CoD Advanced Warfare: Call of Duty: Advanced Warfare im Test: Ein Sprung in die Zukunft
Test
Call of Duty ist in diesem Jahr richtig gut ausgefallen: Mit Advanced Warfare macht Activision nicht nur technologisch einen großen Schritt nach vorn, sondern verändert zum ersten Mal seit Jahren auch das Gameplay. Selbst die kritischen Untertöne der Kampagne überraschen.
Wenn man Call of Duty eines vorwerfen kann, dann die jahrelange Verweigerung der Macher in Sachen Innovation. Die Serie mag vieles im Shooter-Bereich umgekrempelt haben. Aber im Prinzip hat sich die Serie selbst nur zweimal überholt: Mit Call of Duty 2 schuf Activision ein monumentales Blockbuster-Feuerwerk. Und mit Modern Warfare legten sie den Grundstein für jeden modernen Shooter. Seitdem spult Activision jedes Jahr dasselbe Programm ab. Einen kleinen Skandal, viel Armee-Pathos für den amerikanischen Zuschauer und Action im Schlauch am laufenden Band.
Quelle: Activision
Hübsche Grafik: zeit wurde es ja für eine neue Engine!
Advanced Warfare krempelt das Activision-Rezept nicht komplett um. Doch der Shooter ist in seiner näheren Vergangenheit ziemlich einzigartig. Da wäre zu allererst die Technik! Nach dem etwas traurigen Versuch, Ghost für Old-Gen und New-Gen gleichzeitig zu portieren, hat Sledgehammer das Zepter übernommen und ein richtiges New-Gen-Spiel erschaffen. Das spürt man und sieht man. Die Grafik ist hochauflösend, die Texturen endlich hochwertig und die Karten weniger statisch. Auf manchen gibt es sogar Ingame-Events. Auf einer Multiplayer-Karte gibt es einen Taifun-Alarm, anschließend sind Abschnitte der Map unter Wasser. Das lockert das Spielgeschehen endlich mal etwas auf und macht die Karten dynamischer.
In der Kampagne spürt man den technologischen Vorsprung beim hochrealistischen Motion Capturing. Vor allem die Hauptcharaktere sind erstklassig gespielt. Herausragend gut ist Hollywood-Schauspieler Kevin Spacey. Er übernimmt die Rolle des fadenscheinigen Multimilliardärs Jonathan Irons. Sie ist ihm wie auf den Leib geschneidert und wirkt wie ein verlängertes Engagement des Politdramas "House of Cards". Als wäre der machthungrige Frank Underwood nach seiner Zeit als Präsident direkt weitergezogen ins Militärgeschäft.
Kritische Untertöne?
Quelle: Activision
Könnte direkt aus House of Cards stammen: Bösewicht Jonathan Irons, brillant gespielt von Kevin Spacey.
Ein Novum im sonst so pro-militärischem Call of Duty sind kritische Untertöne. Irons und seine Private Military Company (aka Privatarmee) Atlas Corporation wollen die Welt unterjochen. Was ist da naheliegender, als sich den Regierungen der Welt anzubiedern und immer mehr Verteidigungsaufgaben "extern" zu übernehmen? Der böse Plan: Am Ende sind die Länder nicht mehr imstande, sich ohne die Hilfe von Atlas zu wehren. Das Thema ist hochbrisant: Gerade in Amerika ist Outsourcing an private Sicherheitsfirmen aktuell wie nie. Gäbe es nicht die öffentlichkeitswirksamen Skandale um Blackwater und die Privatisierung amerikanischer Gefängnisse, wüsste vermutlich niemand um die Gefahren eben dieser. Peu à peu geben Regierungen ihre hoheitlichen Aufgaben an Privatfirmen ab – die dadurch mächtiger werden und eine Schattenjustiz auf die Beine stellen. Dass Sledgehammer sich an die Thematik ran traut, obwohl PMCs in Militär und Gesellschaft viel Rückhalt genießen, ist dem Team hoch anzurechnen. Ein wenig "Gesellschaftskritik" schwingt mit in diesem Jahr.
