Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere: Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere in der Filmkritik
Special
10. Dezember 2001. An diesem Tag feierte Der Herr der Ringe - Die Gefährten seine Weltpremiere. Letzten Donnerstag, auf den Tag genau 13 Jahre später, lief der letzte Teil der Hobbit-Trilogie in den deutschen Kinos an. Wir haben ihn uns angeschaut und teilen unsere Eindrücke mit euch.
Zahlenspiele
2,9 Mrd. Dollar spielte die Herr-der-Ringe-Reihe insgesamt ein, bei Produktionskosten von ca. 190 Mio. Dollar. Das ist eine ordentliche Bilanz. Trotzdem dürften die Banker bei New Line Cinema kräftig geschluckt haben, als Peter Jackson den Produktionsscheck für die Hobbit-Trilogie abgeholt hat. Knapp 750 Mio. dürften nach Schätzungen drauf gestanden haben. Umso größer war die Erleichterung eben jener Banker, als die ersten Einspielergebnisse aufs Konto kamen. Bis heute hat die zweite Mittelerde-Trilogie ebenfalls rund zwei Mrd. Dollar eingespielt – und dass sind erst die Zahlen der ersten beiden Teile. Wir halten also fest: Peter Jackson hat aus einer Investition von einer Milliarde bis heute ungefähr fünf Milliarden rein geholt. Wenn man mir den Ausdruck verzeihen mag: un-fucking-believable!
Aber genug von nackten Zahlen. So was interessiert vielleicht Investoren und Aktionäre, nicht aber den Filmfan.
There and back again
Quelle: Warner
Bilbo Beutlin - fast schon eine Nebenfigur.
Hier ist er nun also, der Abschluss der Hobbit-Trilogie. Oft musste Jackson sich den Vorwurf anhören, die Vorlage, die ja nur aus einem Buch bestand, auf drei Filme aufzuteilen. Ein durchaus berechtigter Vorwurf, wenn man sich die einzelnen Filme anschaut. Betrachtet man aber die Trilogie als Komplettwerk, muss man einräumen, dass die Entscheidung durchaus gerechtfertigt war. Wurde beim Herrn der Ringe oft das fehlende Material bemängelt, konnte Jackson dank dieser Entscheidung mehr Platz einräumen für die eher "unwichtigen" Randszenen des Romans. Eines wollen wir gleich vorweg nehmen. Die ersten beiden Filme, so grandios sie waren, hatten ihre Längen. Dieses Problem hat "Die Schlacht der fünf Heere" nicht – im Gegenteil. Das Pacing ist nahezu einwandfrei und knüpft damit nahtlos an die Qualität der HdR-Trilogie an. In der ersten Hälfte des Films wechseln sich actionreiche Szenen gekonnt mit ruhigeren Momenten ab. Man hat fast den Eindruck eines Schachspiels. Stetig positioniert Jackson seine Figuren auf dem Spielbrett in Vorbereitung des dramatischen Höhepunkts.
Quelle: ©2014 METRO-GOLDWYN-MAYER PICTURES INC. AND WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. ALL RIGHTS RESERVED
Smaug greift die Seestadt an.
In der zweiten Hälfte des Films zieht Jackson dann alle Register, die man als Fantasy-/HdR-Fan kennt und erwartet. Storybedingt findet der Großteil der zweiten Filmhälfte auf dem Schlachtfeld statt und hier entfesselt der Regisseur wahrlich eine epische Schlachtplatte. Kaum einer wird sich der Gänsehaut erwehren können, wenn ein Elbenheer, naturgemäß eher leicht gerüstet, vor dem Erebor in Stellung geht, mit beinah mechanischer Präzision die Aufstellung ändert und sich für den Angriff wappnet. Ihnen gegenüber ein Heer der Zwerge, zwar geschätzt 1:5 in der Unterzahl, aber dafür wirkt jeder Zwerg wie ein Panzer auf zwei Beinen. Wenn diese schwer gerüsteten Krieger dann einen Schildwall formen und die Heere der Orks gegen diesen branden wie ein Tsunami aus Stahl, ist es um jeden Mittelerde-Fan geschehen. Erfreulicherweise schafft Jackson es aber, dass er selbst in größten Schlachtengetümmel die Zeit für eine "Auszeit" findet. Das gibt dem Zuschauer, passend zu den Protagonisten, immer wieder die Chance kurz durchzuatmen.
Der Anfang vom Ende
Wir gehen davon aus, dass die Handlung den meisten Kinogängern bekannt sein dürfte. Trotzdem werden wir in folgenden Abschnitt auf Spoiler verzichten.
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Eigentlich konzentriert sich der letzte Film auf die Entwicklung von Thorin Eichenschild.
