Endlich ist es soweit, endlich können wir ein PES auf den neuen Konsolen genießen. Doch werden wir auch Spaß haben? Oder vermiest uns eine schlechte Spielbarkeit, samt schwacher Technik und wenig Inhalt die Premiere? Wir können beruhigen, PES 2015 enttäuscht uns nicht und ist tatsächlich wieder das, was wir zu hoffen wagten: Eine tolle Fußballsimulation.
Schuss ins Kreuzeck
Pro Evolution Soccer stand lange Zeit für das Gameplay einer Fußballsimulation. Gute Spielbarkeit, gepaart mit enormen taktischen Möglichkeiten und einer realistischen Ballphysik begeisterten die Genrefans über viele Jahre hinweg. Doch Konamis Soccer-Franchise bekam gerade durch die letzten Umsetzungen auch ein paar tiefe Kratzer ins sonst so feinpolierte Spieleimage. Gerade wegen dem direkten Vorgänger PES 2014 und dem kaum passenden Einstieg in eine neue Engine mussten sich die japanischen Entwickler nicht nur mit der Kritik der Fachpresse, sondern vor allem auch mit dem Ärger der Spieler auseinandersetzen. Doch sie scheinen daraus gelernt zu haben und versuchen sich wieder auf die Stärken von Pro Evolution Soccer zu besinnen. Mit wirklich sehr gutem Erfolg.
Die Fox-Engine, letztes Jahr noch als der Grund für das schwache Gameplay ausgemacht, scheint sich 12 Monate später auf der PS4 nun richtig wohl zu fühlen. Was uns die Japaner im aktuellen PES als Fußball anbieten, spielt sich endlich auch wieder wie Fußball. Passé die zeitverzögerte Steuerung, der stockende Spielfluss und das dröge Aufbauspiel. Stattdessen gleicht nun keine Spielsituation mehr der anderen, gibt es die gewohnt passende Kontrolle über Spieler bzw. Team und kommt endlich wieder die spielerische Rückmeldung, die im gesamten Fußballgenre schon immer nur PES wirklich liefern konnte. Alles hat Einfluss, alles muss beachtet werden. Bullige Abwehrspieler sind im körperbetonten Zweikampf im Vorteil. Kleine, wendige Angreifer hingegen im Dribbling bzw. beim direkten Laufduell auf den Außen. Zusätzlich wurden den Stars der Fußballszene natürlich auch ihre ganz besonderen Eigenheiten, Aktionen und Fähigkeiten in den persönlichen Code geschrieben. Ein Robben ist durch seine Bewegungsabläufe ebenso zu erkennen, wie ein Ibrahimovic, ein Ronaldo oder ein Müller. Und dass Messi, wie im realen Leben, gerne seine technische Überlegenheit aufblitzen lässt, dürfte wohl auch kaum verwundern.
Quelle: Konami
PES 2015 im Test (3)
Trotzdem hat die künstliche Intelligenz auch ihre Macken. Zwar laufen sich Mitspieler sehr schön frei und bieten somit häufig gute Passmöglichkeiten, dafür kämpft die gegnerische Abwehr ein ums andere Mal mit unlogischem Verhalten, übrigens unabhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad. Schwächen bei der Deckung der AI führen etwa dazu, dass Angriffe durch die Mitte im Verhältnis zu oft erfolgreich sind. Und auch das Torwartspiel hat wieder seine ganz besonderen Macken und kann nicht wirklich überzeugen. Typisch PES, unterliegt der letzten Mann mal wieder diesen unerklärlichen Schwankungen von absoluter Welt- bis tiefster Kreisklasse innerhalb eines Matches. Mal fischt er einen Unhaltbaren aus dem Winkel heraus, mal sieht er einem Kullerball nur hinterher. Kennt man zwar von Pro Evo mittlerweile schon zur Genüge, nerven tut es aber natürlich trotzdem und zwar gewaltig.
Weniger nervt, dass Schüsse gelernt werden müssen. Das war schließlich schon immer bei PES so. Wer nicht nur den obersten Rang der Allianz-Arena treffen, sondern auch mal die Pille im Kreuzeck versenken will, der muss den feinen Umgang mit der Schusssteuerung trainieren. Wer das tut, dem fällt natürlich auch gleich das realistische Verhalten des Balles auf. Das ist auch in Pro Evolution Soccer 2015 wieder mal ein absolutes Highlight. Das Leder wird immer anders abgelenkt, prallt immer anders ab, läuft je nach Rasenlänge anders, verhält sich bei Regen anders, vermittelt die nötige Schwere und kann insgesamt wieder dieses enorm authentische Spielgefühl erzeugen.
