Styx: Master of Shadows: Styx: Master of Shadows im Test: Schleichen wie ein Profi-Goblin

Test Philipp Mentel
Screenshot Styx Master of Shadow
Quelle: FHI

Die Cyanide Studios, bekannt vor allem durch die Videospiel-Umsetzung des Bestseller-Romans Game of Thrones, wagen sich mit dem kleinen, grünen (und hässlichen) Goblin Styx an klassisches Stealth-Gameplay ran und beweisen eindrucksvoll, dass man Konkurrenzprodukte wie "Thief" locker in die Tasche stecken könnte. Was der Meister der Schatten so alles draufhat, aber auch nicht kann, klärt unser Test.

Diebische Hintergedanken
Mit "Of Orcs and Men" haben die Cyanide Studios vor ein paar Jahren klamm heimlich ein Koop-RPG auf die Spielerschaft losgelassen, welches technisch zwar nicht vollends überzeugte, dafür aber mit einer guten Story aufwarten konnte. Einer der Protagonisten aus diesem Spiel, nämlich Styx, gibt sich jetzt als Einzelkämpfer - 200 Jahre vor der Handlung in "Of Orcs and Men". Styx, ein Goblin von bescheidener Größe, der sich zynisch und hinterlistig gibt und dabei auch nicht vor Waffengewalt zurückschreckt. Klingt vielversprechend.

Im Turm von Akenash, dem Handlungsort von Master of Shadows, will Goblin Styx an das Herz des Weltenbaumes gelangen und dieses für sich in Besitz nehmen. Im Baum selbst fließt Goldharz, welches die Menschen wie eine Art Droge abhängig macht und ungeahnte Kräfte auslösen kann. Ein sehr großes Ziel für einen kleinen Goblin wie Styx. Doch abschrecken tut ihn das nicht. Also liegt es jetzt am Spieler, das Herz des Baums zu erreichen und sich dabei möglichst nicht erwischen zu lassen.

Heimlich, still und leise
Styx: Master of Shadows im Test. (1) Quelle: PC Games Styx: Master of Shadows im Test. (1) Da man als Goblin nicht wirklich die Stärke eines Menschen oder Elfen erreichen kann, muss man es eben mit der hinterlistigen und leisen Methode machen. Während wir uns also als Styx durch die insgesamt acht Abschnitte des Spiels bewegen, können wir uns die unglaublich verschachtelte Spielwelt zu Nutze machen. Sehen wir Wachen vor uns, an denen man nicht vorbeigehen kann ohne gesehen zu werden, dann gibt es meist immer noch einen oder zwei mögliche Wege, um im Spiel voranzukommen. Dabei orientieren wir uns wahlweise an Zielmarkern oder schalten diese für ein noch atmosphärischeres Spielen aus.

Cyanid hat durch den sehr gelungenen Levelaufbau, der sein Niveau bis ans Ende des Spiels halten kann (mit einem gravierenden Schnitzer – dazu gleich mehr), geschafft, dass man so gut wie nie schnell durchrennen kann, ohne dass man gesehen, von Wachen ergriffen oder erschossen wird. Die Wachen sind dabei, grade in der letzten Hälfte des Spiels, gut positioniert und man überlegt oft zweimal, ob man lieber den offensichtlichen Weg nimmt oder einen möglicherweise besseren Alternativen Weg. So wird man als Spieler immer wieder dazu gebracht, sich langsam fortzubewegen und sich in den einzelnen Zonen genauer umzusehen.

Ein Klon für dich, ein Wurfmesser für dich...
Styx: Master of Shadows im Test. (2) Quelle: PC Games Styx: Master of Shadows im Test. (2) Damit wir nicht völlig wehrlos dastehen, hat Styx eine breite Palette an Möglichkeiten, Gegner zu töten oder abzulenken. Standardmäßig können wir uns prima mit dem Dolch an den Wachposten vorbeimurksen. Das das geht, ist auch den Licht- und Schattenverhältnissen im Spiel zu verdanken, die uns standardmäßig, wie in Thief, als Rückzugsort dienen, um Räume ungesehen zu inspizieren oder uns an Wachen vorbeizuschleichen. Stört uns das Licht von Fackeln, können wir diese durch aufgesammelten Sand aus der Ferne löschen, oder wir schleichen uns einfach an und löschen diese aus der Nähe – nur gesehen werden sollte man dabei nicht.

