Saints Row 4: Re-Elected: Saints Row 4: Gat out of Hell im Test: Kurzes Intermezzo in der Hölle
Test
Saints Row 4 kommt zusammen mit einem Standalone-Addon auf Playstation 4 und Xbox One. Was die Erweiterung aus der Hölle kann und wie sich der Alt-Shooter auf den neuen Konsolen schlägt, haben wir getestet.
Saints Row 4 war ein spaßiges, nicht ganz ernst zu nehmendes Open-World Bonbon, das Farbe brachte in den grauen, tristen Alltag von Latsch- und Fahrmissionen. Nachdem sich der ehemalige Konkurrent GTA auf den Genrethron der realistischen Open-World-Titel gesetzt hat, drehte Saints Row am Spaßrad und zog sich und die Spielidee grob ins Lächerliche. Heraus kam ein unfassbar spaßiges, aber zum Teil zu albernes Actionspiel. Im Januar erschien es nun auch für Playstation 4 und Xbox One – leicht aufgehübscht, aber lange nicht einer "Next-Gen-Konsole" würdig. Die Figuren sind noch immer sehr grob und detailarm, die Umgebung trist und die Steuerung leicht angestaubt.
Wer Saints Row für Konsole kauft, bekommt die neue Standalone-Erweiterung "Gat out of Hell" dazu. Als Paket kostet sie 50€, als Einzelversion auf PC und den Last-Gen-Konsolen gibt es das Abenteuer für 20€. Das Setting knüpft direkt an das Ende des Hauptspiels an: Die Erde ist zerstört, die Aliens besiegt und der Rest der Menschheit lebt in einem Raumschiff, angeführt vom Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der Spielcharakter, den ihr im Editor des Hauptspiels erstellt habt, wird automatisch übernommen. Doch direkt zu Beginn öffnet sich bei einem Partyspiel das Portal zur Hölle und saugt den Präsidenten ein. Zwei Berater, der namensgebende Johnny Gat und Kinzie Kensington, springen hinterher, um den Präsidenten zu befreien.
Auf einen Charaktereditor verzichtet Gat out of Hell. Spieler können jedoch wählen, ob sie als mit der männlichen oder weiblichen Figur agieren. Netter Nebeneffekt: Gat out of Hell lässt sich zu zweit im Koop durchspielen. Diese Wahloption ist nett, in den Zwischensequenzen spielt jedoch nur Johnny eine Rolle. Ein Geschlechter-Problem weist auch die deutsche Übersetzung auf. Im Original spricht der Teufel immer nur von einem geschlechtsneutralen "the president", weil jeder Spieler die Wahl hatte, ihn oder sie anzupassen. In der deutschen Übersetzung wird der Präsident männlich – auch wenn zu Beginn eine Präsidentin zur Hölle fährt.
Eine Ansammlung von Minispielen
Quelle: Deep Silver
Zwischen den Charakteren Johnny Gat und Kinzie Kensington kann man wechseln - Charakteranpassungen gibt es aber nicht mehr.
Mehr als ein Story-Grundgerüst bietet Saints Row: Gat out of Hell nicht an. Missionen mit spannendem Verlauf und großartigen Zwischensequenzen fallen im Addon leider aus. Stattdessen gibt es eine Handvoll Nebencharaktere, die "Aufgaben" stellen. Wenn man Blackbeard, Vlad oder Shakespear als NPCs befreit, kann man auf ihre Unterstützung im Kampf gegen den Teufel hoffen. Um ihre Treue zu zementieren, erledigt man aber leider dieselben Minispiele wie im freien Spiel. Auf Dauer nervt das. Ein bisschen Handlung und Kohärenz hätte dem Actionspiel gut getan.
Die Minispiele kennt man in der Form auch schon aus dem Hauptspiel, sie wurden lediglich auf die neue Rahmenhandlung in der Hölle angepasst. In "Folterbetrug" muss man beispielsweise eine Höllenseele mit Absicht in den Verkehr laufen lassen. Je mehr der Arme durchgeschüttelt wird, desto mehr Jahre fallen von seinem Höllenfolter-Konto. Ein ähnliches Spiel gab es in Saints Row 4. Darin musste man sich wehtun, um die Versicherung zu betrügen. Neu sind taktische Minispiele, in denen man drei Punkte gleichzeitig einnehmen muss, um den Gegner zu besiegen. Außerdem gibt es sieben neue Waffen – die vom Coolness-Faktor aber niemals an solche Absurditäten wie eine Dubstep-Gun heranreichen.
