Driveclub im Offline-Test: Unser Ersteindruck des PS4-Rennspiels

Test Sandro Odak
Driveclub im Offline-Test: Unser Ersteindruck des PS4-Rennspiels
Quelle: Sony

Driveclub ist da, nach langer Verschiebung. Endlich! Weil bislang der Multiplayer-Modus fehlt, haben wir uns auf den Einzelspieler-Modus geschmissen und sind mit BMW, Lotus und Maserati losgedüst. Im Offline-Check überprüfen wir Fahrverhalten, Spielspaß und vergleichen das Rennspiel mit der harten Konkurrenz.

Tja, Pech gehabt. Evolution Studios und Sony haben wohl selbst nicht mit dem Andrang gerechnet, der am Montagabend die Online-Server des Rennspiels zusammenbrechen ließ. Binnen weniger Stunden war Driveclub so überlaufen, dass der Server einfach abstürzte. Seit drei Tagen nun gibt es kein Lebenszeichen mehr, zumindest in Deutschland. Peinlich auch, dass der Server bereits in die Knie ging, während der Großteil der Driveclub-Spieler noch gar nicht an Bord waren. Kurzerhand verschob Evolution die kostenlose PS-Plus-Version – sie wäre mit Sicherheit für die größte Online-Last verantwortlich gewesen.

Diese Online- und Social-Features sind dank Server-Fail leider nicht verfügbar. Quelle: Sony Diese Online- und Social-Features sind dank Server-Fail leider nicht verfügbar. Es ist nun, wie es ist: Gamezone testet Driveclub seit Dienstag mit zwei Testern, aber vorerst offline. Rennspiel-Noob Sandro wünscht sich Spannung, Arcade-Verhalten und viele Social-Features, um gegen Freunde anzutreten. Rennspiel-Profi Michael hingegen checkt im Langzeittest (erscheint ab kommender Woche) Fahrverhalten, Authentizität und die vielen Rennspiel-Details. Weil Sony aber zum Start noch nicht alles abliefern kann, teilen wir den Test auf. Sandro liefert einen Ersteindruck, Michael den fundierten, erweiterten Test.

Arcade im starren Rennspielgewand
Ein dynamisches Wettersystem gibt es nicht - es wird nachgepatcht. Quelle: Sony Ein dynamisches Wettersystem gibt es nicht - es wird nachgepatcht. Was einem als allererstes in Driveclub auffällt, ist das starre Grundgerüst. Anders als Forza Horizon 2 und The Crew setzt Driveclub nicht auf eine moderne, offene Spielwelt. Stattdessen wälzt man Menüs. Von einem Event zum nächsten geht es nur in seltenen Fällen automatisch. Meist wird man nach einem Rennen zurück ins Strecken-Hub geworfen und wählt da aus, wo man fortfahren möchte. Das ist vor allem in den kurzen Rennen ärgerlich. Manch ein Drift-Race dauert nur wenige Sekunden. Effektiv muss man davor und danach länger dem Ladebalken zusehen, als man selbst am Steuer sitzt. Etwas epischer kommen da schon die Multi-Kurs- und Trophy-Rennen daher. Sie setzen einen mehrere Rennen hintereinander ans Lenkrad, am Ende errechnet Driveclub aus der Einzelpunktzahl ein Gesamt-Placement. Erst in diesen seltenen Rennen kommt so etwas wie Druck auf. Denn wer die ersten zwei Runden fehlerfrei überstanden hat, will sich den Highscore nicht im dritten Rennen versauen. Von solchen Serien hätte ich mir mehr gewünscht.

Doch stattdessen ist die Singleplayer-Kampagne in 55 Einzelevents auf 55 Rennstrecken in fünf Ländern aufgeteilt. Norwegen, Chile, Indien, Schottland und Kanada sind mit von der Partie. Darunter finden sich offiziell lizenzierte Rundkurse, aber auch malerische Stadt- und Landschaftspisten. Nicht alle Pisten unterscheiden sich. Viele gibt es in unterschiedlichen Variationen. Mal ist es nur die Streckenführung, die sich unterscheidet, mal fährt man eine Piste rückwärts statt vorwärts. Schon nach wenigen Rennen kennt man im Prinzip alle Strecken.

