Das größte Problem von NBA Live ist der Konkurrent NBA 2K. Wenn du gegen so ein Pfund an Qualität antreten musst, selbst aber kaum die nötige Basis hast, kannst du als Entwicklerteam eigentlich nur versagen. EA Sports hat es trotzdem versucht und wagt 2014 einen neuen Anlauf. Herausgekommen ist eine solide Simulation mit durchaus Potential.
Basketball-Action der nächsten Generation?
Es hat sich viel getan. Einige Punkte, die man in NBA Live 14 noch kritisieren konnte, nein kritisieren musste, findet man in der aktuellen Basketballsimulation von EA Sports praktisch nicht mehr. So gibt sich die Steuerung nun deutlich intuitiver, aber auch eine Spur komplexer. Neu erfunden haben die Entwickler natürlich das "Basketballspiel-Rad" damit nicht und viele der Aktionsmöglichkeiten kommen einem schon sehr bekannt vor, etwa von der direkten Konkurrenz, schlecht umgesetzt ist das Ganze aber deshalb trotzdem nicht. Schon die ersten 10, 15 Minuten, die ihr mit einem recht umfangreichen Tutorial namens Learn NBA Live verbringen werdet, welches euch sämtliche Kniffe der Umsetzung auf spielerische Art näher bringt, zeigen, wohin die Reise gehen soll. Das Motto war ganz eindeutig mit NBA Live 15 eine fordernde Simulation auf die Füße zu stellen, ohne dabei den Spieler zu überfordern. Ein hehres Ziel. Und das man sich hierbei natürlich vor allem auch beim Klassenprimus NBA 2K reichlich bedient, ist mehr als logisch. Schade dabei ist nur, dass einem deshalb eben vieles sehr bekannt vorkommt und man eine gewisse Eigenständigkeit durchaus vermisst.
Trotzdem, oder gerade deshalb, ist ein sehr gut spielbares Gameplay herausgekommen, das einem praktisch die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten einer Basketballumsetzung zur Verfügung stellt und eigentlich nur wenig Anlass zur Kritik bietet. Zumindest was den Gameplayumfang und teilweise auch die Umsetzung desselben betrifft. Die Aktionen laufen meist absolut flüssig ab und gehen auch, nach der obligatorischen Einarbeitung, entsprechend locker vom Controller. Besonders schön, dass das Feedback des gesteuerten Spielers sehr realistisch ist und man sofort das Gefühl hat, immer Herr der Lage zu sein. Da fällt es natürlich dann durchaus negativ auf, dass manche Befehle nur leicht verzögert ausgeführt werden und somit Aktionen teilweise deutlich nach dem Tastendruck auf dem Bildschirm zu sehen sind. bounceTek scheint wohl ein Jahr nach der Einführung immer noch nicht so recht funktionieren zu wollen. Zur Ehrenrettung sei aber auch gesagt, dass besagte Probleme so selten auftreten, dass dem eigentlichen Spielspaß dadurch kaum Abbruch getan wird.
Ein deutlich zwiespältigeres Gefühl hinterlässt da schon das neue Verteidigungssystem, das euch nun die Möglichkeit geben will, mit einer sehr einfach gehaltenen Steuerung die Offensivaktionen der Gegenspieler zu unterbinden. Behindern, rempeln, drängeln oder stehlen des Balles ist nun über eine simple Bedienung des rechten Sticks möglich. Funktioniert auch alles sehr gut, einziges größeres Problem: Durch diese Vereinfachung der Defensive wird sie in vielen Situationen auch sehr mächtig, häufig sogar zu mächtig. Sicher es gilt der Trainierspruch "Spiele gewinnt man in der Defensive", doch muss man deshalb die Ausgewogenheit zwischen Angriff und Verteidigung komplett aufgeben? Wie auch immer, diese Diskrepanz wirkt sich störend auf das Spielgefühl aus. Weniger, wär hier eindeutig mehr gewesen.
Quelle: YouTube / EA Sports
NBA Live 15 im Test (1)
Schöner gefällt uns da schon die sprichwörtliche Action unterm Korb. Ähnlich wie bei NBA 2K versprüht das Ganze eine gewisse Intensität. Körpereinsatz wird nicht nur gezeigt, man spürt ihn irgendwie auch und sich im Gerangel in der Zone zu Punkten zu kämpfen, macht durchaus Spaß. Auch deshalb, weil sich das alles sehr intuitiv steuern lässt, vor allem aber auch ziemlich realistisch anfühlt.
