Battlefield Hardline: Battlefield Hardline in der Vorschau: Kampagne des Polizei-Shooters angespielt

Special Sandro Odak
Hände hoch, Polizei: Wir haben in bei Electronic Arts in London die Kampagne von Battlefield Hardline anspielen können.
Quelle: EA

Visceral Games lässt sich besonders viel Zeit mit Battlefield Hardline: Von Oktober 2014 wurde der Polizei-Shooter auf 2015 verschoben. Wir haben bei einem Preview-Besuch überprüft, ob sich die längere Wartezeit lohnt und konnten die Kampagne anspielen. Die versteht sich als Cop-Movie in zehn Episoden und erinnert an Blockbuster wie "Stirb langsam".

Bevor die Mission losgeht, erfahren wir von Steve Papoutsis, dem General Manager von Visceral Games, dass wir zwei Episoden von Battlefield Hardline spielen können. Eine steht am Anfang der Kampagne, die andere relativ am Ende. Was sie unterscheidet: Zu Beginn ist Nick Mendoza noch ein Cop. Doch im Verlauf der Geschichte passiert etwas, das ihn und seine Partnerin die Seiten wechseln lässt. Eine Verschwörung und korrupte Kollegen lassen es aussehen, als gehöre Mendoza zu den Bösen. Aber wird er wirklich zum Verbrecher? "Wer weiß", deutet Papoutsis an.

Auf den Straßen Miamis
Auf Patrouille durch die Vororte von Miami: Eine neue Modedroge überschwemmt die Stadt. Quelle: EA Auf Patrouille durch die Vororte von Miami: Eine neue Modedroge überschwemmt die Stadt. In der ersten Mission sind Mendoza und seine Partnerin noch ganz brav. In einem Zivilfahrzeug fahren sie Streife durch ein heruntergekommenes Armutsviertel Floridas. "Miami geht den Bach runter", kommentiert die Fahrerin, als die zwei an einer verwirrten Frau vorbeifahren, die auf ihrem Mülleimer rumhämmert. Ja, Miami geht wirklich den Bach runter, und diese zwei Detectives sind da, um hinterher aufzuräumen. Einst könnte dieses Viertel mal von der gehobenen Mittelschicht bewohnt gewesen sein. Weiße und graue Holzhäuser stehen dort, jedes mit kleinem Vorgarten und viel Platz hinterm Haus. Heute ist die Gegend das Revier von Gangs und Drogenbanden. Ein paar zwielichtige Gestalten nicken zu den Cops rüber, schreien irgendeine Beleidigung auf Spanisch – man kennt sich. Einer macht sogar einen SWAT-Witz: Er lehnt an seinem Gitterzaun und trinkt Alkohol in der Öffentlichkeit. Eigentlich bräuchte er dafür eine braune Papiertüte. "Na und! Was wollt ihr machen? Das SWAT rufen?" Trauriger Alltag, das passiert in den Vereinigten Staaten tatsächlich. Aus den Häusern dringen dumpfe Geräusche. Fernseher, Musik, Babygeschrei. Bis auf ein paar dumme Sprüche spielt sich der Anfang der Mission aber wie eine sehr, sehr lange Zwischensequenz.

Im Auto sind die beiden zu auffällig. Deshalb geht es zu Fuß weiter. Vor der Mission haben sie einen Auftrag bekommen: Lawrence Kent finden. Er soll mehr über "Hot Shot" wissen, eine neue, billige Superdroge auf den Straßen Miamis. Solche Aufträge gibt es vor jeder Mission. In bis zu drei Fällen kann man parallel ermitteln. Manche ziehen sich über mehrere Episoden, manche sind optional. Wer zum Beispiel einen Tatort nicht gut genug durchsucht und ein Beweisstück übersieht, vermasselt die Ermittlung. Als Belohnung soll es Battlepacks geben, erklärt Papoutsis. Also Waffen und neue Ausrüstung.

