Dying Light ist wunderschön, riesengroß und enthält überraschend viel Story für eine offene Spielwelt. Wir haben den Survival Horror angespielt - am PC mit monströsen Systemvoraussetzung und mit Oculus Rift!
Tagsüber bin ich Jäger. Nachts Gejagter. Das erzählt mir einer der Produzenten von Dying Light, kurz bevor ich die Oculus Rift Brille aufsetzt. Das Development Kit 2 mag zwar rein optisch noch immer nicht makellose HD-Grafik bieten, ein Erlebnis ist die Brille aber jedes Mal. Ich tauche ab in die Ego-Perspektive, sitze hoch oben über der Stadt Harran auf einem Turm. Vor mir ein Kabel. Ein beherzter Sprung und schon rutsche ich daran herunter. An der Uhr am Handgelenk, die in solchen Freerunning-Momenten sichtbar wird, kann ich die Zeit ablesen – sie vergeht dynamisch.
Unten angekommen setze ich den Parkour-Lauf fort. Ich schaue mich mit Oculus Rift um, muss an die Kanten der Gebäude und Wände schauen, die ich erklimmen will. Den Rest erledigt das Spiel in bewundernswerter Flüssigkeit selbst. Kleine Mauern überspringe ich einfach, große Abgründe muss ich entlangklettern. Aus der Ego-Perspektive im Datenhelm ist das ziemlich beeindruckend. Und so renne ich eigentlich nur rum, von einem Dach zum nächsten. Ein paar Zombies stehen da, verirrt, verhungert, ausgemergelt. Sie sind gefangen auf Balkonen, Dachterrassen und Nischen, die eigentlichen Infizierten lungern zu Dutzenden auf der Straße rum. Ich bleibe oben, genieße die Aussicht, die Ruhe, die Freiheit…
Quelle: Techland
Dying Light in der Vorschau (3)
Bis plötzlich die Nacht hereinbricht. "Nachts wirst du zum Gejagten", fällt mir ein… Und so schnell kann ich gar nicht schauen. Weil ich laut umherrenne, wird sofort ein flinker Jäger auf mich aufmerksam. Er kommt nur nachts heraus und kann rennen, klettern, springen. Das beengte Sichtfeld von Oculus Rift macht mich fertig. Ich höre, dass da jemand kommt. Ich renne. Aber ich sehe nicht, wo er sein soll! "Die Infizierten fürchten sich vor UV-Licht. Such das UV-Licht!", ruft mir der Producer zu. Aber mein Puls ist schon jenseits der 180. Ich renne auf einen bläulich schimmernden Kirchturm zu, klettere, springe an der Fassade herum. Und kurz bevor ich die Safe Zone erreiche, reißt die Kamera herum. Wow, Brainfuck. Eigentlich, denkt mein Gehirn, müsste jetzt auch dein Kopf mitgerissen werden. Also gucke ich instinktiv mit nach links. Und da springt gerade der elende Super-Zombie in meine Richtung. Ah, Schrei! Schock! Und ich bin tot.
Harran bei Tag, Harran bei Nacht
Quelle: Techland
Dying Light in der Vorschau (6)
Dying Light mit Oculus Rift ist eine wahnsinnige Erfahrung. Die völlige Abgeschiedenheit von der Realität passt perfekt zu dem gruseligen Survival-Setting des Spiels. Doch auch ohne Datenbrille kann es sich sehen lassen: Die nahöstlich anmutende Großstadt Harran wird zur Quarantänezone erklärt, nachdem ein Virus ausbricht, der infizierte Menschen zu Zombies verwandelt. Der Hauptcharakter Kyle Crane wird von einer Regierung, die der amerikanischen sehr ähnelt, ins Krisengebiet geschickt. Undercover soll er Informationen beschaffen. Die Bewohner haben sich zwischenzeitlich aufgesplittet: Die wenigen Überlebenden teilen sich in Banditen und mehrere Gruppen auf, die untereinander um Hilfslieferungen kämpfen.
Bei Tag versuchen sie, der Katastrophe Herr zu werden. Die dominierende Gruppe hat im Zentrum der Stadt einen Wohnturm erobert und betreibt ihn als eine Basis. Hier gibt es Strom, Sicherheit und einen Aufzug – Luxus in Zeiten des Weltuntergangs. Doch der Komfort kostet: Der Spitzel Kyle muss für seinen Zugang zu den wichtigen Leuten Arbeiten übernehmen und als Kurier Material beschaffen. Gerade zu Beginn der Kampagne, die mehr als 50 Stunden dauern soll, beschäftigen sich Spieler deshalb mit selbstgebauten und improvisierten Waffen. Messer und Keulen gehören zum Arsenal, Feuerwaffen eher weniger. "Wenn heute so ein Virus bei euch ausbrechen würde. Welche Waffen hättet ihr zur Auswahl? Auch nur Improvisiertes oder höchstens Pistolen aus dem Schützenverein", versucht mir der Produzent zu erklären. Raketenwerfer und MGs soll es daher nicht geben, die First-Person-Action setzt eh auf viel blutigere und schmutzige Nahkämpfe.
Die sind in der Tat nicht ohne. Im Nahkampf hacke ich Infizierten Gliedmaßen ab, einem zerbirst der Schädel, als ich zum finalen Schlag aushole. Blut spritzt literweise umher. Die USK zeigt sich davon mutmaßlich nicht sehr begeistert. Gerüchten zufolge hat sie die erste Einreichung abgelehnt. Nun muss vermutlich eine geschnittene Fassung her, sonst sieht es mit dem USK-Siegel zappenduster aus.