Weniger realistisch, dafür extrem hilfreich ist, dass jetzt alle wichtigen Daten eines Spielers in einer Art Kreisanzeige am entsprechenden Spieler kleben. So werdet ihr praktisch ständig über Müdigkeit, Ausdauer oder Wurfwahrscheinlich auf den Laufendenden gehalten und könnt entsprechend schnell auf Schwächen reagieren. Ist das Neu? Bei NBA Live schon, im Genre eher weniger.
Schnell, vor allem aber auch realistisch reagieren sollen laut Electronic Arts auch die von der CPU-gesteuerten Gegen- und Mitspieler. Richtig ist, dass die KI durchaus ihre Stärken hat. Sie ist enorm fordernd und in Spielen gegen die CPU, natürlich auch abhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad, kann man schnell an seine Grenzen stoßen. Richtig ist aber leider auch, dass die AI der Mitspieler immer mal wieder ihre Aussetzer hat. Gerade wenn es schnell geht, oder besser, gehen soll, dann kommt es meist zu skurrilen, kaum realistischen und häufig extrem nervigen Situationen. Statt am Fastbreak teilzunehmen, wird dann gerne einfach stehen geblieben oder im Verteidigungsspiel mal schnell der komplett falsche Mann gedeckt. Da kann der Spaß schnell flöten gehen.
Wie war das eingangs: Es hat sich viel getan. Und wirklich, es hat sich so viel getan, dass sich NBA Live mittlerweile vom absoluten Versager letztes Jahr zu einer annehmbaren Basketballsimulation dieses Jahr entwickelt hat – mit ein paar kleinen, teilweise auch nervigen Macken, meist aber auch mit einem Gameplay, das viel Spielspaß generieren kann.
Adidas Live 15
Quelle: YouTube / EA Sports
NBA Live 15 im Test (3)
Dass Electronic Arts die Verwertungsrecht an oder einen Kooperationsvertrag mit Adidas hat, wird einem schon von den ersten Minuten an klar gemacht. So penetrant und fast schon lästig hat man wohl selten ein Logo eines Sportartikelherstellers, zumindest innerhalb eines Videospieles, über den Bildschirm flimmern sehen. Wer da wohl ein paar Nebeneinnahmen generieren will? Sei es, wie es sei, wir hätten diese Dauerwerbesendung in dieser Art auf jeden Fall nicht gebraucht, richtig stören tut sie aber, das gestehen wir zu, im Endeffekt auch nicht. Und dem durchaus ansehnlichen Umfang hat sie sowieso nicht geschadet.
Vom oberflächlichen Einzelspiel namens Tip off über das Kartensammelspiel Ultimate Team bis hin zu Online-Modi im Head-to-Head-Stil bietet das aktuelle NBA Live 15 wohl für jeden die entsprechend passende Spielvariante. Herzstück ist natürlich auch bei der Basketballsimulation von EA Sports die Karriere. Wie gehabt, in den mittlerweile mehr als bekannten zwei Varianten.
Dynasty gibt euch die Möglichkeit ein ganzes Team zu managen und somit die üblichen Aufgaben abzuhandeln, wie etwa Verträge aushandeln, Spieler tauschen oder Trainingspläne erstellen. Ganz nebenbei kämpft ihr euch durch die wohl härteste und stärkste Liga der Welt, um schlussendlich, wie immer halt, in den Finals als Sieger hervorzugehen. Manch einem wird das kaum mehr als ein großes Gähnen entlocken. Und das kann noch größer werden, wenn er dann sogar noch feststellen muss, dass sich im Vergleich zum Vorjahr nur sehr wenig verändert hat. Marginalien, wie etwa die nun etwas logischer ablaufende Spielerentwicklung, gerade bei Rookies nicht unwichtig, oder die häufiger auftretenden, vor allem aber realistischer simulierten Verletzungen, mehr gibt es schon nicht. Hört sich wenig an und ist es auch. Richtig übel ist allerdings, dass wir uns stattdessen immer noch über die triste Präsentation ärgern müssen, die viel zu verstaubt wirkt, um uns wirklich ins Managerleben hineinzuziehen. Ja, seit NBA 2K15 sind wir verwöhnt und können uns für die Baukastenkarriere a la NBA Live 15 nur noch wenig begeistern.
