weiter springt der Ball bei einem Pass vom Fuß. Bei niedrigem Tempo sind die Bewegungen präziser und die dadurch mögliche Steuerung deutlich genauer. Bei hohem Tempo schleichen sich hingegen schneller Fehler ein und Ballverluste häufen sich. Auch manche Defensivaktion scheint nun passender vom Controller zu gehen und so manche Grätsche führt zu einer direkteren Balleroberungen als man das noch beim Vorgänger gewohnt war. Schön auch, dass Steilpässe weiter entschärft wurden. Weniger schön, dass Kopfbälle mittlerweile kaum mehr von Bedeutung sind und nur sehr selten wirklich zu Toren führen.
Insgesamt bleibt es aber trotz der langen Liste an angekündigten und auch eingebauten Erweiterungen im Gameplay, dass sich das grundsätzliche Spiel zu FIFA 14 nicht so gravierend geändert bzw. weiterentwickelt hat, wie man es aufgrund der Infos im Vorfeld erwarten hätte können. Sicher der Hardcoregamer wird die Neuerungen sofort erkennen und auch zu schätzen wissen, erstgenannt sei hier das etwas geänderte Torwartverhalten, das Gro der FIFA-Spieler wird aber die Fortschritte als eher gering, wenn nicht sogar als kaum spürbar bemängeln. Wie es auch sei, trotzdem wird euch auch mit dem aktuellen Ableger der Fußballfranchise wieder eine richtig gute Simulation vorgesetzt, die von den ersten Spielminuten an Spaß macht und den Vorgänger in nichts nachsteht, vielleicht sogar ein paar Dinge einen Tick besser macht. Aber eben nur einen Tick.
Gekürzter Umfang war gestern
Quelle: Computec Media GmbH
Wie haben wir vor einem Jahr geschimpft, gemeckert und EA die Pest an den Hals gewünscht. Mal wieder hatten die kanadischen Entwickler am Umfang herumschnippelt. Ok, Electronic Arts ist berüchtigt dafür, gerade wenn eine Serie auf einer neuen Hardware erscheint, trotzdem, genervt hat es uns, euch und praktisch jeden FIFA-Spieler. Aber gut, FIFA 14 ist Vergangenheit und damit auch die gekürzten Inhalte, denn tatsächlich glänzt die aktuelle Fußballsimulation von Electronic Arts vor allem damit, dass der Umfang wieder komplett und entsprechend enorm ist. Aber nicht genug damit, erstmals gibt es sogar einen Next-Gen- / PC-exklusiven Spielmodus. Pro Clubs ist in FIFA 15 nur auf PS4, Xbox One und der heimischen Rechenmaschine spielbar. Besonders neu ist die Variante zwar nicht und auch der Ablauf sollte Kennern der FIFA-Serie bereits bekannt sein, aber als geschundene Spielerseele ist man schon mit Kleinigkeiten mehr als zufrieden. Wer die Variante aber noch nicht kennt, in Pro Club erstellt ihr euch ein ganz individuelles Team, absolviert Spiele im bekannten Onlineligasystem und kämpft euch natürlich mit Siegen an die Spitze der Community.
Besonders erfreut sind wir natürlich auch darüber, dass der Saison- / Turniermodus wieder vorhanden ist, dass die Koop-Saison und somit das intensive Spiel mit einem Freund möglich ist und dass Football Club uns weiterhin die Möglichkeit gibt, im PSN-Universum extrem aktiv zu sein.
Weniger Freude kommt da schon auf, dass Ultimate Team auch auf FIFA immer mehr zur Gelddruckmaschine für EA verkommt und auch der Rest des Inhalts relativ identisch zum letzten Jahr ist. Trotzdem kann der sehr beliebte Kartenmodus auch im aktuellen Ableger mit ein paar Änderungen aufwarten. Am Auffälligsten ist hierbei das neuen Feature Spielerleihe. Ja, im aktuellen Ultimate Team könnt ihr euch für eine gewisse Zeit Spieler ausleihen – gar nicht unwichtig, wenn euch beispielsweise der Kader durch diverse Verletzungen ausgedünnt wurde.
Insgesamt hätten wir uns bei den Spielmodi einfach deutlich mehr Neuerungen gewünscht, die es leider aber eben nicht gibt. Auch nicht beim Karrieremodus. Hier ist zwar die Menüführung jetzt etwas geändert, die Spieltagspräsentation etwas aufgebohrt und das von vielen Usern nur bedingt geliebte Scoutsystem wurde einer Überarbeitung bezüglich automatischen Vorschlägen unterzogen, aber insgesamt fehlt es einfach an dem Großen, an der Änderung, die den Modus anders wirken lassen würde, als vor einem Jahr. Besonders die persönliche Spielerkarriere ist so blass wie eh und je. Ihr fehlt auch in FIFA 15 immer noch der mitreißende Aspekt, wie etwa eine storybasierte Profilaufbahn, stattdessen bleibt es beim stupiden Abarbeiten von kaum fordernden Aufgaben.
