D4 - Dark Deams Don't Die: Der abgedrehte Psychotrip im Test

Test Alexander Winkel
D4 - Dark Deams Don't Die (1)
Quelle: Access Games

Als Kultspiel von Fans gefeiert und doch von vielen aufgrund der wirren Szenen verhasst: Deadly Premonition ist Zündstoff in jeglicher Hinsicht. Microsoft arbeitete mit SWERY, dem Schöpfer des umstrittenen Survival-Horrors, zusammen und liefert mit D4 ein ebenso skurriles wie auch abgedrehtes Kinect-Abenteuer exklusiv für die Xbox One, welches ähnlich polarisieren wird. Wir fanden den Ausflug mit David Young auf jeden Fall extrem unterhaltend!

Voller Erwartung und natürlich mit einer gehörigen Portion Skepsis – denn mal ganz ehrlich, bei Hidetaka Suehiro, seines Zeichens Schöpfer und Designer von Deadly Premonition, kann man sich nie wirklich sicher sein, was uns erwartet – tauchen wir in das neue Mystery-Adventure D4 ein. Die kryptische Abkürzung steht für Dark Dreams Don't Die und ist wohl auch eine Anspielung auf diverse Hintergründe des Xbox One exklusiven Download-Titels. Wir schlüpfen in die Rolle von David Young, einer gebrochene Seele, die ihren Alltag verbarrikadiert in den heimischen vier Wänden verbringt. Wäre es nicht am Ex-Partner, würde der ehemalige Gesetzeshüter sicherlich im Kummer um seine ermordete Frau ersticken. Doch dank des übergewichtigen Kollegen und einer grazilen, wenn auch verstörenden Freundin konzentriert sich David immerhin auf die Suche nach dem geheimnisvollen Mörder seiner Little Peggy. Einziger wirklicher Hinweis scheint der im letzten Atemzug gehauchte Buchstabe D zu sein, was natürlich einiges bedeuten kann. Viel weiter gehen wir auch gar nicht mehr auf die Story ein, um euch den Spaß an D4 nicht vorab zu nehmen.

Eintauchen in die Vergangenheit

D4 - Dark Deams Don't Die (5) Quelle: Access Games D4 - Dark Deams Don't Die (5) David Young kann nach den schrecklichen Vorfällen nicht als gewöhnlich bezeichnet werden, denn er bedient sich einer unheimlichen Fähigkeit, Szenen und Momente durch Gegenstände nach zu erleben. So ist es ihm möglich, mittels so genannter Momentos, in die Vergangenheit zu reisen und dort – sei es nun ein Traum oder die Wirklichkeit – Hinweise für die Ermordung seiner Frau zu finden oder diese gar zu beeinflussen. In wie weit seine Handlungen sich auf die Gegenwart auswirken können, bleibt in den gut 4-8 Stunden (je nachdem, ob man die Story einfach herab rasselt oder aber sich die Mühe macht, Sammelobjekte und zahlreiche Extras und Infos aufzudecken) noch ein Rätsel. Genauso auch der Fall! Denn je mehr man in das Abenteuer eintaucht, umso mehr verrückte Szenen erlebt man und steht am Ende mit mehr Fragezeichen über dem Kopf da, als noch zu Beginn der Reise.

D4 - Dark Deams Don't Die (6) Quelle: Access Games D4 - Dark Deams Don't Die (6) Am ehesten kann man D4 noch mit den ersten Schritten aus Heavy Rain oder den Telltale Games Episodenspielen wie The Walking Dead vergleichen. David streift umher und kann sämtliche Sachen in Augenschein nehmen, damit interagieren und hier und dort ein paar kleinere Aufgaben meistern. Innerhalb seiner Wohnung wird das Essen oder ein Vitaminshake gefertigt, Musik gehört, aber auch zahlreiche Akten und Fotos zum Fall begutachtet. Vieles ist natürlich irrelevant in der Aufklärung des Falles, liefert aber dennoch reichlich weitere Hintergrundinformationen oder bietet unterhaltsamem Konversationen. Sein Ex-Kollege zum Beispiel hat stets Streit mit seiner langjährigen Ehefrau und David versucht sich hin und wieder als Seelenklempner. Sobald David irgend einen Hinweis hat, kann er mit einem Momento in die Vergangenheit abtauchen und wie in einem Traum die Ereignisse nacherleben, aber auch nach weiteren Indizien suchen bzw. Verdächtige und Zeugen ausquetschen.
Ein abgedrehter Psychotrip

D4 - Dark Deams Don't Die (4) Quelle: Access Games D4 - Dark Deams Don't Die (4) Innerhalb des Epilogs und den zwei vorläufig vorhanden Episoden trifft David bereits auf einigen sehr skurrile Charaktere, die ganz eindeutig Hidetaka Suehiro Handschrift darstellen und D4 derart unvorhersehbar machen, dass es eine wahre Freude ist. Ein hysterische Frau mit Panikattacken überfällt David mit ihren Wahnvorstellungen und mischt die gesamte Besetzung eines Linienfluges auf. Ein extrovertierter Modedesigner vernebelt unsere Gedanken und verwirrt mit einem Wortschwall und vor allem einer Schaufensterpuppe, zu der er wie zu einer Ehefrau oder Geliebten spricht. Auch Amanda, der flotte Feger im Haushalt von David Young irritiert. Sie hält sich wohl für eine Katze und fährt bei Streit gerne die Krallen aus. Während der rote Faden bezüglich der Suche nach dem Mörder von Little Peggy zwar stets irgendwie vorhanden ist, treten in D4 die skurrilen Charaktere und ihre Geschichten mehr in den Vordergrund und überraschen damit. Zusammen mit der Optik wirkt der Titel fast wie ein wilder Trip auf Drogen, so abgedreht und farbenfroh kommt der erneute Geniestreich von SWERY daher.