Wie man am Ende des zweiten Teils, Smaugs Einöde (Anmerkung d. Autors: eine selten dämliche Übersetzung von "Desolation of Smaug"), erfuhr, konnten die Zwerge in den Berg Erebor eindringen. Blöderweise wurde damit Smaug, der bösartige Drache, geweckt und Teil zwei endete damit, dass der ziemlich angefressene Lindwurm einen Angriff auf die Seestadt flog. Genau hier setzt Teil drei an. Ein wahrhaft fulminanter Auftakt, wenn gleich mal eine Stadt in Schutt und Asche gelegt wird. Derweil können die Zwerge können ihre Heimstatt wieder in Besitz nehmen. Damit beginnt aber der langsame Zerfall von Thorin Eichenschild, dessen fieberhafte Suche nach dem Arkenstein ihn langsam aber sicher in den Wahnsinn treibt. Das erklärt auch, weshalb eigentlich im Abschlussfilm gar nicht mehr der namensgebende Hobbit, Bilbo Beutlin, die Hauptfigur ist. Dieser verkommt fast zu einer, nennen wir es Hauptnebenrolle. Jackson widmet dem Zwergenkrieger Thorin den Hauptteil der Screentime. Kann man mögen oder nicht, uns hat es jedenfalls gefallen.
Mit der Nachricht über die Befreiung des Berges werden, auch andere auf den Plan gerufen. So kommt es, dass sich schon bald die Überlebenden von Seestadt und ein Elbenheer vor dem Berg versammeln. Die einen fordern die Einhaltung eines Versprechens, die anderen die Herausgabe von Erbstücken. Wie schon der alte Goethe in Faust so schön erkannte: "Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen!" Thorin, verblendet vom Schatz des Drachen, ist bereit tausende Leben zu opfern – alles für seinen Schatz.
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Menschen, Elben, Zwerge und Naturburschen kämpfen gegen Orks.
Als ob ein Heer der Menschen, Zwerge und Elben nicht genügen würde, marschieren auch die Orks gen Erebor, angeführt von Azog dem Schänder und dessen Sohn Bolg. Diese Heere treffen schlussendlich im Schatten des Bergs aufeinander. Wer dachte, die Schlachten um Helms Klamm oder Gondor wären episch, wird sich hier die Augen reiben.
Nettes Detail am Rande: Einen beeindruckenden Auftritt (für den Autor sogar den beeindruckendsten) hat eine Randfigur. Es handelt sich ausgerechnet um einen Charakter, der recht wenig Screentime in allen sechs Filmen hatte, im Gefüge der Macht aber eine wichtige Position innehat. So knüpft der letzte Hobbit-Teil an die anderen Filme der Serie an.
Nur Licht? Kein Schatten?
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Ein bisschen weniger CGI täte dem Film gut.
Doch, natürlich kommt auch "Die Schlacht der fünf Heere" nicht ganz ungeschoren davon. Die Hauptkritik gilt, so unglaublich es klingen mag, den Special Effects/CGI. Nicht falsch verstehen, die Effekte sind allererste Sahne, technisch nahezu perfekt. Genau das ist aber auch das Problem. Erinnern wir uns zurück an die erste Trilogie. Damals haben die WETA-Studios ein Meisterwerk an Setdesign, Makeup- und Maskeneffekte abgeliefert. Dadurch, dass die Orks und Uruks maskierte Darsteller waren, wirkten sie lebendig und dreckig. Dieser Effekt geht den Orks, allen voran Antagonist Azog, in der Hobbit Trilogie völlig ab. Azog, als quasi reines CGI-Wesen wirkt trotz technischer Perfektion einfach seelenlos und seine Horden zu "sauber". Vergleichen wir Azog mal mit der Nemesis aus der HdR-Trilogie, dem Uruk-hai Lurtz. Sicher erinnert sich jeder an die Szene, in der Boromir auf Lurtz trifft. Sicher hat da die Mehrheit der Kinogänger eine echte Abscheu gegen dieses Monster entwickelt. Zwar hat Azog auch eine dieser "schaut her, ich bin ein grausames Monster und mein Tod ist moralisch gerechtfertigt"-Szenen, aber der Zuschauer entwickelt dabei keinen echte Emotion, da sie einfach unecht wirkt. Wieso Jackson eher auf CGI denn auf echte Handwerkskunst beim Filmen gesetzt hat, können wir nicht so recht nachvollziehen und bedauern diese Entscheidung.
Technisch ist der Film einwandfrei. Die 3D-Effekte sind sauber und wirken auch schön plastisch. Wie schon bei den anderen Teilen kam auch hier die HFR-Technik zum Einsatz, die 48 statt der sonst üblichen 24 Frames pro Sekunde liefert.
Anmerkung der Redaktion:
Wir haben uns bewusst dafür entschieden, uns in erster Linie dem filmischen Teil zu widmen und nicht der Technik. Ob 3D oder 2D nun das bessere Erlebnis bietet, muss jeder für sich entscheiden. Ebenso sind wir der Meinung, dass die HFR-Technik Geschmackssache ist.