Apropos Baukastenmodus. Dieser erwartet euch leider auch bei Jordan Rising Star, der zweiten Variante des Karrieremodus. Die persönliche Laufbahn von NBA Live 15 lässt eigentlich alles vermissen, was wir mittlerweile vom direkten Genrekonkurrenten gewöhnt sind. Es gibt keine wirkliche Story und auch keine mitreißende Präsentation, stattdessen müssen wir uns mit vielen trockenen Daten und einem ziemlich vorhersehbaren Ablauf herumquälen. Schade eigentlich, denn grundsätzlich hätte die Spielerkarriere durchaus auch ihre guten Seiten. Etwa die durchaus passende Leistungsbewertungen nach einem Spiel eures Alter Egos oder das logisch aufgebaute, vor allem aber auch fordernde Skillsystem. Sehr gut gefallen haben uns auch die schier unendlichen Möglichkeiten bei der Spielererstellung, die praktisch kaum mehr Wünsche offen lassen. Da ist es umso ärgerlicher, dass der besagte Rest hier irgendwie nicht mithalten kann und man praktisch schon nach wenigen Minuten aufgrund dessen, und auch weil man mittlerweile anderes kennt, die Lust am Spielen verliert.
Dafür macht es dann schon deutlich mehr Spaß sich im "neuen" Bereich Live Season zu tummeln. Unter den Menüpunkten Big Moments, Hot Spot und NBA Rewind könnt ihr Matches der aktuellen Saison, teilweise des aktuellen Tages, oder der gesamten NBA-Geschichte nachspielen. In diesem Herausforderungsmodus geht es dann darum, welch Überraschung, bestimmte Vorgaben möglichst gut und genau zu erfüllen. Je besser ihr dies schafft, desto mehr Punkte gibt es auf euer Konto. Und ein hoher Kontostand ermöglicht euch wiederum den Kauf von entsprechenden Boni bzw. Goodies für euren Spieler oder euer Team. Nachteil dieses Modi: Bei praktisch jedem Neustart schaufelt er sich scheinbar Unmengen von neuen Daten auf die Festplatte, was abhängig vom Netzanschluss durchaus dauern kann, und besonders neu oder gar innovativ ist Live Season halt auch nicht – aber dieses Problem zieht sich irgendwie durch das gesamte NBA Live 15.
Quelle: YouTube / EA Sports
NBA Live 15 im Test (2)
NBA 2K ist noch weit voraus
Kommen wir zur Technik – und damit ebenfalls zu teilweise bekannten Problemen. Sicher insgesamt kann die Präsentation der Spiele schon gefallen, schließlich gibt es eine Fernsehübertragungstypische Aufmachung, viele Details auf und neben dem Court und auch die integrierten Zuschauer waren bei NBA Live schon mal schlechter. Nett auch, dass die Spielstätten teilweise von außen gezeigt werden und durch unzählige Zwischensequenzen zumindest ein Hauch von realem Basketball im heimischen Wohnzimmer zu fühlen ist. Gut gelungen ist auch das Design der Spieler, sowie deren Animationen, so dass der berühmte Wiedererkennungswert der Stars gegeben ist und auch selbsterstellten Spieler nicht wie aus dem Setzkasten wirken. Soweit haben die Entwickler ihre Arbeit also getan. Wo sind also die bekannten Probleme? Zum einen, dass NBA Live 15 trotzdem noch Welten von einem NBA 2K entfernt ist und nicht annähernd mit dem Genreprimus mithalten kann – alles wirkt einfach zu blass, zu langweilig und zu Last-Gen. Zum anderen, gibt es einfach technische Macken, die man so bei einem aktuellen Next-Gen-Titel nicht mehr sehen will. Etwa die ewig langen Ladezeiten. Oder die ständigen Clippingfehler. Auch die Kollisionsabfrage hätte in bestimmten Situationen besser sein können. Wenigstens ist die Framerate meisten stabil und nur selten konnten wir, vor allem bei Zwischensequenzen, beobachten, dass die Engine ins Stocken gerät.
Und was ist mit dem Sound? Die Musik bleibt, wie gehabt, Geschmacksache. Weniger Geschmacksache ist es allerdings, ob man den Kommentar und die Fanunterstützung als gut bezeichnen will. Und wir wollen nicht – zumindest wenn es um das Reportergespann geht. Selbiges beschreibt die Spielsituation zwar teilweise recht gut, bringt das Ganze aber extrem Emotionslos über den "Äther" und wiederholt sich mit seinen Floskeln viel zu schnell. Spätestens nach einem halben Dutzend an Spielen hat man alles gehört und schaltet die einschläfernden Plaudertaschen aufgrund des berühmt berüchtigten Anöd-Faktor dann doch lieber ab. Etwas besser kommen da schon die anderen Soundeffekte. Spieler, Trainer und Zuschauer lassen es deutlich hören, ob sie mit ihrer Leistung bzw. mit der Leistung des Teams zufrieden sind. Das bringt zumindest etwas Stimmung in die Hallen. An die Qualität eines NBA 2K15 kommt aber auch diese Akustik nicht annähernd heran.
