Agartha: Das gecancelte Dreamcast Game im Halloween-Special - Leserspecial
Special
Jedes Jahr um den Reformationstag rum, der jungen Generation auch als Halloween bekannt, hauen Videospielseiten Auflistungen von Games raus, die für die kürzer werdenden Tage und dunklen Nächte angesagt sind. Auf diesen Listen kann man schon seit Ewigkeiten die altbekannten Marken auswendig aufsagen: Resident Evil, Silent Hill und Project Zero. Dazu gesellt sich meistens noch Amnesia und Slender. Ein Name jedoch wird niemals auftauchen - Agartha. Lest hier im Special, warum nicht nur Freunde des Horrorgenres was verpasst haben und warum das Spiel niemals erscheinen wird!
Survival: Wenn es kalt wird in Transsilvanien
Quelle: unseen64.net
Die Konzeptzeichnungen sehen verheißungsvoll aus.
Wir schreiben das Jahr 1929; starker Wintereinbruch schneidet die Bewohner eines transsilvanischen Dorfs vom Rest der Welt ab. Aber damit nicht genug: Ein Erdrutsch, dem ein Erdbeben vorausging, verwüstete große Teile des Dorfes. Mit dieser Lokalität hatte der französische Entwickler No Cliché ein bis dahin einzigartiges Setting für ein Horrorspiel gewählt. Inzwischen wurde der Wii und dem PC ein eher mittelprächtiger Horrortrip im Himalaya Gebirge spendiert. Wie gut die grafische Umsetzung der Wettereffekte bei Agartha gelang, bezeugen die Screenshots, auf denen man die in Echtzeit berechnete Grafikengine bestaunen kann. Auch die Konzeptzeichnungen des seit 1998 geplanten Spiels versprechen eine Atmosphäre der Verzweiflung und Abgeschiedenheit.
Horror: Weihnachtsgeschenke – leider nein!
Das Erdbeben hat zu allem Überfluss auch noch ein Siegel gebrochen, welches bisher das Böse davon abgehalten hat, in unsere Welt einzutauchen. Überflüssig zu schreiben, dass das Weihnachtsfest somit leider ausfällt. Stattdessen sucht eine Seuche das Dorf heim, welche die Bewohner in lebende Tote verwandelt. In Umlauf gelang diese durch das Wasser diverser Bergquellen. Aber auch die Zombies oder zumindest deren Speichel erweisen sich als höchst infektiös. Das war es noch lange nicht, denn das Spiel sollte noch mit weiteren Typen von Gegnern aufwarten: Anhänger einer bösen Sekte, Monster, Dämonen, Mönche, Priester Erzengel und dem Sentinal, der als die Personifikation von allen Bösen auf der Welt gilt. Furcht erzeugt auch die beklemmende Soundkulisse, die mit viel Glocken- und Flötenspiel aufwartet, während man in der Ferne die Wölfe heulen hört.
Adventure: Das Besondere an Agartha
Quelle: static1.gamespot.com
Held oder Anti-Held?
Der Spieler schlüpft in die Rolle von Kirk, einem vollbärtigen, grauhaarigen Mann im mittleren Alter. Er ist auf paranormale Phänomene spezialisiert und wurde in die Berge geschickt, um die Vorfälle dort unter die Lupe zu nehmen. Seine Reise führt ihn nicht nur durch die verschneite Einöde, sein Weg weist ihn auch über Berghöhlen zu einer sagenumwobenen Stätte Agartha. Dieser Ort verleiht dem Spiel nicht nur seinen Namen, es ist auch der Mittelpunkt der Erde. Soviel ist über die Story und das Setting bekannt, aber der eigentliche Clue kommt noch: Als Kirk könnt ihr euch aussuchen, auf welche Seite ihr euch schlagen wollt. Entweder ihr rettet die noch lebenden Dorfbewohner oder werdet selbst zu einem Werkzeug des Bösen. Je nachdem wie ihr euch entscheidet, nimmt dies nicht nur Einfluss auf das Ende - nein sogar das Spiel gestaltet sich gänzlich anders. Der Spieler sollte die volle Kontrolle über die Entwicklung der Story übernehmen, auch wenn das bedeuten würde, z.B. einen wichtigen Nebencharakter zu töten. Dies berichteten zumindest die Entwickler. Über das Gameplay an sich ist leider nicht viel bekannt. Erkundung, Interaktion mit Dorfbewohnern sowie der Kampf gegen die Zombies wären jedenfalls ganz oben auf der Tagesordnung gestanden. Wie der Kampf letztendlich aussehen sollte, wissen wir leider nicht; ähnlich wie bei Resident Evil munkelt man.
