Sherlock Holmes: Crimes & Punishments: Sherlock Holmes: Crimes and Punishments im Test: Sherlocks erste Ermittlungen auf Playstation 4

Test Alexander Schneider
Bei Gameplanet sind viele Sherlock-Holmes-Spiele drastisch im Preis gesenkt.
Quelle: PC Games

Frogwares und Focus Home Interactive bringen Sherlock Holmes mit sechs neuen Fällen erstmals auf Playstation 4 und Xbox One. Wir haben die PS4-Version des Spiels nach versteckten Hinweisen durchsucht und sind zu einem Urteil gekommen.

"Sherlock! Inspector Lestrade für Sie. Es geschah ein Mord unter mysteriösen Umständen. Scotland Yard benötigt Ihre Expertise." So in etwa gehen sie los, die Aufträge für Dr. Watson und den wohl berühmtesten Detektiv der Welt.

Zu Beginn eines jeden Mordfalls stattet mir entweder Lestrade einen Besuch ab oder schickt einen Brief mit der dringenden Bitte um Hilfe. Selbstlos und ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen stürze ich mich mit Watson an meiner Seite in ein neues Abenteuer. Ein wohlhabender Geschäftsmann der Londoner Nobelszene wurde in seinem eigenen Anwesen ermordet. Als ich eintreffe, entschuldigt sich Lestrade für den falschen Alarm und versichert mir, dass mein Besuch in diesem Fall gar nicht nötig sei, die Beweislage ist eindeutig. Das Opfer liegt im Speisesaal, eine offene Wunde am Kopf. Ein tödlicher Raubüberfall... Oder doch nicht?

Sherlocks besondere Talente
Sherlock Holmes: Crimes and Punishments im Test (2) Quelle: PC Games Sherlock Holmes: Crimes and Punishments im Test (2) Nicht immer ist die Beweislage eindeutig. Manchmal fehlt ein entscheidendes Puzzlestück, um der Lösung des Problems näher zu kommen. Ist das der Fall, setze ich die besonderen Fähigkeiten von Holmes ein. Mit einer alternativen Sichtweise entdecke ich am Tatort zum Beispiel versteckte Hinweise. In einem Raum hängen viele Bilder an der Wand, aber unter einem der Gemälde ziehen sich feine Kratzer entlang. Hier ist also der Tresor versteckt. In einer anderen Situation erkenne ich so, dass ein Türgriff kürzlich ausgewechselt wurde. Der alte Griff wurde gewaltsam herausgerissen. In diesem Modus liegt ein grauer Filter über meinem Sichtfeld, während besondere Objekte mit einem goldenen Schimmer belegt sind. So unterscheide ich versteckte Beweise von belanglosen Sachen. Dieses Feature verleiht Sherlock im Spiel eine besondere Position und untermauert sozusagen seinen guten Ruf. Schließlich findet nicht jeder diese gut versteckten Indizien. Das Spiel lässt mich aber nicht im Dunkeln tappen. Wann immer irgendwo ein versteckter Hinweis auf mich wartet, erscheint am Bildschirmrand ein Auge und weist mich darauf hin. Bin ich in unmittelbarer Nähe eines neuen Fundstücks, wird das Hinweis-Auge farbig. Es gibt selten Momente, in denen mich das Spiel alleine lässt. Fertig inspizierte Objekte sind gekennzeichnet, sodass ich keine Zeit mit unwichtigen Dingen verschwende. Holmes' zweite Fähigkeit nutze ich, um die ein oder andere Situation zu rekonstruieren. Bei einer bildlichen Darstellung tun sich oftmals neue Abgründe auf. Manchmal kann ich mir vorliegende Hinweise nicht zusammen führen, weil noch nicht klar ist in welcher Verbindung sie zueinander stehen.

Sherlock Holmes: Crimes and Punishments im Test (4) Quelle: PC Games Sherlock Holmes: Crimes and Punishments im Test (4) Diese Spielmechanik ist allerdings nicht frei einsetzbar. Wir können zwar jederzeit in die Ansicht wechseln, jeder Fall hat aber fest vorgegebene Punkte, bei denen ich aus der Funktion einen Nutzen ziehen kann. Viele Indizien und Beweise die ich finde, muss ich erst einmal genau untersuchen und unter Umständen weiter verarbeiten. In meinem Büro befindet sich ein umfangreiches Archiv in dem ich alte Zeitungsartikel oder Bücher durchsuchen kann. Ein antikes Fundstück muss ja schließlich irgendwo schon mal aufgetaucht sein. Die Vorgehensweise folgt dabei einem festen Schema: Trial & Error. Klingt leider relativ unspannend und ist es auch. Im Grunde genommen kann ich mich durch jeden einzelnen Posten des Archivs drücken, bis ich mit Glück den richtigen Bericht erwische. Findige Spieler lesen dafür aufmerksam alles durch. Wirklich knifflig ist das Schlösser knacken. Nicht immer öffnet mir Scotland Yard alle Türen. Als guter Detektiv helfe ich mir einfach selbst. Watson steht Schmiere und ich fummle in einem Minispiel an einem alten Schloss herum bis es einrastet. Mein Sucher-Herz erstrahlt. Ein ganzer Raum voll mit neuen Indizien!