Quelle: Techland
Dying Light in der Vorschau (7)
Nachts verändert sich die Lage. Die Umgebung wird schummriger, gruseliger. Während Spieler am Tag den meist lethargischen Zombies im Vorteil sind, blühen die nachts richtig auf. Die richtig fiesen Killer, nämlich Mutanten und richtig flinke, rennende Zombies, kriechen aus ihren Löchern, sobald die Sonne untergeht. Spätestens dann hat man sich im besten Fall eine Safe Zone gebaut. Die sind in der ganzen Stadt verteilt, müssen aber am Tag zuerst von Zombies befreit und ans Stromnetz angeschlossen werden.
Die Idee dahinter: Für viele Aufträge muss Kyle die Sicherheit der Safe Zone nachts verlassen. Etwa um Proben von mutierten Zombies zu sammeln, die tagsüber nicht auftauchen. Doch durch die ganze Stadt zu rennen, stellt keine praktikable Lösung dar. Stattdessen baut Kyle über mehrere Tage ein Netz von gesicherten Häusern auf. So muss er nachts nur noch kurze Strecken in der "Wildnis" zurücklegen und kann sich im Zweifelsfall auch einfach aufs Ohr hauen, um den nächsten Tag abzuwarten.
Taktisches Gameplay, viel Parkour
Quelle: Techland / Warner Bros.
Dying Light in der Vorschau (9)
Beim Gameplay zeigt sich Dying Light sehr konservativ. Das Movement besticht vor allem durch die flüssigen Parkour-Einlagen. Am Boden ist Kyle in der Unterzahl, deshalb sollte er möglichst oft klettern und immer in Bewegung bleiben. Um von vornherein nicht angegriffen zu werden, kann er sich verschiedener Ablenkungsmanöver bedienen. Feuerwerke ziehen zum Beispiel eine ganze Horde von Infizierten an und lenken sie ab. Schleicht man sich an ihnen vorbei, ohne entdeckt zu werden, belohnt das Spiel das sofort mit einem kleinen Erfahrungspunkteschub. Wenn Kyle hingegen in den Nahkampf geht, levelt er seine Kampferfahrung auf. Am oberen Bildschirmrand verdeutlicht eine HP Leiste, die sich nach links und rechts unterschiedlich ausbreitet, für welchen Weg sich Spieler entschieden haben.
Daneben fußt Dying Light noch auf Erkundung. Das dritte Standbein des Gameplays ist tief in der Kampagne verwurzelt. Punkte dafür schaltet man daher einfach durch den Fortschritt in der Geschichte frei. Außerdem warten in Harran viele dutzend Zivilisten auf Rettung. Spieler können sich entscheiden, ob sie ihnen helfen wollen oder nicht. Die meisten dieser Events sind kurzfristig und einzigartig. Rettet man einen panischen Überlebenden vor den Zombies? Oder lässt man ihn sterben. Am Ende der Geschichte kann sich das Geflecht von Beziehungen, die man so knüpft oder eben verpasst, auf die Handlung auswirken – wie, das wollen uns die Entwickler aber nicht verraten.
Gefallen hat uns in der Vorschau-Version der dynamische Tag-Nachtwechsel und wie sich das Spiel in den beiden Modi unterscheidet. Wie in Minecraft gibt es tagsüber viele Arbeiten, die einen auf die Gefahren der Nacht vorbereiten. Die gefährlichsten Missionen finden dann im Dunkeln statt – gruselig! Vor allem wegen der dumpfen Schreie in den düsteren Seitengassen wirkt harran in diesen Stunden gespenstisch. Wer aber zu dem Zeitpunkt keine Mission hat, kann die Nacht einfach überspringen, indem er sich im Safe House schlafen legt.
Koop für bis zu fünf Spieler
Quelle: Techland
Dying Light in der Vorschau (10)
Spannend ist Dying Light allemal. Spannender wird der Titel aber natürlich im Koop. Mit bis zu vier Spielern kann man die Kampagne spielen – denn was gibt es besseres, als sich im Fall einer Zombie Apokalypse gegenseitig den Rücken freizuhalten? Ein fünfter Spieler kommt im asymmetrischen "Be the Zombie"-Modus hinzu. Er steuert in darin den "Night Hunter", einen besonders gefährlichen Zombie, der sogar einen eigenen Skilltree hat. Der Modus erinnert an Evolve: Vier gegen einen, der ist dafür besonders schnell, besonders stark. Ausprobieren konnten wir "Be the Zombie" leider noch nicht. Am PC bleibt der Modus bislang Vorbestellern vorbehalten.
Atemberaubende Technik
Grafisch ist Dying Light besonders wegen seiner detaillierten Spielwelt und den exzessiv eingesetzten Lichteffekten atemberaubend. Die Optik hat aber ihren Preis. Am PC verschlingt Dying Light 16 GB Arbeitsspeicher und benötigt am besten mindestens eine GeForce 780. Ein bisschen mehr Grafikspeicher tut dem Spiel aber auch ganz gut, es kann also ruhig ein SLI-Verbund sein. Diese Voraussetzung erfüllen aber vermutlich nur die wenigsten PC-Spieler – die aktuelle Konsolengeneration bleibt weit zurück. Wie das Survival-Game darauf aussieht, ist uns bislang noch ein Rätsel. Theoretisch müsste Entwickler Techland Sichtweite und Detailstufe weit zurückdrehen, um irgendwie in die Nähe der Konsolen-Specs zu kommen.