Gadgets wie das Wurfmesser dienen uns zum Töten der Soldaten aus der Ferne. Nervt uns also eine Patrouille, können wir diese z.B. auch von oben mit einem Wurfmesser ausschalten – so lange sie nicht zu stark gepanzert ist. Die Leiche können wir dann im "Hitman-Stil" aufheben und in Kisten oder dunklen Plätzen verstauen, um nicht Gefahr zu laufen, dass sie möglicherweise entdeckt wird. Ablenkungsmanöver sind die weniger offensivere Variante. Entweder können wir die Aufmerksamkeit einer Wache durch einen gezielten Pfiff erlangen oder wir schicken einen unserer Klone los, mit denen wir Wachen ablenken, Fallen stellen oder auch Schalter betätigen können.

Die Möglichkeiten machen das Erlebnis des nackten Stealth-Gameplays nochmals um einiges besser. So kann man Wachen austricksen, indem man sich auf einem schmalen Grat zwischen Entdeckung und Nicht-Entdeckung befindet. Wachen haben nämlich insgesamt drei Wahrnehmungsstufen. Die Gelbe sagt aus, dass sie uns kurz gehört oder gesehen haben – alles bleibt beim Alten. Die Orangene sagt aus, dass wir uns möglicherweise zu lange haben blicken lassen (oder durch Stühle umrennen zu laut) – die Wachen werden dann von ihrer normalen Route abweichen und uns dann versuchen aufzuspüren. Rot ist die schlechtmöglichste Wahrnehmungsstufe: die Wachen haben uns klar gesehen oder gehört und greifen uns mit allen Mitteln an. Jetzt heißt es Flüchten… Oder kämpfen?

En Garde, doofer Wachposten!
Styx: Master of Shadows im Test. (3) Quelle: PC Games Styx: Master of Shadows im Test. (3) Heißt es kämpfen, müssen wir uns gegen Armbrüste oder Schwerter zur Wehr setzten, je nachdem wen wir zu sehr auf den Senkel gegangen sind. Hierbei wird dann eine Art Minispiel gestartet, in dem wir in einem bestimmten Muster einfach nur per Tastendruck die Schläge parieren. Ist die Wache weniger stark gepanzert, kann man sie nach einer Parade töten, andere Kaliber brauchen entsprechend mehr und bei den Inquisitoren sollte man erst gar nicht versuchen den Dolch zu heben – die Kerle töten einen sofort mit einem Schlag. Gut so! Hätte Styx sich mal nicht blicken lassen und hätten wir uns mal besser fortbewegt.

Die KI der Gegner (von Mensch bis hin zu Goblins) ist alles in allem ordentlich. Grade was das Hören betrifft, ist jeder Feind ernst zu nehmen. Laufen wir einfach an Wachposten vorbei, merken die das sofort und versuchen uns ausfindig zu machen. Auch das Sehen fällt den Gegnern größtenteils nicht schwer. Laufen wir nicht im Schatten (das Goldharz-Tattoo von Styx leuchtet dann nicht (!) auf, anders als im Schatten - Sam Fishers Infrarotbrille lässt grüßen) werden wir von jedem Gegner, der uns nicht den Rücken zu wendet zumindest bemerkt. Auch wenn wir Fackeln löschen, lassen sich das einige Wachen nicht gefallen und zünden diese kurzer Hand wieder an. Wer ganz dreist im Dunkeln vor einer Wache rumläuft, darf sich nicht beschweren, sofort aufgespießt zu werden.

Doch auch wenn man der KI wirklich hoch anrechnen muss, dass sie uns immer wieder zwingt, vorsichtig und umsichtig zu agieren, hat sie auch ein paar Aussetzer. Wie bereits erwähnt, kann uns jeder Feind in drei Stufen wahrnehmen. Werden wir also von einem Gegner bemerkt und er weicht seiner normalen Laufrichtung ab, dann fehlt es diesem häufig an Konsequenz. Wir können uns so häufig in Schränken verstecken, die kaum mehr fünf Meter von der Leiche wegliegen und die nachsehende Wache gibt nach ein bisschen rumstehen und zu allen Seiten gucken bereits auf. Auch wenn wir Türen öffnen, werden wir nicht bemerkt, egal wie nahe die Gegner dran stehen. Immerhin sind das nur einige wenige Ausnahmen, da es auch wieder Wachen gibt, die dann mal Schränke durchsuchen und mal kurz unter Tischen nachsehen.

