Vorbei ist der Südseetraum, vielmehr heißt es jetzt: Willkommen im Gebirge! In Far Cry 4 entführt es uns in das verschneite Himalaya Gebirge, wo wir uns in einen Bürgerkrieg gegen den Diktator Pagan Min zur Wehr setzen. Dabei fährt das Spiel gekonnt nochmals alle Stärken des Vorgängers auf und zeigt eindrucksvoll, dass Spiele einfach auch verdammt schön sein können. Doch welche Makel sich unter der eisigen Schicht verbergen, klärt unser Test.
Asche auf mein Haupt.
Ajay Ghale kehrt wieder in sein Heimatland zurück. Nach Kyrat, wo er geboren wurde. Sein Ziel ist es, die Asche seiner Mutter zu verstreuen. Klingt einfach, wäre da nicht die Tatsache, dass sich Kyrat in einem Bürgerkrieg befindet. Kurz nach unserer Ankunft im fernen Asien werden wir in unserem Reisebus überfallen und Zeuge von der Ankunft des Antagonisten des Spiels, Pagan Min. Ein Diktator mit seltsamer Frisur und pinkem Anzug. Dass der Kerl eine durchtrieben böse Ader hat, wird uns in den ersten Minuten sofort klar. Kaltblütig tötet er einen seiner Kommandanten mit einer Art Stift und widmet sich dann ganz uns. Seinen Selfie-Wunsch können wir uns nicht entziehen und kurz darauf haben wir die Chance bei einem Dinner zu fliehen – super!
Quelle: Ubisoft
Far Cry 4 (3)
Wir schleichen also langsam aus der Festung des Diktators und werden am Ende von Rebellen des goldenen Pfades überrascht, die uns zu kennen scheinen. Wie der Zufall so will, hilft uns der Rebellenanführer namens Sabal aus der Festung. Wir rennen zum Fluchtauto, schießen verfolgende Feinde ab und landen schließlich irgendwie im Busch. Ab hier fängt das eigentliche Spiel an. Wir lernen langsam die Grundlagen des Schleichens und machen uns auf den Weg zu einem Aussichtspunkt. Die Geschehnisse überschlagen sich ein wenig und wir landen in dem beschaulichen Dorf Banapur, wo wir Amita kennenlernen. Sabal und Amita werden wir noch häufiger im Spiel treffen, da beide das Ziel verfolgen, Pagan Mins Schreckensherrschaft ein Ende zu setzen.
Entscheide dich, Ajay!
Wir können uns also im Verlaufe der Haupthandlung immer mal wieder aussuchen, welchen von beiden Charakteren wir helfen wollen. Sabal ist der eher konservative, traditionsbewusste Rebell, während Amita sich mehr für die Zukunft des Landes interessiert. Das wird uns sehr schnell bewusst, wenn wir z.B. eine Drogenfarm besuchen wollen. Sabal möchte sie zerstört haben, da die Drogen Kyrat ins Verderben stürzen würden und Amita möchte die Drogen als Wirtschaftszweig nutzen, um später Wohlstand zu erreichen. Beide Seiten legen dann immer wieder gute Argumente vor, letztlich müssen wir uns für eine Sache entscheiden und verärgern damit (allerdings ohne wirkliche Auswirkungen) den vernachlässigten Charakter.
Quelle: Ubisoft
Far Cry 4 (5)
Die Missionen von Sabal und Amita sind sich dabei fast immer ähnlich. Während wir für den einen Dinge erhalten sollen, will der Andere, dass wir Dinge zerstören. Viel Variation gibt es nicht, allerdings ist es eine nette Abwechslung mal etwas bewirken zu können. In den vielen anderen Missionen des Spiels haben wir immer nur ein Ziel. Mal müssen wir in einer Arena um unser Überleben kämpfen, mal in den eisigen Himalaya Abschnitten nach Rohstoffen suchen – die Missionen sind durch und durch Abwechslungsreich, vor allem, weil sie uns viele Möglichkeiten bieten an sie heranzugehen. Wir können Far Cry-typisch schleichen und Gegner heimlich töten oder wir machen es wie Rambo und schießen alles vor unserem Fadenkreuz nieder.
