Game of Thrones: Game of Thrones - Episode 2 im Test: Der Lückenfüller zwischendurch
Test
Furios ging die erste Episode von Game of Thrones: A Telltale Games Series zu Ende und hat zahlreiche Spieler und Fans von George R.R. Martin geschockt zurück gelassen. Umso mehr waren wir auf die Fortsetzung gespannt, die uns mit "The Lost Lords" ab heute präsentiert wird. Kann die zweite Episode dem fulminanten Auftakt das Wasser reichen?
Schockierend, aber mit erzählerisch unglaublichem Geschick vollendete Telltale Games die erste Episode und ließ Spieler mit zahlreichen Fragen und einer hart zu verdauenden Gräueltat zurück. Wir erinnern uns: Die Geschichtenschreiber bei Telltale kümmern sich um das eher weniger bekannte Hause Forrester, treue Gefolgsleute der Starks. Der ehrwürdige Lord und sein hoher Sohn sterben im Kampf gegen die Übermacht der Verräter während der Tumulte rund um die legendäre Rote Hochzeit. Nur des Lords Knappe Gared Tuttle kehrt in die Lordschaft zurück. Zusammen mit ihm und einigen aus der Familie Forrester schnüren die Gesichtsschreiber ein grandioses Geflecht aus Intrigen, Hass und Verrat und kommen dem Vorbild der HBO-Serie bzw. dem ursprünglichen Werk der Bücher von George R.R. Martin geradezu unheimlich nahe.
Die zweite Episode erzählt die Geschichte um das Haus Forrester gekonnt weiter. Mira versucht weiterhin ihre Familie durch die Verbindung mit Joffrys Anvertrauten Margaery Tyrell bzw. Tyrion Lennister zu retten, aus sicherer Entfernung zum Muttersitz von Königsmund aus. In der Heimat versuchen Lord Forrester und seine Gefolgsleute den Erzfeind Bolton die Stirn zu bieten, doch das Schicksal meint es nach wie vor nicht gut mit dem Hause. Zwei neue Charaktere treten in der Episode in den Vordergrund, darunter auch Asher Forrester, welcher fern von Westeros in den Sommerlanden sein Überleben fristet, bis ihn sein Onkel aufsucht und bittet nach Hause zu kommen. Nicht aber ohne Armee und damit ist er nicht der erste, welcher sich in diesen Gefilden auf die Suche nach Unterstützung im Kampf gegen die Unterdrücker von Westeros macht. Auch Gared Tuttle hat wieder seinen Auftritt und hat es in seinen ersten Tagen an der Mauer nicht leicht, als Hochgeborener unter Dieben und Mördern.
Die Ruhe vor dem Sturm?
Neue Charaktere in Episode 2.
Wie gewohnt lebt auch dieses Telltale Game hauptsächlich durch die grandios ausgearbeiteten Dialoge, die teils mit Schalk und Wortwitz, oft aber auch mit spitzfindigen Anmerkungen jeden Game of Thrones Fan begeistern können. Der englischen Sprache sollte man aber mächtig sein, denn weder die Synchronsprecher, noch die ggf. eingeblendeten Untertitel stehen derzeit in Deutsch zur Verfügung. Die wohlbekannten Entscheidungen innerhalb von wenigen Sekunden lassen euch aber auch gar keine Zeit, das Gesagte mühselig zu übersetzen. Wie gewohnt sind schnelle Entscheidungen gefragt. Während die erste Episode "Iron from Ice" den Spieler aber immer wieder in eine unbehagliche Zwickmühle manövrierte, hatten wir in The Lost Lords ehrlich gesagt nur ein einziges Mal eine äußerst schwere Entscheidung zu fällen, bei der wir uns tatsächlich über die Konsequenzen für die weiteren Episoden Gedanken gemacht haben.
Ein paar Höhepunkte hat die Episode natürlich schon.