Hände hoch, Polizei!
Leise anschleichen oder wild ballern? Hardline unterscheidet zwischen Good Cops und Bad Cops. Quelle: EA Leise anschleichen oder wild ballern? Hardline unterscheidet zwischen Good Cops und Bad Cops. Dann wird es jedoch actionreicher. Vor einem Haus stehen zwei Verdächtige, die uns den Aufenthaltsort von Kent verraten können. Mendoza muss sich allein anschleichen, die zwei kennen seine Partnerin und könnten fliehen, wenn sie ihnen zu nahe kommt. Als der junge Cop dann nah genug dran ist, zieht er seine Marke aus der Jackentasche, hält sie wie einen Schutzschild vor sich und schreit: "Hände hoch, Polizei! Auf den Boden!" In solchen Momenten kann man mehrere Gangster gleichzeitig verwirren. Wenn sie in kleinen Gruppen unterwegs sind, hören sie auf Befehle, haben Respekt vor der Dienstwaffe, die ihnen Mendoza zur Sicherheit auch gleich mit ins Gesicht hält. Sobald er versucht, einen der zwei Verdächtigen Handschellen anzulegen, sieht man aber bereits einen Balken größer werden. Der symbolisiert die Bereitschaft des anderen Verdächtigen, entweder zu fliehen oder den Polizisten anzugreifen. Doch Mendoza ist schnell – sobald er seine Waffe auf den übriggebliebenen Einzelgänger richtet, fällt dem das Herz in die Hose und er gibt auf.

Solche Festnahmen funktionieren nur, solange nicht zu viele Gegner zusammen stehen und solange es keine aggressiven Gewalttäter sind. Wer schon eine Waffe in der Hand hat, lässt sich nicht von Polizeimarken beeindrucken. Und wenn zu viele Gegner auf einem Haufen stehen, wirkt die Verwirrtaktik nur kurz. Dann muss man schnell und beherzt eingreifen, den Schlagstock ziehen und das Überraschungsmoment ausnutzen. Nach wenigen Schocksekunden merken die Gangster nämlich, dass sie in der Überzahl sind – und greifen einfach selbst an.

Schleichmechanik und Detective Mode
Mit der Überwachungs-Kamera horchen wir Verdächtige ab und untersuchen Tatorte. Quelle: EA Mit der Überwachungs-Kamera horchen wir Verdächtige ab und untersuchen Tatorte. Der Polizei-Teil der Kampagne bietet viele Gelegenheiten, sich mal nicht als Rambo zu zeigen, sondern schlau zu taktieren. Das Spiel unterscheidet zwischen zwei Aktionsmodi: Loose Cannon und Perfektionist. Wer den zweiten Weg einschlägt, nimmt Verdächtige lautlos fest, knockt sie im schlimmsten Fall aus oder betäubt sie mit einem Taser. Der "Bad Cop" hingegen zieht von Anfang an alle Register: Schnellfeuergewehre, tödliche Munition und ein Messer gehören zu seinem Standardausrüstung. Steve Papoutsis: "Wir bieten zwar grundsätzlich zwei Wege an, aber wir wollen den Spieler schon dazu ermutigen, der gute Cop zu sein." Dafür gibt es eine Schleichmechanik. Geduckt ist man schwieriger zu erkennen und bewegt sich auf leisen Sohlen. Gegner haben richtige Sichtkegel spendiert bekommen, die auf der Minimap eingezeichnet sind. Und als einer mal den Weg versperrt, kommt ein Ablenkungsmanöver zum Einsatz: Mendez schnappt sich eine leere Patronenhülse und schnippt sie an die Wand gegenüber. Der Gegner hört es und läuft ums Eck, um nachzusehen. Das gibt uns Zeit, hinter seinem Rücken durch die Tür vorbei zu schleichen.

Am Ende der Mission haben wir einen Verdächtigen hops genommen und benutzen ihn als Köder. Verkabelt schicken wir ihn ins Drogenversteck – er soll Geständnisse aufnehmen. Vom Dach gegenüber guckt das Polizeiteam zu - durchs Objektiv einer Nachtsichtkamera. Sie ist das Battlefield-Äquivalent von Batmans Detective Mode. Feinde lassen sich mit der Kamera markieren und per Richtmikrofon ausspionieren. Außerdem können wir mit der Hightech-Kamera Gesichter scannen und durch den Polizei-Computer jagen. Hat einer einen ausstehenden Haftbefehl, gibt es Extrakohle aufs Polizistenkonto. Eine Fangprämie sozusagen.

Am Ende der Mission, nachdem wir eine wilde Schießerei überstanden haben, untersuchen wir auch den Tatort mit der Kamera. Erst mithilfe der grünen Infrarotsicht werden Beweisstücke sichtbar. Drei Stück müssen wir einkassieren – einen Sack mit Drogen, einen Auszug aus einem Büchlein und Daten aus dem Computer. "Nur in der ersten Mission liegen alle Beweisstücke in einem Raum nebeneinander. In anderen Missionen muss man höllisch aufpassen, um Beweise nicht zu übersehen. Sie können nämlich überall liegen", warnt Papoutsis.