Bleiben noch die taktischen Möglichkeiten. Und auch hier war und ist PES absolut unerreicht. Wer seinem Spieler und Team genaueste Anweisungen geben will, wer dies auf den Platz auch spüren will und wer zu jeder Zeit, auch innerhalb eines Matches, auf die taktische Ausrichtung immer Einfluss haben will, der wird, aufgrund der Möglichkeiten von Pro Evolution Soccer 2015, absolut begeistert sein. Konami baut hier, wie gewohnt, grundsätzlich auf enormen Tiefgang, vergisst aber auch nicht, dass mancher Gelegenheitsspieler einfach keine Lust und Zeit hat, sich im Taktikmenü zu verlieren und bietet genau diesem Spielertyp dann auch Hilfen ohne Ende. Überhaupt nimmt PES Genreeinsteiger sehr gut an die Hand, so dass die vorhandenen enormen Möglichkeiten innerhalb des Gameplays nicht gleich zu abschreckend wirken. Trotzdem muss man sich mit dem Spiel auch auseinandersetzen. Ohne die entsprechende Übung wird man in Konamis Kick kaum einen Blumentopf, geschweige denn irgendeinen Pokal, gewinnen können.
Mehr Lizenzen, erweiterte Inhalte und bekannte Probleme
Quelle: Konami
PES 2015 im Test (1)
Wenn man so die Kommentare der letzten Jahre zu PES verfolgte, dann kam immer ein Thema besonders schlecht weg: Die vorhandenen bzw. nicht vorhandenen Lizenzen. Zwar versuchte Konami immer mal wieder durch Besonderheiten, wie etwa die UEFA Champions-League, vor allem für uns Europäer etwas Abhilfe zu schaffen. An den Genreprimus FIFA wollte man aber irgendwie trotzdem nie heranreichen. Besonders der deutsche Fußballfan vermisst seine Bundesliga und vor allem auch die darin spielenden Teams. Und gerade das ändert sich auch im aktuellen Pro Evolution Soccer nicht wirklich. Ok, Bayern, Schalke und Leverkusen haben es dieses Jahr ins finale Spiel geschafft, mehr Bundesliga wurde aber nicht auf die Blu-Ray gepresst. Wer Pro Evolution Soccer spielt, muss somit komplett raus aus deutschen Landen und bereit sein, den Spielspaß in anderen Ligen zu suchen. Etwa in der brasilianischen, die übrigens exklusiv nur in PES enthalten ist, oder in den 1. und 2. Ligen Frankreichs, Spaniens und Italiens. Englische Teams gibt es zwar auch, aber hier kommt wieder die bekannte, kaum geliebte PES-Namensverfälschung zum Einsatz. Editor sei Dank, kann man zwar, ebenfalls Serientypisch, immer wieder selbst Hand anlegen und einem North London wieder den Namen Arsenal geben, an den fehlenden Rechten ändert das aber nur wenig. Und manchen Spielern ist gerade dieser Umstand nicht gerade unwichtig.
Bekannte Probleme begegnen uns übrigens auch beim Modiumfang. Das Menü ist nun moderner gestaltet, entstaubt dadurch auch etwas die gesamte Führung, trotzdem bleibt es ebenfalls dabei, dass sich bezüglich der Spielvarianten nur wenig getan hat. Vieles kommt einem doch sehr bekannt vor und selbst Neuerungen sind nur bedingt auch wirklich Neu. Etwa das groß angekündigte MyClub. Dass hier ein Ultimate Team von EA als Vorbild diente, merkt man schon nach wenigen Klicks. Zwar steht weniger das Kartensammeln im Vordergrund, aber im Endeffekt geht es, genau wie bei der Spielvariante der Konkurrenz, darum, aus Zukäufen von Spielern oder Trainern ein möglichst effektives Team auf die Beine zu stellen und sich damit dann in Off- und Online-Matches möglichst erfolgreich zu behaupten. Und noch eins wird damit ins PES-Universum eingeführt: Die Mikrotransaktionen. Wer will, kann ins reale Portmonee greifen und mit harter Währung seine Mannschaft aufgepeppt. Die Begeisterung über dieses Feature hält sich, zumindest bei uns, doch arg in Grenzen.
