AC Unity: Assassin's Creed Unity in der Vorschau: Zwei Stunden Revolution gespielt
Special
Ubisofts Millionenseller Assassin's Creed geht in eine neue Runde und wechselt wieder das Setting. Als Arno Dorian erleben wir die Französische Revolution - eine Zeit, die viele Menschen den Kopf gekostet hat. Wir haben Unity in Paris angespielt und versucht, unsere Rübe auf der Schulter zu behalten.
Die Französische Revolution – sie kostet eine Menge Menschen ihren Kopf. Wir ließen uns von der Guillotinen-Geschichte nicht abschreckten und flogen nach Paris, um Assassin's Creed Unity anzuspielen. Passenderweise in einem imposanten Palais, dem Musée de l'Armée. Das gibt es auch im Spiel, so wie viele andere historische Gebäude, die noch heute in der Stadt der Liebe stehen. Jedes vierte Gebäude in Unity ist begehbar. Anders als in den Vorgängern sind diese Häuser aber nicht nur generische Abkürzungen, sie beherbergen manchmal auch ein Missionsziel und eröffnen eine neue Spielerperspektive. Die engen Gänge in Häusern und Katakomben laden zum Schleichen ein – einer der drei Stützpfeiler von Unity.
Die Essenz der Assassinen
Quelle: Ubisoft
Assassin's Creed Unity in der Vorschau (1)
Früher waren die Säulen von Assassin's Creed vielleicht "Free-Run, Open World und Kämpfen". Heute steckt Ubisoft klarer ab: Navigation, Fight und Stealth. Unter Navigation fassen die Entwickler das Parkour-System und die offene Spielwelt zusammen. Eines ließ mich in der Präsentation stutzen: Ubisoft will die Geschichte von Unity nicht mehr nur in den linearen Missionen erzählen, sondern auch auf Nebenmissionen und Open-World-Schnickschnack ausweiten. Das aber könnte viele abschrecken. Auch ich gehöre zu denjenigen, die den roten Faden an Assassin's Creed schätzen.
Am zweiten Stützpfeiler spart Ubisoft aber bewusster. Kämpfe sollen sich gewichtiger anfühlen, werden deshalb schwerer – viel schwerer! Während es in den Vorgängern normal war, dass man auch aus Kämpfen gegen ein Dutzend Gegner siegreich hervorging, schraubt Unity den Schwierigkeitsgrad gewaltig hoch. Schon vier Gegner auf einmal sind eine harte Nuss. Sie warten nicht mehr ab und schlagen nacheinander zu, sondern alle gleichzeitig. Man muss sich nicht mehr nur auf einen aktiven Gegner konzentrieren, sondern auf viele gleichzeitig.
Aus diesem erhöhten Schwierigkeitsgrad geht das letzte und neueste Feature hervor: Stealth. Weil die Kämpfe so schwer wurden, ist es immer wichtiger, einfach ungesehen zu bleiben. Eine echte Stealth-Mechanik fehlt Unity zwar, aber die "Line of Sight" ist viel wichtiger als in den Vorgängern. Mit Rauchbomben lassen sich Gegner ablenken. Ist die Sichtlinie gebrochen, kann Arno entweder schnell entkommen oder sich lautlos an sein Ziel anpirschen. Wenigstens gibt es eine Anzeige, wann Arno in Deckung ist und ein HUD-Element weist einen schnell darauf hin, wenn Gegner Arno entdecken.
Parkour-System: Mehr Free-Run?
Quelle: Ubisoft
Assassin's Creed Unity in der Vorschau (2)
Mit seinem Parkous-System tritt Assassin's Creed Unity an, um die Art, wie man sich in Assassin's Creed fortbewegt, von Grund auf umzukrempeln. Free-Run gab es schon immer, aber auch mit Ecken und Kanten. Kleinste Erhebungen führten zu komischen Animationen und an vielen Wänden blieben Connor und Edward aus Black Flag und Assassin's Creed 3 einfach hängen. In Unity soll nun alles wie aus einem Guss wirken. Arno hüpft antilopenhaft über die Dächer von Paris. Free-Runnig aktiviert man, indem man den rechten Trigger gedrückt hält. So legt Arno die meisten Strecken in anständigem Tempo zurück. Betätigt man A/X, klettert Arno von nun an immer nach oben, mit B/Kreis nach unten. Verbunden damit sind akrobatische Nummern, damit selbst der Abstieg von einem Hausdach grazil aussieht. Das hat in den früheren Teilen oft genervt: Auf Objekte hochsteigen war kein Problem, aber um runter zu klettern, musste man entweder springen oder sich von einer Kante hängen lassen. In Unity geht das nun ohne Pause – hübsch!
Das Parkour-Feature ist aber kein Allheilmittel. Beim Anspielen bleibt Arno genauso häufig in Kletterwänden hängen, wie seine Vorgänger Connor und Edward. Die Animationsabläufe mögen zwar geändert worden sein, um flüssiger auszusehen. Die Klettermechanik an sich ist aber noch genauso fehleranfällig wie eh und je.