Sherlock Holmes: Crimes and Punishments im Test (5) Quelle: PC Games Sherlock Holmes: Crimes and Punishments im Test (5) Das Spiel nimmt mich insgesamt sehr an die Hand. Mir hätte innerhalb der Falllösung noch ein Tick mehr Freiheit gefallen. Eine Vielzahl an Hinweisen führt mich zwangsläufig zu einer Lösung. Ein Sprichwort besagt: alle Wege führen nach Rom. In Sherlock Holmes, je nach Aufgabenstellung, sind das drei bis fünf. An jedem Ende steht ein potentieller Täter. Aber ob die Person, die ich auf Basis der Beweislage überführe, auch wirklich der Täter ist, weiß ich nicht mit Gewissheit. Ein berühmter Archäologe wird ermordet im Badehaus aufgefunden. Die drei potentiellen Täter sind mit im Raum. Eine Stichwunde. Von der Waffe keine Spur. Ich finde immer mehr Beweise, das Netz aus Aussagen, Befunden und Lügen quillt über. Wer ist schuldig? Der dicke, untersetzte Mann der aufgrund falscher Medikamente an einer Psychose erkrankt ist? Der Inhaber des Badehauses, der seinen Profit in Gefahr sah oder doch der andere Archäologe, der vor dem potentiellen Ende seiner Karriere steht? Haben sie gar zusammen gearbeitet? Egal zu welchem Schluss ich komme, am Ende büßt jemand. Die Ungewissheit, ob es nun der Richtige ist oder nicht, verleiht jedem Fall nochmal etwas Würze. Ich überlege länger und schaue mir jedes Detail genau an. Passt das so wirklich zusammen? Welcher Aussage kann ich mehr Glauben schenken? Hängt wegen mir ein Unschuldiger am Galgen? Bevor ich den Fall zu den Akten lege und ins nächste Kapitel vorrücke, gibt mir das Spiel die Wahl meine Entscheidung zu akzeptieren oder nochmal zu überdenken. Ein guter Weg übrigens, um alle optionalen Enden hintereinander anzusehen. Falls ich mit der Ungewissheit nicht leben kann, kann ich mittels Knopfdruck aber trotzdem sehen ob ich alle Beweise gefunden habe und zur richtigen Schlussfolgerung gelangt bin. Aber Vorsicht, das nimmt etwas Spannung aus dem Spiel. Das Ungewisse hat eben doch seinen Reiz.

Zwar handelt der Großteil der Fälle in und um London, die Areale könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein. Wichtigster Schauplatz ist natürlich das Büro meines Meisterdetektivs in der Baker Street. Die Liebe zum Detail ist offensichtlich. Angefangen bei Holmes vollgestopften Archiven und seinem Labortisch bis hin zu den Schlafräumen und Mrs. Hudson. Toby, der Hund gehört ebenso zum Ambiente. Trophy-Jäger aufgepasst: agiert mit dem Hund in jedem einzelnen Fall und es gibt eine Trophäe geschenkt. Aber das Tier ist nicht nur Deko. Toby ist ein ausgeklügelter Schnüffler und steht auch in bestimmten Situationen tatkräftig zur Seite. Sowieso bringen die Entwickler bei jeder Aufgabe etwas Abwechslung hinein. Das Team achtet sehr darauf, dass sich die Beweisfindung nicht zu arg ähnelt und nicht unbedingt jede Option in jedem Fall genutzt werden muss.

Kein technisches Verbrechen
Sherlock Holmes: Crimes and Punishments im Test (8) Quelle: Focus Home Sherlock Holmes: Crimes and Punishments im Test (8) Crimes & Punishments punktet allem Voran mit den detaillierten Gesichtszügen der Charaktere. Bei der Untersuchung im Portrait-Modus sehe ich jeden Kratzer, jedes wichtige Detail. Meinem geschulten Auge bleibt nichts verborgen. Liebe zum Detail zieht sich durch die gesamte, optische Präsentation des Titels. Dank der in einem Sherlock-Spiel erstmals verwendeten Unreal Engine 3 erstrahlen die Schauplätze in neuem Licht. Zwar kommen an mehreren Stellen noch verwaschene Texturen um Vorschein, der optische Gesamteindruck aber gefällt. Besonders die Gesichtszüge der Charaktere wurden sorgfältig in Szene gesetzt. Das fällt dann auf, wenn ich die Charaktere im Verhör nach Merkmalen untersuche. Die Animationen fallen qualitativ etwas ab. Es sieht oft zu hölzern und steif aus, wenn ich meinen Detektiv durch die Levels lenke und Watson hinter mir her stolpert. Natürlich ist die einwandfreie Bewegung nicht so wichtig wie in einem Tomb Raider oder Battlefield, aber die starren Animationen kratzen etwas an der sonst ansprechenden Oberfläche.

Der größte Nerv-Faktor aber ist weit außer Konkurrenz: Das Bild wird sehr oft zerschnitten. Gerade größere Außenareale wie der botanische Garten sind davon massiv betroffen. Ich kann keinen einzigen Schritt gehen, ohne nicht mit anzuschauen wie es mir das Bild zersägt. Das ist unglaublich nervig! Hier muss schnellst möglich ein Patch her der das Problem behebt oder zumindest verringert. Ansonsten gibt sich das Rätselspiel grafisch kaum Blöße. Die Sprachausgabe und der Soundtrack sind gelungen. Vor allem die britisch-englische Sprachausgabe ist vorbildlich. Die Sprecher hauchen den Charakteren leben ein und passende Melodien versüßen mir jeden noch so spannenden Moment im Spiel.

Meinung

Wertung zu Sherlock Holmes: Crimes and Punishments (PS4)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Sherlock Holmes: Crimes and Punishments (XBO)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
6 umfangreiche, spannende MordfälleGründliches abarbeiten von Beweisen und IndizienJeder Fall bietet verschiedene EndenAbwechslungsreiche SchauplätzeHervorragende, englische SprachausgabeToby, der Superhund
Animationen wirken teilweise starrMassives Tearing in den Außenarealenvereinzelte, verwaschene TexturenEin, zwei Fälle mehr wären nett gewesenDas Spiel ist irgendwann zu Ende
Fazit

Spannendes Krimi-Adventure mit hübscher Grafik und tollem britischen Flair.

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