Quelle: Konami
PES 2015 im Test (4)
Weniger begeistert leider auch mal wieder die integrierte Karriere in Form von "Meisterliga" und "Werde zur Legende". Was einem die Entwickler hier als Laufbahn eines Teammanagers bzw. Spielers präsentieren wollen, ist mittlerweile so antiquiert, dass es schlicht nach wenigen Spielen langweilt. Immer noch überwiegt das extrem tröge Design aus Textmeldungen, Tabellen und Listen. Passende Zwischensequenzen, mitreißende Story-Elemente oder wenigstens richtig fordernde Aufgaben bleiben weiterhin Wunschdenken. Schade, denn einige Punkte wären durchaus gut integriert. Etwa die Spielerentwicklung. Oder auch das knallharte Kalkulieren des Teambudgets. Hilft aber alles nichts, wenn einem so viel trockene Kost auf den Karriereteller serviert wird, fällt es einfach extrem schwer, sich über längere Zeit mit diesen Modis auseinanderzusetzten. Motivation sieht halt dann doch deutlich anders aus.
Eher ein nettes Gimmick ist das neue Live Update, welches euch über wöchentliche, natürlich kostenlose DLCs sämtliche Daten der integrierten Teams und Spieler zur Verfügung stellen will. Aktualisiert werden hierbei nicht nur Spielerwerte, sondern eben auch Transfers aus der englischen, französischen, italienischen, spanischen und brasilianischen Liga. Nett, sicher, aber auch schon nicht mehr. Ach ja und dass natürlich weiterhin offline Einzelspiele, Turniere und Pokalevents möglich sind und ihr auch online innerhalb von PSN nach bekannten Schema mit anderen Usern um Erfolge kicken könnt, brauchen wir wohl nicht besonders erwähnen.
Typische PES-Technik – trist, langweilig und meist ohne große Highlights
Quelle: Konami
PES 2015 im Test (7)
Ohne Zweifel bietet Pro Evolution Soccer 2015 auf PS4 wohl die schönsten Spielermodelle der Serie. Auch wenn alles viel zu häufig viel zu stark nach Plastik aussieht, können die Gesichter der bekannten Fußballstars aufgrund der passenden Wiedererkennung durchaus begeistern. Und auch die Animationen der kickenden Protagonisten sind mehr als gelungen. Einzig in den Zwischensequenzen neigen viele Bewegungsabläufe zum Stocken oder wirken schlicht absolut unrealistisch. Überhaupt ist die Präsentation ein heikles Thema. Zwar gibt es schöne Einläufe, diverse Details neben den Platz oder eine durchaus gut gelungene Präsentation der Champions League, dafür hakt es dann aber am gesamten optischen Rest. Die Stadien sind ziemlich farblos, die Fans neigen zu Texturmatsch, die Jubelposen der Spieler sind langweilige und auch sonst will irgendwie nicht so recht der Funke überspringen.
Quelle: Konami
PES 2015 im Test (8)
Noch schlimmer macht das Ganze dann die kaum mitreisende Akustik. Nach wie vor hat man das typische PES-Gefühl, statt passender Fanunterstützung nur öde Tonschleife zu hören. Aus den Lautsprechern dröhnender Realismus, wie etwa in einem FIFA 15, kann dadurch natürlich kaum erzeugt werden. Und dann sind da noch das Reporterteam Wolff-Christoph Fuss und Hansi Küpper. Gerade Fuss ist im richtigen Leben wohl einer der begnadetsten Kommentatoren in der aktuellen Fernsehlandschaft, der vor allem mit Witz und markigen Sprüchen selbst dem langweiligsten Match etwas abgewinnen kann. Im richtigen Leben, ja, in PES 2015 zeichnen sich er und sein Kompagnon vor allem durch ständige Wiederholungen, nervige Phrasen und kaum zur Spielsituation passende Kommentare aus. Weil dies aber irgendwie scheinbar noch nicht genügt, hat man zusätzlich ständig das Gefühl eigentlich den gleichen Banalitätenbrei wie im letzten Jahr (und im Jahr davor und im Jahr davor…) vorgesetzt zu bekommen.
Ja, die Akustik kann kaum begeistern und auch die Optik ist jetzt nicht wirklich Next-Gen, dafür liefert PES 2015 aber solide Technik. D. h. es ruckelt nichts, Clippingfehler sieht man auch keine und das nervige Flimmern, wie noch auf Last-Gen, gibt es auf PS4 auch nicht. Aber gut, wenn wir ehrlich sind, wäre alles andere auch eine herbe Enttäuschung gewesen.