Was sonst noch so bekannt war
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Quelle: sega-addicts.com
Zombies statt Vampire in Transsilvanien. Wenn das Graf Dracula wüsste...
n einigen Previews ging man von Onlinegaming aus. Dies sollte sich entweder im Coop oder als Deathmatch abspielen und somit das serienmäßige Modem der Dreamcast nutzen. Knapp zehn Jahre nach der geplanten Veröffentlichung dementierte dies Frederick Reynal, Chef von No Cliché, in einem Interview. Es waren nur Minispiele für die Memorycard des Dreamcasts vorgesehen. Er äußerte sich auch über den Grad der Fertigstellung, die einem frühen Alpha-Stadium gleichkommt: "Agartha war weit davon entfernt fertig zu sein. Es ist möglich mit dem Hauptcharakter durch einige Szenen des Spiels zu laufen, aber eine Interaktion gibt es nicht." Etwas mehr Aufschluss gewährt ein 15-minütigen Video, das durchaus das Potenzial des Spiels erahnen lässt.
Mit diesem Statement platze ein weiterer Traum der Dreamcast-Fans, die insgeheim hofften, dass der Titel sich nahe der Vollendung befunden hatte und irgendwann eine spielbare Demo oder Beta im Internet auftauchen würde. Grund dieser Annahme ist zum einen, dass immer wieder Isos von nicht veröffentlichen Dreamcastspielen ihren Weg ins WWW gefunden haben wie jüngstens Toejam & Earl und zum anderen die lange Entwicklungszeit. Ursprünglich war ein Release für den Winter 1999 vorgesehen, aber dieses utopische Datum wurde dann ins Jahr 2001 verschoben, auf einen Tag, der niemals kam.
Bruchlandung eines Traums
Quelle: m.ign.com
Kinder, zieht euch warm an!
Wie vielen bekannt sein durfte, zog sich SEGA Anfang 2001 aus dem Hardwaregeschäft zurück. Die Produktion der Dreamcast, die auch heute noch bei vielen Fans Kultstatus genießt, wurde eingestellt. Zwar versprach SEGA großspurig, dass die sich noch in der Entwicklung befindlichen Projekte fertiggestellt werden würden, aber No Cliché musste die Arbeit an Agartha im Juni 2001 einstellen. Die Firma wurde aufgelöst, die Mitarbeiter entlassen und Agartha tauchte nie wieder in den Newsrubriks von Videospielseiten auf.
Auch eine Veröffentlichung auf einem anderen System schloss Reynal 2011 aus, da er zu diesem Zeitpunkt die Idee, zwischen guten und schlechten Entscheidungen in einer frei begehbaren Welt zu wählen, nicht mehr für originell hielt. Obwohl SEGAs Dreamcast für seine kurze Lebensspanne ein beeindruckendes Portfolio mit Horrorspielen vorweisen kann, beschleicht einem bei der Beschäftigung mit dem Spiel Agartha, dass hier mehr als ein Geheimtipp des Horrorgenres von SEGA lebendig begraben wurde.
Verwendete Internetquellen:
Agartha Preview
(Un)forgotten: Agartha
Agartha [Dreamcast - Cancelled]
Interview with Frederick Raynal on Agartha
ECTS 2000: No Clich¿ Reveals Details on Agartha
Agartha
