Far Cry 4: Far Cry 4 in der Vorschau: Eine Open-World zum Verlieben

Special Sandro Odak
Far Cry 4: Far Cry 4 in der Vorschau: Eine Open-World zum Verlieben
Quelle: Ubisoft

Wir sind mehrere Stunden lang durch die idyllische Open-World von Kyrat gereist und haben Elefanten erschossen, verrückte Schneider kennengelernt und mit einem Kollegen die Koop-Tauglichkeit von Far Cry 4 getestet. Als Schmankerl gibt's ein Let's Play obendrauf!

Far Cry 4 hat romantische Wiesen, verlassene Dörfer, abgelegene Seen und verschneite Hügel. Wären da nicht die ziemlich mies gelaunten Streitkräfte von Diktator Pagan Min, wäre der Ort ein Paradies zum Verweilen Doch das ist er nicht. Der Protagonist des Actionspiels reist eigentlich reinen Gewissens ins idyllische Kyrat, um seiner verstorbenen Mutter den letzten Wunsch zu erfüllen. Sie wollte, dass ihre Asche in den Bergen dieses Himalaya-Idylls verstreut wird. Doch irgendwie wird er hineingezogen in den Konflikt, der da in den Bergen lodert. Regierungstruppen kämpfen gegen Rebellen, das Chaos bricht aus – und statt tatenlos zuzugucken, schließt sich der Spieler den Untergrundkämpfern an.

In den wenigen Zwischensequenzen, die wir beim dreistündigen Anspielen sehen konnten, offenbart sich uns eine gewisse Entscheidungsfreiheit. Nachdem wir den ersten Outpost von Gegner befreit und für Rebellen gesichert haben, müssen wir uns entscheiden. Gehen wir den defensiven Weg eines NPCs und verteidigen unsere bisherigen Outposts gegen heranrauschende Feinde oder gehen wir in den Angriff über und übernehmen neue Dörfer, wie es ein anderer vorschlägt? Die Entscheidung zieht sich eine ganze Weile durch die Kampagne hindurch. Das Ende von Far Cry 4 ist natürlich auch in Spielerhand: Ubisoft verspricht, dass es mehrere finale Szenarien mit unterschiedlichem Ausgang gibt.

Lebendige Open-World
Rebellen gegen Diktator: Große Geschütze im kleinen Gebirgsidyll. Quelle: Ubisoft Rebellen gegen Diktator: Große Geschütze im kleinen Gebirgsidyll. Doch die Kampagne ist mitnichten Far Crys einziger Trumpf. Besonders gelungen ist Ubisoft erneut eine riesige, offene Spielwelt. Sie ist zwar nicht wirklich größer als im Vorgänger, dafür aber dichter besiedelt. So soll ein lebendigeres Spielgefühl entstehen. So richtig lebensecht ist das Himalaya-Gebirge aber nicht. Far Cry 4 leidet unter denselben Problemen wie seine Vorgänger: Zwischen zwei Dörfern patrouillieren höchstens ein paar langweilige Kämpfer und Zivilisten, denen man möglichst aus dem Weg geht, um sie nicht aus Versehen über den Haufen zu schießen. Immer wieder versuchen die Entwickler diesen Trott aufzubrechen, indem Geiselbefreiungen anstehen und sogenannte Karma-Missionen starten, in denen man die Zivilbevölkerung vor den bösen Regierungstruppen beschützt. Aber so richtig lebendig sind die leeren Gebiete zwischen X und Y nicht.

Wo jedoch Menschen fehlen, mangelt es nicht an Tieren. Elefanten, Tapire, Affen, Wölfe, Schlangen, Rinder – auch wenn viele der Viecher liebenswürdig und friedlich aussehen, kommt man ihnen zu nahe, greifen sie an. Ja, selbst eine Kuh kann im todbringenden Far Cry 4 eine Gefahr darstellen. Wie im Vorgänger macht man Jagd auf die Exoten. In ekligen Videosequenzen schneidet man mit dem Jagdmesser Fleischstücke und Lederhäute aus den erlegten Kadavern. Tierfreunden und der PETA wird das sicher nicht gefallen: Egal ob winziger Fisch oder edler Elefant – auf alles lässt sich Jagd machen. In einer der vielen Nebenmissionen, der sogenannten "Kyrat Fashion Week" schickt ein exzentrischer NPC, ein Schneider, mich sogar los, um besonders exotische und seltene Tiere zu erlegen. Aus den Häuten will er eine "Combat Couture" schneidern – High-Fashion für den Untergrundkämpfer sozusagen. Denn wer will schon im Tarnanzug von der Stange durch den Dreck robben?

