Landwirtschafts-Simulator 15 Im Test: Können wir uns für das Landleben begeistern?

Test Jonas Küßner
Landwirtschafts-Simulator 15 (1)
Quelle: Astragon

Mistgabeln raus und Trecker starten: Astragon und Giants Software laden in Form des Landwirtschafts-Simulator 15 erneut zum fröhlichen Sähen und Ernten ein. Das sieht dank neuer Engine auch besser aus als je zuvor, was jedoch nicht über die bekannten Gameplay-Schwächen hinwegtäuschen kann.

Obwohl in der Spielergemeinde belächelt, verkauft sich der Landwirtschaft-Simulator seit jeher wie geschnitten Brot. Allein die 2013er-Variante hat mittlerweile über zwei Millionen Käufer gefunden und auch der aktuelle Teil ist gerade in den Amazon-Verkaufscharts wieder ganz oben mit dabei. Da stellt sich die Frage, was die Faszination dieser Reihe ausmacht. Das Spielprinzip ist denkbar einfach: der Spieler schlüpft in die Rolle eines Bauern, der anfangs über einen Hof mit wenigen Feldern, einen überschaubaren Fuhrpark und ein geringes Finanzpolster verfügt. In der Folge wird alles daran gesetzt, das Festgeldkonto anwachsen zu lassen, sodass die eigenen Maschinen immer zahlreicher, der Hof immer größer und die Erträge immer höher werden.

Landwirtschafts-Simulator 15 (11) Quelle: Astragon Landwirtschafts-Simulator 15 (11) Eine Geschichte à la "Opa Heinrich legt sich zur Ruhe, übernimm gefälligst den Hof" gibt es dabei nicht. Stattdessen wird der Spieler ins kalte Wasser geworfen und darf sich, von einigen wenigen Gameplay-Tutorials abgesehen, selber Tricks und Kniffe aus dem Alltag eines Landwirts beibringen. Dabei können Hobby-Bauern ohne Affinität zur realen Landwirtschaft schon früh Fragezeichen in die Augen schießen. Was ist überhaupt ein Schwader, was ein Grubber oder ein Zetter? Gerade wegen des sehr umfangreichen Fuhrparks samt seiner unterschiedlichsten Funktionen weiß man zu Beginn nicht, womit denn nun am besten angefangen wird.

Die Motivation weiterzuspielen besteht vorwiegend darin, mehr Geld zu erwirtschaften. Denn obwohl sämtliche Gerätschaften bereits zu Beginn zur Verfügung stehen, wird für den Kauf oftmals eine ordentliche Stange Geld benötigt. Das erhält man vorwiegend durch das Bestellen von Feldern und der darauf folgenden Ernte von Getreide und Feldfrüchten wie Weizen, Raps oder Kartoffeln. Diese können im Anschluss an verschiedenen Verkaufsstellen für Bares verscherbelt werden, wobei ein simples Angebot- und Nachfrageprinzip gilt. Konzentriert man sich beim Anbau auf eine Getreidesorte, können die Preise dafür in den Keller fallen, was sich logischerweise negativ auf den finanziellen Ertrag auswirkt. Dahingegen haben einzelne Verkaufspunkte im Laufe der Zeit immer wieder eine besonders hohe Nachfrage nach bestimmten Produkten und bieten weitaus mehr Geld dafür. Geschicktes Timing beim Anbau und Verkauf kann also durchaus wichtig sein.

Landwirtschafts-Simulator 15 (10) Quelle: Astragon Landwirtschafts-Simulator 15 (10) Bevor die Ernte ansteht, müssen jedoch einige Schritte erledigt werden. Zunächst muss das Feld bestellt werden, um anschließend darauf sähen zu können. Mithilfe von Dünger kann der Ertrag gesteigert werden. Daraufhin durchläuft die Saat mehrere Entwicklungsstadien, bis es schließlich reif wird und von Erntemaschinen abgegrast werden kann. Ein sehr repetitiver Prozess, der auf Dauer – gerade wenn man im Besitz vieler Felder ist, zum einen sehr langwierig ist und zum anderen relativ schnell langweilt. Glücklicherweise werden dem Spieler dazu Helfer zur Seite gestellt, die auf Knopfdruck und für ein bisschen Zaster einen Teil der Feldarbeit übernehmen. Automatisiert werden kann dieser Vorgang jedoch nicht, sodass immer wieder eingegriffen werden muss. Auch weil sich die Helfer oft nicht sonderlich klug anstellen, da sie häufig Teile des Feldes unbearbeitet lassen, sich gegenseitig blockieren oder gerne mal an Hindernissen wie Bäumen hängenbleiben. Ebenso müssen die Erntemaschinen stets manuell per Kipper abgeladen werden. Von alleine fahren sie nicht zum Silo geschweige denn zu einem Verkaufspunkt. Bei so viel immer weiter zunehmendem Mikromanagement stellt sich die Frage, warum auf der Spielkarte derart viele Felder zu erwerben sind – alleine kann man diese unmöglich bearbeiten.

