Sunset Overdrive: Sunset Overdrive im Test: Buntes Knallbonbon für Xbox One

Test Michael Stadler
Sunset Overdrive im Test: Das knallbunte Abenteuer auf Xbox One überzeugt durch seind cooles Gameplay. Die Story kann man getrost links liegen lassen.
Quelle: Insomniac Games

Mit Sunset Overdrive gelang Insomniac Games auf der E3 2013 ein echter Überraschungshit. Hatte das Studio bis dato lediglich für Sonys Playstation Kracher wie Resistance abgeliefert, kommt der neueste Streich exklusiv für Microsofts Xbox One. Wir haben das Knallbonbon unter den Zombiespielen ausführlich getestet und verraten euch, ob Sunset City einen Besuch wert ist.

Overcharge verleiht Mutationen
Der riesige Charaktereditor birgt viel lustigen Blödsinn. Quelle: Games Aktuell Der riesige Charaktereditor birgt viel lustigen Blödsinn. Im Jahre 2027 bringt der Großkonzern FizzCo im schönen Sunset City einen Energiedrink namens OverCharge Delirium XT auf den Markt. Das Problem: Der Drink schmeckt zwar besonders gut, löst aber beim Konsumenten irreparable Mutationen hervor. Nach nur wenigen Tagen befindet sich Sunset City mitten in einer Zombie-Epidemie, FizzCo zeigt sich aber keiner Schuld bewusst. Wir schlüpfen also in die Rolle eines namenlosen, frei gestaltbaren, wahlweise männlichen oder weiblichen Niemands, der sich als Ex-FizzCo-Mitarbeiter mit dem Widerstand zusammenschließen und den ehemaligen Arbeitgeber zur Rechenschaft ziehen will. "Das reicht jetzt aber!" muss an dieser Stelle jemand energisch im Team-Meeting gerufen haben, als sich die Verantwortlichen zum Brainstorming bezüglich der Hintergrundgeschichte einfanden. Denn mehr Rahmenhandlung gibt es in Sunset Overdrive nicht - mehr brauchen wir allerdings auch nicht. Natürlich ist die Geschichte generisch hoch zehn und keine erzählerische Meisterleistung. Aber wir haben auch so ziemlich jede erdenkliche Erklärung für Untote und/oder mutierte Kreaturen von anderen Titeln über die Jahre aufgetischt bekommen. Die Story ist und bleibt das schwächste Glied in einer der abgefahrensten Ketten der letzten Jahre.

Von Teddys und Kätzchen
Wallrun, grinden und abhängen: Sunset Overdrive macht in Bewegung viel Laune. Quelle: Games Aktuell Wallrun, grinden und abhängen: Sunset Overdrive macht in Bewegung viel Laune. Die wahren Stars in Sunset Overdrive sind das Gameplay und die Stadt per se. Sunset City ist ein sonnengeflutetes Abziehbild der typisch amerikanischen Stadt samt Industriegebiet, Parks, Hochhausblocks und jeder Menge Asphalt. Für das sprichwörtliche Leben in der Bude sorgen unzählige Mutanten. Aber auch andere Fraktionen machen die Stadt unsicher. Zum einen sorgt FizzCos mechanisches Aufräumkommando für Recht und Ordnung, zum anderen versuchen die an eine klassische Söldnertruppe erinnernde Scab-Fraktion ihre eigenen Ziele durchzubringen. Inmitten dieses Dreiecks befindet sich der Widerstand und somit wir. Insomniac hat es geschafft, uns einen Sandkasten allererster Güte zu Füßen zu legen, in dem nicht die Art der Mission zählt, sondern der Weg dorthin sowie die Art und Weise sie zu meistern. Das Missionsdesign in Sunset Overdrive ist anscheinend zur Zeitersparnis im selben Meeting wie die Geschichte entstanden. Meist laufen wir von Punkt A zu Punkt B, erledigen Horden von Gegnern und fangen in der nächsten Mission wieder bei A an. Da wir auf dem Weg zu Punkt B aber aufgrund der Fülle an Aufgaben wie Zeit-Herausforderungen, Sammelgegenständen oder schlicht und ergreifend dem Wahnsinn in den Straßen sowieso an Punkt F landen, ist das lahme Missionsdesign nur eine Randnotiz.

Man muss Sunset Overdrive jedoch ein deutliches Kompliment aussprechen. Der Spaß geht trotz 08/15-Missionen niemals verloren. Hauptverantwortlich dafür: Das Gameplay. Da wir uns zu Fuß lediglich im Schneckentempo fortbewegen können, verlagert sich das Gameplay auf konstante Sprungeinlagen in Kombination mit Wallruns und Grinds auf allem, was sich dazu missbrauchen lässt. Machen wir dies besonders variantenreich und erledigen dabei noch gekonnt ein paar Feinde, füllt sich unsere Style-Anzeige. Diese ist für die Verfügbarkeit unserer Zusatzfähigkeiten, der sogenannten Amps zuständig. Je nach Level bekommen wir bessere Nahkampfskills, Spezialfähigkeiten für unsere Waffen oder den kompletten Overkill auf der höchsten Style-Stufe.

