Bayonetta 2: Bayonetta 2 im Test: Perfekter Action-Porno für Wii U

Test Alexander Winkel
Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (13)
Quelle: Nintendo/ Platinum Games

Eigentlich hat man sich von der brachialen Inszenierung des Hexenkrieges aus der Feder von Hideki Kamiya auch nach Jahren nicht erholt. Eine laszive, kecke Darstellung der heißen Braut Bayonetta, brutale Schnetzelorgie und bildgewaltige Gefechte, sowie eine grandiose Spielmechanik beeindruckten vor knapp fünf Jahren. All das findet nun in Bayonetta 2 einen würdigen, ebenso fulminanten Nachfolger, der uns seit Wochen bereits den Kopf verdreht!

Die Hände zittern fast noch aufgrund der Erlebnisse vor einigen Jahren. Doch da ist es wieder, dieses geradezu berauschende Gefühl, wenn man an der Seite von Cereza, besser bekannt als Bayonetta, eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Der grandiose Action-Porno, der Begriff passt so perfekt wie die Faust aufs Auge, geht in die zweite Runde und hat nichts von seinem ursprünglichen Charme verloren. Ganz klar, der baut vor allem auf die wohl proportionierte, äußerst attraktive und vor allem mit viel Sexappeal ausgestattete Hexenbraut auf. Sie stellt nach wie vor ihre knackigen Rundungen keck zur Schau und schwenkt ihren Hintern graziös und dennoch erregend durch die Kamera. Ja, auch wenn den Teil das "Familienunternehmen" Nintendo finanziert und veröffentlicht, nimmt Platinum Games kein Blatt vor den Mund. Keine Scham ist zu erkennen aufgrund der weiterhin anzüglichen Darstellung ihrer Heldin. Ganz im Gegenteil. Manch Flüche, die der allseits bekannte italienische Bimbo der Hexenbraut in zahlreichen Zwischensequenzen von sich gibt, sind ganz und gar nicht jugendfrei!

Mit Pauken und Trompeten in das Abenteuer

Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (7) Quelle: Computec Media GmbH Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (7) Bereits die ersten Minuten des aufbrausenden Prologs zum zweiten Abenteuer fegen wie ein fulminanter Michael-Bay-Actionkracher über den Bildschirm. Bayonettas weihnachtlicher Geschenkeinkauf weicht in Sekundenschnelle einer todbringenden und atemberaubenden, natürlich typisch für Platinum Games völlig überzogenen, Auseinandersetzung mit den Kreaturen des Himmels. Die schillernden Rüstungen der pompösen Feinde werden mit herzhaften Fausthieben und mit Schmackes versehenen Tritten zerkratzt und bei Gelegenheit der eine oder andere Gegner verhöhnt oder gar in die Guillotine gesteckt. Kenner fühlen sich sofort heimisch im kunterbunten Getümmel und ergötzen sich an der grafischen Pracht sowie der überzogenen Action. Spätestens im Machtkampf gegen einen riesigen Bildschirm füllenden Drachen, bei dem ganze Wolkenkratzer zu Bruch gehen und die Hexenbraut zusammen mit Jeannes alles aufbringen muss, um der Gefahr Herr zu werden, kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus. Bis auf einige Szenen vielleicht, in denen der schwarze Humor der Hexenbraut das Zwerchfell strapaziert.

Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (9) Quelle: Platinum Games / Nintendo Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (9) Kurzum gesagt: Allein der Prolog fährt bereits derart bildgewaltiges auf, dass der grandiose Vorgänger bereits in den ersten Minuten schon in den Schatten gestellt wird! Der Auftakt führt dank des Tutorial nicht nur gekonnt in die gewohnte Spielmechnik von Bayonetta 2 ein, sondern auch in die Hintergrundgeschichte des ersten Teils. Jeannes Seele wird zum Schluss des Kampfes aus ihrer fleischlichen Hülle gerissen und in die Tiefen der Hölle gezerrt. Da kann selbst der Höllenmeister Rodin kaum mehr was ausrichten und Bayonetta macht sich kurzum auf, um das unheilvolle Schicksal ihrer Partnerin zu verhindern. Der Weg zum heiligen Berg Fimbulvinter ist gespickt mit Gefahren und einer geschichtlichen Auseinandersetzung mit alten Bekannten wie dem Historiker aber auch Stalker Luka sowie neuen Charakteren wie dem nervigen Sidekick Loki. Der weicht unserer heißen Braut nur selten von der Seite und sorgt für reichlich Zündstoff zwischen seiner naiven Weltanschauung und der zynischen, düsteren Art von Cereza. Der bitterschwarze Humor gepaart mit Bayonettas völlig lässiger Art ergibt eine prickelnde Mischung und sorgt für einen hohen Unterhaltungswert – und das nicht nur bei den männlichen Spielern!

Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (10) Quelle: Platinum Games / Nintendo Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (10) Gemeinsamkeiten zum Vorgänger sind auch unverkennbar. Die Story ist unterhaltsam und vor allem mit aufwendigen Videosequenzen und kunstvollen Grafikschnitten sehr cool inszeniert. Gehen die brachialen Kämpfe in kinoreife Sequenzen über, sorgen schnelle Kameraschnitte für einen ordentlichen Augenschmaus, nicht nur aufgrund der Verliebtheit des Kameramanns als Voyeur. Die englischsprachigen Synchronsprecher hauchen den jeweiligen Charakteren Leben ein. Sie wirken glaubhaft und authentisch und sprechen ihre Rollen makellos. Die Story an sich schließt derweil Lücken aus dem Vorgänger und präsentiert ein paar neue Sichten in der komplexen Fehde zwischen Göttlichkeiten, den Umbrahexen und Lumen-Weisen. Obwohl atemberaubend präsentiert, ist die Geschichte wieder keineswegs Weltklasse und vor allem bruchstückhaft und teilweise verwirrend. Das wird bestimmt abermals zu hitzigen Diskussionen in den Foren sorgen. Da können auch die Buchseiten eines Schriftstellers, die auf dem Weg zum finalen Showdown des Abenteuers in jedem Abschnitt versteckt wurden, kaum etwas ausrichten.

Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (11) Quelle: Platinum Games / Nintendo Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (11) All dies wird wieder, so wie es Fans gewohnt sind, in ein bildgewaltiges Epos gepackt. Das Ambiente ist nach wie vor sehr düster angehaucht und dank einiger neuer Dämonen aus der Unterwelt wesentlich brutaler als bisher. Das Schlachtfeld ist umgeben von teils gotischen und antiken Häuserfassade einer altertümlichen, europäischen Stadt, bis hin zur Unterwelt und sphärischen Abschnitten. Meist recht abwechslungsreich mit einigen coolen Inszenierungen, liefern die Kulissen auch einen geringen Freiraum, um abseits der brachialen Gewalt den einen oder anderen Winkel zu erkunden. Wie schon im Vorgänger finden sich dadurch Hexenkisten mit allerlei Extras sowie versteckte Herausforderungen, den Muspelheim-Kampfarenen, in denen man mit Siegen unter anderen zerbrochene Mondperlen oder Hexenherzen ergattern kann. Abseits der allseits begehrten Klingentänze sorgen wieder kuriose Abschnitte für spielerische Abwechslung. Ob es nun eine Art Panzer Dragoon Orta oder der gewaltige Kampf aus Sicht eines himmlischen Riesen ist, Platinum Games lockert das Abenteuer immer zur rechten Zeit mit kleinen Überraschungen oder Twists auf.

Ein Kampfsystem vom anderen Stern

Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (12) Quelle: Platinum Games / Nintendo Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (12) Die verschiedenen Kulissen laden zwar zu Besichtigungstouren ein, dennoch hat Bayonetta nach wie vor nur wenig Sinn für Kultur und Kunst übrig. Hinter dem mit weiblichem Charme und viel Grafikzauber gespickten Spektakel steckt in erster Linie ein knüppelhartes Schnetzelabenteuer. Kaum einige Schritte getan, ziehen Schergen nicht selten eine magische Barriere hoch und formen damit eine Arena ohne Fluchtmöglichkeit. Die Dame in Lack und Leder lässt sich aber niemals aus der Fassung bringen und packt ihr hochwertiges Waffenarsenal samt der formbaren Haare aus, um eine ganz besondere Hackfleischsuppe nach Hexenart zu brauen. Die zahlreichen Widersacher von gefallenen Engel bis hin zu extrem detaillierten Dämonen, werden pompös angekündigt und mit einer schicken Animationssequenz im Kompendium zum Nachschlagen verewigt, bevor es den bestialischen Monstern mit Pauken und Trompeten an den Kragen geht.