Wie eine Polizeiserie
Protagonist Nick Mendoza wechselt die Seiten: Er tappt in eine Verschwörung und wird vom Cop zum gejagten Verbrecher. Quelle: EA Protagonist Nick Mendoza wechselt die Seiten: Er tappt in eine Verschwörung und wird vom Cop zum gejagten Verbrecher. Schnitt. Das war Episode eins. Zehn soll es insgesamt geben. Die Missionen heißen Episoden, weil sie sich wie Folgen einer Polizei-Serie anfühlen sollen. Eingeläutet werden sie oft von Deborah Kraft, der Nachrichtensprecherin von Sky5 News, die man bereits aus Trailern kennt. Battlefield Hardline spielt in Miami und Los Angeles, daneben gibt es noch Missionen in den Randgebieten der jeweiligen Städte, im Death Valley und den Everglades. Die zweite Hälfte der Kampagne verbringt man jedoch damit, von Polizei und Drogenbossen gleichzeitig gejagt zu werden. Eine Verhaftung läuft schief, seitdem denkt das Miami Police Department, dass Mendoza ein gekaufter Cop ist. Von jetzt an gilt es, das Gegenteil zu beweisen. Und zwar ganz schön rabiat.

In Episode 9 sollen wir in das Luxus-Apartment des Bösewichts einbrechen, um belastendes Beweismaterial aus seinem Safe zu stehlen. Jetzt wird's perfide: Die Good Cop/Bad Cop Unterteilung ist immer noch vorhanden. Wer für die Mission ein kleines MG einpackt, verdient damit "Loose Cannon"-Punkte. Wer hingegen eine schallgedämpfte Pistole im Holster hat, sammelt auf dem Perfektionist-Konto. Verwirrend, denn in beiden Fällen sterben die herbeirauschenden SWAT-Einheiten. Steve Papoutsis erklärt: "Wir arbeiten noch an den exakten Bezeichnungen und an der Balance dieses Features." Aber der Polizeitenor verändert die Battlefield-Thematik viel grundsätzlicher. Es gibt zwar ein Moralsystem, aber so recht will es nicht in das Kriegssetting eines Battlefield passen.

Erstürmung einer Festung
Mendez ist im Team mit zwei Kollegen unterwegs - anders als die Gegner sind sie aber nicht mit einer Über-KI gesegnet. Quelle: EA Mendez ist im Team mit zwei Kollegen unterwegs - anders als die Gegner sind sie aber nicht mit einer Über-KI gesegnet. Während Episode 1 noch eine Art Aufwärmübung war, in der man die Steuerung von Hardline beigebracht bekommt, katapultiert Episode 9 den Spieler in einer der schwersten Missionen überhaupt. Als Gangster müssen wir das gesamte Repertoire von Mendez Möglichkeiten ausnutzen, um den schwerbewaffneten Waffen des Spielbösewichts aus dem Weg zu gehen. Möglichst unerkannt sollen wir in sein Loft-Apartment einbrechen. Die ersten Wachmänner lassen sich noch von der Polizeimarke beeindrucken und kommentarlos festnehmen – obwohl Mendez gar kein richtiger Polizist mehr ist. Doch weiter drin im Gebäude wird es schwer. Mit vielen Ablenkungsmanövern, Schleichtaktiken und Tasern gelangen wir auf unwahrscheinlich dämlichem Weg nach oben. Ein eigener Fahrstuhl führt in die Luxusbude, er ist aber an ein Alarmnetz angeschlossen. Die smarteste Idee: Einen Rohrbruch einfädeln, damit der Liftschacht unter Wasser steht und wir bis zum Dach tauchen können. Wait, what?!?

