The Legend of Korra im Test: Bayonetta-Macher Platinum scheitern an Avatar-Lizenz
Test
Nahezu unbemerkt, dank fehlender Werbung, schleicht sich ein weiterer Action-Titel der Bayonetta-Macher in die hiesigen Onlinestores. Dabei würde sich die Mischung aus Avatar-Lizenz und der Erfahrung von Platinum Games in Sachen actionreicher Abenteuer hervorragend ergänzen. Oder etwa doch nicht so ganz? Im Test verraten wir, wie viel Spielspaß in The Legend of Korra tatsächlich steckt.
Auf dem ersten Blick würde man The Legend of Korra vielleicht als typischen Lizenztitel abstempeln, doch es steckt durchaus einiges mehr dahinter. Hintergrund ist die Nickelodeon-Serie um Korra, neuer Avatar und Herrin über die Elemente Feuer, Wind, Wasser und Erde. Nachdem alle Bücher von Aang bereits erzählt wurden, hat Nickelodeon mit The Legend of Korra eine Fortsetzung der "The Last Airbender"-Serie geschaffen. Die comichafte Cel-Shading Grafik des Download-Titels sowie die vom Animationsstudio gezeichneten Zwischensequenzen sorgen bereits für das richtige Flair unter Liebhabern und Fans der Serie.
Quelle: Activision, Nikelodeon
The Legend of Korra im Test.
Eisig kalt ist das Wasser, in welches uns die Entwickler doch zu Beginn werfen. Die ersten Minuten zeigen auf, was Korra imstande ist ihren Gegnern entgegen zu werfen. Doch werden es zu viele, kann es ganz schön happig werden. Noch im Rausche des Prologs zum neuen Abenteuer verliert Korra alsbald durch eine Tücke all ihre Avatar-Kräfte und muss sie zunächst nach und nach wieder erlernen. Schuld ist ein alter greiser Mann, der gerne den Bösewicht mimt und dem wir kurzerhand Rache schwören. Nicht sonderlich einfallsreich, die Hintergrundgeschichte, und auch ziemlich knapp umrissen. Wer mit tiefsinnige Dialoge und Intrigen unterhalten werden möchte, sollte sich lieber den Zeichentrick im Fernsehprogramm anschauen, anstatt den Controller in die Hand zu nehmen.
Noch während des Prologs ist die Handschrift des renommierten Entwicklers Platinum Games sofort erkennbar. Hauptaugenmerk ist das intuitive Kampfsystem, welches man schon nach wenigen Minuten zu schätzen lernt. Mit zwei Tasten werden diverse Comboketten aufgebaut, die mit den vier Elementen Feuer, Wind, Wasser und Erde munter gewürzt und vermischt werden. Jede Fähigkeit hat so ihre Vor- und Nachteile was Reichweite und Effektivität angeht und so mancher Feind scheint auch eher empfindlich auf spezielle Elemente zu reagieren. Dadurch muss man bedacht in den Kampf ziehen. Zusätzlich können Angriffe geblockt werden oder Korra macht sich mit einer seitlichen Rolle kurzerhand aus dem Staub. Richtig abgestimmt, wird das Spiel dadurch in Zeitlupe versetzt und wir können effektvolle Finisher und tolle Spezialattacken von uns geben. Mit passender Medaille als Krönung nach dem erfolgreichen Kampf erinnert uns all das frappierend an die heiße Umbra-Hexe, welche derzeit im zweiten Ableger von Bayonetta auf der Wii U für Furore sorgt.
Quelle: Activision, Nikelodeon
Das perfekte Action-Kampfsystem gehört zu den besten Features des Download-Spiels.
Garniert ist das Kampfsystem mit einer zwar zumeist automatisierten, aber dennoch motivierenden Charakterentwicklung. Je nach Einsatz der Bändiger-Fähigkeiten erlernt Korra den Umgang mit Feuer, Wind, Wasser und Erde und verbessert somit die Angriffskombinationen. Dadurch entsteht im Laufe des Abenteuers recht viel Varianz im Kampf. Ebenso reizvoll sind zahlreiche Talismane, die recht teuer im Shop erworben werden können. Diese bieten über die Kampffähigkeiten hinaus zusätzliche Effekte die starken Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen. Mehr Lebensenergie, mehr Erfahrungspunkte oder andere Dinge. Gemeinerweise haben recht begehrte Effekte oft auch negative Auswirkungen. Taktische Planung ist also gefragt. Doch nicht nur die überteuerten Artikel im Shop zwingen uns zum mehrmaligen Durchspielen um Spirits zu sammeln, auch der Schwierigkeitsgrad hat es gewaltig in sich. Völlig untrainiert und ohne Korra einige zusätzliche Fähigkeiten spendiert zu haben, ist bereits der normale Durchgang ein frustrierender Gewaltakt. Hat man aber bereits ein wenig Erfahrung gesammelt und setzt Talismane sowie weitere Items geschickt ein, wird die Herausforderung durchaus machbar.
Quelle: Activision, Nikelodeon
Die seltenen Jump and Run Einlagen auf diesem Bär sind lieblos umgesetzt.
Nur leider ist es Platinum Games nicht gelungen, über das Kampfsystem und die Charakterentwicklung hinaus ein passables Spielerlebnis auf die Beine zu stellen. Nicht nur die mangelnde Story und dadurch auch eher schmeichelhafte Präsentation lässt zu wünschen übrig. Trotz des ordentlichen Kampfsystems sind die 4-5 Stunden bis zum Abspann eher ermüdend. Dies liegt vor allem an den äußerst tristen Arealen, die nicht gerade für einen Augenschmaus sorgen und geradezu leblos steril wirken. Die als Abwechslung gedachten Geschicklichkeits-Rennen mit Nora wiederum fallen eher nervig und uninspiriert aus. Selbst alte Filmumsetzungen zu Madagaskar haben ähnliche Sequenzen viel lustiger und unterhaltsamer serviert.
Die Kämpfe an sich aber können sich durchaus sehen lassen. Die Animationen der Bändiger-Fähigkeiten sind effektvoll und so mancher überdimensionierter Bossgegner beeindruckend nicht nur durch seine Masse. Alles in allem taumelt Korra aber nur von einer Kampfarena in die nächste, ohne dabei viel Aufsehen zu erregen oder großartig Erkundungen einzuleiten. Das zu verprügelnde Fußvolk wird zwar auf Dauer intelligenter, die Schergen wiederholen sich aber immer wieder – bis auf die letzten Abschnitte. Im Speziellen der finale Kampf hat es in sich und zeigt, was aus The Legend of Korra hätte werden können. Mehr davon und mehr Abwechslung und es wäre ein passables Lizenzspiel geworden!
Meinung
[RATING]