Verrückte Waffen: Vom TNTeddy bis zur Eisharpune ist alles dabei. Quelle: Games Aktuell Verrückte Waffen: Vom TNTeddy bis zur Eisharpune ist alles dabei. Bei der Waffenauswahl ließ sich Insomniac nicht lumpen. Das Arsenal der maximal acht von uns mitführbaren Waffen reicht von einem Schallplatten-Werfer über die Harpune, eine Gefrierbomben-Kanone bis hin zum TNTeddy, einem Granatwerfer, der an Dynamitladungen geflanschte Teddys verschießt. Wer hier nicht die passende Waffe und den einen oder anderen Lacher findet, der mag auch keine Katzenvideos. Da Amps sowohl auf unseren Charakter als auch auf Waffen angewendet werden können und verschiedene taktisch wichtige Effekte erzeugen können, gibt es eine ganze Armada an Aufbesserungen. Zur Herstellung der Amps müssen wir nach den richtigen Rohstoffen suchen. Bei unserem vertrauenswürdigen Waffen-Dealer "TwoHatJack", der aus Swag-technischen Sicherheitsgründen stets gleich zwei ultracoole Hüte trägt, können wir für jeden Distrikt eine Karte käuflich erwerben. Die vereinfacht die Suche nach den Amp-Zutaten deutlich. Entdecker können jedoch auch ohne Karte vieles aus eigener Kraft einsammeln. Allgemein sind die skurrilen Charaktere ebenfalls ein Gedicht. Verkrachte Existenzen geben (Größen-)Wahnsinnigen die Hand schreien euch ihren Duktus schamlos ins Gesicht.

Im Online-Modus können bis zu acht Spieler in einer Art Horde-Modus gegen immer stärker werdende Gegnerwellen antreten. Zum Testzeitpunkt fanden wir jedoch noch keine Mitspieler, weswegen hier noch ein finales Statement ausbleiben muss.

Effektfeuerwerk und Stand-Up
Knallige Effekte überall: Sunset Overdrive ist ein buntes Farbenspiel. Quelle: Games Aktuell Knallige Effekte überall: Sunset Overdrive ist ein buntes Farbenspiel. Auf der rein technischen Seite ist Sunset Overdrive ein richtiges Brett. Der stark an Borderlands erinnernde Cel-Shading-Look passt zum abgedrehten Gameplay wie die Faust aufs Mutanten-Auge. Was während der Gefechte an Farbe und Effekt verballert wird, sieht fast so aus, als hätte Michael Bay die Wandfarben-Schablone im örtlichen Baumarkt verfilmt. Hinzu kommen sehr coole Lautschrift-Einblendungen wie "Grrrrr" beim Abfeuern einer Gefrierbombe, die dem ganzen nochmal den letzten Kick geben.

Auch bei der Steuerung macht Sunset Overdrive alles richtig. Nach ein bisschen Eingewöhnungszeit mit dem spielbaren epileptischen Anfall gehen Waffenwechsel und Kombos von der Hand, als hätte man nie etwas anderes gemacht. Einzig die Kameraeinstellung ist aus unserer Sicht etwas zu nah am Protagonisten und oft mit der schieren Masse der Bildschirm-Effekte überfordert.

Abschließend gilt es sich dem Humor von Sunset Overdrive Tribut zu zollen. Dieser durchbricht mit herrlichen Anspielungen auf die Eigenheiten der Videospiele nicht nur die vierte Dimension, sondern nimmt sich, frei nach dem Vorbild Deadpool, zu keiner Sekunde ernst. Die Selbstironie, die Insomniac dabei an den Tag legt, ist schlicht und ergreifend genial. Leider hinkt die deutsche Übersetzung dem englischen Gag-Fest etwas hinterher. Die Witze sind zwar bisweilen gut umgesetzt, das Original bleibt jedoch unser unangefochtener Favorit. Zudem ist auch die deutsche Synchronisation teilweise haarsträubend und beendet Sätze bereits zwei bis drei Sekunden vor der Lippenbewegung - Schlecht! Der Soundtrack hingegen sorgt mit seinen Punk-Rock-Stücken für die notwendige Attitüde beim Grind auf einer Hochspannungsleitung.

Meinung

Wertung zu Sunset Overdrive (XBO)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
geiler, knallbunter Grafikstilgroße, offene Stadt mit jeder Menge MöglichkeitenStyle-SystemAmps, mit denen man Charakter und Waffen aufwertetlustiges, bisweilen verrücktes Waffenarsenalabgedrehte CharaktereSandbox-Gefühl
Kamera oft Störfaktordeutsche Synchronisation mäßigWitze auf Englisch besser
Fazit

Ein buntes Knallbonbon mit herrlich erfrischendem Gameplay. Nur die irrelevante Story muss man ausblenden können.

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