Während die Feldbestellung wirklich detailliert abgearbeitet werden muss, ist die Tierzucht jedoch noch immer mehr oder weniger rudimentär umgesetzt worden. Zwar muss einiges an Aufwand betrieben werden, um Kühe oder Schafe ernähren zu können, sodass diese Milch oder Wolle abwerfen. Aber weiterführende Produktionsketten wie die Herstellung von beispielsweise Käse oder Klamotten fehlen nach wie vor. Hühner dahingegen legen lediglich Eier, die mühsam eingesammelt werden müssen, und benötigen nicht einmal Nahrung. Ebenso fehlt die Fleisch-Produktion komplett. Wer Kühe mit dem Gabelstapler in den Fleischwolf von Fast Food-Restaurants fahren möchte, um fortan leckere Burger auszuliefern, wird hier leider - vermutlich aufgrund der Zugänglichkeit des Spiels für alle Altersgruppen - enttäuscht.
Neu ist dahingegen die Forstwirtschaft, die Alteingesessenen bereits als User-Modifikation bekannt war. Ab sofort kann man bereits im Hauptspiel Bäume fällen und wahlweise zu Häcksel verarbeiten, was für etwas mehr Abwechslung im Spielgeschehen sorgt. Mit der Kettensäge bewaffnet oder zu größeren Maschinen greifend kann nun also auch der Holzfällertrieb in einem befriedigt werden. Jedoch muss hier mit einer recht umständlichen Bedienung vorliebgenommen werden, weshalb sich der erste Spaß recht schnell in Ernüchterung wandelt.

Landwirtschafts-Simulator 15 (9) Quelle: Astragon Landwirtschafts-Simulator 15 (9) Dank der neuen Engine sieht der Landwirtschafts-Simulator besser aus als je zuvor. Die Fahrzeuge weisen tolle Grafiken samt liebevollen Details auf, manche können mittlerweile auch in verschiedenen Farben erworben werden. Sogar das Auspuffgas wird dargestellt. Neu ist zudem, dass die Gerätschaften im Laufe der Zeit schmutzig werden und sich bei Bedarf per Hochdruckreiniger reinigen lassen um fortan wieder in neuem Glanz zu erstrahlen. Geblieben sind jedoch diverse Grafikfehler, wie beispielsweise den Kipper durchdringender Weizen, und ein noch immer sehr gewöhnungsbedürftiges und sehr unrealistisches Fahrverhalten. Immerhin müssen mittlerweile Steigungen im Gelände berücksichtigt werden, was sich vor allem auf volle Anhänger auswirkt. Positiv ist dahingegen das von Grund auf modernisierte HUD, welches weitaus übersichtlicher ist und nun endlich erlaubt die Übersichtskarte zu vergrößern. Die Spielwelt kommt dennoch weiterhin sehr leblos und karg daher. Vereinzelte Einwohner oder Fahrzeuge gaukeln zumindest einen Anflug von Vitalität vor, die kargen Städte enttäuschen allerdings abermals.

Landwirtschafts-Simulator 15 (8) Quelle: Astragon Landwirtschafts-Simulator 15 (8) Gehen Spielspaß und Motivation dank der bereits erwähnten Eintönigkeit im Einzelspielermodus relativ schnell verloren, wird dies im Mehrspielermodus wieder ein wenig wettgemacht. Bis zu 15 weitere Spieler können auf den eigenen Hof geladen werden, sodass die karge Spielwelt gemeinsam viel belebter wirkt. Und dank Aufgabenteilung muss sich auch nicht mehr um alles gekümmert werden. Wirklich stark ist der Landwirtschafts-Simulator 15 jedoch abermals im Bereich des Mod Supports. Bereits jetzt stehen auf den verschiedensten Community-Seiten zahlreiche Erweiterungen, von neuen Karten über weitere Fahrzeuge oder Gameplay-Änderungen zum kostenlosen Download bereit. Das grandiose CoursePlay, welches das Spiel um Automatismen wie den selbstlaufenden Verkauf der Ernte erweitert, befindet sich aktuell leider noch in der Entwicklung.

Meinung

Wertung zu Landwirtschafts-Simulator 15 (PC)

Wertung:

6.6 /10
Pro & Contra
Großer, detaillierter Fuhrpark samt GerätschaftenBessere GrafikKann den Spieler anfangs dank eigener Zielsetzung sehr in den Bann ziehenGroßartiger Mod-SupportUmfangreicher ArbeitsablaufForstwirtschaftÜbersichtlicheres HUDKaum Automatisierung möglichMehrspielermodus mit bis zu 16 Spielern
Physik noch immer nicht überzeugendProduktionsketten lassen zu wünschen übrigSteuerung (gerade im Bereich der Forstwirtschaft) nicht immer gelungenKein SchadensmodellKI weist deutliche Schwächen aufAuf lange Sicht langwieriges und ermüdendes SpielprinzipLeblose SpielweltClippingfehler und PopUps
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