Vollgestopfte Gebirgslandschaft
Neben den Hauptmissionen gibt es noch unzählige Nebenmissionen im Spiel. Wir treffen z.B. auf einen Waffenhändler, der alles von Gott bestimmt sieht – nur, dass man es halt auch mit Gewalt regeln muss – oder auch auf die beiden verrückten Typen namens Reggie und Yogi, die uns beim ersten Aufeinandertreffen unter Drogen setzen. Sind wir beim Herumschlendern durch die wirklich riesige Landschaft mal gelangweilt, füttert uns das Spiel immer wieder mit kleinen Leckerbissen. Das können Aufträge von den oben genannten Charakteren sein, oder wir retten Geiseln, befreien Außenposten, erobern Glockentürme, gehen Jagen oder kämpfen in der Arena um Ruhm und Ehre. Und das ist nur ein kleiner Teil von dem, was uns Kyrat anbieten. Wir können auch Rennen fahren, Konvois überfallen oder Bomben entschärfen gehen.
Für den geneigten Sammler gibt es auch noch einiges zu sammeln, so wie es sich gehört. Das ist zwar nicht besonders einfallsreich, aber durchaus lukrativ. Sammeln wir Masken ein, drehen an Manimühlen, reißen Propaganda Poster ab (von denen es satte 150 Stück gibt) oder finden Beutekisten, gibt es immer wieder neben Geldbelohnungen auch noch exklusive Waffen, die man freischalten kann. Das macht das Sammeln durchaus reizvoll, auch wenn die Einzigartigen Wummen nur wegen ihr Durchschlagskraft interessant sind (sie sind auch recht teuer). Wer also alles sehen und finden will, ist sehr lange beschäftigt. Dass man hierbei wieder auf alte Tugenden zurückgreift ist nicht schlimm, ein paar Neuerungen hätten aber auch nicht geschadet.
Von Waffen und Elefanten
Ohne Waffen kann man in Far Cry 4 nicht Überleben. Deswegen haben wir einen Waffengürtel, der sich erweitern lässt. Das Tolle: statt einer totalen Universalmaschine, die alle Waffen sofort bei sich hat und ausrüsten kann, können wir nur so viele Waffen ausrüsten, wie auch der Waffengürtel hergibt. Am Anfang ist das nur ein Platz, später aber kann man sich durch Jagen auch noch bis zu vier Plätze dazu verdienen. So werden Angriffe auf Außenposten oder generell bleierne Auseinandersetzungen deutlich interessanter, wenn wir neben dem Flammenwerfer, ein schallgedämpftes Scharfschützengewehr dabei haben oder uns mit einem Bogen zur Wehr setzen können. Der Bogen ist in Far Cry 4 zwar nicht von essenzieller Bedeutung, mit ihm lassen sich aber deutlich besser Felle von erlegten Tieren finden, mit denen man dann sein Inventar (Munitionsgürtel, Spritzengürtel usw.) erweitern kann.
Quelle: Ubisoft
Far Cry 4 (6)
Hat man dann auch noch eine Tasche mit viel Platz für Köder, wird es interessant. Man kann nämlich neuerdings auch durch das Töten von Tieren das Fleisch als Köder nutzen. Werfen wir also unser Stück rohes Fleisch in die Gegnerhorden, kann es passieren, dass ein Jaguar, Rothund oder ähnliches auftaucht und sie für eine Weile unterhält. Ein nettes Feature. Wem die kleinen Tiere nicht reichen, der kann sich große Unterstützung dazu holen. Gut, wir fragen nicht, wo Ajay das gelernt hat (außer natürlich durch den entsprechenden Skill im Skilltree), aber der Gute kann Elefanten reiten. Die Dickhäuter sind sporadisch in Kyrat vorzufinden und lassen sich problemlos reiten. Dann wird das Einnehmen von Wachposten eine lustige Angelegenheit, wenn man die kleinen Soldaten in die Luft schmeißt und anrückende Verstärkung auf vier Rädern umwirft.
Die Legende von Shangri-La
Das Wichtigste zuerst: das verschneite Himalaya Gebirge und Shangri-La bekommen wir nur sporadisch innerhalb der Story- bzw. später auch Nebenmissionen zu sehen. In Shangri-La sind wir auf der Suche nach den sogenannten Thangkas (Rollbild des Buddhismus) in einer fiktiven Erinnerung als Kalinag unterwegs. Das rötlich, herbstlich angehauchte Gebiet hat ein paar nette Herausforderungen für uns. Mit unserem weißen Tiger geben wir Befehle und lassen die Dämonen aus der Distanz sterben. Mit Dolch oder Bogen setzen wir nach und setzen so in den jeweiligen Erinnerungen, die Suche nach der Glocke zur Läuterung, fort. Eine nette Abwechslung, da auch der weiße Tiger immer wieder mit ins Geschehen eingebunden werden muss. So lassen sich bestimmte Gegner nur besiegen, wenn sie durch unser Haustier abgelenkt werden.