Ums Häuten von Tieren herum kommt in Far Cry 4 übrigens niemand. Fürs Crafting von Gegenständen muss man Tiere töten. In einem Menü baut man aus drei Tapir-Fellen zum Beispiel ein zusätzliches Waffenholster. Dadurch kann man fortan zwei Primär- und eine Sekundärwaffe mit sich rumtragen – anstatt nur einer, wie zu Beginn des Spiels. Viele Extras lassen sich so erst spät im Spiel freischalten – eine hoffentlich motivierende Gameplay-Spirale.

Tiere als Waffen
Stampede! Nashörner und Elefanten können ein Dorf oder Autokolonnen einfach überrennen. Quelle: Ubisoft Stampede! Nashörner und Elefanten können ein Dorf oder Autokolonnen einfach überrennen. Eindrucksvoll hat Ubisoft es bereits in mehreren Gameplayvideos gezeigt: Wildtiere stellen nicht nur kleine Herausforderungen zwischen den Missionen dar, sie können einem auch Nützen. Zu Beginn der Anspiel-Session muss ich ein Dorf einnehmen. Beim ersten Versuch stelle ich mich noch doof an, versuche rein zu schleichen und nutze nicht die Hilfe, die mir die Entwickler geben. Vor dem Tor des Outposts steht ein wütender Elefant. Möglichkeit eins: Anschleichen, auf seinen Rücken springen und das Tor mit seinen langen Stoßzähnen aufbrechen. Und dann einfach die Gegner plattwalzen. Auf die Idee komme ich aber auch beim zweiten Durchlauf nicht. Stattdessen Möglichkeit zwei: Ich werfe von einem Hügel aus ein Stück Frischfleisch ins Dorf. Das lockt einen Berglöwen an, der die ersten Gegner für mich kaltmacht. Denn schieße ich das Schloss am Tor mit einem gezielten Schuss mit dem Bogen ab. Der Elefant donnert wutentbrannt ins Lager und macht Terror. Ich sitze in all der Zeit auf meiner Anhöhe und gucke zu. Selbst als die aufgeschreckten Soldaten Unterstützung rufen, behält der Elefant die Nase vorn. Sie brausen in einem Jeep zu viert heran. Aber ein Jeep ist kein Feind für einen Elefanten – er rammt das Auto noch, bevor es zum Stehen kommt und dreht es aufs Dach.

Manche Feinde sind aber auch von sich aus blöd. Sie sperren zum Beispiel in ihren Lagern Wildtiere ein. Öffnet man klammheimlich die Vorhängeschlösser an diesen Käfigen, rächen sich die Viecher in Windeseile an ihren Häschern. Aber obwohl die Tiere eine nette Ergänzung sind – den Mammutteil der Arbeit macht schon noch der Spieler selbst. Mit Waffen wie einer goldenen AK-47, die man mit viel Geld auch pimpen kann. Knarren lassen sich mit einem Schalldämpfer ausstatten, mit Zieloptiken und mit größeren Magazinen. Allzu viel Auswahl hat man jedoch nicht.

Distanzen überbrücken
Far Cry 4 führt uns auf verschneite Gipfel und durch grasbewachsene Täler. Quelle: Ubisoft Far Cry 4 führt uns auf verschneite Gipfel und durch grasbewachsene Täler. Autos, Gyrokopter, Quads – das ist nur ein Teil der Fahrzeuge, die es in Far Cry 4 gibt. Der kleine Minihelikopter ist mit Abstand der coolste von allen. Mit ihm sieht man die wunderschöne Welt von oben, kann selbst entlegene Gebiete schnell erreichen, für die man sonst einen Umweg einplanen muss. Und manch einen erklommenen Berggipfel muss man nicht zu Fuß hinabsteigen, sondern kann sich an einem Gleitschirm weit ins Landesinnere tragen lassen.

Wer keine Lust hat, die langen Strecken selbst abzufahren, kann eine Art Autopilot in Fahrzeugen starten. Hat man auf der Karte einen Zielpunkt ausgewählt und befindet sich auf einer Straße, lenkt das Spiel einen von selbst zum Ziel. Dann kann man sich umgucken und die Aussicht genießen, mit seiner Pistole auf heranbrausende Gegner ballern oder auch einfach mal kurz entspannen. Als jemand, der in Open-World-Spielen schon immer eine Autopilot-Funktion und Schnellreisen mochte, konnte mich das neue Komfort-Feature schnell überzeugen. Nur an der Wegfindung muss Ubisoft noch feilen: Wenn einem auf den Straßen Autos entgegenkommen, krachen sie meist einfach ineinander. Auch auf Zivilisten gilt es manuell zu achten – sonst überfährt die KI auch gerne mal jemanden aus Versehen. Für den Spieler hat das Nachteile, weil dadurch der Karmalevel sinkt und die Beliebtheit bei der Bevölkerung leidet.