Koop – von Anfang an
Quelle: Ubisoft
Assassin's Creed Unity in der Vorschau (3)
Am Anfang der Entwicklung von Unity stand ein Gedanke: Was, wenn wir mehr als einen Assassinen auf die Welt loslassen? Ein Koop-Spiel sollte es werden – aber in seine Rolle fügt es sich nur mit Widersprüchen ein. Ein paar Details wollen irgendwie nicht zusammenpassen. Da ist zum Beispiel die Sache mit den Spielfiguren: Auch im vier Spieler Koop spielt jeder den Protagonisten Arno. Anstatt vier Figuren einzuführen, unterscheidet Ubisoft lediglich durch Farben. Dann gibt es einen blauen, einen roten, einen gelben und einen violetten Arno, jeder mit eigenen Fähigkeiten. Der Grund: Spieler können ihren Arno anpassen, ihm Rüstung, Waffen, Skills und Bling-Bling-Elemente anlegen. Wie in einem RPG, mit der Ausnahme, dass Unity nicht so komplex ist. So einen Charakter will man natürlich nicht zurücklassen, wenn man online spielt. Der Kompromiss aber mutet komisch an.
Überall in der Welt verteilt liegen Koop-Missionen. Wählt man sie aus, sucht das Spiel on the fly einen Spielpartner aus – oder man lädt einen Freund ein. Brotherhood-Missionen sind kurze Story-Missionen für zwei Spieler. Sie haben hübsche Videoeinleitungen, eine Story und sollen vermutlich das darstellen, was die Entwickler mit einer lebendigeren Open-World meinen. Die Belohnung für solche Koop-Missionen sind Items und Geld, aber irgendwann wiederholen sich die Brotherhood-Aufgaben. Ein Entwickler erzählt mir, dass man sie häufig wiederholen kann, weil die Positionen von Gegnern und offene oder geschlossene Tore zufallsgeneriert auf der Map verteilt werden. Aber an der Story ändert das nichts: Um Items zu farmen muss man im Zweifelsfall immer wieder das gestohlene Amulett eines Adligen retten oder eine entführte Tochter befreien. Man sieht immer und immer wieder dieselben Zwischensequenzen, spielt immer wieder die gleiche Aufgabe durch. Das hat schon in Destiny schnell genervt.
Quelle: Ubisoft
Assassin's Creed Unity in der Vorschau (4)
Spannender sind da schon die Heist-Missionen für vier Spieler. In ihnen überfallen vier Arnos große Paläste und müssen Wertgegenstände klauen. In unserer Demo sollen wir ein Gemälde entwenden – wissen aber nicht, wo es genau versteckt ist. Das Spiel gibt fünf Optionen vor. Wer Glück hat, findet das richtige gleich beim ersten Versuch. Bei uns aber dauert es länger, erst das letzte Gemälde ist das von uns gesuchte. Doch bei den Heists spielt Geschwindigkeit und Stealth eine große Rolle. Jedes Mal, wenn ein Spieler ertappt wird, verliert er ein wenig von seiner Belohnung. Statt einen Gruppentopf anzubieten, sammelt jeder seinen eigenen Bonus an. Hat man sich mal mit zu vielen Wachen verzettelt, kann es sogar passieren, dass die Kollegen einem nicht aus der Patsche helfen – Heist ist zwar ein Koop-Modus, aber auch ein leicht kompetitiver. Denn jeder arbeitet in die eigene Tasche. Wenn sich einer zu doof anstellt: Pech gehabt!
Im Vier-Spieler-Koop merkt man aber wenigstens die Unterschiede in den Skillungen. Hat ein Spieler sich auf Schlösserknacken spezialisiert, kann er für die anderen verschlossene Türen öffnen und so für Abkürzungen sorgen. Ein anderer in unserem Team hat hingegen gelernt, seine Mitspieler zu heilen. Besonders in den chaotischen Kämpfen ein großer Gewinn! Theoretisch könnte man natürlich mehrere Skills lernen – aber nicht jeden zum Maximum ausbauen. Es lohnt also, wenn man mit Freunden spielt und sich Skills aufteilt.
Companion App ersetzt Ingame-Feature
Quelle: Ubisoft
Assassin's Creed Unity in der Vorschau (8)
Eine eigene Companion App darf in Zeiten der Next-Gen nicht fehlen. Wie in Watch Dogs veröffentlicht Ubisoft ein begleitendes Smartphone-Programm für iOS, Android und Windows Phone, das hauptsächlich eine Übersichtskarte liefert. Wer einen zweiten Screen daheim hat, kann sich so den Gang ins Spielmenü sparen. In Echtzeit überträgt das Spiel die Position von Arno in die App – nett, aber auch überflüssig.
Bedeutender ist da schon die Abwanderung eines kompletten Game-Features. Das aus Black Flag bekannte "Flotten"-Minispiel ist komplett aus Unity verschwunden. Klar, es gibt ja auch keine Schiffe mehr. Ein ähnliches Spiel, in dem man rekrutierte Assassinen auf Missionen schickt, gibt es aber noch. Jedoch nicht im Hauptspiel. Das komplette Feature wurde auf die App ausgelagert. Wer kein Smartphone oder Tablet hat, hat halt Pech. Das ist unglücklich gelöst.