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Far Cry 4 (7)
Im Himalaya sind wir, wie schon erwähnt, ein paar mal in den Hauptmissionen. Die Abschnitte sind nicht sonderlich groß oder lang, bringen aber auch hier wieder ein wenig Abwechslung rein. Denn irgendwann hat man sich an den Laubbäumen in Kyrat satt gesehen und sehnt sich nach den weißen Riesen, die im Horizont zu sehen sind. Auch wenn sie greifbar sind, abseits der Haupthandlung können wir dort leider nicht hoch. Sind wir aber mal oben, bekommen wir es mit Schneestürmen (wo wir von den Royal Army-Soldaten Sauerstoffmasken bekommen müssen, um zu überleben) und verschneiten Außenposten zu tun, die geräumt werden müssen.
Das sieht aber lecker aus!
Sobald das Spiel einmal gestartet ist, wird einem die Optik erstmal umhauen. Unglaublich, wie schön und detailliert die Umgebung ausgearbeitet ist. So ist jeder Baum, jedes Gestrüpp und jedes mickrige Gras in Kyrat dynamisch. Durch das Licht und Schattenspiel wirkt die Umgebung echt und realistisch. Wenn Zweige bei unseren Bewegungen durch das hohe Gras nachgeben oder wir beim Starten mit dem Gyrokopter die Windauswirkungen auf die Bäume und Fähnchen sehen, dann kann man wohl zurecht davon reden, dass Far Cry 4 Grafisch ordentlich was raus haut. Schade, dass Kyrat außer Waldflächen nicht mehr viel zu bieten hat und die Charaktermodelle, grade von den Soldaten zu "unecht" rüberkommen. Verbrennen wir (seit Far Cry 2 marktfähig) mit dem Flammenwerfer Gegner, dann leuchten diese zwar lichterloh auf, sehen aber, wenn man sich ihre Leichen ansieht, unversehrt aus.
Abgesehen von den Klon-Gegnern der Royal Army, sehen die Tiere in der Welt gelungen aus. Die Animationen sind gelungen, grade wenn man zwei sich bekämpfende Tiger sieht, sieht das schon interessant aus und auch das dynamische Fell der Tiere sorgt dafür, dass sie mit der Umgebung zumindest verschmelzen und nicht mit ihrem Plastiklook auffallen. Warum die Tiere aber nach der Häutung oder Entnahme von Innereien immer noch unversehrt aussehen, weiß nur der liebe Gott. Ja, es sind vielleicht kleine Detailmacken! Aber würde man so Detailmacken ausgebessert vorfinden, wäre Far Cry 4 vielleicht schon fast im Olymp der grafischen Darstellung anzusiedeln. Denn auch Sachen wie der Schnee im hohen Gebirge, der unserem Gewicht nicht nachgibt (man hinterlässt keine Spuren) und eher wie gefroren daherkommt, sind Sachen, die man noch hätte perfektionieren können.
Soundtechnisch ist Far Cry 4, grade was die Geräuschkulisse betrifft, im grünen Bereich. Die Tiere geben klar erkennbare Geräusche von sich, Wind- und Schneestürme hören sich gut an und auch der Waffensound überzeugt. Die Synchronstimmen der Figuren sind leider nicht alle hochgradig. Pagan Mins deutsche Stimme ist nicht ganz so überzeugend, wie die von Vaas aus dem dritten Teil und auch ein paar andere Nebencharaktere sind nicht grade mit den besten Stimmen gesegnet. Dass man Ajay Ghale die Stimme von Kim Hasper gegeben hat, hebt das Ganze wieder auf angenehmes Niveau. Ein paar Charaktere hätten aber durchaus markantere Stimmen vertragen können. Von der teilweise fehlenden Lippensychronität (einige Szenen sind sehr schlimm, wo die deutsche Stimme aufhört zu sprechen und sich die Lippen der Figur noch eine kleine Weile weiterbewegen) abgesehen, ist die Sounduntermalung großteils atmosphärisch.
Quelle: Ubisoft
Far Cry 4 (9)
Doch bevor es zur Steuerung und den Multiplayer-Features geht, muss man noch das Autoradio des Spiels und dessen Radiosprecher loben. Die Themen, die man dort immer wieder von Moderator zu hören bekommt sind banal, sexistisch und auch eklig in manchen Teilen. Das lockert die Stimmung im Spiel nochmal unheimlich auf. Natürlich empfängt man den seltsamen Radiomoderator auch nur, wenn man im Spiel in Reichweite von eingenommenen Glockentürmen herumfährt. Tut man dies nicht, hört man Propaganda Musik von unserem pinken Freund Pagan Min. Zudem bekommen wir über das Radio auch immer Feedback zu unseren Handlungen im Spiel. So erzählt man uns, dass man schon fast die Hälfte aller Glockentürme eingenommen hat oder das man in einer Hauptmission mal was hat hochgehen lassen – nett.