Oben wird es noch abstruser – und ziemlich knifflig. Plötzlich tauchen von allen Seiten SWAT-Leute auf. Mendez und seine Komplizen ballern auf sie – obwohl sie immer noch Polizisten sind. Unlogisch, denn mit einem Schnellfeuergewehr im Anschlag hat noch niemand seine Unschuld bewiesen. Anders als seine Vorgänger ist Hardline aber ein harter Brocken. Die schweren Einheiten halten viel aus, Mendez hingegen ist nach wenigen Treffern tot. Und die Battlefield-Logik "je größer die Waffe, desto mehr Schaden" scheint nicht mehr zu gelten. "Handfeuerwaffen und Pistolen sollen sich wertig anfühlen. Sie sind deshalb besonders stark", erklärt der Producer. Klar, das passt besser zum Polizei-Image, als eine abgesägte Schrotflinte…

Die Gegner preschen sternförmig auf die Position unseres Teams zu. Haben sie uns entdeckt, bricht die Hölle los. Die schweren Holzmöbel, hinter denen wir uns verstecken, zerbersten in tausend Einzelteile. Glas, Keramik und Fliesen gehen zu Bruch. Es ist ein Zerstörungsfest! Selbst vor dünnen Trennwänden machen die Gegner keinen Halt. Verkriechen wir uns im Nebenraum, ballern sie einfach ein Loch in die Wand. Sie schalten das Licht aus, benutzen Blendlampen, decken sich gegenseitig. Und manchmal werfen sie Gasgranaten, um uns auszuräuchern. Perfide, sie sind richtig gut abgesprochen! Kaum ein Journalist oder Youtuber schafft den Level auf Anhieb. Mindestens zwei Anläufe braucht jeder, bis die richtige Taktik gefunden ist. Manch einer greift zu schallgedämpften Pistolen, um die Schar Feinde lautlos aus den Schatten umzulegen. Wir aber greifen lieber zum schweren MG mit 200 Schuss pro Minute. Der Plan: Wenn man nicht mehr nachladen muss und im Dauerfeuer schießt, haben die anderen auch keine Zeit zu zielen. Sie fallen wie die Fliegen – und das Bad-Cop-Konto steigt…

Storytelling und Atmosphäre
Pistolen sind besonders durchschlagskräftig - damit sich Hardline wie ein richtiges Cop-Game und nicht wie ein Kriegs-Shooter anfühlt. Quelle: EA Pistolen sind besonders durchschlagskräftig - damit sich Hardline wie ein richtiges Cop-Game und nicht wie ein Kriegs-Shooter anfühlt. In Sachen Storytelling hat sich Hardline spürbar verbessert. Die langen Skriptszenen und vielen Wahlmöglichkeiten stehen dem Shooter gut zu Gesicht. Seine Marke in die Luft zu reißen und "Freeze, Motherfuckers!" zu rufen, entfaltet richtiges Kinogefühl. Selbst der Wechsel von der Cop-Story zum Heist-Movie macht Spaß und erinnert durch süffisante Spitzen an Hollywoods Räuber-Blockbuster. Visceral als eine "Story-Firma" schafft es sehr gut, Hardline einen deftigen Atmosphäre-Schub zu geben. Keine der Vorgänger-Kampagnen war auch nur annähernd so intensiv und cineastisch inszeniert gewesen, mit Ausnahme der humorvollen Bad Company Geschichte. Damit hat keiner der Anwesenden gerechnet, vor allem nach der verfrühten Beta. "Die spiegelt aber auch nicht den Multiplayer-Modus wider", versucht Papoutsis zu erklären.

"Wir wollten beweisen, wie performant Battlefield Hardline ist. Viele verwechseln diese Technik-Beta anscheinend mit einer Demo. Das war nicht das fertige Spiel! Das ist nicht, wie Battlefield Hardline am Ende aussieht!" Dass das Problem hausgemacht ist, ignoriert der Battlefield-Producer aber. Denn die letzten drei Open-Betas kamen allesamt kurz vor dem Launch – und waren tatsächlich mehr eine Demo als Feedback-Runde. "Viele haben in Foren geschrieben, dass Hardline nur eine Spielkarte und zwei Modi hat. Wäre das der Fall, könnte ich die Kritik verstehen, dass sich Hardline nur wie ein DLC anfühlt. Das ist aber nicht wahr. Wir starten im Multiplayer mit sieben Spielmodi und neun Karten!" Wie der sich anfühlt, konnten wir leider nicht überprüfen. Aber wenigstens gibt es nun ein Veröffentlichungsdatum: Am 19. März 2015 startet Battlefield Hardline auf PC, Xbox One und Playstation 4, Xbox 360 und Playstation 3.

Meinung

In eigener Sache:
Wir haben Battlefield Hardline auf einem Event in London auf Playstation 4 angespielt. Die Anreise hat Electronic Arts bezahlt. Die Screenshots stammen aus der PC-Version, die wir nicht anspielen konnten. Sie wurden uns von Electronic Arts zur Verfügung gestellt.

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