Ein gelungener Auftakt, der ohne Verschnaufpause sofort ins brachiale Action-Ballett übergeht. Keine der unterschiedlich agierenden Kreaturen fackelt lange herum und feuert ohne Ankündigung ein Stakkato von Angriffen auf Bayonetta ab. Kenner wissen sich schnell mit den Angriffstasten sowie den Techniken zum Ausweichen und Anvisieren der Gegner zu wehren. Dank handfester Fausthiebe und gefährlicher Tritte mit den Stöckelschuhen mutiert die Hexe zu einem todbringenden Feger. Das berauschende dabei, neben einer unbegreiflich guten Spielbarkeit des recht hektischen Kampfes, ist die grandiose Inszenierung. Sie wird durch die hektische Kamera gepfeffert und mit pulsierender J-Pop Mucke und rockigen Hymnen ordentlich untermauert. Was auf dem Bildschirm für Außenstehende wie das größte Chaos auf Erden wirken muss, ist für den Spieler mit nur wenigen aber gezielten Buttoncombos vollbracht und zaubert einen unglaublich sehenswürdigen Klingentanz gepaart mit einem todbringenden Bleigewitter auf die Mattscheibe.

Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (13) Quelle: Nintendo/ Platinum Games Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (13) Diese Unbeschwertheit, welche die charismatische Bayonetta an den Tag legt, spiegelt sich in der Spielmechanik ebenso wieder, die im zweiten Teil von den Entwicklern kaum verändert, aber letztendlich doch perfektioniert wurde. Dieselben Raffinessen fügen sich zu einem gekonnten Schlagabtausch zusammen, der mit Übung und Geduld zu einem perfekten Kampfballett verschmilzt. Die Hexe sorgt mit ihrem üppigen Repertoire für viel Abwechslung, welche mit zahlreichen zusätzlichen Waffen und neu zu erlernenden Moves auf Dauer ordentlich aufgewertet wird. Mit steigendem Schwierigkeitsgrad steigt auch die Herausforderung, da die Gegner nicht nur mehr austeilen, sondern auch klüger agieren. Die Kunst zu Überleben liegt im Ausweichen der Attacken und aktivieren der Hexenzeit – eine Art Bullet-Time Effekt, welcher die Feinde stark verlangsamt und die holde Maid zur wilden Furie werden lässt. Dieser Effekt stellt nach wie vor der Schlüssel zum Erfolg dar, vor allem in den zahllosen beeindruckenden Auseinandersetzungen mit Bossgegnern. Diese Kolosse tauchen durchaus auch mal unerwartet auf und legen sämtliches Levelinventar in Schutt und Asche, bevor die ersten Fausthiebe den Störenfried Einhalt gebieten können.

Knüppelhart auch für zwei Spieler

Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (1) Quelle: Computec Media GmbH Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (1) Wir kennen dies ebenfalls bereits aus dem Vorgänger: Sofern Bayonetta in den 8-10 Stunden umfassenden Story-Modus nicht gerade auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad umher wandelt, wird die blutige Auseinandersetzung durchaus zur knallharten Geduldsprobe und Herausforderung. Viel Frust, viel Leid und häufiger Neubeginn ist vorprogrammiert. Es gibt aber Methoden, um dieses Biest von einem Videospiel auch auf dem vierten und höchsten Schwierigkeitsgrad, dem Unendlich-Klimax, meistern zu können. Die Umbrahexe verkehrt nach wie vor in Rodins Bar zur Hölle und kann sich mit gesammelten Heiligenscheinen nicht nur zahlreiche neu Waffen besorgen, welche sich herrlich anders spielen und vor allem optisch ihren Reiz haben, sondern auch mit neuen schlagkräftigen Argumenten und Moves sowie äußerst nützlichen Items ausstatten. Vor allem Amulette und Halsketten sind ihr Geld oftmals wert, kosten aber ein absurdes Vermögen. Für manch begehrten Klunker muss die Dame das halbe Spiel drauf hinsparen und kann sich dabei keinen einzigen weiteren Schatz leisten! Der Clou: Nach dem Durchspielen des Abenteuers kann man die heiße Braut immer wieder erneut durch die Story führen, nach Wunsch auf einem anderen Schwierigkeitsgrad, und damit den Charakterausbau vorantreiben. Somit wandern auch genügend Leben spendende Lollies und Accessoires in die Ausrüstung. Letztendlich wird das Überleben erleichtert, die Herausforderung bleibt aber nach wie vor bestehen!

Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (2) Quelle: Computec Media GmbH Bayonetta 2 im Wii-U-Test. (2) Auf dem Weg durch die Hauptstory treffen nicht nur neue Waren bei Rodin ein, die er teilweise bluttriefend aus der Unterwelt beschafft. Es werden auch so genannte Verskarten frei geschaltet. Diese dienen dem Hexen-Klimax, einem auf Onlineduelle ausgelegten Spielmodus für bis zu zwei Teilnehmer. Jede der insgesamt 52 Karten offenbart einen eigenen Arenakampf, dem sich beide Teilnehmer stellen müssen. Zuvor können Heiligenscheine gewettet werden und sollte man besser als der Gegenspieler abschneiden, wird ein ordentlicher Gewinn auf dem Konto gutgeschrieben, den man genüsslich bei Rodin für kostbare und teure Extras ausgeben kann. Andernfalls ist der Einsatz natürlich futsch. Je nach Wetteinsatz steigt der Schwierigkeitsgrad der Herausforderung und es kann ganz schön happig werden, zu überleben. Im Hexen-Klimax gibt es einige neue Raffinessen wie gemeinsame Attacken und Umbrax-Versionen, die mehr Boni bieten, aber viel mehr als simple Arenakämpfe stellen diese Herausforderungen nicht dar. Gewiefte Bayonetta-Liebhaber messen sich so und zeigen der Welt, dass sie das Kampfsystem beherrschen, doch auf Dauer stellen die Rekorde und Auszeichnungen nur eine Ansammlung von Trophäen dar. Mangels Beteiligung konnten wir diesen Modus aber leider nur mittels eines CPU-Partners angehen und nicht die Onlineaktivitäten an sich testen.

Meinung

Wertung zu Bayonetta 2 (WiiU)

Wertung:

9.3 /10
Pro & Contra
Wieder ein völlig überdrehtes, aber atemberaubendes Szenario mit fulminanten Kämpfen und überschwänglicher Präsentation.Ein zwar hektisches, aber perfektioniertes Kampfsystem, welches vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden sein komplettes Potential ausschöpft und begeistern kann.Unzählige zusätzliche Waffen sorgen für noch mehr Abwechslung im Kampfsystem, welches mit einer Vielfalt an Combos und Möglichkeiten bereits reichlich gesegnet ist.Motivierende Charakterentwicklung, welche dank manche astronomischer Kaufpreise für Accessoires und ähnliches über die Spielzeit von einem Story-Durchlauf hinaus reicht. Um alles zu ergattern, wird man einige Male das Spiel durch zocken!Für Anfänger gibt es einen moderaten, ohne Kenntnisse der Kampfkunst zu schaffenden, Schwierigkeitsgrad. Alle anderen ergötzen sich an der kunstvollen Herausforderung des Unendlich-Klimax.Bayonetta ist nicht nur extrem sexy, sie hat auch einen genialen schwarzen Humor und segnet die Konversationen mit ihren geistigen Ergüssen.
Die Kämpfe sind bisweilen recht hektisch und man muss sich ein wenig in das System einarbeiten, um dessen Reiz aufnehmen und genießen zu können.Die musikalische Untermalung sowie das japanisch-kitschige Design wird nicht überall auf Gegenliebe stoßen.Der Hexen-Klimax konnte uns zwar gut unterhalten, bot uns aber nicht den erhofften Spielspaß gegenüber dem Hauptmodus.Bayonetta 2 ist ausschließlich und exklusiv für die Wii U erhältlich. Wer keine hat, sollte sich für das Spiel eine zulegen!
Fazit

Ein perfekt inszeniertes und orchestriertes Action-Ballett für Wii U - absoluter Pflichttitel für Actionfans.

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