Der Rest folgt jedoch dem gängigen Bild: Viele Explosionen, viele Schlauchelemente, dafür aber komprimierter Spielspaß. Advanced Warfare hat seine lächerlichen Momente. Etwa als der Spieler nach dem Intro am Grab seines besten Freundes steht und das Spiel einen auffordert "Press X to pay respect." Danach dreht man sich um, Salutschüsse werden abgefeuert. Gänsehaut pur – wenn man auf solche Symbolik steht. Am Ende muss das glorreiche US-Militär zur Hilfe eilen und den größenwahnsinnigen Irons stoppen. Die Zielgruppe liebt's.
Ab und zu überrascht Advanced Warfare aber sogar. Da kann man plötzlich Schleichmissionen auf mehrere Arten begehen, sich seinen eigenen Weg suchen. Ein cooles Gadget hierfür ist ein Enterhaken, mit dem man sich quer über die Karte hangeln kann. Schade, dass man den nur in ganz wenigen Missionen verwenden kann.
Neue Beweglichkeit durch Exo-Skelette
Quelle: PC Games
Irres Movement: Der Exo-Suit verändert das Gameplay total.
Die wichtigste Neuerung im Gameplay stellt der Exo-Suit dar. Mit ihm können Advanced-Warfare-Spieler Doppelsprünge machen, superschnell zu den Seiten ausweichen oder etwas schweben. Im Multiplayer eröffnet das Skelett völlig neue Spielweisen: Call of Duty: Advanced Warfare ist plötzlich viel vertikaler als sonst. Auf viele Hausdächer gibt es nun dutzende Wege. Wo früher nur eine Leiter war, die man als Camper im Auge behalten musste, können Gegner nun aus allen Richtungen herbeispringen. Das bringt Dynamik in das knochentrockene Online-Gameplay. Neue Spielmodi wie Uplink, in denen Teams jeweils dafür Punkte bekommen, wer ein Gebiet zu einem bestimmten Zeitpunkt hält, unterstreichen den Fokus auf hochdynamisches Gameplay. Aber auch der aus den Vorgängern bekannte Modus "Kill Confirmed" ist beliebt und profitiert von den Bewegungs-Fähigkeiten der postmodernen Anzüge.
Anders als im Vorfeld befürchtet, verändern die Exo-Suits das Multiplayer-Geschehen kaum zum Negativen. Der Mehrspieler wird sogar etwas mehr wie Titanfall – wobei natürlich Features wie Wallrunning fehlen. Auch Freemium-Angebote für Waffendrops haben wir bislang nicht gefunden. Die gibt es nämlich als Sondereditionen in Lootkisten. Die bekommt man als Belohnung nach erfolgreichen Spielrunde und kann sie am Ende öffnen, wie ein Battlepack in Battlefield 4. Darin finden sich vorgefertigte Waffen mit Aufsätzen und bestimmten Pros und Kontras. Wer Glück hat, kann so schon ohne Spielerfahrung eine High-End-Waffe "gewinnen". Anders als befürchtet setzt Activision nicht auf Micropayments – gut!
Ein großes Ärgernis sind bislang die unterschiedlich performanten Server. Entgegen vorheriger Aussagen laufen nicht alle Matches auf dedizierten Servern von Activision oder Sledgehammer, sondern sind zum Teil Peer2Peer-basiert. Ein riesiger Fehler! Auf dem PC öffnet das Tür und Tor für Cheater und auf Konsolen, ist die Migration des Hosts ein ganz großer "Pain in the Ass". Insgesamt läuft der Multiplayer aber auf Konsolen sehr solide, Sledgehammer hat die Probleme darin wohl besser im Griff.
Quelle: Activision
Multiplayer-Gefechte gehen in die Luft - durch Jetpacks.
Der Koop-Modus rundet das Paket ab
Epische Blockbuster-Kampagne? Check. Rasanter Multiplayer? Check. Was fehlt? Klar, ein Koop-Modus. Den gibt es auch in Advanced Warfare. Er beschränkt sich jedoch auf relativ lieblose Gefechte gegen Wellen von Gegnern. Der graduierte Story-Aspekt der Vorgänger? Passé. Spaß hat man im Koop aber dennoch. Die Wellen steigen im Schwierigkeitsgrad rasant an und sind eine nette Herausforderung zwischendurch. Typisch Call of Duty eben: Nicht neu, nicht innovativ – aber trotzdem gut genug, um sie mit den richtigen Freunden immer wieder neu zu besuchen.
