The Imitation Game: The Imitation Game in der Filmkritik: Cumberbatch auf Hochtouren

Special Sandro Odak
Der Mann, der den Computer erfand: Benedict Cumberbatch in einem emotionalen Biopic.
Quelle: SquareOne Entertainment

Diese Rollen liegen Benedict Cumberbatch einfach: Schrullige, unsoziale und dennoch geniale Männer beherrscht der Brite wie im Schlaf. In seinem neuesten Film verkörpert der Sherlock-Holmes-Darsteller Alan Turing, den Pionier der Kryptologie und Erfinder des Computers.

Benedict Cumberbatch dreht auf: Am 22. Januar 2015 kommt The Imitation Game in Deutschland ins Kino. Vergangenen Oktober startete der Film in Amerika und im Rest Europas und sahnte schon allerhand Preise und Nominierungen ab. Zurecht: Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch spielt sich zusammen mit seiner Film-Alibiverlobten Keira Knightley um den Verstand.

Turing legt sich mit der Armeeführung an: Historisch nicht ganz korrekt, aber spannend! Quelle: SquareOne Entertainment Turing legt sich mit der Armeeführung an: Historisch nicht ganz korrekt, aber spannend! Hundertprozentig den realen Fakten entspricht der Film von Morten Tyldum nicht. Er hangelt sich eher an Vorgaben entlang und erzählt dicht und atmosphärisch aufbereitet die Geschichte eines stummen Helden etwas freimütig weiter. Alan Turing kommt während des Zweiten Weltkriegs in die angebliche Radiofabrik Bletchley Park, um als junger Mathematiker und Kryptologe die deutsche Verschlüsselungsmaschine Enigma zu knacken. Schrullig und abweisend ist er, mit einem Hang zum Asperger-Syndrom. Witze versteht er nicht, eine persönliche Ebene von Gesprächen auch nicht. Die Kryptologie umschreibt er nicht als Geheimsprache, sondern als öffentliche Sprache, die nur etwas anderes bedeutet. "So wie bei den Menschen. Sie sagen auch nie das, was sie meinen."

Die Handlung ist eine erstaunlich emotionale Achterbahnfahrt durch die Irrungen und Wirrungen der Armeehierarchie, an der Turing aber nicht im Geringsten interessiert ist. Er will Probleme lösen und ist mehr darüber verbittert, dass Genies wie Albert Einstein in seinem Alter schon weitaus bedeutendere Arbeit geleistet haben, als dass ein Krieg in Europa und der Welt tobt. Ob dieses abweisende, abwesende Bild von ihm historisch korrekt ist, zweifeln Historiker vielleicht an – dass seine Erfindung aber nicht nur positiv war, das umschreibt der Film sehr gut. Turing lässt sich von Geheimdienst-Chef Stewart Menzies (Mark Strong) ausnutzen.

Am Ende muss alles weg: Die Codeknacker vernichten alle Beweise. Quelle: SquareOne Entertainment Am Ende muss alles weg: Die Codeknacker vernichten alle Beweise. Historisch umstritten ist auch das Team rund um Turing. Er soll nicht als einziger den Funkcode der Deutschen entschlüsseln, ihm zur Seite stehen andere Mathematiker und Linguisten. Im Zentrum dieses Teams steht zum einen die anfängliche Feindseligkeit zwischen Anführer Hugh Alexander (Mathew Goode) und Turing, die später zu einer Freundschaft heranwächst. Zum anderen aber dreht sie sich um Turings großes Geheimnis: Zu einer Zeit, in der Homosexualität unter Strafe steht, lebt er seine sexuelle Orientierung im Geheimen aus. Der sowjetische Spion John Cairncross (Allen Leech) bekommt Wind davon und erpresst den Codeknacker. Eine schwierige Situation: Turing wäre dadurch nicht nur Held, sondern auch Landesverräter.

Virtuos wird der Film in drei verschiedenen Zeitperioden erzählt. In Rückblenden zu Turings Schulzeit lernt der Zuschauer etwas über seine Motive und auch, weshalb der Mathematiker so versessen darauf ist, einen "digitalen Computer" zu bauen. Die eigentliche Handlung spielt jedoch zehn Jahre nach dem Krieg, in den 1950er Jahren. Turing wird von seinem Geliebten ausgeraubt, gerät deshalb ins Visier der Ermittler. Im Verhör erzählt er Detective Nock (Rory Kinnear) von seiner Arbeit im Krieg – und warum seitdem niemand von ihm gehört hat. Die Frage ist – glaubt man es ihm?

Joan Clarke (Keira Knightley) und Alan Turing (Benedict Cumberbatch) verlobt - eine Beziehung, die nicht lange währt. Quelle: SquareOne Entertainment Joan Clarke (Keira Knightley) und Alan Turing (Benedict Cumberbatch) verlobt - eine Beziehung, die nicht lange währt. Darum geht es eigentlich beim namensgebenden Imitation Game. Es war eine logische Methodik Turings, um herauszufinden, ob man mit einem Menschen oder einem Computer spricht. Darauf geht der Film am Ende überhaupt nicht ein. Den Schatten auf das tragische Ende wirft die Historie weit voraus: Alan Turing wurde wegen seiner Homosexualität zu chemischer Kastration verurteilt, litt durch die Medikamente an Depressionen und tötete sich schließlich selbst. Seine Heldentaten im zweiten Weltkrieg wurden erst in den 70er Jahren publik, eine posthume Begnadigung und Aufnahme in den Orden des Britischen Empires winkte gar erst 2013. Reichlich spät für jemanden, dessen Erfindung 14 Millionen Menschen das Leben gerettet haben soll…

Den inneren Konflikt mit sich und der Welt deutet Regisseur Tyldum zwar an, so recht ernstnehmen kann man den Handlungsstrang aber nicht. Stattdessen konzentriert sich der Filmemacher auf das soziale Miteinander des Codeknacker-Teams. Ein typisches Biopic eben. Benedict Cumberbatch holt dennoch alles aus seiner Rolle raus. Als alter Theater-Haudegen, der er ist, passt er perfekt zu Alan Turing. Und ein bisschen kommt in ihm der verschrobene Sherlock durch, aber auf eine ganz amüsante Art. Keira Knightley als einzige weibliche Codeknackerin weiß auch zu überzeugen. Der Rest des Casts bleibt aber seltsam ruhig.

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