Gnade zeigen wird belohnt
Styx: Master of Shadows im Test. (4) Quelle: PC Games Styx: Master of Shadows im Test. (4) Jede der acht Aufträge wird am Ende mit einem Bilanzbildschirm belohnt. So können wir haargenau sehen, wie viele Wachen uns nicht gesehen haben oder auch wie viele wir getötet haben. Die Zeit wird uns ebenfalls angerechnet. Wofür eigentlich in den Missionen niemanden töten? Ganz einfach: man wird am Ende des Levels sonst nicht zusätzlich belohnt. Insgesamt vier Medaillen kann man sich für jede Mission sichern, beileibe nicht alle kann man in einem Rutsch kriegen. So gibt es je eine Medaille für das Abschließen einer Mission, wenn man niemanden tötet, nicht gesehen wird, das Level in der angegebenen Zeit beendet und alle Medaillons aufsammelt. Dafür winken uns Fertigkeitenpunkte, die wir uns auch noch über die Missionsziele und Nebenmissionen verdienen können. Nebenmissionen? Ja, richtig gelesen. Während wir in jedem Level immer ein Hauptziel haben, gibt es immer wieder auch Nebenmissionen zu erledigen. So müssen wir mal Dokumente aufsammeln und dafür mal Umwege in Kauf nehmen oder Artefakte finden.

Mit den Fertigkeitenpunkten kann man im Versteck, quasi dem Hotspot des ganzen Turms, seine Fertigkeiten aufwerten bzw. eben diese erlenen. Insgesamt sechs Kategorien stehen uns am Anfang zur Verfügung, die siebte wird erst beim Vervollständigen der anderen freigeschaltet. In den sechs Kategorien können wir z.B. Punkte in unsere Schleichfertigkeit investieren und machen uns so Unsichtbar. Wer auf Duelle gegen Wachen steht, darf sich z.B. das Zeitfenster in denen man Paraden erfolgreich ausführen kann erhöhen. Sollte Styx einfach mal bessere Moves zum töten draufhaben, wie wäre es, wenn man Punkte in die Fertigkeiten investiert, Gegner um Ecken zu töten oder aus der Luft abzustechen. Viele Fertigkeiten, die man einsetzt, brauchen noch zusätzlich Goldharz. Diese Droge bekommen wir aus Fläschchen, die wir auch im Versteck sammeln können, oder wir stehlen diese den Wachen.

Technik und andere Macken
Styx: Master of Shadows im Test. (4) Quelle: PC Games Styx: Master of Shadows im Test. (4) Die Technische Seite des Spiels ist, um es mit anderen Worten zu sagen, eher Last-Gen als Current-Gen – zumindest, wenn man die Konsolen-Version in Betracht. Zwar sieht die spielerisch identische PC-Version auch nicht taufrisch aus, hat aber keine Probleme mit den Texturen. So sind während des Spieldurchgangs auf der PlayStation 4 (getestet) die immer wieder aufflackernden Texturen aufgefallen, die uns während unserer Schleicheinlagen begleitet haben. Das ist störend und hätte nicht sein müssen, da die PC Version ohne diese Macke auskommt und das Spiel beileibe kein Grafikwunder ist. Der Hauch an Steam-Punk-Design und die stimmungsvolle Atmosphäre begeistern zwar, trotzdem sind neben den teilweise verwaschenen Texturen die Mimik und Gestik der Charaktere sehr altbacken und hölzern. So wirken Nebencharaktere im Spiel teils eher wie leblose Puppen.

Was die Steuerung betrifft, ist einzig das klettern eine Tortur. Zwar will man den Spieler nicht wie in Assassin's Creed z.B. in diesem Element überfordern, trotzdem funktionieren bestimmte Sachen häufig nicht wie sie sollen. So kann Styx immer nur sehr hoch springen, was das perfekte Springen an Greifhaken teilweise eher zu Slapstick Einlagen verkommen lässt, wenn man nicht rechtzeitig einschätzen kann, ob Styx so gesprungen ist, dass der Greifhaken wenigstens unter ihm ist. Vorbildlich ist die Möglichkeit, dass man durch einfaches Gedrückthalten der Springen-Taste Styx dazu bringt, sich nicht an Mauern hochzuziehen, sondern dort entlang zu hangeln. Hilfreich, wenn man sich an Wachposten vorbeischleichen muss. Anders hingegen sieht es aus, wenn man sich fallen lassen will. Das funktioniert nämlich nicht, wenn wir nicht grade schon irgendwie dranhängen. Sprich: Wir müssen erst an die Kante springen.