Inhaltlich lässt einen Gat out of Hell, wenn man mal von den saukomischen Musical-Passagen mit Satan und seiner Tochter absieht, eher kalt. Die Handlung lebt von ihrer Absurdität, ohne selbst weitere Aspekte zu setzen. Interaktionen mit NPCs oder Gegnern bleiben auf einem Minimum. Dadurch fühlt sich Gat out of Hell leider von vorne bis hinten wie eine Aneinanderreihung von belanglosen Minispielen und Nebenmissionen an. Den Eindruck, ein richtiges Spiel zu steuern, hatten wir nie.
Kurze Spielzeit, coole Engelsflügel
Quelle: Deep Silver
Einsame Spitze: Allein durch diese Flügel macht Gat out of Hell ein bisschen Spaß.
Bei einem Spiel zum Budgetpreis von 20 Euro darf man natürlich keinen vollumfänglichen Riesentitel erwarten. Mit ungefähr drei bis vier Stunden ist Gat out of Hell aber besonders kurz. So lang braucht man, um Chaos in der Stadt zu verursachen. Das bringt Satan zur Weißglut, was schlussendlich das Ende der "Kampagne" triggert. Ob man bis dahin die tristen Missionen gemacht hat oder einfach ein Minispiel ans andere gehängt, macht keinen Unterschied. Hat man die letzte Mission hinter sich, kann man weiter durch die Stadt rasen und Sammelaufträge zu Ende bringen. Für ein Umfangsmonster spricht das nicht.
Dafür hat uns jedoch eine neue Superkraft in ihren Bann gezogen: Gleich zu Beginn des Spiels bekommen Johnny und Kinzie Engelsflügel, mit denen sie durch die Stadt fliegen können. Sie müssen mit der Zeit aufgelevelt werden. Anfangs kann man nur einmal mit den Flügeln schlagen und verliert schnell an Ausdauer. Auf der höchsten Stufe sind es dann fünf Flügelschläge und fast unendlich Ausdauer – man bleibt endlos lang in der Luft. Obwohl die Stadt relativ trist ist und auch nicht besonders schön… Durch die Häuserreihen zu schwirren, immer auf der Suche nach neuen Freischaltkugeln, ist ein riesiger Spaß!
Technisches
Quelle: Deep Silver
Sieben neue Waffen, um Satan zu besiegen.
Grafisch will in Gat out of Hell und Saints Row 4: Re-Elected kein rechtes New-Gen-Feeling aufkommen. Andere Open World Spiele haben in der Hinsicht ihre Marken bereits gesetzt. Sei es GTA 5, Assassin's Creed oder inFamous – sie alle spielen in einer komplett anderen Liga. Zur mauen Optik von Gat out of Hell gesellt sich die altbackene Steuerung. So recht wie ein Third-Person-Shooter fühlt sich der Superheldentitel nicht an. Normale Waffen werden aber eh schnell überflüssig. Nachdem man die ersten Level aufgestiegen ist, werden Superkräfte so stark, dass Gegner reihenweise umfallen wie die Fliegen. Das tat bereits dem Hauptspiel nicht gut, der Schwierigkeitsgrad sinkt ins Bodenlose.
Interessant ist die fast vollständige Abwesenheit von Spielsounds. Während das Hauptspiel mit einem weiten Spektrum von Hintergrundmusiken aufwartet, nicht zuletzt auch wegen der Dubstep-Knarre, fehlt es Gat out of Hell fast komplett an solchen Ambient-Klängen. Während man durch die Hölle schwebt, hört man ein bisschen Autohupen, ein paar Blitze und allenfalls mal einen kurzen Jingle, der etwas von Interesse in der Nähe ankündigt. Ansonsten bleibt Gat out of Hell still.