Zu zweit durchs Dickicht: Koop!
Koop in der (fast) kompletten Open-World: Leider kann man die wichtigen Hauptmissionen nur allein machen. Quelle: Ubisoft Koop in der (fast) kompletten Open-World: Leider kann man die wichtigen Hauptmissionen nur allein machen. Far Cry 4 ist schon im Singleplayer ein spannendes Open-World-Spiel. Doch richtig auf Hochtouren läuft es erst im Zweier-Koop. Und diesmal steht einem (fast) die komplette Welt offen: Kommt man bei einer Festung nicht weiter, kann man einen Freund zur Hilfe rufen und die ganze Open World zusammen erkunden. Nur Story-Missionen, die man zum ersten Mal macht, sind Singleplayer-exklusiv. Zusammen mit einem Kollegen erledige ich in Düsseldorf also einige Nebenmissionen. Im Team macht es sogar noch mehr Spaß, Outposts zu überrennen oder Geiseln zu befreien. Mein Kollege und ich sprechen uns schon früh ab: Ich klettere mit meinem mächtigen Scharfschützengewehr, das ich für viel Geld gekauft und technisch aufgemotzt habe, auf erhöhte Positionen außerhalb der Feindlager. Er infiltriert die Dörfer mit seiner schallgedämpften Maschinenpistole.

Um zu vermeiden, dass beide Spieler den gleichen Feind attackieren, blendet Far Cry 4 ein blaues Auge über Gegnern ein, die der Koop-Partner gerade aufs Korn nimmt. Auch ohne Headset kann man so die Arbeit untereinander aufteilen. – mit wird die Kommunikation natürlich noch besser. In einem Dorf rücken beispielsweise Helikopter an. Mit unseren Scharfschützengewehren und MPs können wir im Prinzip wenig ausrichten, außer wir zielen richtig, richtig gut. Also fassen wir einen Plan: Der Kollege lenkt den Helikopter mit einem Bord-MG ab, ich renne zu einer Mörserstellung. Problem gebannt.

Im Koop wie im Singleplayer bleibt zu unterstreichen, dass jede Aufgabe, jede Mission verschiedene Handlungswege bietet. In dem Dorf mit den Helikoptern hätten wir auch die drei Alarmanlagen sabotieren können. Dann wären keine Helikopter angerauscht, um ihre Kameraden zu unterstützen. Oder wir hätten von der Luft aus angreifen können: Ein Spieler übernimmt dabei die Rolle des Piloten, der andere steht am Trittbrett und lässt aus einem Granatwerfer Tod und Terror auf den Feind herabregnen. Und natürlich hätten wir erneut die Hilfe von Tieren in Anspruch nehmen können. In der Nähe gäbe es Elefanten, die alles kurz und klein trampeln. Es muss also nicht immer die Krachbumm-Methode sein.

Grafik und Technik
Diktator Pagan Min ist der undurchsichtige Diktator Kyrats. Was hat er vor? Quelle: Ubisoft Diktator Pagan Min ist der undurchsichtige Diktator Kyrats. Was hat er vor? So imposant wie auf den ersten Screenshots sieht Far Cry 4 freilich in der Bewegung nicht aus. Beim Anspielevent sehen wir zwar nur eine alte Version – mehr als 10.000 große und kleine Bugs wollen die Entwickler seitdem behoben haben – aber vor allem in der Hektik eines Kampfes verschwimmt das Bild zu einem Blureffekt. Wer auf einen Gipfel steigt und dann herunter schaut, auf grasbewachsene Täler, bekommt zwar kurzfristig bildgewaltige, kontrastreiche Kost. Aber bei genauem Hinsehen unterscheidet sich Far Cry 4 auf Next-Gen nicht großartig von seinem PC-Vorgänger.

An manchen Stellen könnte auch die KI ruhig noch etwas anziehen. Sei es im Kampf oder auf der Straße – so richtig lebensecht fühlt sich der Open-World-Shooter nicht an. Dafür macht das Geballer aber richtig Spaß. Egal ob mit Pistole, Gewehr oder Bogen, das Gunplay verspricht die gesamte vermutete Spiellänge von mindestens über 35 Stunden zu motivieren.

Disclaimer: Ubisoft hat die Anreise nach Düsseldorf bezahlt. Auf den Inhalt der Vorschau nimmt dies keinen Einfluss. Das Let's-Play-Video hat Gamezone mit eigener Hardware an einer Playstation 4 aufgenommen. Die Videoszenen zeigen Far Cry 4 in einer Alpha-Version. Die Screenshots stammen vom Hersteller und zeigen kein Gameplay-Material.

Meinung

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