Wo wir also schon beim Autoradio sind, können wir gleich zur Steuerung der Fahrzeuge kommen. Diese ist insgesamt eingängig, allerdings manchmal ein wenig unpräzise. So fährt es sich mit einem Quad-Bike recht hakelig und auch das Rückwärtsfahren ist manchmal nervig, wenn man nicht gleich immer die Handbremse aktiv hält. Super: Man kann eine Art Autopiloten einstellen! Will man also eine bestimmte Strecke fahren (mit Markierung vorher auf der Karte festlegen), dann kann man den Autopiloten aktivieren und lässt sich automatisch zum Ziel fahren. Praktisch auch, wenn man ein gegnerisches Fahrzeug bekämpfen will und man sich voll aufs Schießen konzentrieren kann. Unpraktisch, weil Hindernisse auf der Straße (z.B. liegengebliebene Fahrzeuge) immer angefahren werden und nicht sofort umfahren. Da hilft nur nochmal manuell nachjustieren. Ansonsten bereitet die Steuerung keinerlei Probleme.
Koop und andere Mehrspieler(eien)
Quelle: Ubisoft
Far Cry 4 (4)
Far Cry 4 bietet erstmals einen Koop-Modus für den Singleplayer an. Im Vorgänger gab es dafür spezielle Missionen, während man nun Kyrat im vollen Umfang auseinander nehmen kann. Zwar sind Story-Missionen und bestimmte andere Tätigkeiten davon ausgenommen. Wer aber die berüchtigten Festungen (von denen es leider nur vier gibt) knacken will, braucht manchmal auch Hilfe. Wobei das keineswegs bedeutet, dass man die Festungen nicht auch alleine schaffen kann. Außerdem kann man zu zweit auch Außenposten einnehmen und diese ständig wiederholen. So lassen sich Punktzahlen verbessern, die einer Highscore Liste übermittelt werden. Der Modus läuft insgesamt sehr stabil. Schade, dass man es nicht geschafft hat, das Teamspiel in den Singeplayer zu integrieren. Man muss im Hauptmenü die Kampagne im Online-Modus starten, um dann jemanden einzuladen. Doof: bricht die Verbindung ab, landet man wieder im Hauptmenü.
Der Mehrspieler-Modus von Far Cry ist immer so eine Sache. Man kann es ihm nicht übel nehmen, zu versuchen ein taugliches Event zusammen zu kriegen, aber es gibt Ungereimtheiten. So ist die Klasse der Rakash, der Klasse der Royal Army überlegen. Die Rakash können sich geduckt unsichtbar machen (unbegrenzte Zeit), Spritzen nehmen, um schneller zu rennen oder weniger Fallschaden zu nehmen und Tiere beschwören, die den Gegner angreifen. Auch Elefanten können sie reiten. Doof, wenn man als Soldat unterwegs ist und man aus dem nichts von Rakash erledigt wird, die man relativ schlecht sehen kann. Doof auch, wenn man von Elefanten oder Tigern gejagt wird, die relativ viele Kugeln schlucken. Zwar tauscht man immer pro Runde in den drei Spielmodis hin und her, trotzdem überwiegt bei den Rakash ein kleiner Vorteil. Spielmodi-technisch setzt man auf altbewährtes Kommandoposten einnehmen und Masken einsammeln (ala Capture the Flag).
Quelle: PC Games
Far Cry 4 (10)
Die Mehrspieler-Partien bieten dank großer Maps viel Platz. Wenn man aber nur mit insgesamt 10 Mann auf der Karte rumläuft, entsteht auch viel Lehrlauf. Man hätte hier auch ruhig auf 8 vs 8, statt 5 vs 5 Matches gehen können, um ein bisschen mehr Action in die doch eher mäßig unterhaltsamen Online-Partien zu bringen. Dass man den Schwerpunkt viel mehr auf den Singeplayer gelegt hat, wird deutlich, denn außerhalb der Mehrspielerspiele sind die Menüs bzw. allgemein die Präsentation recht fade. Die Fähigkeiten der einzelnen Seiten (leider keine einzelnen Klassen) sind nett, großartige Revolutionen in Sachen Perks sollte man aber nicht erwarten. Wem das PvP Geplänkel zu viel wird, darf im Map-Browser Challenges spielen, in denen man eine bestimmte Anzahl an Gegnern oder Tieren erledigen muss. Für diese Challenges darf man dann auch im Map-Editor eigene Karten erstellen. Das gestaltet sich dank verschachtelter, komplexer Menüs aber sehr zeitaufwendig und schwierig.