Optisch bedient sich D4 der Cel-Shading Grafik, die wie die Faust aufs Auge zur Thematik passt und die abgedrehten, exzentrischen Charaktere wie auch die wilde Handlungen grandios untermauert. Spätestens in den hektischen Action-Szenen, wenn die Fetzen fliegen und das Blut spritzt sowie in Zeitlupe alles auseinander bricht, kommt der Look in seiner Vollkommenheit zur Geltung. Comichaft und überzeichnet flimmern die Auseinandersetzungen über den Bildschirm und lassen uns staunen. Spielerisch gilt es in diesen überraschenden Szenen Angriffe mit hektischen Reaktionen abzuwehren und seinerseits zum Angriff über zu gehen. Die Quick-Time-Events lassen sich vor allem mit Kinect sehr gut spielen und machen erstaunlich viel Spiel. Abseits dieser hektischen Kämpfe gleicht D4 eher einem gewöhnlichen Adventure, in dem man David durch das Szenario begleitet, Objekte anschaut, untersucht und mit diesen interagiert. Da sich der Detektiv nicht völlig frei bewegen kann, ist die Steuerung mit der Kamera zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig und gelegentlich verweigert Kinect gar die Eingabe per Faust. Wer stattdessen zum Controller greift, hat vielleicht kurzzeitig etwas mehr Überblick, der actionreiche Part des Abenteuers ist aber mühseliger.

Zuviel Ungewöhnliches ist nicht immer gut

D4 - Dark Deams Don't Die (2) Quelle: Access Games D4 - Dark Deams Don't Die (2) Eher unüblich fallen die Energieleisten aus, denen sich David bedient. Eine davon hilft vor allem bei der Suche nach des Rätsels Lösung. Mit eine speziellen Sicht offenbaren sich sämtliche inaktive Objekte, so dass man evtl. verpasste Möglichkeiten noch aufdecken kann. Die Lebensleiste ist vor allem in den Kämpfen wichtig oder wenn giftige Gase eingeatmet wird. Der Protagonist benötigt darüber hinaus einen kontinuierlichen Zufluss von Kalorien in Form von Nahrungsmitteln. Entweder liegen diese herum und müssen nur gefunden werden, oder werden wie auch zahlreiche andere Dinge wie Kleidung, Accessoires und Geschenke in einem Laden eingekauft. Denn sollte der Magen knurren, geht David KO und die Szene muss vom letzten Checkpoint erneut versucht werden. Ärgerlich ist vor allem, dass jede Aktion die Ausdauer senkt, sei es nur der Klodeckel der zu gemacht wird oder wenn ein Objekt untersucht wird. Auf Dauer ist dieses Spielelement extrem nervig – das hätten sich die Entwickler wahrlich vor allem im Bezug auf ein solches Genre sparen können.

D4 - Dark Deams Don't Die (3) Quelle: Access Games D4 - Dark Deams Don't Die (3) Abseits der Haupthandlung, die für schnelle Spieler in etwa vier Stunden bereits beendet wird, gibt es extrem viel zu entdecken und erforschen. Jede Episode liefert am Ende eine Auswertung, wie sorgfältig David die Umgebung abgesucht, wie viele Geheimnisse aufgedeckt und wie perfekt er sich in den Kampfszenen behauptet hat. Darüber hinaus könnt ihr Schallplatten, Kleidung, Accessoires und etliche weitere Dinge sammeln. Mit den wichtigsten Zeugen und Verdächtigten werden nicht nur Konversationen geführt, diese bieten oft auch witzige kleine Nebenaufgaben, die abseits des roten Fadens angelegt sind und nichts mit dem Fall bezüglich der Ermordung zu tun haben. Der Steward bietet zum Beispiel ein recht aufschlussreiches, aber auch schweres Quiz zu Flugzeugen und Flugsicherheit. Die hysterische Frau sollte David beruhigen, bevor Panik ausbricht, und eine spätere Partnerin kann ganz schön nerven, solange der Protagonist nicht Antworten auf knifflige Fragen liefert. Welcher James Bond Film war das? Was ist der Unterschied gewisser Kaffeesorten? Kurzum, wer sich ausführlicher mit D4 beschäftigt wird auch deutlich mehr Spielumfang erforschen können. Zur Motivation tragen die Erfolge bei, die sinnvoll ausgelegt sind, aber spärlich vergeben werden.

Meinung

Wertung zu D4 (XBO)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
Extrem gelungene Präsentation mit tollen Charakteren und einer guten Hintergrundgeschichte.Die skurrilen Charaktere und unvorhersehbaren Ereignisse sorgen für einen hohen Spannungsbogen und vor allem spaßige Unterhaltung.Herrliche Dialoge mit viel Wortwitz. Dazu Humor, der in jeder Szene im Detail stecken kann – also auch im Hintergrund des Geschehens.Die Kinect-Steuerung ist in vielen Fällen ganz gut gelungen und macht vor allem in den QTE Action-Sequenzen richtig viel Laune.Abseits der 4stündigen Haupthandlung gibt es haufenweise Bonuscontent zu entdecken, was per Achievements durchaus auch angestrebt wird.
Die Kinect Steuerung ist anfänglich gewöhnungsbedürftig und in den verschachtelten Menüs ziemlich nervig (aber ansonsten ganz gut).Der Zwang, ständig Kalorien in sich hinein zu schaufeln, damit David keinen Knockout aufgrund der Ausdauer erfährt, ist ziemlich nervig und fehl am Platz bei diesem Genre.Die Story ist wirr und jede weitere Szene wirft mehr Fragen auf, als beantwortet werden. Da ist der Cliffhanger am Ende von Episode 2 dann doch ganz schön fies.
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