Geschlossenes, lineare Rennstrecken
Licht und Schatten kann Driveclub gut - bei Umgebungstexturen versagt das Rennspiel aber. Quelle: Sony Licht und Schatten kann Driveclub gut - bei Umgebungstexturen versagt das Rennspiel aber. Mit der starren Menüstruktur komme ich aber eigentlich noch gut zurecht. Sie ist sicherlich nicht das eine Feature, das Driveclub zu einer relativ öden Raserei macht. Viel mehr stört mich das sehr stark abgegrenzte Rennfeld. Theoretisch darf ich die Straße, manchmal nur wenige Meter breit, nicht verlassen. Links und rechts sind die Strecken von Mauern, Hügeln oder Absperrungen umgeben. Sie engen den Fahrspaß ziemlich ein. Das ist altbacken! Sobald ich den vorgeschriebenen Pfad verlasse, habe ich drei Sekunden Zeit auf die Straße zurückzukehren. Schaffe ich es nicht, beamt mich das Spiel weg. Der Countdown ist unerbittlich. An manchen Stellen reicht es schon aus, dass nur zwei Räder auf dem Schotter stehen. Während andere Spiele wie Forza Horizon 2 und The Crew ihre Rennstrecken zum Teil öffnen und den Spieler durch offenes Gelände preschen lassen, um sich selbst den besten Weg zu suchen, zwingt mich Evolution dazu, die vorgeschriebene Ideallinie abzufahren.

An Lächerlichkeit nicht zu überbieten ist aber die Art, wie Evolution seine Strecke zum Teil absperrt: Während an vielen Stellen einfach natürliche Abgrenzungen das Ende eine Rennbahn markieren, etwa Felswände, Bordsteine oder typische Reifenstapel, gibt es auch eine ganze Menge unsichtbarer Mauern. Der Rennsimulator-Profi mag nun vielleicht einwenden "Ja aber du sollst ja nicht abkürzen und Kurven schneiden!" Aber wenn der Weg vor mir frei aussieht, dann erwarte ich doch, dass ich auch durchfahren kann! Unsichtbare Mauern gehören für mich definitiv zur Vergangenheit von Videospielen im Allgemeinen und in Rennspielen im Speziellen. Manch eine unsichtbare Grenze bremst einen sogar vor einer physikalischen: In einem Tunnel in Schottland sind die konvexen Wände anscheinend so überlappend, dass Evolution zur Sicherheit noch eine unsichtbare Mauer davor gebaut hat. Lächerlich!

Kein Tuning, dafür schöne Cockpitsicht
Die Cockpitsicht ist wundervoll detailliert und in 3D integriert! Quelle: Sony Die Cockpitsicht ist wundervoll detailliert und in 3D integriert! Autos schaltet man in Driveclub nacheinander frei. Mit jedem Levelaufstieg bekommt man neue Boliden aus unterschiedlichen Kategorien wie Kleinwagen, Supercar oder Performance. Selbst freischalten ist nicht. Einen Vorteil hat das: Man hat nicht die Qual der Wahl. Jedoch wirken die Freischaltungen auch sehr verstreut und unregelmäßig. Wer eben noch zwei neue Fahrzeuge freigeschaltet hat, kann sie oft in den darauf folgenden Rennen erst mal nicht finden – weil Driveclub im Singleplayer Klasse und oft sogar Marke der verfügbaren Fahrzeuge vorschreibt.

Richtig viel verändern kann man an den Autos nicht. Eine Tuning-Option fällt leider komplett weg. Einfach ein bisschen an den Einzelteilen schrauben ist nicht. Vorteil im wettbewerbsstarken Online-Modus: Jeder fährt dasselbe Fahrzeug, niemand hat einen unlauteren Vorteil, weil er schon länger spielt. Aber ein bisschen Personalisierung wäre schon schön gewesen. Dass man Tuning online gut ausbalancieren kann, haben andere Spiele bereits bewiesen.

Bei all diesen Negativpunkten macht Driveclub aber eines ganz gut: Den Spieler mit wunderschönen Licht-Settings in seinen Bann ziehen. Lichter können sie, die Entwickler von Evolution Studios! Besonders stark sieht Driveclub aus der Innenperspektive aus, der Cockpitsicht. Das Innenleben aller Autos ist in 3D integriert und Blendeffekte sehen von drinnen am schönsten aus. Wer eben noch dem Sonnenuntergang entgegen fährt und dann in ein dunkles Gebiet einlenkt, etwa einen Tunnel, bemerkt sogar eine kurze Anpassungszeit fest. Cool! Aus der Außenperspektive überzeugen die Fahrzeugmodelle – die niedrig aufgelöste, pixelige Umgebung hingegen wirkt fast schon altbacken.

Disclaimer: Dieser Singleplayer-Vortest ist ein reiner Ersteindruck nach etwa zehn Stunden Driveclub im Singleplayer. Der Vortest enthält keine Wertung und ersetzt nicht den finalen Test, den Michael Sosinka nachliefert, sobald die Driveclub-Server verfügbar sind.

Meinung

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