Dass das dann auch wieder in kuriosen Toden enden kann, ist nichts Ungewöhnliches. Wollen wir z.B. gradlinig nach unten fallen, so hängt sich Stxy immer an irgendeiner Kleinigkeit fest. Meist ist das angedachte Timing dann zerstört und man wird entdeckt. Eine Ähnliche Funktion, wie beim Springen wäre gut gewesen. Die restlichen Steuermechanismen von Styx klappen aber problemlos und funktionieren in der Regel so wie sie sollen. Eine Speicher-Funktion erspart dahingegen auch unnötigen Frust. Was den Sound betrifft, ist Styx: Master of Shadows vollkommen in Ordnung. Die Geräuschkulisse ist passend und auch die Synchronsprecher (nur Englisch) verrichten einen ordentlichen (nicht herausragenden) Job.

Backtracking vom Feinsten
Styx: Master of Shadows im Test. (6) Quelle: PC Games Styx: Master of Shadows im Test. (6) Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, im Spiel nahezu jede mögliche Zone nochmal zu verwenden, gehört in die Ecke gestellt. Im Spielverlauf, so viel sei verraten, begeben wir uns von einer Festungsanlage über mehrere Stationen in eine Bibliothek und von dort aus geht es wieder über mehrere Stationen in einen Kerker. Bis etwa kurz vor der Hälft des Spielfortschrittes sind die Gebiete jedes Mal aufs Neue auch wirklich neu und anders. Wir überlegen uns die tollsten Fluchtmöglichkeiten, schauen hinter jeder Ecke nach Geheimen Gängen und freuen uns über jedes tolle Ablenkungsmanöver. Doch dann dürfen wir wieder aus dem Kerker raus und, ja ihr habt richtig geraten, nochmal über Umwege den oben genannten groben Weg zurück. Warum das so ist, hat zum einen sicherlich auch seine logischen Gründe, dennoch stößt solches Wiederverwerten sauer auf.

Man kennt gewisse Ecken schon, will am liebsten nur noch gradlinig ein Hauptziel nach dem Anderen abarbeiten. Von der Spielzeit her beendeten wir die ersten vier Missionen mit anderthalb Stunden. Eben weil es noch Spaß gemacht hat, jeden Winkel zu entdecken – und dann setzt das Backtracking ein. Dem Spiel kann und muss man zugutehalten, dass es für sein Geld viel Spielzeit bietet und die einzelnen Missionen (Level) auch recht lang sind. Dennoch wären neue und frische Gebiete schön gewesen. Die Krone des Ganzen setzt dann der letzte Level auf. Ein Gebiet in dem wir so schon dreimal waren! Neben diesen negativen Sachen ist die Story an sich mit ihrem Plot-Twist nicht ganz so schlecht geworden. Leider sind die Ansätze vom Krieg der Menschen gegen die Elfen nur angerissen und nicht wirklich ausgereift und auch die eigentliche Kernhandlung ist teilweise ein bisschen wirr. Zudem bleiben die Nebencharaktere sehr blass, wenigstens Styx bereichert durch seine zynische Art und Weise Dialoge zu führen.

Meinung

Wertung zu Styx: Master of Shadows (PC)

Wertung:

7.3 /10

Wertung zu Styx: Master of Shadows (XBO)

Wertung:

7.3 /10

Wertung zu Styx: Master of Shadows (PS4)

Wertung:

7.3 /10
Pro & Contra
tolles Leveldesign mit sehr vielen Wegen und Möglichkeiten Gegner zu umgehen...stimmungsvolle Atmosphäre (Steam-Punk Design und allgemeines Ambiente durch Lichtstimmung)Gegner reagieren sensibel auf Geräusche und sind häufig clever positioniert...gute Soundkulisseherrlich zynischer Protagonistviele Fertigkeiten, die den Spielfortschritt bereichernSpiel ist komplett durchspielbar ohne einen Gegner töten zu müssen (Tötungen in Nebenmissionen zählen als „Aus Versehen“ in der Statistik)Spielzeit von gut 15 Stunden, wer alles haben und sehen willinteressanter Plot-Twist
… aber auch viel Backtracking ab der Hälfte des Spielsdas Klettern erfordert zwar etwas Anspruch, ist aber wegen Styx Sprunghöhe und einigen Ungereimtheiten in der Steuerung etwas fummelig… ihnen fehlt es manchmal aber an der letzten Konsequenz (lassen schnell von Styx ab oder reagieren nicht auf offene Türen)teils wirre Story und Handlungsstränge ohne wirkliche Tiefe (Krieg zwischen Elfen und Menschen)blasse NebencharaktereTexturflackern (PS4)hölzerne Gestiken, Mimiken und Bewegungen (letzteres trifft nicht auf Styx sondern vielmehr auf die Gegner – speziell Soldaten – zu)
Fazit

Trotz technischer Macken bietet Styx: Master of Shadows herrlich gutes Stealth-Gameplay.

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