Dafür könnt ihr aber durchaus Spaß haben, wenn ihr euch im Training über Skill-Spiele, in der wieder vorhandenen Virtuellen Bundesliga und natürlich in einer Online-Saison im neuesten FIFA-Ableger auf der PS4 austobt. Zwar gibt es auch hier nur wenig Neues, dafür aber machen diese Spielmodi durchaus soviel Laune, dass man ein paar Stunden damit verbringen kann.
Quelle: EA
Bleibt noch das Lizenzpaket. Eigentlich nie ein wirkliches Problem von EA Sports und seiner FIFA-Franchise. Und so auch im Jahr 2014. Bundesliga, 2. Bundesliga, vier englische Ligen, zwei spanische und vieles, vieles mehr, lassen wohl jedes Fußballerherz höher schlagen. Übrigens auch wieder vorhanden: Die türkische Süper Lig, von vielen die letzten Jahre ja extrem vermisst. Der europäische Fan wird also wohl wirklich kaum Probleme haben sein Lieblingsteam zu finden und eben auch zu spielen. Besonders die englischen FIFA-Jünger können sich heuer darüber freuen, dass sie tatsächlich alle 20 originalen Stadien der in der Premiere League aktiven Mannschaften im aktuellen FIFA 15 wieder finden. Mehr geht ja fast schon nicht mehr. Und nächstes Jahr dann bitte für die BuLi, EA.
Kritisieren kann man übrigens mal wieder, dass die Nationalmannschaften alles andere als aktuelle und authentisch auf die BluRay gepresst wurden. Und das, obwohl der Publisher ja wohl alle Rechte besitzt. Trotzdem stimmen teilweise die Trikots nicht oder es laufen Fantasiespieler für gewisse Länderteams auf. Warum das so, kann uns wohl nur der Publisher selbst beantworten.
Zwei Spuren im… Rasen
In punkto Technik braucht man nicht wirklich die großen Änderungen zum direkten Vorgänger erwarten. Schon FIFA 14 auf PS4 konnte schließlich, was Animationen, Stadion- bzw. Fandesign und auch Präsentation betrifft, absolut begeistern. Trotzdem ein paar optische Schmankerl haben die Entwickler in die aktuelle Fußballsimulation dann doch eingebaut. Etwa die Veränderungen auf der Grasnarbe. Je länger ein Spiel dauert, desto mehr Spuren sieht man auf dem Rasen. Zwar finden wir, dass Madden NFL das Ganze noch ein bisschen besser macht, aber der Schritt in die richtige, optische Richtung ist es trotzdem.
Quelle: Electronic Arts
Haben wir schon die besonderen Inhalte für die englische Premiere League erwähnt? Neben den 20 originalen Stadien, gibt es auch eine für diese Liga speziell integrierte Präsentation. Grafik, Ingame-Infos und Zwischensequenzen wurden dem Fernsehvorbild sehr gut nachempfunden und werden Fans des Fußballs von der Insel wohl absolut begeistern. Schade nur, dass der Rest, darunter natürlich dann auch die BuLi, weiterhin eher trist inszeniert wird.
Schade auch, dass es weiterhin Clippingfehler und den einen oder anderen Ruckler im Spiel gibt. Zusätzlich leidet das Online-Spiel aktuell noch arg unter Lags, was laut EA aber relativ zeitnah behoben werden soll. Wohl kaum mehr behoben wird wohl die manchmal unrealistische Darstellung der Spielergesichter. Extrem blass wirkt das, was uns da manchmal so aus dem Bildschirm entgegen blickt, da denkt man eher ans Blutspenden als ans Fußballspielen. Egal, ob dies jetzt an den ungünstig eingesetzten Lichteffekten oder anderen Engine-Probleme liegt, besonders schön sieht das nicht aus.
Dafür begeistert FIFA 15 mit dem integrierten Sound. Die Hintergrundmusik hat wieder einige Top-Ten-Titel zu bieten, die Fans brillieren mit Gesängen, Jubel und Pfiffen und der Kommentar vom bekannten Duo Buschmann / Breuckmann wird von Jahr zu Jahr umfangreicher. Letztere wiederholen sich natürlich auch im aktuellen Fußballableger nach einer gewissen Zeit, aber die Spanne dazwischen wird immer größer – der Umfang des Sprachrepertoire zahlt sich halt immer mehr aus. Nein, akustisch ist FIFA schon seit Jahren die Referenz im Sportgenre und dementsprechend über jede Kritik erhaben. Kaum verwunderlich also, dass sich das auch im Jahr 2014 nicht geändert hat.