Das ist sehr schade, denn gerade die Gewissensbisse sorgen immer wieder dafür, dass man derartige filmische Episodenspiele gerne in Angriff nimmt. Was wäre wenn? Die Frage, die sich jeder sicherlich auch nach dem Ende der ersten Episode gestellt hatte und überlegte, ob man das grauenhafte Schicksal hätte abwenden können. Ganz ehrlich gesagt, nein, denn der rote Faden der Geschichtsschreiber muss auch bei einem Spiel von Telltale Games gewahrt werden. Doch das Gefühl mit seinen Entscheidungen das Schicksal der Charaktere beeinflussen zu können, war stets bis zu einem gewissen Grad gegeben. The Lost Lords verpasst die Chance, dem gleich zu tun. Grundsätzlich wirkt die zweite Episode eher wie ein Lückenfüller, der die Geschichte der Forresters zwar vorantreibt und mit Asher und einem weiteren Charakter die Machtkämpfe weiter spinnt, aber letztendlich nur kaum wirklich Akzente setzen kann.
Nach dem Finale fehlt einfach das Gefühl, unbedingt nun Episode 3 sehen zu wollen. Die letzten Momente sind durchaus schön inszeniert und – so viel sei verraten – mit einem wundervollen Gesang atmosphärisch untermauert und ausgeklungen. Trotz leicht feuchter Augen ist es aber kein derartiger Cliffhanger bzw. Schock, wie wir es noch in Episode 1 erleben durften. Ist dies die so genannte Ruhe vor dem Sturm? Möchte Telltale Games die besseren Momente noch für spätere Episoden aufbewahren? Wir können es ehrlich gesagt nur hoffen.
Interaktives Ölgemälde
Alte Bekannte: Jon Snow auf der Mauer.
Dass auch Game of Thrones: A Telltale Games Series kein wirkliches Spiel darstellt, dürfte wohl jedem bekannt sein. Es ist eher ein interaktiver Film und wer mit Game of Thrones bzw. den Telltale Spielen wie Walking Dead oder Wolf Among Us nichts anfangen konnte, wird mit Sicherheit auch keinen Gefallen an diesem Spiel finden. The Lost Lords fängt prinzipiell recht ähnlich wie die Vorgängerepisode an: Zu Beginn gibt es eine kleine Keilerei, in der schnelle Reaktionen auf den Tasten des Gamepads gefragt sind, viel mehr Action gibt es aber nicht. Dazu ab und an kurze Quick-Time-Intermezzi, ansonsten aber viel Dialoge und so manche Entscheidung. Auch wenn der Storyverlauf etwas fad wirkt, ist das Machtspiel um den Thron dennoch ganz gut inszeniert und kann den Büchern von George R.R. Martin durchaus das Wasser reichen. Auch der beständige Wechsel zwischen mehreren Hauptcharakteren, die mittlerweile weit verstreut in Westeros oder gar darüber hinaus agieren, kommt der Inszenierung zu Gute.
Technisch bleibt die zweite Episode seinem ursprünglichen Stil treu. Die Hintergründe wirken oft wie in Öl gegossen und versprühen einen eigenartigen, aber einzigartigen Charme. Während einige Nebendarsteller nach wie vor auf die Kunstschule gehen sollten, um ein wenig das Schauspiel und Gesichtsmimik zu studieren, begeistern auf der anderen Seite wiederum die virtuellen Ebenbilder bekannter Stars. Kit Harington alias Jon Snow ist das Paradebeispiel. Sein Ebenbild wirkt glaubhaft und wurde grandios animiert. Auch seine Mimik gefällt und passt zur jeweiligen Situation. Die Charaktermodelle sind auf jeden Fall wieder sehr gut getroffen, nur dass in Episode zwei deutlich weniger Bekannte ihr Stelldichein geben. Und nein, auf die Mutter der Drachen darf man sich leider nicht freuen, doch wer weiß, es wird ja noch einige Episoden geben und mit Asher haben wir einen Forrester, der in den Sommerlanden unterwegs ist. Ärgerlich, vor allem für die Xbox One Fassung, sind die häufigen Einbrüche in der Framerate, die mitunter sogar Einblendungen von Tasteneingaben verschlucken und somit sogar Quick-Time-Events versauen. Auch die Dialoge und Sounds haben gelegentlich Probleme und werden zum Beispiel kurzzeitig doppelt abgespielt. Langsam aber sicher sollte Telltale Games derartige Dinge doch mal in den Griff bekommen – denn wirklich aufwendig sind diese Episodenspiele nicht gestaltet.
